222 Beilagen gu. den Protofollen der Erten Kammer.
bereit wåren; wenn fogar der ganze gebildete Theil unfer Bolfe ceben fo dáte und handelte, und, die vielen amtbaren und-fúr Emancipation völlig reifen Befenner der ifraelitifHen Religion. vor. Augen habend, willig zu jeder Conceffion die Haͤnde reichte: ſo duͤrfte dieſes doch ſchwerlich der Fall ſein bei den unterſten Klaſſen des Volkes, den unterſten Klaſſen der juͤdiſchen Religionsbekenner gegenuͤber; ein Verhaͤltniß, das namentlich in unſeren Zeiten am wenigſten uͤberſehen werden duͤrfte. Koͤnnte Ihre Commiſſion, bei dieſer großen Frage allein und ausſchließend dem Geſichtspuncte der Huma— nitaͤt, ja, ſie kann ſagen, ihrem Herzen folgen, ſie wuͤrde keinen Augenblick Anſtand nehmen, ſich unbedingt fuͤr die Wuͤnſche der Iſraeliten zu erklaͤren; aber es giebt auch noch andere Geſichtspuncte; es gibt einen Geſichtspunct der einmal beſtehenden Rechtsverhaͤltniſſe, der wenigſtens erfordert, daß man nicht auf Koſten des einen Theils dem andern Zuge- ſtaͤndniſſe macht; es gibt ferner einen Geſichtspunct der Po— litik, und dieſer liegt vielleicht mehr im Intereſſe der Iſraeli — ten, als Manche von ihnen einſehen moͤchten. Wie dem aber auch ſei, in jedem Falle erfordert die ganze Sache eine tiefere und umfaſſendere Bearbeitung, Berathung und Ruͤck— ſichtsnahme auf die ſpeciellſten Verhaͤltniſſe bis in die einzel⸗ nen Gemeinden herab. Die Religion wird es am wenigſten fein, was der voͤlligen Gleichſtellung der Juden in den Weg tritt; denn die Religion iſt des Menſchen heiligſtes und un— verletzbarſtes Privateigenthum; ob der Sabbath oder der Sonn⸗ tag gefeiert wird, entſcheidet im Grunde gar nichts. Feiern doch auch die chriſtlichen Confeſſionen verſchiedene Feſttage, ohne daß darum eine weſentliche Stoͤrung herbeigefuͤhrt wird, und wenn die Juden am Sabbath nicht arbeiten, und ſo mit dem chriſtlichen Sonntage zwei Feiertage haben, ſo iſt das ihre Sache und ihr Schaden. Fremdlinge ſind die Juden auch nicht mehr, namentlich ſind ſie in unſerem Staate