Amtliches Vertmndigwgsbtatt für kn Rms Ojfenburg

sowie für die

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Nro. 172. /

Offenburg , Dienstag den 26 . Zuli

1870

Politische Rundschau.

Karlsruhe , 23. Juli. Wir haben folgende Telegramme zu veröffentlichen:

I. An Seine König!. Hoheit den Großherzög von Baden .

Seine Majestät der König, mein Herr Va­ter, hat mich mit der Führung der Südarmee, welche neben den gesammtcn süddeutschen Trup­pen auch aus preußischen Korps bestehen wird, beauftragt.

Da mir hierdurch die ehrenvolle Aufgabe zu Theil wird, Ew. Königl. Hoheit Truppen zu oiesem deutschen Krieg zu führen, so werde ich Ew. Königl. Hoheit in Karlsruhe persönlich Meldung erstatten.

(Gez.)' Friedrich Wilhelm, Kronprinz von Preußen.

II. Sr. Königl. Hoheit dem Kronprinzen von Preußen in Berlin .

Seiner Majestät Ernennung Euer Königl. Hoheit zum Befehlshaber der deutschen Süd­armee gereicht mir und meinen Truppen zur größten Freude und Ehre.

Möchte es uns gelingen, unter Euer Königl. Hoheit Befehl Höchstihr Vertrauen durch Treue und Tapferkeit zu verdienen.

Jubelnd sehen wir Ew. Königl . Hoheit An­kunft entgegen.

Es lebe der König 'und das Vaterland.

(Get.) Friedrich, Großherzog von Baben.

(Karlsr. Ztg.)

Karlsruhe , 23. Juli. Wir glauben die er­freuliche Mittheilung machen zu können, daß die Mobilmachung unserer badischen Division vollendet ist. In allen Richtungen hat sich dabei unter mannichfach schwierigen Verhält­nissen der Geist der Bevölkerung des Eifers und der Raschheit des Militärs würdig ge­zeigt. In den verschiedensten Landestheilen drängen sich zahlreiche Freiwillige zu den Fahnen; dieselben werden am besten thun, sich an die Ersatztruppen zu wenden, wo sie erfahren wer­den, wie sie ihren patriotischen Geist können zur That werden lasten.

Aber nicht nur in unserem Lande geht die Rüstung zu dem uns aufgezwungenen Kriege

in der erwünschtesten Weise von statten: ganz dasselbe geschieht in Württemberg und Bayern und in dem gesammten Gebiete des Nordeut- schen Bundes. Binnen wenigen Tagen werden alle deutschen Grenzen so stark besetzt sein, daß wir dem Beginn des Kampfes mit voller Ruhe entgegensehen können. Alle deutschen Lgnde .wetteifern mit einander nicht allein in patrio­tischen Kundgebungen und Beschlüssen,. sondern in militärischer Energie, und die ganze Fülle dieser kriegerischen Kraft wird von Einer Hand geleitet. Süddeutschland und Norddeutschland bildet ein unzertrennliches Ganze unter der erprobten Führung Preußens. Niemals -seit- Jahrhunderte^ hat Deutschland Aehnliches ge­sehen.

Selbstverständlich ist die Lage eines Grenz­landes. wie Baden in mannigfaches Hinsicht eine schwierige. Die Notwendigkeit der Ver­teidigung legt demselben mehr als ein schwe­res Opfer auf. Nachdem in früheren Zeiten der wenig glückliche Plan zugelasten war, eine feste Brücke über den Rhein unter den Ka­nonen der feindlichen Festung anzuleHen, wurde cs gestern unerläßlich, diese Brücke dem höheren Interesse Badens und ganz Deutschlands zu opfern. Die Kehler Brücke ist gestern Nach­mittag von unserer Seite durch Sprengung des einen Strompfeilers für den Feind un­brauchbar gemacht. Die Sicherheit des Landes ist dadurch um eine bedeutende Garantie reicher geworden.

Wir sind um so mehr in der Lage, den kommenden Dingen in fester Ruhe, wie sie deutschen Männern ziemt, entgegenzusehen, als in nächster Zeit starke preußische Armeecorps did süddeutsche Streitmacht vermehren werden. Niemand wird unter solchen Umständen es mit seiner Würde und seiner vaterländischen Pflicht vereinbar finden, durch aufgeregtes Wesen, durch Annahme und Verbreitung thörichter Gerüchte, oder gar durch unverständige Handlungen seinen eigenen Charakter und das öffentliche Jntereste zu schädigen. (Karlsr. Ztg.)

Lörach, 20. Juli. Heute Nachmittag find von hier 51 junge Männer abgereist, um als Freiwillige in das deutsche Heer einzutreten.

Deutschland . Ter General Herwart v. Bit-

tenseld, Kommandant des 8. Armeekorps, erließ unterm 16. Juli (nach der independance beige), 3 folgenden Aufruf: „Auf zum deutschen Rhein !" „Deutsche , ihr habt gestern vernommen, daß die französische Regierung uns den Krieg erklärt hat; aber ihr wißt heute, warum sie ihn unter­nimmt". (Es werden nun die Erklärungen der französischen Minister im Senat und Gesetzge­benden Körper wiederholt und fortgefahren:)

„Deutsche Landsleute, ihr wißt es, jedes die­ser Worte ist eine Lüge. Aber wie viele Lügen haben wir schon seit dem 6. Juli gehört, da­mals als der Herzog von Granwnt behauptete, Preußen habe eine Jntrike gegen Frankreich an­gezettelt, um einen preußischen Prinzen auf den Thron Karls V. zu setzen!" (Der Aufruf be­spricht die Veranlassung zum Kriege weiter und fährt-fort:)

„Napoleon IN. zählt auf die Uneinigkeit der deutschen Nation, auf die Unbeliebtheit Preu­ßens in Deutschland . Aber sehet, wie heute die Könige von Baiern und Württemberg ebenso wie ihre Minister diejenigen zu Schanden ma­chen, welche solche'Hoffnungen erregt hatten".

„Den freien Rhein , den deutschen Rhein wollt ihr behaupten, Bewohner des westlichen Deutsch­ lands , die ihr Frankreich so tapfer bekämpft habt im Jahre 1813. Die Vertheibigung un­seres Landes beruht auf euch, tapfere Bewohner Schwabens , die ihr so hoch und fest die Fahnen unseres Vaterlandes gehalten; auf euch, Schle­sier, die ihr ehemals die Ebenen von Katzbach (Aus dem Französischen übersetzt!) mit französi­schem Blute geröthet; auf euch, Hannoveraner, die ihr die Waffen des alten Despoten in der iberischen Halbinsel bekämpft habt".

„Es ist ein hl. Krieg, den wir unternehmen. Der Neffe des ersten Napoleon will mit Blut seinen wankenden Thron befestigen".

„Wir wollen nicht antworten aus alle Prah­lereien der franz. Großsprecherei; aber seit den Zeiten des ersten Kaisers wissen die Deutschen den Weg nach Paris zu finden".

„Die Franzosen kämpfen für den Ruhm eines Despoten; ihr kämpft für Haus und Herd. Trotzt den Lügen der französischen Minister an-

Blicke i» ein dunkles Gebiet der Seele:

ä hm rinnt von der Stirne der kalte Schweiß;

>och bekämpft er männlich den innern Graus Und schreitet rasch vorwärts — der Schatten voraus.

(Fortsetzung.)

Ein Beispiel der Art Jung-Stilling er­zählt, das Adolph Fontaine unter dem Titel „Der Doppelgänger" in folgender Weise poetisch nacherzählt hat:

Der Doppelgänger.

In der zwölften der Stunden, um Mitternacht, Em Hauptmann die nächtliche Runde macht.

Die Luftaeht so schneidend, der Wind weht so kalt, In den Mantel hüllt sich des Hauptmanns Gestalt.

Und wie er beendet den dienstlichen Gang,

Will schnell er nach Hause, am Markt entlang;

Da steht,, bei , der Läinpen matt schimmerndem Licht, Er plötzlich dicht vor sich sein eigen Gesicht.

In Wuchs und Wesen die nämliche Norm, Dieselbe altpreußy che Uniform;

Ganz der nämliche Bart, ganz dasselbe Haar, Ganz derselbe weit dröhnende Tritt sogar.

Dem Hauptmann wird bange, dem Hauptman«

wird heiß,

So ziehen sie schweigend die Straßen hinauf,

Im nämlichen Tempo, im gleichen Lauf;

Die Stadt liegt stille, die Gassen sind leer;

Kein sichtbares Wesen, als jenes' und er.

Da nahen sie endlich des Hauptmanns Haus; Das nächtige Trugbild ist immer voraus.

a etzt bleibt's, um zu läuten, am Eingänge steh'n, >anz wie dies bisher von dem Hauptmann gescheh'n.

Der Diener, dem lange die Stunde schon währt,

t at kaum noch die schauende Glocke gehört, o öffnet behend er des Eingang's Thür',

Zu leuchten dem Hauptmann nach Pflicht u. Gebühr.

D'rauf schließt sich die Pforte. — Der Hauptmann

steht stumm,

Blrckt bang sich und scheu nach den Fenstern um; Da steht bei des Dieners vorleuchtcndem Licht,

Jn's Zimmer er treten das Doppelgesicht.

Und just so, wie immer zu machen er's pflegt, Sicht er, wie's dort oben sich dehnet und regt.

Es tritt'vor den Spiegel, es streicht sich den Bart. Ganz nach seiner eig'qen gewöhnlichen Art.

Der Diener nimmt Degen und Schärpe ihm ab Reicht Rachlrock ihm, Leuchter und Abendkapp'! D'rauf geht es gleich ihm m das Schlafkabinet,

Das Licht ist erloschen — der Hauptmann zu Bett.

Der And're hat bebend dies Alles gesehen,

Er kann sich's nicht deuten, er kann's nicht versteh'»; Da hört er auf einmal ein furchtbar Getos',

Als lösten die Mauern des Hauses sich los.

D'rauf rafft er sich auf und eilt an das Haus, Und schellet den schlafenden Diener heraus;

Der öffnet die Thüre der Hausflur sogleich.

Doch stehet entsetzt er und todtenbleich:

»Um Jesus! Herr Hauptmann — was machen

Sie da — ?

Ich eben in's Bett Sie ja steigen sah —!"

Doch Jener fliegt fiebernd die Stiegen hinan»

Daß zagend der Diener kaum Nachfolgen kann.

Und wie sie geöffnet des Schlafzimmers Thür, Erstickt eine Wolke von Staub sie schier;

Das Bett lag verschüttet vom Sturze de» Wand, Der Hauptmann stand lebend, den Geist man nicht

fand.

Ein ähnliches Beispiel erzählt B. A. Marx in seinen „Erinnerungen", die kürzlich erschienen