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(Fortsetzung.)
Mit gleicher Wärme empfahl sie ihm seine Pflichten gegen Gott, lind die Sorge für seine Gesundheit; und um nicht den Murh zu schwächen / welchen er erkünstelte, nahm sie selbst eine heitere Miene an, während die hervorbre. chenden Thränen die Empfindung ihres Herzens verriechen. Von ganz verschiedener Art war die Ermahnung, welche Gertry von ihrem zweiten Mann erhielt. Nach dem Mittagessen führte er ihn in seinen Garten. »Nun wohlan ," sagte er, indem er ihm seinen Hut tief ins Gesicht drückte, „Rrdrigo, hast du Herz?" — Ja, gewiß, mein Großvater! — »Da," fuhr er fort, und griff in seine Tasche, »da ist das Geschenk, welches ich Dir mache!" — zugleich zog er zwei Sackpistolen hdrauö, die er ihm überreichte — »Nimm Dich in Acht," sagte er, „sie sind geladen. Um GocreSwillen, mißbrauche sie nicht, aber wenn Dich einer angreift.... —" Ja, ja, Groß, vater, ich werde mich gut zu verthcidigen wissen.— »Nun, laß sehen! ich nehme an, der Baum da scy ein Räubrr, der Deine Börse oder Dein Leben von Dir fordert. Was wirst Du thun?" — Ich werde ihm sagen: Mein Herr, wenn Sie.es bedürfen, so kann ich Ihnen wohl einige Unterstützung anbieten; aber meine ganze Börse.... in der Lage, worin ich mich befinde, ist bas mein Leben selbst. — »Nein," rief der Großvater, indem er auf den Baum zeigt, »ich will Alles haben, was Du besitzest." — Puff, ich schiesse eine Pistole auf den Baum los. — „Er zieht den Säbel!" schreit mein Großvater.... und ich schieffe zum Zweitenmal. Meine Großmutter lauft erschrocken ans Fenster und ruft: „Um Gottes - willen, was macht lhr?"— Ich bringe die Straf, senränber um, Großmutter, antwortete Grerry. Ihr Mann steckte beide Pistolen in seine Tasche und sie traten ins Haus zurück.
A!S Grerry wieder zu seinen Eltern kam, er- fuhr er, der rhm bestimmte Begleiter sey im Hause gewesen und die Abreise binnen acht Tagen fest gesetzt worden. Dieser Mensch, Namens Rema- ele, machte, eines Alters von 6u Jahren ungeachtet , die Reise von Lüttich nach Rom und von da zurück jährlich zwei, zuweilen gar dreimal. Er bandelte gegen die jungen Leute, welche er hin und her führte, alS eiu redlicher Mann, war
aber übrigens der feinste Schleichhändler, den» die Begleitung junger Studierenden nur zunr Deckmantel seines Handels dienre. Er führte die schönsten fiandrischen Spitzen in Italien ein- und brachte Reliquien und alte Pantoffeln des Papst- von Rom zurück, die ihm von den niederländischen Nonnenklöstern mit Geld, Spitzen und Geschenken jeder Art reichlich bezahlt wurde». Er war re»ch und geizig; wenn man ihn fragtet »Ob er denn auf der Landsirasse sterben wolle ? K antwortete er, mit seiner jüdischen Miene: „Ach! ich bin nicht so reich, wie man glaubt; über das, wenn ich jährlich nur eine Reise mache, so werde ich im Herbst krank, lieber will ich also reisen.^ Um Oerrer, wo er verdächtig war, zu vermeiden, muffte er grosse Umwege machen, so daß er jährlich , um (wie er sagte) scrne Gesundheit zu erhalten, mit einer Last von zweihundert P,ünde» auf dem Rücken, an zweitausend Meilen zurück- legtr. Endlich brach der Tag der Abretse au, den Grerry mit Ungeduld herbeiwünschre. Er sähe seit acht Tagen nichts als Thränen, hörte nichts als Seufzer. An dem bestimmten Tag, eine Stunde nach dem Mittagessen, trat der fürchterliche Reinacle, ohne sich anmelden z» lassen, in die Wohnung. Seine Erscheinung war ein Donnerschlag für die Familie. Grerry ließ ihm keine Zeit zum Sprechen, er sprang auf, ergriff sein Felleisen, und warf sich mit gekälteten Händen seinen Eltern zu Füssen , um ihre» Segen zu bitten. „Gott segne dich, theureü Kind!^ sagten sie und — er verschwand. Die Nachbarschaft war vor den Thürcn, ihn abretsen zu sehen; er winkte Jedermann, ihn nicht aufzuhalten, und sein alter Mentor sagte, indem er ihm nachlicf, zu ihnen: »Seyd ruhig! ich werde für ihn Sorge tragen." — »Welch einen lebhaften Eindruck (sagt Grerry bei Schilderung dieser AbschiebS- scene) machten die Thränen meiner Mutter, und vorzüglich meines BarerS, aufmich! ihre ehrwürdigen Gesichter, auf welchen die Blässe des Todes verbreitet war, ihre gen Himmel erhobene» Arme, um ihn zu meinem Besten anzuflehen, dieses rührende Gemahite machte einen Eindruck auf mich, den ich nicht darstcllen kann. Als ich wieder zu mir selbst gekommen war, iühire ich meine Thränen fliesten, und rief: O mein Gott! gib, daß drin armes Geschöpf einst die Stütze und der Trost seiner bekümmerten Eltern werde. D»e tU