204 Berhandlungen der zweiten Kammer.

firt, überlaft, hinzugehen und zu unterzeichnen. Auf diefem Wege liegen feine Umtriebe, feine Zudringlicdhtei- ten. Niht in ihren Hàufern werden die Leute aufge- ſucht, nicht den Handwerksleuten die Petitionen zugeſchickt mit dem Bedeuten: ſie ſollen unterzeichnen, wenn ſie nicht ihre Arbeit verlieren wollen; auf dem yon den Berz anftaltern Diefer Petitionen eingefhlagenen Wege ift man ficher, feine geimpften Petitionen und nur die Unterfohrif- ten Derjenigen zu erhalten, welche fich in dem Grade für die Sache intereffiren, daf fie felbft auf dag Nath- haug gehen, um zu unterzeichnen. Allein, meine Herren! auh dag will unfere Regierung niht. Hören Sie, wie das Begleitungsſchreiben zu diefen Petitionen lautet: „Hohe zweite Kammer!

„Die Einwohnerſchaft der Stadt Mannheim folte „auf Beranlaffung mehrerer unferer Mitbürger auf- ngefordert werden, Theil zu nehmen an beifolgenden „Petitionen, welche im Laufe zweier Tage über 300 „Unterſchriften erhalten hatten. Allein bei der Aus—

„übung dieſes unſeres Petitionsrechts, wie ſo häufig „ſonſt, trat uns die Cenſur wieder feindlich entgegen. „Der großherzogl. Regierungsrath v. Uria-Sarachaga „ſtrich heute dem Mannheimer Journal und der Abend— nzeitung vom 30. L. M. nachfolgende Anfündigung:| nnPetition an die zweite Kammer der badifhen

„„Landſtände. „„Einladung. „„Ein Verband von Petitionen an die zweite Kam—

„„mer, welche theils unſere allgemeinen ſtaatlichen „„und bürgerlichen Verhältniſſe, theils die beſondern „„Intereſſen der Stadt Mannheim betreffen, iſt von

„„heute an zur Einſicht und Unterſchrift auf dem Rath-⸗

„„hauſe aufgelegt. Indem wir hiervon öffentliche An— „zeige machen, laden wir zugleich ſaͤmmtliche Bürger| „„und ſtaatsbürgerliche Einwohner unferer Stadt zur „nalgbaldigen Unterzeichnung ein.

nuWMannheim, 29. Januar 1846.

„„Mehrere Bürger.“⸗

„Durch dieſen neuen Gewaltſtreich der Cenfur, wel-

„cher um ſo unverantwortlicher iſt, als in dem Mor—⸗

Drei und zwanzigſte öffentliche Sitzung vom 3. Februar 1846.

„genblatte Bekanntmachungen aller Art zu Gunſten „von Petitionen einer entgegengeſetzten Richtung die „Cenſur paſſirten, wird es uns unmöglich gemacht, „unſern Mitbürgern auf öffentlichem Wege Kenntniß nyon der Exiſtenz dieſer Petitionen zu geben.

„Unter diefen Umftänden verzichten wir darauf, zu „Weiteren Unterzeichnungen Gelegenheit zu geben und nlegen daher der hohen zweiten Kammer mit den Pe- ntitionen die ganze Sahe zur geeigneten Behandlung „vor.

„Mannheim , 29. Januar 1846.

„Unterſchriften.“

Alſo Sie ſehen, meine Herren! während wir ſeit zwei Monaten uns über die kränkendſte Handhabung der Mann heimer Cenſur beklagen, während wir von Tag zu Tag hoffen, die Regierung werde endlich dieſem Treiben des Mannheimer Cenſors in ihrem eigenen Intereſſe ein Ende machen, laßt ſie ihn fortfahren; ja, ſie läßt ihn ſeine Thätigkeit noch ſteigern; denn er iſt nun auch darin fortgeſchritten, daß er ſelbſt ſtreicht, was die Karlsruher Cenſur paſſirt hat, daß er Ausdrücke aus der Landtags— zeitung verſtümmelt. Das, meine Herren, iſt's, was eine Regierung thut oder doch fortwährend geſtattet, die ſich mit der Miene der Sicherheit auf jenen Platz ſtellt

| und in dem Zone ftolzer Nefignation ung vorwirft, wir

flagten mit Unrecht; die ung Mäfigung in unferen Kla- gen empfiehlt und doch felbft folhe Cenfurwilfür be- Jn voriger Wohe wurde in Mannheim von der Polizeibehörde ein neuer Beitrag zur Charakteriſtik unſeres in ſeiner Mäßigung ſtolzen Re—

Sie wiſſen, Bücher über 20 Nun, ein Buch, welches über

harrlich nicht mäßigt.

gierungsſyſtems geliefert. Bogen ſind cenſurfrei.

20 Bogen ſtark werden ſollte, war bis zum dreizehnten

gediehen, alſo noch lange nicht fertig, noch gar nicht erſchienen, das Kind war noch nicht geboren; aber die Polizei ſchonte auch das Kind im Mutterleibe nicht, ſie nahm dieſe dreizehn Bogen weg, und wiſſen Sie warum? Weil dies Buch Aktenſtücke der Mannheimer Polizei ent— halten ſolle, und darin beſteht ja unſer weiſes Regie— rungsſyſtem, daß Der, gegen den man ſich beklagen