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Berichterſtatter Abg. Gündert D. Vp.)) fcġaft: verpflichtet ift, ihren Betrieb unter Wahrung volfswirt- ſchaftlicher Geſichtspunkte durchzuführen und daß es nicht angängig ſei, daß ſie ſich auf dieſe Weiſe von Linien entlaſtet, für die ſie eine Rentabilität nicht errechnet. Dieſen Geſichts— punkten gaben Vertreter aller Parteien im Haushaltsausſchuß Ausdruck. Ich habe die Ehre, namens des Ausſchuſſes als Bericht— erſtatter zu beantragen: Der Haushaltsausſchuß ſtellt den Antrag, der Land— tag wolle 1.das genannte Geſuch der Regierung empfehlend überweiſen, 2, folgende Entſchließung zu faſſen:

„Der Landtag nimmt mit größtem Befremden von der Stellungnahme Kenntnis, die die Haupt— verwaltung der Deutſchen Reichsbahngeſellſchaft in der Frage der Aufrechterhaltung des Schiff— fahrtsbetriebes auf dem Unterſee zwiſchen Ra— dolfzell und Ohningen einnimmt und erſucht die Regierung, dem Standpunkt der Hauptverwal— tung der Deutſchen Reichsbahngeſellſchaft, der mit der volkswirtſchaftlichen Aufgabe, der die Reichsbahn zu dienen hat, nicht in Einklang gu bringen iſt, mit allem Nachdruck entgegenzu— treten.“

Namens des Ausſchuſſes bitte ich Sie, ſowohl der empfeh— lenden Uberweiſung des Geſuchs an die Regierung zuzu— ſtimmen, wie auch der Entſchließung, die Ihnen ja vorliegt.

Die Beratung wird eröffnet.

Dab Wort erhalten

Abg. Amann(Bentr.):

Der neu gegründete Verfehrəverein-Hat auf jeden Fall nicht daran gedacht, alg er die Petition an den Qandtag richtete, dch eigentlich diefe Petition die Veranlaffung für den geſamten Landtag geweſen iſt, den ſchärfſten Proteſt gegen die Haltung der Reichsbahnhauptverwaltung in Berlin zu erheben. Es hat ſich eigentlich etwa zu einer gewiſſen hoch— politiſchen Sache ausgewirkt, auch die Rede des Herrn Finanz— miniſters wird das nötige Echo finden, ſpeziell in dem Teil des badiſchen Landes, der vom Verkehr ja ziemlich vernach— läſſigt iſt. Man könnte hier, wie es vorhin ein Kollege getan hat, auch einen hiſtoriſchen Rückblick werfen. Ich habe in den Akten des Landtags nachgeſchlagen und habe gefunden, daß ſchon ziemlich viel in bezug auf die Verkehrsverhältniſſe der Höri geſchrieben und geſprochen worden iſt, ſchon im Jahre 1902, dann kamen in den Jahren 19060 und auh 1908 und 1910 Petitionen, die ſich mit der Frage des Baues einer Bahn beſchäftigten. Spegziell im Jahre 1912 hat ſich die erſte und zweite Kammer des längeren über dieſe Dinge unterhalten.

Das Finanzminiſterium hätte im Jahre 1912 einen Staats— beitrag gewährt, es ſind aber dann— und das muß feſt— geſtellt werden— die Dinge daran geſcheitert, daß man zwiſchen Singen und Radolfszell ſich nicht einigen konnte, in bezug auf den Bau und Nebenanſchluß an das Ziegeleiwerk und auf den Ausgang einer Höribahn, die nach Stein am Rhein hinübergeführt hätte nach Hemmenhofen , mit Anſchluß nach Singen und Etzwilen . Auch haätte ſich nach den Berech— nuingen herausgeſtellt, daß eine Rendite abſolut nicht vorhan—

den ſei. Finanzminiſter Reinbold lehnte dann die Bahn als

Badiſcher Landtag.— 72. Sitzung. Donnerstag, 5. Auguſt 1026.

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nicht lebensfähig ab, ebenſo den Staatszuſchuß. Unter dieſen Umſtänden, ſagte er, iſt das Vorhaben der Stadt Radolfsell , die Schiffahrt im Zeller See weiter auszubauen, nur zu be— grüßen. Wenn die täglichen Schiffsfahrten Radolfgell-JIgnang nach Moos und Gundholzen ausgedehnt werden, wird den Verkehrsbedürfniſſen der Gemeinden zu einem erheblichen Teil eutſprochen ſein. Ein großes Bootsunglück damals im Zeller— fce gab nachher Veranlaſſung, die Dinge etwas intenſiver gu betreiben. Vor dem Kriege kam die letzte Petition im Jahre 1914 an den Badiſchen Landtag und da war man bereits ſo— weit, daß zwei größere Motorboote angeſchafft werden ſoll⸗ ten, die den Verkehr übernehmen ſollten. Es kam nicht ſo— weit, der Krieg hat einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Ich hatte ſchon wiederholt Gelegenheit, mich mit dieſen Dingen in der Nachkriegsgzeit gu beſchäftigen und ich glaube, daß die Herren, die dieſe Petition gemacht haben, doch nicht genau darüber unterrichtet ſind, daß man nicht wiſſe, wie die Verkehrsverhältniſſe ſind, und wie ſchwer es ſei, in die Höri zu kommen. Ich habe mich ſchon bei jeder Witterung und Jahreszeit in dieſes Gebiet an der Schweizer Grenze zu Verſammlungen und Beſprechungen begeben müſſen, und weiß genau, was es heißt, ſpeziell von Radolfgzell aus durch die Höri bis an die Landesgrenze zu kommen, wenn abſolut keine Verkehrsmittel vorhanden ſind.

Nun hat fih natürlich au in der Höri eine gewiſſe Ent— widiung vollzogen. Wir fejen dag Gelände nit mer aus- ſchließlich landwirtſchaftlich genutzt; ganz befonders mit Rückſicht auf ihre wunderſchöne Lage und das Landſchafts— bild, das die Höri darbietet, haben ſich dort auch weitere Be— wohner angeſiedelt. Die Familien, die ſich dort niedergelaſſen haben, empfinden natürlich auch das Bedürfnis, ihre Kinder in Schulen(benachbarter Städte) zu ſchicken; außerdem be— ſteht für ſie auch das Bedürfnis, mit den übrigen Bewohnern der Gegend, mit der engeren und weiteren Umgebung in Ver— bindung gu treten, fura geſagt, nach den Städten Radolfsell und Konſtanz hin einen Verkehr zu haben; dieſe Wünſche be— ſtehen nicht nur für die Zeit des Sommers, ſondern auch für den Winter. Da es dabei ſich um Deutſche handelt, wird dieſem Bedürfnis durch diejenigen Zugsverbindungen, die nach der Schweiz hinüberführen, nicht Genüge getan: ihnen liegt daran, auch mit dem Mutterland etwas näher verbun— den gu werden, Nun haben ja allerdings gewiſſe Vorgänge, die ſich während der Kriegszeit abſpielten, dem Vaterland gegenüber eine gewiſſe Entfremdung herbeigeführt; Denn gerade diefe Gegend war ja jahrelang in wirtfchaftliher und politiſcher Beziehung vom badiſchen Heimatland vollkommen abgeſperrt; es haben ſich dort allerlei Beſtrebungen geltend gemacht, durch die das Intereſſe unſeres Staatsweſens und das Intereſſe der Staatsbürger abſolut nicht gewahrt wurde.

Dah die Qeute in der Höri verbittert find, braut Den jentgen niht wunder gu nehmen, der die dortigen Verhält⸗ niſſe kennt. Um dieſe Stimmung zZu verſtehen, braucht man nur gerade die Verkehrsverhältniſſe ins Auge gu faſſen. Wohl beſteht eine Poſtautoverbindung: ſie trägt aber berl Bedürfniſſen und Wünſchen der Höri-Bewohner abſolut nicht Rechnung. Die Reichseiſenbahnverwaltung hat es ſich ja ganó leicht gemat: Gie gab den Bewohnern diefer Gegend gW eine Verbindung, die aug der Höri nah Radolfzell hinüber⸗ führt, damit ſie von dort aus Anſchluß an die verſchiedenſten Gebieten unſerer badiſchen Heimat erhalten können; was aber die Rückfahrt mit dem Schiff anbelangt, ſo läßt ſie hieik nicht etwa abends, fondern fon mittags erfolgen. Diejenige Qeute, die auf dem Nüdweg nah der Höri erft fpät jap

: ti— Radolfzell zurückkommen, müſſen alſo demnach ihren oa