Auch Münzer hatte unter den Fliehenden Frankenhauſen erreicht, und da die feindlichen Reiter hart an ihm waren, ſich in eines der nächſten Häuſer am Nordhäuſer Thore geworfen, war auf den oberen Boden gegangen, hatte ſich entkleidet und mit verbundenem Haupt in ein Bett gelegt, um ſeinen Feinden unkenntlich zu ſein. In daſſelbe Haus quartiert ſich nach der Plünderung der Stadt ein Lüneburger Edelmann, Otto von Ebbe, ein, und des Ritters Knecht beſichtigte ſich die neue Herberge und kam auch auf den Boden. Auf deſſen Frage, wer er ſei, ſtellte ſich Münzer ſehr ſchwach und ſagte: er ſei ein kranker Mann und liege ſeit lange da am Fieber. Der Reiſige, der ihn nicht kannte und nach einem Beuteſtück umherſpähte, entdeckte Münzers Taſche, durchſuchte ſie und fand darin die Briefe, die Graf Albrecht von Mansfeld an die Bauern geſchrieben hatte. Dadurch war er verrathen. Otto von Ebbe führte ihn zu den Fürſten. Dieſe empfingen ihn mit der Frage, warum er das arme Volk verführt und in ein ſolches Blutbad geſtürzt habe? Er aber hatte ſich bereits wieder gefaßt, und der Geiſt, der ihn ſeit früheſter Jugend emporgetragen hatte, der es ihn wagen ließ, Menſchen zu opfern, um die Menſchheit zu retten, ſie zu opfern einem nach ſeiner Anſicht edelſten Zwecke, während er die Fürſten ſie ihrem Eigennutz, Launen und Lüſten opfern ſah— dieſer Geiſt kam jetzt über ihn und hielt ihn auf⸗ recht. Er ſprach, er habe recht gethan, daß er die Fürſten zu ſtrafen ein Solches angefangen habe, weil ſie dem Evangelium ſo heftig zuwider ſeien und wider die chriſtliche Freiheit ſo unbarmherzig handeln; man müſſe den Fürſten Zaum und Gebiß anlegen. Wären darüber die Bauern geſchlagen, dafür könne er nicht; ſie haben es auch anders nicht haben wollen. Der einundzwanzigjährige Landgraf wollte dem Reformator, deſſen Stimme Völker gelauſcht hatten, in lutheriſcher Weiſe die Bibel über Aufruhr und Obrigkeit auslegen. Das ſchien dem ſtolzen Meiſter Thomas doch wirklich zu viel und gar zu unpaſſend, er würdigte ihn keiner Antwort mehr. Der junge Landgraf aber ſchmeichelte ſich, den Reformator niederdisputirt zu haben, ſo ſehr mißkannte er dieſes Schweigen ſtolzen Selbſtbewußtſeins. Die Fürſten ließen ihn auf die Folter ſpannen und weideten ſich an ſeinen Qualen, die ihm einen Schmerzensruf ent⸗ riſſen.„Ja, Thomas,“ ſagte Herzog Georg,„thut Dir dieſes wehe, ſo bedenk auch, daß es den armen Leuten nicht wohl gethan hat, die heute Deinetwegen niedergemacht worden ſind.“ Da man ihn inzwiſchen fort⸗ folterte, nahm unter den Schmerzen, wie ſo oft, des Gefolterten Geſicht und Ton das Ausſehen des Lachens an.„Ho,“ ſtieß er heraus, ſie haben es nicht anders haben wollen.“ Kein Bekenntniß von Werth ver⸗ mochten ſie ihm durch dieſe Folter zu entreißen. Die Hinrichtung des
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