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keine bunte Livree, sondern einen Frack und seidene Strümpfe. In der Stadt fährt er langsam und ohne Geräusch; dies schont die Pferde und erwirbt ihm das Wohlwollen der Vorübergehenden. Man dankt dem reichen Manne fürAlles, und besonders dafür, daß er nicht viel Lärm macht. Hält er vor einem Ha'-se an, so steigt er sogleich aus, und sein Bedienter macht den Schlag leise wieder zu, statt ihn lärmend zuzuwerfen. Ein solcher Mann sieht immer aus, als wäre er zu Fuße gegangen, und dies ist ein« Artigkeit für die, welche zu Fuße gehen müssen.
Tritt er in eine Gesellschaft ein, so kündigt man ihn ohne Tirel an, wenn er auch einen Titel hat, und Jeder macht ihn zur Entschädigung dafür zum Grafen, wenn er Baron ist; er grüßt Jedermann, ohne die Haare an der Stirn emporzustreichen; er setzt sich an einen nicht gleich in die Augen fallenden Platz, aber man sieht es ihm auf den ersten Blick an, wlt sehr er den Uebrigen überleg, n ist. Im Anfänge bemerkt man an ihm nichts besonders Auffallende-, aber wenn man ihn näher betrachtet, schreitet man von Entdeckungen zu Entdeckungen. Er. trägt zwar nur eine silberne Uhr, aber sie ist von Breguet, der keine mehr macht; seine Uhrkette ist klein, aber es ist eine venezianische aus guter Zeit; man betrachte nur seinen Siegelring, es ist ein Cam 6 e aus der Zeit des Augustus, ein Alcibiades, wenn Sie wollen, und von Benvenuto Cellini , dem großen Meister, gefaßt. Er trägt an seinen Fingern alre Ringe, aber er sind florenlinische, der Ruhm Italiens ; seine Tabariere ist nicht von Gold, aber es befindet sich schon oben darauf ein kostbarer Cam 6 e, und er trägt sie, sie mag Mode seyn oder nicht. So ist es mir Allem an ihm; im Spiele hat er ganz neues Geld; läßt er ein Stück fallen, so hebt er es nicht auf; er streitet nicht beim Spiele, er gibt nie guten Rarh und verlangt nie dergleichen. Er lacht wenig, hört wenig und ist mehr kalt als gesprächig; er sucht weder witzig zu seyn, noch die Gesellschaft durch Anekdoten zu unterhalten; diese Sorge überläßt er den Flachen, denn er weiß recht wohl, daß man eine Gesellschaft nie ungestraft unterhält; übrigens ist er artig gegen Jedermann, »ehr galant gegen die Damen und gegen die Mächtigen, gleichgültig gegen die ohne Grund Berühmten, schätzt dagegen die Wissenschaft so sehr als die Macht, sucht beide zu seinem Vortheile zu benutzen und schmeichelt beiden, so viel er vermag, weil bei dieser Schmeichelei für ihn immer etwas zu gewinnen ist.
Das Schloß B * *.
In einem Lande, das — wir versichern es auf Manneswort -- wirklich auf der Landkarte zu finden, hat sich vor Kurzem folgender Betrug begeben, der vielleicht durch Originalität ausgezeichnet ist; wir sagen vielleicht.' denn eS wird nachgerade nirgends schwerer.
einer Originalität zu begegnen, als bei dem Betrüge, der von der Kultur am meisten bevorzugt scheint. Doch ohne Anzüglichkeit weiter! ES liegt eine fast gänzlich verfallene Ruine in jenem Lande, die noch biS heute den prunkenden Namen: „Schloß B * *" hat; dazu gehören » l / 2 Morgen des steinigtsten Ackers, den die Erde aufbringen kann; dieß Wenige gehörte einem armen Bauer, der sich an der Ruine eine Hütte an-. geklebt hatte, die nur deßhalb nicht bei dem ersten besten Windstoße zusammen fiel, weil sie von jeglichem Windstöße alS geringschätzig übersehen wurde. Zu dem niedergeschlagenen Herrn dieses unglücklichen Besitzthums trat nun ein wohlgekleiderer Mann, dessen Wagen unten am Berge hielt, und fragte: „Ist dieß Schloß B * *?"— „Ja, mein Herr!"— „Sind Sie der Eigenthümer % " — ,, Ja, mein Herr!" — „Wollen Sie verkaufen V — Nach einer kurzen Pause: „Ja mein Herr! Aber ein Käufer zu finden, ist ein Kunststück!" — „ Nun, ich will's kaufen!" — Eine Pause, die mit der Pantomime des Unglaubens auS- gefülll ward. „Ganz gewiß!" bestätigte Jener; „ich biete 2000 Thaler." — „Für die Ruine und das Bischen steinigten Acker? " — „ Für die Stelle, welche Schloß B * * heißt." Der Bauer fällt vor Verwunderung aus den Wolken in den Himmel hinein; genug aber, das Geschäft kommt zu Stande, und am nächsten Tage wird bei einem Notar bas Kauf-Instrument aufgesetzt, wobei die' 2000 Thaler wohlgezohlt dem nächsten Tische anvertraut sind. „ Eine Bedingung nur habe ich," spricht der Käufer jetzt zu dem Bauer; „empfangen Sie Ihr Geld, kann eS Ihnen ganz gleich seyn, wenn wir m den Kauf-Contract setzen: 200,000 Thaler statt 2000 Thaler. Der Bauer schüttelt zwar sein Haupt, indeß der Notar, der seine Gebühren für die große Summe erhalten soll, spielt den Indifferenten; die Nullen mehr kommen in das Instrument, und der vergnügte Bauer trägt seine 2000 Thaler zu dem Verkäufer eines sehr anmuthigen Bauerngehöfts , welches jetzt das seinige ist. Der Käufer deS Schlosses B * * aber gehl vierzehn Meilen weiter nackt der Hauptstadt des nächsten Landes, und sucht, zur Verbesserung seines für 200,000 Thaler gekauften, bis dahin schuldenfreien Schlosses ein Kapital von /,0,000 Thaler zur ersten Hypothek mit fünf Procent, welche Zins-Summe bekanntlich jetzt eine hohe und schon schwer zu haben ist. Er findet einen Reichen, der die Summe giebt und der Besitzer deS Schlosses B * * reist eiligst — nach Amerika . Jener Reiche bekommt nach dem ersten Vierteljahr keine Zinsen, er fragt bedenklich den Unterhändler; der schreibt — und erfährt, daß Schloß B * * bis dato noch- gar nicht in Besitz genommen sey. „ Dem Mann.muß «in Unglück begegnet seyn, in dem Falle habe ich die ersten Recht« an Schloß B * spricht freudig jener Creditor, eilt, an Ort und Stelle zu kommen, und findet den winzigen Steinhaufen, auch di« > % Morgen steinigten