Amtliches Kerkündigungsblatt für den Kreis Ojfenlmrg,
sowie für lNe
Bezirksämter und Amtsgerichte Offevburg und Gengenvach.
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Nro. 83
1869.
Politische Rundschau.
Karlsruhe , 5. Apr. Nach klerikalen Mitteilungen sind gelegentlich der mit 90,000 Un terschriften badischer „Männer" bedeckten Glück Wunschadresse an Papst Pius IX. aus Anlaß seiner Sekundiz 13,000 st. freiwillige Gaben an de« Statthalter Christi geflossen, und das mit Recht. Denn der Statthalter Christi ist nach hem neuesten Hirtenbriefe seines Unterstatthal- ters, des Bischofs von Leuca i. p i., des Hrn. Kübel, „ein bedrängter, beraubter, der Unterstützung sehr bedürftiger, auf das Almosen angewiesener Priester" und ist wohl in Berück- fichtigung dieses kümmerlichen Zustandes die oben gemeldete reiche Gabe aus den Taschen badischer Männer geflossen, die ohnshin durch den schweren Steuerdruck nach der Behauptung klerikaler Blätter über das Maß des Erträglichen in Anspruch genommen sind. Sehen wir nun zu, wie das Hauswesen des bedrängten, beraubten, der Unterstützung bedürftigen, auf das'Almosen angewiesenen Kirchenfürsten eingerichtet ist. Das Hauswesen Sr. Heiligkeit des Papstes besteht nach dem Gothaer Hofkalender von 1869 aus einem Prodatarius mit dem Titel und Hang eines Kardinals, zwei Sekretären, 1 Präfekten der apostÄlschen Paläste, 1 Oberhofmeister , 1 Oberzeremonienmeister, 1 Uditoxe, 1 Hausmeister des hchl. Palastes, 9 geh. Kämmerern, worunter ein Geh. Almosenier, 1 Mundschenk, 1 Garderobier rc., 1 Oberintendant des Hofwesens, 1 Oberstallmeister, 2 Kapitäne der Nobelgarde. Um diese „Spitzen" gruppirt sich natürlich ein großer Troß von Lakaien, Dienern, Leibwachen, Kutschern, Reitknechten rc. rc. Fährt der Papst aus, so sitzt er in einem goldenen Wagen mit prächtig aufgeschirrten Pferden, mit Vorreitern, Läufern und Bedienten, Alle reich in Scharlach und Gold gekleidet. Der Papst erscheint dann gewöhnlich in violetter Seide mit Hermelin, auf der Brust trägt er ein diamantenes Kreuz mit goldener Kette, an den Fingern einen großen Tiamantring. Der päpstliche Zug hat eine in Gold und Scharlach förmlich starrende Bedeckung von Nobelgarden. Das ist das Auftreten des Fürsten , der nach Bischof
Kübel höchst bedürftig und. auf das Almosen angewiesen ist. Nun vergleiche man nach der hl. Schrift die Schilderung von dem Auftreten des Heilandes, des Menschensohnes, der nicht hatte, wo er sein Haupt hinlegen konnte, mit diesem Auftreten eines Mannes, der sich seinen Statthalter, den Knecht der Knechte Gottes nennt!
(B.Ldz.)
Mönche«, 5. .April. Die Verhandlungen der Bundes Liquidationskommission dürften wohl — wie die „Bayr. Lvs.-Ztg." meint — längere Zeit beanspruchen. Es handle sich dabei z. B. für Bayern allein um Ansprüche, die zusammen den Betrag von 15 Millionen Gulden erreichen.
München , 6. April. Die Abgeordnetenkammer stimmt den Ausschußvorschlägen zu, wonach drei nur Unbedeutende. Wfferenzpunkte mit der Reichsrathskammer wegen der Gemeindeordnung bleiben. Ein Antrag ans Schlachthauszwang wurde abgelehnt.
Berlin , 6. Apr. Von Seiten des Bundespräsidiums ist beim Norddeutschen Bundesrath der Antrag eingebracht, mit der Schweiz einen Niederlassungsvert rag abznschlie- ßen, und zwar auf denselben Grundlagen, wie die schwüzerischen Niederlaffungsverträge mit Baden nMWLrttrmbrrg. Mn solcher Vertragsabschluß hat stch als dringend wünschenswerth herausgestellt. (K.Z.)
Wie«, 6. April. Die Wocheneinnahme des österreichischen Südbahnnetzes vom 26. März bis 1. April betrag 517,934 fl., was gegen das Vorjahr eine Mehreiumchme von 51,735 fl. ergibt.
Florenz , 6. April. General Maring ist abgereist. Der Adjutant des Königs, General Sonnaz , reist morgen in Begleitung zweier Ordonnanzoffiziere des Königs nach Wien , um dem Kaiser von Oesterreich den Annunciata- Orden zu überbringen.
Florenz , 7. April. Die „Jtal. Korr." (ministeriell) beansprucht Beiheiligung der Regierungen am ökumenischen Konzil. — In Neapel sind neue revolutionäre Proklamationen erschienen. Die Reise des Königs nach Neapel ist verschoben.
Poris. Sitzung dev Wefttzgebenden Körpers vom 2. April. (Schluß.)
Nun entwickelt Hr. Thiers in sehr umfänglicher Weise die Theorie der Ministerverantwortlichkeit.
Sraatsminister Rouher: Hr. Thiers verletzt die Verfassung seit einer Stunde. (Ja, ja!)
Garnier-Pagvs: Ihr habt sie im Senat diskutirt.
Rouher : Wenn wir die Verfassung «llle Tage diskutiren wollen, so würde es eben so gut fein, die Revolution in Ständigkeit zu erklären. (Andauernde Bewegung.)
Thiers: Wir sind es nicht, welche die Revolution dekretiren, aber ihr bereitet sie vor. (Geräuschvolle Unterbrechung.)
Der Jnstizminister: Nachdem Sie Ihre Vergangenheit verläugnet, kommen Sie dahin, den Umsturz zu Prophezeien.
Thiers: Wenn es dem Hrn. Großstegelbewahrer beliebt, daß wir seine und meine Erinnerungen ins Gedächtniß zurückrufen, so glaube ich, daß die meinigen den Vergleich mit de« sei- nigen aushalten können.
Der Präsident Le-Roux macht diesem Zwischenfall ein Ende, indem er Hrn. Thiers erklärt, daß er nicht fortfahren könne, die Ver- fasiung selbst in die- Diskussion^ ziehen.
Hr. Thiers fährt fort: Die Fragen» welche ich berühre, sind vom Hrn. Staatsminister im Senat erörtert worden und werden alle Tage von der Presse besprochen. Wir also sollen di« einzigen sein, die uns von denselben fernhalten müssen! Haben wir weniger Mrrecht als der Senat? Die verkannten Wahrheiten schließen eine unermeßliche Gefahr in sich. Es kommt mir nicht zu, dem Souverän Rathschläge zu er- theilen ; er kann im Senat die Stimmen aufrichtiger Männer vernehmen, die keine Revolution wollen. Aber es ist mir erlaubt, für das Land zu sprechen; ich habe das Recht, zu sagen, daß es verzeihlich ist, wenn daflelbe die Freiheit mit einiger Ungeduld zurückfordert, denn es ist kein fremdes Gut, was das Land rekla- mirt, sondern sein eigenes (sehr gut, sehr gut! links.) Betrachten Sie das Schauspiel, welches die Welt darstellt. Wann war die Welt je uu-
Die Hexe von Poznanka.
Aus Tarnopol wird der „Presse" vom 27. o. M. über folgende interessante Gerichtsverhandlung berichtet:
Im Dorfe Poznanka wohnt seit einer Reihe von Jahren ein altes diabolisch aussehendes Bauernweib von ungewöhnlicher Bosheit, Grausamkeit und Tücke. Maria Kolbasenko — dies der Name des WeiheS — wird um ihrer genannten Eigenschaften willen in Poznanka allgemein gefürchtet und gemieden. Man weicht ihr weit aus, wenn man ihr auf der Gaffe begegnet, und verschließt die Thüren der Häuser, wenn man sie kommen sieht, denn, sagen die Poznanker, „dem Hause, in welches die Kolbasenko eintritt, steht Unglück bevor." Auch in den Nachbardörfern ist man auf der Hut, wenn »die Hexe von Poznanka" — wie der Völks- wund das verrufene Weib getauft — in denselben erscheint.
Maria Kolbasenko soll ihren Landsleuten bereits viel Unheil bereitet haben, man bezeichnet
sie in Poznanka als Urheberin einer Unzahl von Diebstählen und mehrerer Brandlegungen. Von den Gerichten wurde sie einigemal wegen Diebstahls und Brandlegung in Untersuchung gezogen, aber stets aus Mangel rechtlicher Verdachtsgründe straflos entlassen. Heute steht Maria Kolbasenko wieder vor Gericht, «m, sagen wir es gleich, wieder ungestraft davonzukommen.
Als an einem Sommermorgen des verflossenen Jahres der Grundwirth Szymko Lyda aus Poznanka vom Felde heimkehrte, sah er Maria Kolbasenko im Hofraume seines Hauses stehen und unverwandt nach seiner am anderen Ende des Hofes gelegenen Scheuer hinüberblicken. Sie sah teuflischer aus als sonst, ihr Gesicht war leidenschaftlich verzerrt, ihre Brust hob und senkte sich mächtig, ihr ganzer Körper zitterte. Lyda fuhr zusammen vor Schrecken. Als er sich einigermaßen gefaßt hatte, eilte er in die Wohnstube und rief seinem Weibe zu: „Thekla, die Hexe von Poznanka ist im Hofe, sie ist sehr erregt, Gott sei uns gnädig!" Thekla stürzte hinaus, sie hatte Wäsche zu« Trockne« hinaus
gehängt und fürchtete, daß die Kolbasenko ihr in der „Erregung" die Wäsche stehlm könnte. Die Kolbasenko war im Hofe nicht mehr zu sehen, aber von der Wäsche fehlte gar nichts. Erfreut theilte dies Thekla ihrem Manne mit, doch wurde durch die Nachricht Szymkos Herz nicht erleichtert. „Sie ist dagewesen," murmelte er, „ein Unglück muß geschehen."
Eine Weile später trat Szymko Lyda hinaus in den Hof, um nach Men Pferden zu sehen, und gewahrte in der - offenen Schmer einen Rauch. Nach der Quelle desselben forschend, entdeckte er im Stroh des Scheuerdaches eine« glimmenden Lemwandsetzen, den er eiligst entfernte. DaS Strohdach war an der Stelle, wo sich das Leinwandstück befand, bereits stark geschwärzt, und wenige Minuten später wäre unfehlbar die Scheuer in lichterlohen. Flammen gestanden. Aber nicht blos der eine Schadenwäre zu bergen gewesen. Ein heftiger Wind wehte von Osten, ein halbes Dorf wäre in Asche gelegt worden, wenn dieser Wind eine Flamme zu nähren gehübt hätte.