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Der ÄrtenauerMote

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Amtliches Derlründigungsblatt für den Kreis Offenvurg ,

sowie für die

Bezirksämter und Amtsgerichte Offendm g und Gengenbach .

Erscheint täglich mit Ausnahme Montags, und kostet vierteljährlich in Offenburg 1 fl., für den Landpostbezirk i st. 2 kr., für die übrigen Postbezirke 1 fl. 7 kr.

Einrückungsgebühr: die gespaltene Garmondzeile oder deren Raum 3 kr.

Nro. 70. Osfenburg, Donnerstag den S4. März

1870.

Einladung.

Mit 1. April beginnt ein neues Quartal. Selbständiges vernünftiges Urtheil in den ver­schiedenen politischen und kirchlichen Fragen wird, wie seither, unser Hauptbestreben sein, wirklicher bürgerlicher Fortschritt, ohne Rücksicht auf die ober jene Standesvortheile, unser Ziel. Zu recht zahlreichen nnd rechtzeitigen Bestellungen laden ergebenst ein

Ä. Reiff & Comp.

Politische Rundschau.

Offenburg , 23. März. In Berlin wieder wich­tige Sitzung des Norddeutschen Reichstags vom 19. März. Erster Gegenstand in der heutigen Sitzung des Reichstags ist die erste Berathung über den Gesetzentwurf wegen Ausgabe von Banknoten.

Der erste Redner, Dr. Becker (Dortmund ), ist entschieden gegen den Mißbrauch der Noten­emission Seitens der kleineren Staaten, die nicht nur keine Sicherheit bieten, sondern das Ge­schäft auch auf Kosten der finanziell gut gestell­ten Staaten betreiben. Unbegreiflich aber sei es, wie in dem Augenblicke, wo die Bundesre­gierungen dem Reichstage diese Vorlage ma­chen, ein Einzelstaat, Reaß ä. L., unterm 16. d. ein neues fürstlich Reuß'sches Bankinstitut er­richten könne. (Hört! Hört!) Zwei Millionen Papiergeld solle das Institut ausgeben dürfen; man möge doch bedenken, welche Summe unfun- dirtes Papiergeld da auf den Kopf der Reuß'- schen Bevölkerung komme! Dieses Verfahren sei so unerhört, daß man zu überlegen haben werde, ob nicht den Kleinstaaten die Notenemission vollständig zu verbieten sei. (Bravo !)

B.-C. Präsident Delbrück : Mir ist von Dem, was der Vorredner da mittheilt, bis zu diesem Augenblicke nichts bekannt geworden. Ist die Nachricht begründet, so ist sie in der That höchst überraschend.

Dr. Schleiden wünscht eine andere Faffung der Vorlage dahin, daß zur Ausgabe von No­ten ein Bundesrathsbeschluß genügend und kein Bundesgesetz dazu erforderlich sei.

- Miguel: Das Vorgehen dieser Raubstaaten

— ich darf hier diesen Ausdruck wohl gebrau­chen — ist so unerhört, es beweist eine solche mala fides, einen solchen Grad von mangelhaf­ter bundestreuer Gesinnung, daß ich beantragen werde, diesem Vorgehen gegenüber dem vorlie­genden Gesetze rückwirkende Kraft bis zum 21. Februar d. I., an welchem Tage die Vorlage in den Bundesrath eingebracht wurde, zu geben. Diese kleinen Raubstaaten gehen bewußt vor, sich auf unsere Kosten Vortheile zu schaffen, und wir werden durch Bundesgesetze dafür Sorge tragen müssen, daß das Äusgeben von Bank­noten und Werthzeichen den Kleinstaaten über­haupt entzogen wird. Redner gibt hierauf noch seine besondere Genugthuung darüber zu erken­nen, daß die Vorlage die Kündigung des Noten­privilegiums der preußischen Bank zum 1. Jan. 1871 in Aussicht nimmt, so daß es möglich sein werde, mit der Ordnung des ganzen Bankwe­sens auf gesunden oolkswirthschaftlichen Grund­lagen vorzugehen.

Meyer (Bremen ): Man dürfe die Kleinstaa­ten bezüglich der Notenemission nicht zusammen­werfen; die Brem'sche Bank könne gewiß kein Vorwurf treffen. Redner empfiehlt eine allge­meine Bundesbank; außerdem müsse Jedem ge­stattet werden, Banken zu errichten, die aber ge­schloffen werden müßten, wenn nicht in jedem Augenblick die Einlösung der ausgegebeuen No­ten erfolgt.

Grumbrecht möchte die Vorlage auch noch auf das Papiergeld ausgedehnt wiffen.

Dr. Löwe bittet den Präsidenten des Bundes­kanzleramtes um eine genaue Mittheilung über das in den Einzelstaaten circulirende Papier­geld. Das Haus müsse von der betreffenden Sachlage jedenfalls unterrichtet sein, möge es nun die Papierqeldftage mit in Betracht ziehen wollen oder nicht.

Präsident Delbrück verweist auf die betreffen­den Mittheilungen in den Motiven der Vorlage, verwahrt sich aber schon jetzt gegen eine Aus­dehnung der Vorlage auf das Staatspapiergeld. Dasselbe verdankte seine Circulation dem Ver­kehrsbedürfnisse und sei diese Frage nur in Ver­bindung mit der Münzfrage zu erledigen.

Die Diskusston wird geschloffen. Die Frage

des Präsidenten, ob die Vorlage in eine Kom­

mission zu verweisen sei, wird vom Hause ver­neint. —

Karlsruhe , 22. März. In der heutigen Abendsitzung der Ersten Kammer wurde das Stiftungsgesetz im Allgemeinen nach den Kom­missionsanträgen angenommen; nur der Antrag in § 5 a, wonach dem Stifter gestattet werden solle, die zur Armenunterstützung und Kranken­verpflegung bestimmten Stiftungen ausdrücklich als kirchliche zu erklären, wird verworfen.

Bom südwestliche» Schwarzwald , 12. März, läßt sich das Fr. Kath. Kirchenblalt schreiben: „Der Hirtenbrief, welcher unstreitig tiefen Ein­druck im Volke macht, soll an allen Kirchen- thüren angeschlagen und der Satz auf Seite 6: „Haltet ferne von eüch Zeitungen, Blätter und Schriften, welche religionswidrig, unsittlich und kirchenfeindlich sind," soll roth und blau ange­strichen werden." Das stimmt. Die Ultra­montanen lassen das Volk schon lange blau an- laufen. Im ergötzlichsten Purzelbaumstyl em­pfiehlt dann das Blatt die Gründung von Preßfonds. „Wir halten solche Stiftungen ge­genwärtig für die zeitgemäßesten. Wie könntest geistliche Herren da wieder helfen im reichen Lande Baden! Ja, wenn sie wMen oder eist Verständniß der Zeiten hätten. Wir wollen's geradezu offen heraussagen: es ist empörend, zu hören, wie vor zwei Jahren ein geistlicher Herr dem Magistrat in Konstanz 2000 fl. vermacht hat für die neuärarische Schule; wie ein ande­rer der Stadt Triberg 50,000 fl. vermacht für dies und jenes unter der Verwaltung des Ma­gistrates; wie da in M. ein Pfarrer 100,000 seinen Verwandten hinterläßt, die sich über deck Grabe noch darum streiten; wie in H. ein an­derer über 100,000 fl. hinterläßt, die fast gastz einem Lehrer und seinen verheiratheten Töchtern zufallen. Dazu kommt, daß man den geistlichen Herrn ohne Hemd und ohne Hosen — da et dies nicht mehr brauche — in's Grab gelegt hat. (Buchstäbliche Wahrheit.) O ihr geistli­chen Herren, denket doch, welch' schönen Zwecken ihr in der Gegenwart das Geld der Kirche zck- wenden könnet. Machet doch Stiftung^ für die Preffe! Während die armen Vikare und

Ueber das Schlittschuhlaufen.

Das Waffer, in dem wir im Sommer schwim­men, gewährt uns im Winter auf seiner zuge­frorenen Oberfläche ein anderes Vergnügen, das oes Schlittschuhlaufens.

Gar Mancher hat wohl schon beim Anblick seiner Schlittschuhe gedacht, wer ist der Erfin­der?

Diese Frage ganz sicher zu beantworten, ist unmöglich. Die-Bibliothek zu Bern besitzt einen Schlittschuh aas Pferdeknochsn von Schweden und einen noch schöneren und größeren, den man bei den Ausgrabungen des Moos-Sees bei Bern fand. Der Schlittschuh war also schon vor 4000 Jahren den ersten Bewohnern der Pfahlbauten- in der Zeit der Stein- und' Knochenwerkzeuge bekannt.

Das British Museum zu London besitzt eben­falls ein Paar Schlittschuhe von Knochen.

Fitz-stephen, Geschichtsschreiber von London , erzählt, daß im 12. Jahrhundert, die Sümpfe- um London schon von jungen Bürgern besucht

wurden, welche grobe Schlittschuhe an den Füßen trugen und mit eisenbeschlagenen-Stöcken ver­sehen waren, die als Stützen benutzt wurden.

Der stählerne Schlittschuh mit Holzgestell und Riemen scheint in Friesland erfunden wordm zu sein; in England wenigstens soll er, nach Blaine, erst um die Mitte des 17. Jahrhunderts aus den Niederlanden eingeführt worden und in Gebrauch gekommen sein.

Der heutige Schlittschuhläufer bedient sich auf dem Eise keiner Stütze; er rennt, fliegt und verrichtet Wunder der Geschicklichkeit und Ge­wandtheit. Man trifft bei uns in Deutschland Schlittschuhläufer, die aus Schlittschuhen einen Raum von beinahe sieben Fuß überspringen, indem sie über zwei oder drei aufeinander ge­stellte Hüte, sogar über kleine Stuhlschlitten setzen. Der Baron v. Brincken, ehemaliger Page des Königs von Westphalen, führte diese Kunst­stücke aus.

Eine Berühmtheit in dieser Kunst, I. Gar- cin, 'ist der Erfinder der Rollenschlittschuhe, auf wellen in dem Ballet im „Propheten" Wunder verrichtet werden. Garcin schrieb auch ein

Büchelchen, betitelt: „Der wahre Schlittschuh­läufer, oder Anweisung, wie man mit schönem Anstande schlittschuhlaufen kann."

Klopstock , der Dichter der Messt ade, war bis in sein Alter dieser Kunst yiit außerordentlicher Neigung zugethan. In Altona sah man ihn oft mehrere Stunden ununterbrochen schlittschuh­laufen. Ebenso ist es bekannt, daß unser gro­ßer Dichter Goethe dieser Kunst ebenfalls sehr eifrig oblag.

Weit entwickelter als bei uns ist das Schlitt­schuhlaufen in Holland . Im Winter sieht man Verkäuferinen über das Eis laufen, um ihre Maaren nach ziemlich entfernten Orten zu bringen.

Im 18. Jahrhundert liefen die geschicktesten Schlittschuhläufer von Leyden nach Amsterdam , einen Weg von 6 Stunden, in fünfviertel, ja sogar in einer Stunde.

In einem Werke aus dem Jahre 1697, „Die Vergnügungen in Holland " betitelt, wird von einem Vater erzählt, der mehr als 24 deutsche Meilen in einem Tage zurücklegte, um seinen Sohn zu besuchen, der ohne seines schnellen