IZO 0———
die Lahn die vortrefflichſten Eiſenſteine zuführen würde, könnte zwar allerdings mit der Zeit den Eiſenwerken Badens eine heftige Concurrenz erwachſen. Allein ſolche neue Anlagen koſten viele Zeit und können ohne ſehr große Capitalien iu den Händen unternehmender und dabei ſachkundiger Leute nicht bewerkſtelligt werden. Aber auch, wenn fie zur Mus” führung kämen, ſo würden die Produkte immer noch namhaft theurer kommen, als ſie bei freiem Eingang die Con— currenz der Britten zu liefern vermöchte, die nur das Fabrikat und nicht die Rohſtoffe mit Frachtkoſten belaſtet hätten, den Hauptrohſtoff, die Kohle— und zumal eine ſonſt werthloſe Kohle— im rohen Zuſtande verwenden können, und ihre ſämmtlichen Rohſtoffe, die ſie täglich an Ort und Stelle nach Bedarf beziehen, mit gar keinen Zinſen belaſtet haben.
Es iſt alſo ebenfalls unzweifelhaft, daß das angeſonnene Hülfsmittel eines erhöhten Schutzzolles den Eiſenproducenten Badens die Hülfe, deren ſie bedürfen, wirklich gewähren würde.
Nun iſt aber die ſehr wichtige Frage zu erörtern:
M. Steht dem Zollſchutze für Roh- und Stabeiſen ein ſolches allgemeines Intereſſe zur Seite, daß die den Conſumenten durch ihn erwachſende Beläſtigung moti⸗ virt iſt?
Die Eiſenproduzenten ſollizitiren um einen Schutzzoll auf das Roheiſen und Erhöhung des bereits beſtehenden Zolles auf das grobe Stabeiſen, weil, wie nun anerkannt iſt, ohne dieſe Zölle ein ſolch' niederer Stand der Eiſen⸗ preiſe eintreten würde, daß ſie bei weitem nicht einmal mehr die Koſten der Erzeugung vergütet erhielten. Dieſe nie⸗ derern Preiſe aber würden den Conſumenten zugut kommen, und da man annehmen kann, daß in Baden durchſchnitt⸗ lich an 40 Pfund geſchmiedetes Eiſen jährlich per Kopf conſumirt werden, die Conſumtion Badens an ſolchem Eiſen alſo etwa 120,000 Ztr. betragen dürfte, und die Eingangsſteuer nach dem Wunſche der Petenten, wie aus der mir mit⸗ getheilten Petition der Eiſenwerksbeſitzer des Landes an die Zollbehörde hervorgeht, auf 21, f. per Zentner zu ftellen wäre, fo würden die Conſumenten mit jährlichen 300,000 fl. belaſtet, und-eg fragt ſich: welchen Grund der Staat hat, ihnen dieſe Laſt aufzulegen?
Die Antwort iſt nicht ſchwer!
Angenommen, Baden bezieht jährlich 120,000 3tr. Stabeifen aug England und bezahlt Hiefúr nur 7 f. per. Gtr worunter 30 kr. für inländiſchen Transport, ſo gehen jährlich 120,000 mal 69, fl., alfo 800,000 fl., welhe fich bald auf eine Million ſteigern dürften, zum Lande hinaus, um nie wieder dahin zurückkehren. Man behauptet das Land hat Werthe dafür erhalten! Welche Werthe? Es erhält 120,000 Ctr. Stabeiſen, die es, wenn es ſie ſelbſt erzeugt hätte, ebenfalls beſäße, ohne daß ein Heller dafür das Land verlaſſen hätte, und nicht mehr und nicht weniger! Es wäre alſo im letztern Fall das Land um ſeine Million reicher geblieben, um die es nun von Jahr zu Jahr ärmer wird. Man kann entgegnen: Das Land habe dagegen die zur Erzeugung der 120,000 Ctr. Stabeiſen erforderlichen Rohſtoffe und Ar⸗ beitskräfte zu anderwärtiger, nutzbringenderer Verwendung erhalten. Was will man aber mit dieſen Rohſtoffen, dieſen Arbeitskräften anfangen, wenn man kein Eiſen mehr produzirt? Wozu nützt das Eiſen in der Berge Schooß, wenn es nicht dem Amboſe zugeführt wird? Was ſoll man mit jenen 60,000 Klaftern Holz anfangen, die zum nicht gerin— gern Theile in den Gebirgsſchluchten ſtehend, die Transportkoſten nicht lohnen, wenn ſie nicht in den leicht transportab⸗ len Zuſtand der Kohle verwandelt, als ſolche verwerthet werden können, denn was als Nutzholz verwerthet werden kann, wandert heut zu Tage nicht mehr in den Kohlenmeiler! Wohl wird der eine oder andere Conſument einige Erleich⸗ terung in ſeinem Holzbezuge fühlen, wenn der Hüttenbeſitzer nicht mehr bei der Steigerung im Walde erſcheint; aber ſo gerne er ihn hier vermißt, ſo ungerne wird er ihn und die große Zahl ſeiner Leute dort vermiſſen, wo er ſeine eigenen Produkte zu Markte bringt. Und was gewinnt denn der Staat, der ſo viel Holz exportirt, an niederen Holzpreiſen?— Und die erſparten Arbeitskräfte! Was ſollen die 6000 muͤßig gewordenen Hände thun? Landbau treiben?— Schon