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jetzt auch die Schweizer , sich mit regelmäßigen Pässen zu versehen, wenn sie französischen Boden betreten wollen.

L««->», 17. Juli. Der „Economist " bemerkt: »Nachdem die Bank von Frankreich allen an sie gestellten Anforderungen entsprochen hat. zeigt j»as große Finanzinstitut eine Reserve von 22 Millionen Pfund Sterling, welches beinahe die gegenwärtige enorme Reserve von 6 englischen Banken zusammen repräjentirt. So ist also der Nationalkredit eben so solid begründet, wie der jeder andern europäischen Nation, deren Markt regelmäßig geblieben ist. _

Telegraphische Nachrichten.

Mönche», 18. Juli. Dem gestern von der Stadt München im Glaspalatte gegebenen Fest- bankete wohnten der Kronprinz des deutschen Reichs, der Prinz Luitpold mit seinen Söhnen, der Prinz Adalbert, sowie etwa 2500 Gäste bei. Der Glaspalast war feenhaft geschmückt und beleuchtet. Bürgermeister Erhardt trank auf das Wohl des Königs Ludwig, Bürgermei­ster Wiedemayer auf das des Kaisers und des Kronprinzen. Letzterer antwortete, er habe schon wiederholt hervorgehoben, wie hoch er die bai­rische Tapferkeit und Waffenbrüderschaft schätze, und welch großes Vertrauen der Kaiser dem bairischen Heere entgegen gebracht habe. Das bairische Heer habe dieses Vertrauen glänzend gerechtfertigt. Es habe im Kriege seine Schul­digkeit gethan, möge es nun die im Felde an den Tag gelegten militärischen Tugenden, welche es zum raschen Sieg über den Feind geführt haben, im Frieden weiter üben und pflegen. Das Vertrauen, welches das Heer dem Kaiser und ihm (dem Kronprinzen) entgegen gebracht, werde, wie er hiermit zugleich iw Namen des Kaisers wiederhole, gerechtfertigt werden. Er bringe auf seine Waffengenossen, das bairische Heer, ein Hoch. Dies Hoch, in das die ganze Versammlung jubelnd einstimmte, wollte kein Ende nehmen, und wurde die Rede des Kron­prinzen mehrfach von Jubel und Hochrufen un­terbrochen. Gegen halb 12 Uhr verließ der Kronprinz das Fest, das erst gegen Tagesan­bruch endete. Der König erschien nicht auf dem Feste, sondern kehrte Nachts nach Schloß Berg zurück. — Der Kronprinz des deutschen Reichs ist heute früh über Frankfurt und Ems nach Enaland ab gereist

Wiesbaden . 18. Juli. Seine Majestät der deutsche Kaiser wird Anfangs nächster Woche zu einer längeren Badekur hier eintreffen.

Berlin , 18. Juli. Die Liquidationskommis­sion, betr. die Entschädigung der deutschen Rhe­derei, ist heute zusammengetreten. Dieselbe wählte Direktor Eck zum Vorsitzenden, Senator Schröder aus Hamburg zu dessen Stellvertre­ter. Zunächst wurde beschloffen, eine öffentliche Aufforderung zur Anmeldung und Nachmeisung der unter das Gesetz fallenden Entschädigungs­ansprüche zu erlaffen, vorläufig ohne Festsetzung einer Ausschlußfrist.

Wie«. 17. Juli. Heute wurde die Konferenz zur Berathung des Anschlufles des österreichisch­türkischen Eisenbahnnetzes eröffnet. Anwesend waren der Reichskanzler Graf Beust , der Mi­nisterpräsident Graf Hohenwart, die Fachmini- stcr, der türkische Botschafter und die serbischen Kommissäre.

Paris , 18. Juli. Das Zerwürfniß, welches sich zwischen dem franz. Konsul in Egypten und der dortigen Regierung erhoben hat, ist von den Blättern stark übertrieben worden. Dasselbe ist bereits auf dem Wege des Ausgleichs. Das Gerücht, wonach der Konsul abberufen wäre, ist unbegründet.

Die päpstliche Unfehlbarkeit im Katechismus.

Von den Ultramontanen wird das Unfehlbar­keitsdogma als etwas ganz Unschuldiges darge­stellt, das weder mit dem modernen Staat, noch mit dem Gewissen der Individuen je in Con- flikt gerathe. Damit sucht man die Gebildeten im katholischen Volke in ihrer leider nur allzu­großen religiösen Gleichgiltigkeit zu erhalten, um das ungebildete Volk, namentlich das Landvolk, in das N'tz zu locken.

In der Schweiz ist jüngst ein gedruckter Nach­trag zum römisch-katholischen Katechismus er­schienen, der folgende neun Fragen und Ant­worten enthält:

Frage 1. Wer ist der Träger des unfehlbaren Lehramts in der Kirche?

Antwort. Der römische Papst als Nach­folger des HI. Petrus.

Da haben wir's! Also nicht mehr die Ver­sammlung der Bischöfe an einem allgemeinen Konzil, nicht mehr die Einstimmigkeit derselben, wie es in früher» Jahrhunderten der kath. Kirche war.

Fr. 2. Worauf gründet sich diese Lehre von der päpstlichen Unfehlbarkeit?

Antw. Sie gründet sich auf die Worte Christi und die beständige Ueberlieferung.

Fr. 3. Welches sind diese Worte Christi?

Antw. a. Du bist Petrus :c. (Math. 16.18.); d. Simon, Simon, stehe Satan hat verlangt rc. (Luk. 22. 31); v. Weide meine Lämmer (Joh. 21. 15).

Fr. 4. Und was lehrt die beständige U-ber- lieferung?

Antw. Immer und überall haben die päpst­lichen Lehrenlscheid ungen als unabänderlich ge­golten und mußte man sich ihnen stets in Ge­horsam des Glaubens unterwerfen. Dies aber könnte nicht sein, wenn sie nicht unfehlbar wären.

Ei, ei! Wie kann man einen solchen Faust­schlag der geschichtlichen Wahrheit in's Gesicht schleudern? Bekanntlich hatte das Konzil von Trient die Lehre von der Nothwendigkeir des Empfangs der Kommnion bei kleinen Kindern mit dem Anathem belegt und doch hatten Jahr­hunderte früher Jnnocenz I. und Gelasius I. den Empfang der Kommunion bei kleinen Kin­dern für so unentbehrlich erklärt, daß sie die, welche vor Empfang derselben sterben, geradezu der Hölle zuwiesen. *)

Bekanntlich hat Cölestin Hl. das Band der heiligen Che dadurch zu lockern gesucht, daß er erklärte, die Ehe sei gelöst, wenn einer von den Gatten ketzerisch geworden. Nehmt Euch in Acht, ihr katholischen Frauen, die ihr einen Protestanten heirathet! Das hat ein unfehlbarer Papst gesagt. Doch tröstet Euch miede, l Zwei andere unfehlbare Päpste Jnnocenz Hl. und Hadrian VI. haben die Lehre verworfen und ihren Vorgänger selbst einen Ketzer genannt. Wir könnten dgl. Beispiele, die oft sehr amü­santer Natur sind, noch in Hülle und Fülle an­führen, um die ganze Erbärmlichkeit der unserm katholischen Volke zu glauben hingeworfenen Lügen zu kennzeichnen.

(Schluß folgt.)

Vermischte Nachrichten.

* Appenweier , 19. Juli. Heute Mor­gen gegen 11 Uhr kamen die Großfürstin Marie und zwei Großfürsten nebst Gefolge von Pe­tersthal hier an, nahmen in der Bahnhofrestau­ration das Frühstück und reisten um 12 Uhr landabwärts nach Darmstadt , bez. Jugenheim .

— Freib u rg. 18. Juli. (Frb. Z.) Ge­stern um 11 Uhr ist die erste Lokomotive unter großem Jubel der Bevölkerung in den Altbrei­sacher Bahnhof eingefahren.

— Straßburg , 16. Juli. Seit gestern bewegen sich in schwindelnder Höhe an unserem Münster Flaschenzüge aus und ab, auf welchen die Arbeiter mit der Wiederaufrichtung der durch das Bombardement beschädigten schlanken Strebe­pfeiler beschäftigt sind. Die Herstellungen sind dem Baumeister Klotz übertragen. Auch sonst wird, seit die Entfchädigungsgelder so rasch aus­bezahlt werden, die Baulust lebhaft rege, und dürfte bis zum Herbst schon eine ziemliche An­zahl Gebäude unter Dach und Fach kommen.

(B.Ldz.)

— Leipzig , im Juli. Ein Komite zur Beschaffung einer National-Belohnung für den Maler der „Germania auf der Wacht am Rhein", unterzeichnet von Hofrath Dr. Rudolf Gottschall , Julius Höckel (Firma Häckel u. Comp), Franz v. Holstein und Professor Karl Hübner in Düsseldorf rc. erläßt zu diesem

*) St. Augustini op. n, 640.

Zweck einen Aufruf an das deutsche Volk. Es heißt darin u. a.: Lorenz Clasen war es, der in seiner „Germania auf der Wacht am Rhein" und in seiner „Germania auf dem Meer" schon vor Jahren Deutschland den Weg zu Ruhm und Sieg verzeichnele. In diese« Kunstwerken, welche sowohl die Wände des deut­ schen Fürstenpalastes, als die der Farmerhütte im fernen Westen schmücken, hat Clasen pro­phetisch unserem Volke sein Vaterland verkör­pert in vereinter Kraft und Herrlichkeit vor Augen geführt. Und da nun Deutschland den Werth seiner Macht und Größe fühlen gelernt hat, möge es auch dm alten Erbfehler, seine Geisteshelden erst nach dem Tode zu ehren, aus immer verbannen. In vollem, frischem Leben sollen sie den Dank ihres Vaterlandes genießen, und auch unser Clasen soll nicht sagen können: „Das deutsche Volk hat meiner vergessen!" Nicht um eine Unterstützung handelt es sich hier, sondern um einen Ehrensold, den wir dem Künstler schon allzulange schulden.

Beiträge nehme» entgegen: die Redaction der Gartenlaube zu Leipzig , das Bankhaus Hammcr u. Schmidt zu Leipzig ; für Amerika : das Han­delshaus Richard Ranft , Washington Place 7 zu New-Uork .

— Paris . 14. Juli. Ueber die bereits drahtberichtlich gemeldete Explosion theilt ein hiesiger Berichterstatter der Köl. Ztg. folgendes Nähere mit: „Gegen 1 Uhr Nachmittags ver­nahm plötzlich fast ganz Paris drei sich schnell aufeinander folgende Explosionen und dann ein zwei Minuten langes donnerähnliches Getöse. Zugleich erhob sich in der Richtung des Fau- dourg St. Antoine eine furchtbare Feuersäule und ein dicker schwarzer Rauch stieg auf. Ein panischer Schrecken bemächtigte sich der Bewoh­ner der obern Boulevards, Faubourg St. Au­toine, Menilmontant und der übrigen dort lie­genden Viertel. Alle Welt eilte aus die Stra­ßen, Viele suchten ihr Hab und Gut zu retten, da man glaubte, daß die Gasfabrik, welche am Ende der Barriere du Trone liegt, in die Luft geflogen sei. Dies war aber nicht der Fall, sondern es war die Palronenfabrik, welche auf dem südlichen Glacis deS Forts Vir cennes liegt, die explodirt war. Die Lufterschütterung war so furchtbar, daß nicht allein alle Fenster in Vincennes und St. Maur zersprangen und die Möbel der dortigen Häuser wie bei einem Erd­beben umgeworfen wurden, sondern auch alles Glaswerk in dem obern Theile des Faubourg St. Antoine zerschmettert wurde. In der Pa­tronenfabrik hatte sich eine Unmasse Bomben, Patronen u. dgl. befunden, da man alle Muni­tion, die sich in Paris befand, nach der Nieder­lage der Kommune dorthin gebracht hatte. Die Explosion war daher auch eine furchtbare und bis 5 Uhr Abends flogen fortwährend Bomben und Kugeln in so großer Anzahl in di« Loft, daß an ein Löschen nicht zu denken war. Einige Feuerwehrmänner, die sich in der Nähe der Feuerstätte, die über 10,OM Meter Terrain umfaßt, aufgestellt halten, mußten zurück, da eine Bombe ihre Pumpe zerschmetterte. Die Kugeln und Bomben wurden fortwäh end bis auf 5M Meter im Umkreis« herum geschleudert. Einige fielen sogar bis in die Näbe von Paris , von dem die Barriere ungefähr % Stunden entfernt liegt. Ueber die Zahl der Opfer, welche dieser neue Unglücksfall hinraffte, weiß man noch nichts, da Niemand in die Nähe kam. Lei­chen sah man jedoch aus der Ferne eine große Anzahl. Einigen Artilleristen und Arbeitern gelang es, sich zu retten; da aber in der Fabrik gewöhnlich 1200 Arbeiter und Arbeiterinnen be­schäftigt sind, so hätten die Verluste sehr bedeu­tend werden können. Dies war j doch zum Glücke nicht der Fall. Das Unglück soll dadurch hervorgerufen worden sein, daß eine Bombe zur Erde fiel und zerplatzte. Die Eisenbahn, die von Paris nach Vu cennes iührt, ist in Folge des Unglückfalles nicht befahrbar. Sie wurde mit Kugeln überschüttet, und da man annimmt, daß noch nicht alle Bomben zerplatzt sind, so fahren keine Züge mehr. Der Zudrang nach Vincennes ist enorm. Um 6*/* Uhr Abends brannte es noch immer stark und das Zerplatzen der Bomben dauerte fort."