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Nummer 10 Bükl, Gamslag. den
Inhalt: Form und Inhalt. — Da« Gutachten de« Reichsspar- kommiffar«. — Die Heidenmission in der religiösen Erziehung. — Rundschau. — Mitteilungen. — Bereinskalrnder.
Zorm und Inkatt.
Bei der Betrachtung aller Lebensgebiete ist es üblich, Form und Inhalt als die beiden Komponenten einer Leistung zu scheiden und zu beurteilen. Das ganze geistige Leben ist bestimmt durch den Dualismus dieses Innen und Außen, während die bildende Kunst vielfach unter dem Verhängnis einer ungeklärten Anschauung gelitten hat.
Um dies recht zu verstehen, müssen wir uns an den Gegensatz zwischen der Kunst als Sprache der Seele einerseits und dem Reich des Verstandes andererseits erinnern. Im Reiche des Verstandes kommt es überall in erster Linie auf den Inhalt und nur ganz nebenher oder gar nicht auf die Form an. Bei einem Vortrag über ein wissenschaftliches Thema schätzen wir natürlich denjenigen höher, der uns Wesentliches zu sagen hat, als denjenigen, der einen dürftigen Inhalt in einer reichen, anspruchsvollen Form vorträgt. An der Beschreibung irgend eines volkswirtschaftlichen Themas, etwa des Vorganges der Inflation, interessiert uns lediglich das, was wir aus dieser Beschreibung Neues und Wichtiges über den Gegenstand erfahren: nur ganz nebenher ist es auch von einer gewissen Bedeutung, wie der Gegenstand schriftstellerisch behandelt ist. „Kant ist deswegen kein schlechterer Philosoph gewesen, weil er ein abominables Deutsch geschrieben bat", sagt ein bekannter Kunstkritiker. Also das „Was" ist im Reiche des Verstandes das ausschließlich Entscheidende.
Genau das Gegenteil — und wir dürfen das als gewisse Selbstverständlichkeit bei den meisten gebildeten Menschen vor- aussctzen — gilt auf dem Gebiete der Kunst. Der „Inhalt" ist in der Kunst das Aeußerlich e , die „Form" aber das Tiefinnerliche, worin sich die Seele des Künstlers ausspricht. Das Verstehen und Erfassen dieser Begriffe wird dadurch erschwert, weil „Fora," immer den falschen Nebenklang von etwas Aeußerlichem, im Gegensatz zum „Inhalt" als dem Wahren, Innerlichen an sich hat. Soweit die Menschen es bisher ernstlich unternommen haben, über das wahre Wesen des Künstlerischen nachzudenken, begegnen wir immer der Definition: Kunst sei Form und zwar sehen wir das Wort „Form" stets im Gegensatz zum „Jnba't" gesetzt. Diese Definition, die zweifellos richtig ist, besagt: In der Kunst kommt es nicht auf den Inhalt, sondern auf die Form au: in der Kunst ist der Inhalt nichts, die Form alles. In der „ästhetischen Bildung des Menschen" im 22. Brief sagt Schiller: „In einem wahrhaft schönen Kunstwerk
11. MLrz IS)). 28. Iakrgang.
soll der Inhalt nichts, die Form alles tun . . .: darin besteht das eigentliche Kunstgeheimnis des Meisters, datz er den Stoff durch die Form vertilgt." Feuerbach sagt dazu: „Nie aber ist das Richtige bas, was einer macht, sondern w i e er es macht: das beherziget wohl!" In treffender Weise bat sich Liebermann dazu geäußert: „Ein Bund Spargel, ein Rosenbukett genügt für ein Meisterwerk, ein häßliches oder ein hübsches Mädchen, ein Apfel oder ein mißgestalteter Zwerg: aus allem läßt sich ein Meisterwerk machen. Der Satz, daß die gutgemalte Rübe besser sei als die schlechtgemalte Madonna, gehört bereits zum eisernen Bestand der modernen Aesthetik. Aber der Satz ist falsch, er müßte lauten: Tie gutgemalte Rübe ist ebenso gut wie die gutgemalte Madonna."
Daß der Gegenstand, der Stoff und somit der Inhalt nicht bas Wesentliche an einem Kunstwerk sein kann, lernen wir ja auch ohne weiteres an der Betrachtung der ganzen religiöse» Malerei des Mittelalters und der Renaissance. Hier sind es ja immer wieder die gleichen Stoffe, die behandelt werden: Mariä Verkündigung, Christus am Kreuz, Beweinung Christi, Madonna mit Heiligen, der heilige Sebastian usw. Es verlohnte sich gar nicht, all diese Bilder genauer zu betrachten, wenn das Wesen im Gegenständlichen läge, wenn es in erster Linie darauf ankäme, was diese Bilder darstellen. Das Wesentliche liegt aber ausschließlich in dem „W i e" der Darstellung, also in der For m, und darum erweckt jedes dieser religiösen Bilder ein selbständiges Interesse für sich, lebt sein eigentliches Leben für sich, und die Kreuzigung des Jsenbeimer Altars ist von einer Krenzigungs- gruvpe des Rubens so wesensverschieden, wie es überhaupt nur zwei Dinge sein können.
Es erheben sich im allgemeinen gewisse Bedenken gegen solche Werke der Kunst, bei denen der Inhalt, der Stoff sich in so lau ter Weise vordrängt, de» Beschauer dermaßen gefangen nimmt, daß dieser gar nicht Zeit findet, über das Wesentliche des Kunstwerkes, über die Form, über das „Wie" uachzudcnken. Hierher gehört vor allem jene Schule der Historien- und Genremalerei des verflossenen 18. Jahrhunderts, wo lauter Haupt- und Staatsaktionen, berühmte Todesfälle, Enthauptungen oder sonstige historische Erc'gnisse mit einem großen Aufwand von (Gelehrsamkeit bargestellt wurden, wo man aber das Gefühl nicht los wirb, datz es dem Maler weit mehr auf die historische Treue der Kostüme oder sonstiger Nebendinge, als auf rein künstlerische Werte ankam. Oder jene sogenannten Genrebilder, auf denen Klosterszenen, goldene Hochzeiten oder allerhand andere kleine erfreuliche Ereignisse und Situationen dargestellt wurden, ans denen meistens soviel vorgeht, daß man über der Betrachtung dieser Vorgänge ganz den Sinn für bas künstlerisch Wertvolle