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3043 Badifcher Landtag.— 64. bis niht gu DemonftrationgverfammIungen aufgefordert; eg lag mir fern! NAMlein die politifHe Lage lieh dag leider Gottes nicht durchführen. Wenn es geſchehen iſt, ſo geſchah es, um wieder Ruhe und Ordnung herbeizuführen. Ich möchte die Bitte an alle Seiten dieſes Hauſes richten, doch überall dahin zu wirken, daß die Maßloſigkeiten aufhören, und dağ- wir üter alle trennenden Gegenſätze hinweg den Blick auf die Gtaatõnotwendigfeiten richten, mie fte tH aus der Gegenwart ergeben, auf die Rettung bon Ordnung, Net und Geretig- keit, den Fundamenten eines gedeihlichen Staatsweſens(Leb— hafter Beifall beim Zentrum und links).

Während obiger Ausführungen hat Präſident Dr. Koöpf den Vorſitz wieder übernommen. Abg. Martzloff GSoz.): Ich möchte nur einige urge Bemerfungen machen, weshalb

ich meine UnterfỌrift unter den Antrag gefegt Habe, der von einer Anregung deg Herren Nbg. Dr. SHofer ausging,

Er hat bereits ſchon, ſo wie guch der Gert Kollege De Glockner, in einigen Ausführungen auf die außerordent— liche Gefahr hingewieſen, in der ſich das deutſche Volk be— findet. Die Enthüllungen, die vorhin vom Herrn Staats— präſidenten über die Aufdeckung der geheimen Organi— ſationen in Bayern gegeben wurden, haben blitzartig die politiſche Situation beleuchtet. Geradezu wie Kolbenſchläge haben die Ausführungen meiner Anſicht nach gewirkt und haben gezeigt, weich eine abgrundtiefe, politiſche Verwilde— rung der Begriffe über Anſtand, Geſittung und Moral in ge- wiſſe Kreiſe unſeres deutſchen Volkes eingeriſſen iſt, in Kreiſe, die ſo gern das Wort„national“ im Munde führen und die, wie mit Recht im Laufe der Diskuſſion ſchon geſagt wurde, glauben, die Nationalität in Erbpbacht genommen zu baben.

Wir ſprechen der Regierung und ihren Organen vollſte An— erkennung und Dank dafür aus, daß es gelungen iſt, in Ver— folgung Der Spur der Mörder die Fäden aujgudeden, Me zu dieſen hochverräteriſchen, verbrecheriſchen Organiſationen hin— führten, bis jetzt war es in der neuen Geſchichte unſeres deut— ſchen Volkes noch nicht möglich, derartige Feſtſtellungen im politiſchen Kampfe zu machen. Selbſt wenn man gang nad links herüberſchaute, ſind derartige Feſtſtellungen noch nicht gemacht worden. Es zeigt ſich aber hier, daß gewiſſe Kreiſe ſich unter keinen Umſtänden mit den heute gegebenen geſetz— lichen Verhältniſſen ausſöhnen wollen, ſondern unter allen Umſtänden die alten Zuſtände, den alten Staat und die alte „Herrlichkeit “— in Gänſefüßchen — wie ſie früher war, wieder hergeſtellt wiſſen möchten, Kreiſe, denen vielleicht, um mit andexen Worten zu reden, die Felle davongeſchwommen ſind, die glauben, daß nur ſo, wie es früher war, es mög— lich wäre, unſer Volk zum Glück und zum Wohlſtand führen zu können. Wir ſind der Auffaſſung, daß das Illuſionen ſind, die in den tatſächlichen Verhältniſſen keine Begründung fin— den. Nachdem infolge des militäriſchen und wirtſchaftlichen Zuſammenbruchs Deutſchlands durch die Weimarer Verfaſſung eine Neuordnung geſchaffen wurde, und nachdem weite Kreiſe der ſozialiſtiſchen Arbeiterſchaft und auch des Bürgertums im Intereſſe des Wiederaufbaues unſerer Wirtſchaft, unſerer politiſchen, ſozialen und kulturellen Verhältniſſe zuſammen— geſtanden ſind, um an Stelle des alten, neues, beſſeres zu ſchaffen, ſo muß es, glaube ich, unſer aller Aufgabe ſein, dafür einzuſtehen, dafür zu kämpfen, daß die Grundlagen, die man ſich in der Weimarer Verfaſſung geſchaffen, erhalten bleiben. Wir ſind der Üüberzeugung, daß es nur auf dieſen Grundlagen möglich iſt, das deutſche Volk aus der Erniedrigung und auch aus dem Elend, aus der Not wieder emporführen zu können. Wer dieſe Grundlagen angreift und ſie gewaltſam beſeitigen

Sitzung.

ONIS— SEN

Freitag, 28. September 1921. 53044 will, wie wir es hier bedauerlicherweiſe durch die Feſtſte Kungen dieſer ESN ionen ören muğten, der greift natürlich auġ ung an und der wird ung in diefen Fällen gerüftet fin- ten, Der wird die geſamte Arbeiterſchaft, das geſamte Prole— tariat einig finden mit allen denen, die guten Willens ſind, diefe Grundlage gu erhalten, damit eine friedlihere Cntmit- lung des deutſchen Volkes in der geſamten Weltpolitik und Weltwirtſchaft ermöglicht wird.

Sn dieſem Sinn treten wir auf Deu Boden deg Wir unterftüiken die Regierung in alen iren Mtağı wir falten fie für durchaus richtig und wir— nur wünſchen, daß es möglich ſein wird, reſtlos alle die Fäden aufzudecken, die vielleicht noch nicht aufgedeckt ſind, um uns eine vollſtändige Enthüllung zu ermöglichen, die vielleicht jetzt noch im dunkeln liegen. Wir haben meines— alle Veranlaſſung, in der jetzigen Zeit, wo wir ſchwierigen Ver— hältniſſen entgegengehen, angeſichts der Teuer— angeſichts der Tatſache, daß wir vielleicht mit einer größeren Arbeits— loſigkeit zu rechnen haben, und der ſonſtigen wirtſchaftlichen Nöte, in denen ſich das Volk und das Reich befindet, zuſam— menzuſtehen, zuſammenzuwirken, um das Deutſche Reich nach innen zu erhalten, aber auch nach außen. Und deshalb möchten wir wünſchen, daß es möglich iſt, auf dieſem Boden der ge— gebenen Tatſachen weiterzuarbeiten und weiter zu bauen zum Segen und zum Wohle des geſamten deutſchen Volkes Geifall bei den Sozialdemokraten).

Antrags. iahmen,

Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor.

Die Beſprechung wird geſchloſſen. Das S erhalten

Abg. D. Mayer—

Wenn ich mich frage, was das für eine Bedeutung fat, dak den Frageſtellern noch ein Schlußwort zugebilligt wird, ſo kann natürlich nur das gemeint ſein, daß der oder die Frage— ſteller ihre Meinung von ihrem Standpunkt aus darüber abgeben, was ſie von der Beantwortung ihrer Fragen durch die Regierung halten, und damit im Buf iſammenhang ſich na— türlich auch auseinanderſetzen mit denjenigen, die ſich in der Verhandlung gur Sache oder zu den Fragen gedukert Haben. XH fann deswegen vielleicht niht gang furga werden, aber iù will mich wenigſtens, was die Gerren Debatter betrifft, auf die Sterne erſter Größen beſchränken. Ich ſchicke aber drei allgemeine Bemerkungen voraus.

Karlsruhe ( H Bp

©3 ift in Diefer Berjandlung immer wieder und von alten Geiten die. Rede gewefen von der Gluthiğe, in der wir ung befinden, von der Temperatur der Aufgeregtheit und der Auf- gereigtheit, die boranden fei und fo ähnliġ. Und irgendwie, immer über den Mord an Grgberger Hinüber, jat man auf allen Geiten mefr oder weniger deutlich fi bemüğt, uns dafür verantwortlich zu machen. Da will ich Ihnen doch eine kleine Geſchichte erzählen. In den Tagen, als die hirnver— brannte und gewiſſenswidrige Tat am Kniebis geſchehen iſt,

habe ich mich in einer ländlichen— in einem kleinen

Städtchen aufgehalten, das in dem Wahlkreiſe Ergbergers liegt und bewohnt iſt von einer Bevölkerung, die, man fann vielleicht ſagen, zu fünf Siebentel gewiß auch Erzberger ge— wählt hat. Ich bin viel unter den Leuten herumgekommen, man hat Gelegenheit gehabt in der Kleinbahn, auf der Straße, auf dem Markt, im Wirtshaus uſw., ihnen näher zu kommen, Geſpräche mit ihnen anzuknüpfen oder auf ihre Geſpräche zu lauſchen. billigt, ernſt und entſchieden verurteilt worden iſt. Aber eine Aufregung in dem Sinn, wie geſtern davon geredet worden

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Es iſt ſelbſtverſtändlich, daß überall die Untat miß—

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