Der HrtenauerWole.

Amtliches VerlmMgungsblatt für den Kreis Ojfenburg,

sowie für die

Bezirksämter und Amtsgerichte Offen-urg und Gengenbach .

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Nro. 276.

Offenburg , Freitag den 26. November

1869.

Politische Rundschau.

Offenburg , 25. Nov. Unsere ultramontanen Heißsporne haben neulich die Steuer verweigert und zu dem Zweck alle möglichen Anschuldigung gen gegen Personen und Sachen vorgebracht.

t hre Beweisführung dreht sich in dem ewigen irkel: So lange Regierung und Kammern uns nicht den Weg zugestehen, auf dem wir Meister werden, ist das ganze System nichts; Regierung und Kammern gestehen uns diesen Weg nicht zu; also taugen sie nichts. Dabei soll die ewige Wiederholung dieses Liedes den Eindruck zum Davonlaufen gemacht haben. Zugleich hat der Abg. Bissing durch seine persönlichen Angriffe und Ausfälle einen Ton angeschlagen, der nichts weniger als anständig und in einer solchen Ver­sammlung passend ist. — Im preußischen Her­renhaus soll der frühere Justizminister nach den stenographischen Aufzeichnungen geäussert haben: „Meine Herren, glauben Sie mir aus zuver­lässiger Erfahrung, Sie haben keine Vorstellung davon wie spät ein Mensch in seinem Leben klug wird." So spricht ein gewesener Justiz­minister. Der noch thätige Cultusminister v. Mühler erhielt von dem Abg. Ziegler eine derartige Lobrede, daß er genug haben und gehen "sollte; er aber schwieg und blieb. Weder ein anderer Minister noch jemand von der Rechten eilte dem Unglücklichen zu Hilfe; er aber bleibt dennoch Minister des Cultus, des Unterrichts und der Bildung. Auch dem Landwirthschafts- minister v. Selchow wurde gesagt, nicht seine Fachkenntnisse, sondern seine politische Stellung habe ihn zum Minister gemacht, und dieser Vor­wurf ist nicht auf gleiche Stufe zu stellen mit dem welchen Hr. Baumstark, der allgewaltige, den Mitgliedern unseres Ministeriums machte; aber auch Hr. v. Selchow schweigt und bleibt. — Graf Bismarck soll sich in einem Brief an den Fürsten von Pntbus sehr scharf gegen die dundesfeindlichen Bestrebungen der preußischen „Herren " ausgesprochen haben, die um so un­passender, als ja der Graf Lippe oder ein an­derer keine entgegengesetzte Politik als Minister zu vertreten vermöchte. Ebenfalls gut und rich­tig; hat aber doch nicht viele „Herren " kurirt. 1

Der Spion.

Von

3. <f. Looper.

(Fortsetzung.)

Alle diese Anstalten geschahen mit unerschüt­terlicher Kaltblütigkeit und schienen jetzt zu des Offiziers völligster Zufriedenheit beendigt zu sein.

„Kommt her!" sagte er kaltblütig zu dem Räuber, welcher sehr erstaunt über diese Vor­bereitung ein naher und stummer Beobachter ihres Verlaufs gewesen war. Er gehorchte — und erst als er spürte, daß man ihm seine Halsbinde abnahm und seinen Hut aus die Seite legte, ward er unruhig. Er hatte indes­sen selbst zu oft zu einem ähnlichen Mittel ge­griffen, um Bekenntnisse oder Beute zu erpres­sen, daß er doch nicht im mindesten Schrecken suhlte, wie ihn wohl ein unerfahrener Mann bei solchen bedenklichen Zurüstungen gehabt ha­ben würde. Mit eben der Kaltblütigkeit, die nnen Hauptzug der ganzen Formalität bildete,

— In Dresden schon wieder ein großer Brand eines Staatsgebäudes mit Inhalt im Werth von % Million; ein Unteroffizier, der dabei umkam, soll der Thäter, nicht hinlängliche Auf­sicht von Seiten der Behörde mitschuldig sein; zugleich erregen die sich mehrenden Selbstmorde unter dem Militär allgemeines Aufsehen. —

In Braunschweig hat sich die Volksvertretung in einer Adresse an den Landesherrn ganz ent­schieden für den nordd. Bund ausgesprochen. Es handelt sich um den Verkauf einer Staatsbahn, wobei jedoch auch Preußen mitzusprechen hat, an welches als Hannovers Nachfolger das Her­zogthum nach dem Tode des gegenwärtigen Her­zogs fallen würde, während der Herzog, ein Welfe, es, wie man sagt, dem Exkönig von Hannover oder seinem Sohn vermachen möchte. Hoffentlich läßt man keinen neuen Fürsten auf- kommen; das natürlichste und bedeutendste Recht der Einheit des Volkes ist nur schon zu lange vereitelt gewesen. — In Dalmatien geht es nach den neuesten Nachrichten den Oesterreichern nicht zum besten; die Jahreszeit, die Gebirgsschluch­ten, in die sich die Aufständischen zurückziehen, das sind allerdings schwere Hindernisse. Die Kaiserin geht nach Rom zur Entbindung ihrer Schwester, der. Exkönigin von Neapel ; ultra­montane Blätter erblicken darin schon eine An­bahnung des guten alten Einvernehmens mit Rom . Der Papst soll den ungarischen Bischö­fen haben erklären lassen, die Unfehlbarkeits­frage werde allerdings im Concil znr Verhand­lung kommen, dürfe aber nicht, nach Art poli­tischer Versammlungen, durch einfache Majori­tät entschieden werden, sondern solle, wenn sich keine entsprechende Stimmung für das neue, die Kraft der Kirche fördernde Dogma finde, wie­der zurückgezogen werden. — In Italien hat die Präsidentenwahl des Abgeordnetenhauses den Rücktritt des Ministeriums Menabrea veran­laßt; werden seine Nachfolger der Schwierigkei­ten Herr werden? — In Paris sind die Nach­wahlen vorbei; alle wohl republikanisch, doch nur Rochefort aus der Mitte der Straßendema­gogie. Der Kaiser ist während der Wahlen wieder nach Paris gegangen und, das muß man sagen, auf seinem Platze gewesen. Sonst in

wurde ihm der Strick um den Hals gelegt, ein Stück Bord über das Faß geschoben, und ihm besohlen, hinaufzusteigen.

„Aber das kann ja Umfallen," sagte der Räu­ber, den jetzt zum ersten Mal ein Zittern an­wandelte. „Ich will Euch etwas entdecken, wie Ihr unsere Leute an dem See überrumpeln könnt, ohne daß Ihr Euch diese Mühe macht

— mein eigener Bruder kommandirt sie."

„Ich brauche keine Entdeckung," versetzte sein

Henker (denn das schien er nun wirklich zu sein), indem er den Strick einigemal um den Balken schlang, ihn darauf fest anzog, so daß es dem Schinder doch etwas fatal zu Muthe ward, und dann das Ende so weit wegwarf, daß es Niemand fangen konnte.

„Ihr treibt den Spaß zu weit!" schrie der Räuber in einem etwas ungehaltenen Tone und hob sich, in der Hoffnung, sich von dem Strick zu befreien, indem er seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen suchte, auf den Zehen em­por.— Aber der vorsichtige und erfahrene« Offizier hatte sich gegen sein Entschlüpfen ge-j wahrt. ' ‘

Frankreich lebhafte Verhandlungen für und ge­gen die Handelsverträge und Handelsfreiheit. — In Holland beging man dieser Tage mit gro­ßen Festlichkeiten und unter lebhafter Theil- nahme von Hoch und Nieder die Einweihung eines Denkmals an die Befreiung vom franzö­ sischen Joche. — Der König von Belgien weilt gegenwärtig als gefeierter Gast in London . — Aus Rußland die Nachricht, daß es in aller Ruhe und Stille seine Bewaffnung umgestaltet und vervollkommnet hat. —

Paffa«, 19. Nov. Der Bischof von Passau , der schon im vorigen Jahre an das erzbischöfliche Ordinariat München -Freising ein Schreiben er­gehen ließ, in welchem er mit Entschiedenheit gegen eine von den Geistlichen beschlossene Glie­derung des katholischen Klerus Einsprache er­hob, hat (so berichten süddeutsche Blätter) neuer­dings in einer Zuschrift an den Zentralaus- schuß der katholischen Vereine Deutschlands vom 12. Oktober 1869 in derselben unumwundenen Weise seine Anschauung über die Betheiligung der ihm untergebenen Geistlichen an den ver­schiedenen Vereinen ausgesprochen. Den äuße­ren Anlaß zu diesem letzten Schriftstücke gab die Anfrage des Domkapitulars Siegler, ob er die auf ihn gefallene Wahl in den neugebilde­ten Zentralausschuß der katholischen Vereine Deutschlands annehmen dürfe. Diese wurde dem Domkapitular von seinem Bischöfe verwei­gert, weil letzterer dem oben bezeichneten Ver­eine nur die Eigenschaft eines Privatvereins beilegen könne. Weiter kommt der Bischof dann auf die katholischen Vereine selbst. Er bezeich­net die Beschlüsse der jährlichen Generalversamm­lungen katholischer Vereine Deutschlands llls die Ansichten eines kleinen, in keiner Weise be­glaubigten Bruchtheiles der katholischen Bevöl­kerung. In Folge von Anregungen dieser Ver­eine seien die so schmählich ausgearteten Kasi­nos entstanden, deren Auflösung eine Nothwen- digkeit geworden. Verwerflich wie alle anderen erscheint dem Bischof auch das Auftreten der diesjährigen Versammlung in Düffeldorf. „Dies nennt man (so schließt der Bischof) heutzutage katholische Agitation, katholische Bewegung! Arme, beweinenswerthe katholische Kirche Deutsch -

„Was hast du mit dem Pferde gemacht, das du mir gestohlen hast, Hallunke?" rief er, und blies, während er die Antwort erwartete, ge­waltige Dampfwolken umher.

„Es stürzte bei der Flucht," versetzte der Räuber eilig, aber ich kann Euch eines verra- then, das dieses und seinen Vater obendrein werth ist."

„Lügner! ich will schon selbst zu einem kom­men, wenn ich eins brauche. — Aber du thätest besser, Gott um Beistand anzuflehen, denn die Zeit ist dir knapp zugemessen."

Nach dieser ernstlichen Ermahnung gab er dem Fäßchen mit seinem schweren Stiesel einen so kräftigen Stoß, daß die lockeren Dauben nach allen Seiten auseinander flogen und der Räuber in der Luft zappelnd hängen blieb. Da seine Hände nicht fesigebuuden waren, griff er schnell nach oben und hielt sich uit vieler Kraft schwebend in der Höhe.

„Kommt, Herr Kapitän," sagte er u.it ängst­licher, etwas in's klägliche fallender Stimme, und seine Kniee fingen zu schlottern an, „macht jetzt dem Spaß ein Ende. Es ist genug, um