2031 Badiſcher Landtag. beginnen und bag Unangenehme erledigen, indem ih auh meinerſeits im Einverſtändnis mit meinen Freunden ein Wort ſage zu dem errn Dr. Gumbel; allerdings ein anderes Wort. alg e8 Heute bei der im iibrigen perunglüdten Bertei- digung deg Herrn Gumbel durch Herrn Haebler erklungen iſt. Es iſt in dieſem Hauſe wiederholt getadelt worden, daß ſich an den Univerſitäten unter den Studenten und auch bei den Lehrern an den Univerſitäten ein ſtarker Nationalismus, eine nicht nur nationale, ſondern„nationaliſtiſche“ Richtung, wie man zu ſagen pflegt, zeige. Ich für meinen Teil bemerke, daß ich die Unkerſcheidung zwiſchen„national“ und„nationali— ſtiſch““ auf die in letzter Zeit ſo abgehoben wird, für ein blo— ßes Wortſpiel erachte. Es iſt mir gleichgültig, wie man mich nennt, ob man„national“ oder„nationaliſtiſch“ ſagt. Es iſt dieſe Richtung, meinetwegen ſage ich: völkiſche Richtung, heute morgen wieder ſehr ſtark getadelt worden. Wir unſererſeits freuen uns, daß an den Hochſchulen dieſe Richtung und dieſe Geſinnung hervortritt. Und wir wünſchen, daß fie immer ſtärker hervortrete— und wenn ſie da und dort noch etwas gärt(Zuruf des Abg. Haebler) daß ſie ſich reinige und kläre(Abg. Haebler: Mit Hilfe von Miniſtermorden!— Abg. Gäßler: Und Arbeiter-Totſchlagen!) Beruhigen Sie ſich! Wir werden auch dazu helfen, daß ſie das Unklare im— mer mehr ausſtoße(Zuruf des Abg. Dr. Schofer).
Denn es braucht die Jugend Ideale(Abg. Haebler: Schöne Ideale!). Sie braucht nicht nur wiſſenſchaftliche Ide— ale und Ideale auf dem Gebiete der Kunſt, ſondern ſie braucht auch nationale, politiſche Ideale. Wenn erſt einmal die Jugend eines Volkes keine nationalen Ideale mehr hat, ſtirbt das Volk von ſelber ab. Und das wünſchen wir für unſer deut— ſches Volk nicht. Wir wünſchen vielmehr, daß es noch einmal zu ſeinem und dann auch der ganzen Welt Heil wieder er— wachſen möge zu einem kräftigen und geſunden und anerkann— ten nationalen, politiſchen Leben(Abg. Frau Unger: Es lebe der Nationalismus!— Abg. Gäßler: Und der Krieg! — Lebhafte Zurufe beim Zentrum, beſonders des Abg. Dr. Schofer)
Da aber dieſes, nämlich die Erſcheinung dieſer nationalen Richtung und Kraftanſpannung auf den Univerſitäten hier ſchon wiederholt getadelt worden iſt, darf ich auch auf das an— dere hinweiſen, nämlich daß die Univerſitäten und die Wif- ſenſchaft ſehr oft, nun wie ſoll ich ſagen? als Fußſchemel oder als Deckmantel benutzt werden, um ſich nun in nicht na— tionalem Sinne, nämlich in internationalem, in pazifiſtiſchem, in kommuniſtiſchem Sinne oder ſonſt ähnlich zu betätigen (Buruf bei den Soßialdemokraten). Deswegen gerade muß ich auf den Herrn Dr. Gumbel in Heidelberg zu ſprechen kom— men.
Dieſer Herr Dr. Gumbel in Heidelberg hat ſich nicht erſt in diefen Tagen, fondern fon länger bemerfbar gemat, und feit Monaten woop! wird allerlei über ipn erzählt.€s ift bon im eine Schrift erſchienen mit dem Titel:„Berz ſchwörer“(Abg. Haebler: Ausgezeichnet! Weiterer Zuruf bei den Sozialdemokraten),„Beiträge zur Geſchichte und So— ziologie der deutſchen nationaliſtiſchen Geheimbünde ſeit 1918* mit einem Vorwort von A. Freymuth. Die Schrift iſt erſchie— nen im Malik-Verlag in Wien ; wiſſenſchaftlichen Charakter hat ſie nicht. Es ſcheint, daß ſie bis vor kurzem in Deutſch — land verboten war. Wenigſtens iſt es mir(Abg. Marum: Das können Sie in der Bibliothek im Landtag haben!) noch vor einigen Wochen nur mit einiger Mühe gelungen, in den Beſitz dieſes Buches zu kommen, und damals nur auf ganz furze Beit. Jeh fonnte e8 aber lefen und dDurchfehen. Und ih muh fagen, mit feinem gangen Jnhalt— befonders Handelt
— 88. Sihung.
Dienstag. 5. Mugujft 1924. 2032 e8 fich hier um den Abſchnitt 6, der betitelt iſt:„Die ſchwarge Reichswehr”—, ift das Buch in der Tat das, was eben durch einen Zwiſchenruf von ihm geſagt worden iſt, eine gang Mez drige Denunziation. Urteilsfähige, ſachkundige, kritiſch prir fende Männer Haben mir ihre Meinung dahin auêgedrüdt, daß dieſe Schrift es wohl ſein werde, mittelſt der in dem weſtli⸗ chen Nachbarlande die Angſt oder die Aufregung gegen das angeblich militariſtiſche Deutſchland wachgehalten wird(Abg. Gaebler: Die wijfen e8 befer!), wogu man den Stoff aus diefer Shrift nimmt(Abg. Marum: Yrauhen nur den Hit⸗ lerprozeß zu leſen!).
Schon das wäre genug, um einmal die Perſon und die Exi⸗ jteng Des Herrn Dr. Gumbel in Heidelberg al Privatdozent dort— e3 fcheint, dah er neuerdings den Titel„Außerordent— lijer Profeffor” fat!(Unterridtəminifter Dr. Hellpach: Nein!), dann ift eg ein Yrrtum, wenn man ihm Heute morgen den Titel gegeben hat, ich hätte midh gewundert!(Heiterfeit)-— ich jage: dag wäre genug, um einmal bie Perfon und Tätigteit des Herren Dr. Gumbel etwas näher ins Auge zu faffen. Qber neuerdings hat fid der Gere Gumbel nun eine gang befonderé und iģ muk fagen, eine tofe und unerträglihe Entgleiſung geſtattet. Ja, was hat er denn gefagt? O ja, er hat feine Worte fehr flug. gefebt. Er hat hypothetifh, nein, er hat in jener orm vberneinend gefprohen, dur wele dem anderen der Jnhalt als Bejaung auf die Zunge gelegt wird(Auf Buruf des Abg. Marum): Warten Gie ab, Here Marum. Gie fönnen au noh manhe lernen(Qeiterfeit— Abg. M a- rum: Vielleicht noch manches von Ihnen!l). Ich habe kein Bedürfnis, Ihr Schulmeiſter zu ſein; Sie beſorgen das ſel⸗ ber.(Abg. Frau Un ger: Zum Schulmeiſter eignen Sie ſich ausgezeichnet!— Heiterkeit— Zuruf des Abg. Dr. Sho: Tet
©3 ift bisher auf diefem Gebiete, in diefem Widerfpruh der Auffaſſungen und Empfindungen in den tiefſten nationa— len Fragen unſeres Volkes ſchon mancherlei geſagt worden, von dem wir urteilen müſſen, daß es uns ins Herz ſchneidet, und daß es böſe geſagt iſt. Aber noch nie hat ſich ein Laus— bube gefunden, der die Toten des Krieges geſchändet hat(Zu— rufe bei den Sozialdemokraten— Abg. Marum: Das hat er nicht getan!). Aber das hat Herr Dr. Gumbel getan(A wo! bei den Gogialdemofraten)-- warten Gie doh!— indem er nun jebem Qauĝbuben auf die Bunge gelegt hat: Die find auf bem Felde der Unehre gefalen. Wie lauten doh die Worte: „Sh jage niðt, dağ e3 dag Feld der Unehre ift”, ich, Der Hert Dr. Gumbel, fage das niht,— damit e8 der andere jagt(Bu7 ruf der Abg. Arnold und Marum). JH unterdriüde den gebührenden Ausdruck zur Charakteriſierung des Herrn Gum— bel(Abg. Dr. Engler: Sie haben es geſagt!), weil ich ge— hört habe, daß er auch im Felde geweſen und verwundet wor— den ift. Cr ift alfo vielleicht auch mutig geweſen; ich weiß es nicht. Aber das muß ich ſagen: das ſind Perverſitäten, Per— verſitäten, wie ſie gerade aus dem Munde eines geſchichtlich Gebildeten unerträglich ſind. Das ſind Perverſitäten, wie ſie leider nur in Deutſchland möglich ſind(Sehr richtig! rechts— Buruf des Nbg. Marum). Jedes gefunde Volt Hätt feine nationale Ghre Hoh, pflegt ſein nationales Bewußtſein. In jedem gefunden Volf ergreift der eingelne Partei für den anz deren, aud wenn er mit dem anderen niht gang einperftanden ijt(Buruf des Abg. Gaebler). n jedem gefunden Bolt ergreift der eingelne Partei(Bwifhenruf redta: England und Frankreich !) gegenüber dem Fremden. Schauen Sie hin