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441 Badifher Landtag.— 10. Sihung. Donnerstag, 3. April 1924. 4432

in Württemberg ). Nach dem Zentrumswahlhandbuch Von 1924, err Dr. Köhr find mir mit Haut und Haaren den Kommuniſten verſchrieben(Heiterkeit. Abg. Dr. gogr: heute fo, morgen fo!).

Die Wahlartikel des Zentrums von 1924 fuen den Beweis zu bringen, daß es kaum noch eir Schritt dazu war, daß ich die rote Fahne zu tragen hatte bei der Revolte in Ruſt oder das Seil gezogen an der großen Glocke, als Sturm geläutet wurde (mehrfache Zwiſchenrufe). Noch mehr iſt mir vorgeworfen worden, aber ich will die Dinge jetzt nicht vorleſen, ſondern will mich kurz faſſen. Auch dem Herrn Abg. Hagin wird vorgeworfen, daß er mit den Kommuniſten verhandelt Hätte, und dah beide Parteien bewatfnet waren big an die Bühne uſw.(Zwiſchenrufe von verſchiedenen Seiten). Ich kann er⸗ klären, daß wir weder zu der einen noch zu der anderen Par— ii irgendwele Beziehungen haben, dağ wir nur fonfequent tnd und dag wag wir den Rommuniften gegenüber getan und für ritig gefunden Haben, auch für die anderen tun.

Herr RoNege Dr. Shofer hat in einer jeher foharfen Weife fich darüber auszefproğen, dah es gu bedauern fei, und dak e3 eine Schmach des deutſchen Volkes fei, dağ fo viele Parteien heute entſtanden ſeien, daß der Geiſt derartig ſei, daß das gange deutſche Volk in Gefahr ſtehe auseinander ge— riffen zu werden. E3 feien 25 Parteien im Reiche(Zuruf: 28!) oder 28 Parteien angemeldet(Abg. Wittemann: gu den Reichstagswahlen) das ſpielt ja keine Role mer.

Es iſt zu bedauern daß dieſer Geiſt, der Geiſt der Verwir rung und der Geiſt der Unverſöhnlichkeit ſo ſehr in unſerem deutſchen Volke ſpuckt; aber das find doh tiefere Urſachen, wenn wir darüber nachdenken und ihnen nachgehen. Vor allem iſt es ja der verlorene Krieg, der hinter uns lieat(Buruf vom Zentrum: Dann ſollte man erſt recht einig ſein) und dann ein eerer Grund iſt es: Es fehlen unſerem deutſchen Volke die Sürer, die eg notwendig Hat, und die Reden, die Hier gehal⸗ ten worden ſind in dieſem Hohen Hauſe heute nachmittag von den politiſchen Parteien, die reigen einem wirklich nicht dagu an, dag man feinen Standpunkt verläßt und ſich wieder einer

ieſer politiſchen Parteien anſchließt(uruf des Abg. “aier- Qeidelberg). Wir haben, dag fann ið Ihnen ver- ndern, Gerr Kollege Maier, folange derartige Verhältniife — und derartige Kämpfe, wie wir ſie geſehen haben im Reichstag, und wie wir ſie heute ſahen, die Empfindung, daß fa den Glauben an daa Wollen und Können der politiſchen

arteien noch nicht gewinnen können(Abg. Maier-Hei—

elberg: Es gibt auh Wähler, die treten nur aug, č einer Anderen Partei bei, weil fie dort nit aufgeftelt worden find). SaS mag aud fein(Qeiterteit) aber bei ung trifft das jeden- falls nicht zu. Tas Volf braukt Führer, und diefe Führer fehlen uns Zwiſcheurufe). Ich ſpreche nicht vom Landbund, ſondern ich breche vom deutſchen Volk und der Geſinnung unſeres deut— ſchen Volkes(Abg. Maier-Heidelberg : Ludendorff iſt doch ein Führer).

Ich will nicht exemplifizieren auf Rußland , aber ſehen Sie enin an, was er geſchaffen hat. Das Volk iſt ihm gefolgt und s Dat es nfitgeriffen. Sehen Gie na Italien , betrachten Sie en Führer Muſſolini . Sehen Sie nach Frankreich und be- rachten Sie Poincaré !(Zuruf von den Sozialdemokraten: Be— — Sie Wilhelm L1.). Das Volf maht nit die Geihidte, ern die Führer maen die Gefhihte einega Rolfes und die “tanner miüffen kommen, die die Geſchichte des deutſchen Vol⸗ ee maden, und denen das Volk Vertrauen ſchenkt. Nuf dic Warten wir(Buruj des Nbg. Dr. Föhr). Das find auh Sie

niģġt Gerr Dr. JöHr!(Abg. Dr. Föhr : Aber vielleicht Herr Klaiber).

Herr Dr. Föhr hat von der Gerechtigkeit und von all den großen Errungenſchaften geſprochen, die die Regierung und insbeſondere die regierenden Parteien nach der Revolution | una gebraðt hätten. Herr Dr. Föhr, ich könnte Ihnen die andere Seite zeigen, wenn Sie von Gerechtigkeit ſprechen (Abg. Dr Föhr : Nennen Sie fte), YQ fann auh von Un- gereðtigteiten erzählen(Abg. Dr Föhr : Heraus damit!), die die Regierung und der Reichstag auf dem Gewijfen Hat(Mba. Dr. YöüHr: Heraus damit). Sie fönnen Gie Hören. Was hat bie Regierung und der Neihstag gefündigt an denjenigen, bic ihre Heimat verlaſſen mußten und feute bettelarm daftehen, unb die ihr Vermögen als KriegõentjHädigung den Frango- ier und ben Gegnern finterlaffen muğten” und Heute befom- men ſie nichts, qar nits dafür. Iſt das noch eine Gerechtig— keit?(zuruf des Abg. Dr Föhr ;— Glocke des Präſidenten). Das iſt ein Beiſpiel. Sorgen Sie in Ihrer Partei dafür, daß dieſe Ungerechtigkeiten aufhören(Abg Dr Fohr Warum ſorgen Sie nicht dafür?) das iſt nur ein Beiſpiel Herr Dr. Föhr Sorgen Sie dafür, daß wir Führer bekommen, daß vir Vertrauen bekommen zu den Führern, dann werden auch die Verhältniſſe in unſerem deutſchen Vaterlande wieder andere werden(Zuruf vom Zentrum: Habt Ihr uns keine an— zubieten) ob die Regierung, ob die Führer von dem Willen und dem Vertrauen unſeres Volkes getragen ſind, das wird der 4. Mai beweiſen.

Abg. D MahyerKarlsruhe(D. Nati):

Es iſt bei dieſer Ausſprache gegangen, wie es ſchon ve ſchiedenemale in dieſem Hauſe ſich begeben hat, daß die Au ſprache von dem eigentlichen Gegenſtand, der zur Verhand- lung ſteht, weit abgewichen ift, und infolgedeſſen ſich— wie wir wohl alle meinen— übermäßig ausgedehnt hat, zum anderen, dak die Ausſprache dazu benutzt worden iſt, um uns Deutſchnationalen eine politiſche Vorleſung zu halten, über das, was zweckmäßig ſei oder nicht; in dieſem Fall wie wir uns eigentlich verhalten ſollten gegenüber den Na— tionalſozialiſten und den verwandten Gruppen, die dort jte- pen:

Wir Deutfnationalen wijfen gang genau, woran wir mit | diefen Gruppen find, wir beflagen die vielen Verirrungen und Einſeitigkeiten, die wir dort gewahren. Wir beklagen noch mehr die verſchiedenen verkehrten Maßnahmen, zu de⸗ nen ſie je und je gegriffen haben, und wenn— ich glaube es war Herr Dr. Schofer, aber wohl auch Herr Dr. Föhr — wenn von diefer Geite ein befonderer Abſcheu geäußert worden war gegenüber den Ausbrüchen einer gewiffen Chri- ſtentumsfeindſchaft, die Einzelne unter jenen radikalen Ele— menten ſich haben zuſchulden kommen laſſen, ſo können Sie alle überzeugt ſein, daß wir dieſen Abſcheu vollommen tei— len, wie das mein Freund Schneider ſchon zum Ausdruck gebracht hat. Es iſt von jener Seite da drüben zwiſchenherein geworfen worden, e3 find alle Wotansanbeter. Wir Halten e8 für eine hervorragende Torheit, den Verfuh zu mağen, einen heidniſchen Kult aufzufriſchen. Im Grunde genommen, jeder ernſte Menſch weiß, daß das eigentlich lächerliche und kindiſche Dinge ſind. Wir bewundern aber an jenen Gruppen

t:

die Heike Glut der Vaterlandliebe und bedauern mur, daß in dem überhitzten politiſchen Keſſel, in dem wir alle leben, leicht dieſe heiße Glut zu einer Exploſion führen kann und eine Vergeudung von Kräften bedeutet, die beſſer anders an— gewendet werden ſollten. Aber ich darf erinnern, dak wit den Antrag Dr. Gane mann eingebrağt Haben, rein um