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erhörte Umlagen genehmigte, gleich abgesetzt wissen. Nach Anzeige neuer Petitionen legte Staatsrath Bekk einen Ge­setzentwurf 1) wegen Abänderung des Forstgesetzes und Mil­derung der Strafbestimmungen, und 2) in Betreff der Schul­lehrergehalte vor; es sollen nämlich für Besorgung von Nebendiensten (Glöckner-, Meßner- und Organistendienst) bei der Besoldungsberechnung 15—40 st. außer Ansatz bleiben, und sonach die Besoldung um diese Beiträge erhöht werden.

Fortgesetzte Berathung über die neue Gerichtsverfassung. § 2. Mit der Rechtspflege sollen künftig beauftragt sein: l) Amtsgerichte (Cinzelrichter); 2) Kreis- und Han­delsgerichte mit je drei Richtern; 3) Kreishauptge­richte mit fünf Richtern, welche auch in Strafsachen mit

? uzug von Geschworenen zu entscheiden haben; 4) das andesgericht (Obcrhofgericht) — wurde angenommen, sowie die §§ bis 17. Hieraus erkundigt sich Brentano nach dem Stande der Untersuchung gegen Peter. Staatsrath Sten­gel erwiedert, daß der Staatsanwalt bereits zum Bericht hierüber ausgefordcrt worden. Staatsrarb Bekk fügt bei, daß inzwischen ein Spruch geschehen: eine Verhaftung Peters könne nicht eher vorgenvmmen werden, als bis die Nat.- Dersammlung ihre Zustimmung dazu werde gegeben haben. 2ame j) will dem Abg. Peter jedoch den Rach ertheilen, noch nicht in der Kammer zu erscheinen. Brentano: »Das werden wir übernehmen; Peter wird kommen und abwar- ten, ob die Commission einen Antrag auf dessen Abweisung stelle.»

116. Sitzung der 2. Kammer vom 5. Der. Nach An­kündigung neuer Petitionen, unter andern eine von mehre­ren Bürgern und Einwohnern aus Engen um Beschleuni­gung der Untersuchung wegen Aufruhrs: es seien Einige bis 11 Wochen, ohne verhört zu werden, gesessen. SMtSrath Stengel bezweifelt dies, übrigens hätten sich die Petenten bei dem Hofgerichte oder dem Justizministerium zu beschweren, v. Jtzstein erhebt dieselben Beschwerden in Betreff der in Weinheim einqeleiteten Untersuchung: es seien dort schon vier Opfer gefallen, indem sich zwei Verhaftete erhenkten und zwei Frauen darum zu Tode gegrämt hätten, weil man Familienväter ihren Familien entrissen und dem Elende preisgegeben habe. Er vertraue übrigens auf die Gerech- tigkeitSlrebe des Justizministerial- Vorstandes. Brentano weist nach, daß sich die meisten wegen politischer Vergehen Angeklagten, um einer langen Untersuchungshaft zu entgehen, geflüchtet hätten, nicht wegen der zu erwartenden Strafe; er beantragt alsbaldige Uederweisung der Petition von Engen an das Staatsministerium. Einige Mitglieder wahren die Geschäftsordnung, indem Petitionen zum Bericht vorerst an die Commission zu geben hätten. Brentano besteht auf alsbaldigem Bericht dieser Commission, die Sitzung möge, damit jene sich berathen könne, auf einige Zeit autzehoben werden. Lamey bemerkt, der Sprecher (Brentano) sei selbst Jurist und müsse wissen, daß man die Untersuchungen weder per Eilwagen noch per Dampswagen beendigen könne; übrigens glaubt er selbst, daß die Richter einen etwas raschern Gang einschlagen dürsten; aber gegen den in Auf­nahme kommenden Gebrauch, daß man den Petenten unbe­dingten Glauben schenke, ohne den andern Theil zu hören, müsse er prvtestiren. — Tagesordnung: Berathung über die neue Gerichtsverfassung. Das Gesetz wurde mit 37 Stim­men gegen 11 mit wenigen «enderungen angenommen.

Die Lazzaroni in Neapel .

Neapel hat das große Unglück, keinen Mittelstand zu besitzen. Es hak nur Adel auf der einen sefte und Pöbel auf der andern. Neapel ist die wahre Stadt des Pöbels, er ist eine Macht, die oft furchtbar geworden. Die Reichen und Gebildeten sind genöthjgt, ihnen zu schmeicheln; der König selbst hält die Zügel seiner Pferde an- wen» er einem Haufen Lazzaroni begegnet, reicht ihnen die Hand und läßt stch von ihnen den Arm, das Gesicht, die Kleider streicheln.

In welcher engen, täglichen Vertraulichkeit der Groß­vater des jetzigen Königs, der enquettenstrenge Ferdinand i., mit ihnen lebte, ist bekannt. Zwar ist das eigentliche Ge­schlecht der Lazzaroni, d. b. der Menschen, die lebten, vbne bestimmte Beschäftigung und Obdach zu haben, ausgestorden. Wohnungen haben sie jetzt alle, wen» es auch oft nur dir Höhlen im weichen G,stein des Pausilippo sind; auch einen: Anlauf zur Annahme einer gewissen Garderobe haben sse ge­macht. Freilich siebt man noch oft.genug Bursche,-deee» ganzer Anzug, wenn sie volle Toilette gemacht, aus einem um die Hüfte gebundenen Sacke, einem zerlumpten Stücke Zeug, das die Schultern bedeckt, und einer Wundrrmedaille auf der Brust besteht. Die Meisten sind zudem stolz auf ein«! warme phryzische Mütze von scharlachcorber Wolle; ist der Kops sicher gestellt, so haben die Füße und Beine begreiflich weiter keine Ansprüche und bleiben nackt im Win rer wie im Sommer.

Was die Beschäftigung angehr, <o sind, wir gesagt, auch in dieser Beziehung die guten alten Zeiten des dolce fwr niente, die Zeiten, wo die Lazzaroni sich sorglos am Strande des Meeres in den Sand legren und sich sonnten wie die Eidechsen, längst vorüber. — Viele von ihnen find Hand­werker geworden, der Handwerkerstand Neapels gehört größ- tenthcils ursprünglich dem »Lazzarismus» an. Aber auch die Uebrigen haben jetzt etwas zu thun. Entweder rufen fie Fische, oder Früchte, oder Blumen, oder Flugschriften aus, oder sie putzen die Stiefel der Vorübergehenden. Solch em Stiefelwichser bat neben seinem Bürstenkasten auch gewöhn­lich ein thätigee Banquiergeschäft. Er hat einen alten wurm­stichige» Tisch »eben sich stehen, auf welchem die kleinen Haufen Tornefen und Grane ausgestapclt sind, und an dem man kleine Münzen einwechseln kann. Andere treiben einen CommissivnShandel, sie lassen stch von einem Tischler einen neuen, schön polirttn Schrank, eine nvthdürstig reparirte alte Wiege geben und pflanzen stch damit auf dem Lflrgv- San-Spirito auf, und das Geschäft ist eiablirt. Hat Einer drei Orangen, einen alten Kupferstich und einige Bündel Schwefelhölzer, so breitet er ei» Schnupftuch aus, arran- girt leine Schätze mit allem möglichen Gefchmacke und di« Firma ist fertig. Viele haben eine» Freundfchaftsbund m» einem Fiaker geschlossen und springen hinten aus, sobald Je­mand in den Wagen steigt, und fungiren dann als Bediente, man mag sie wollen oder nicht, gleichviel, — Euer Diener zu sein, das ist ihr Herrenrecht. An warmen Tagen steht Mn sie allerdings zahlreich am Strande liegen und stch sonnen, Sorglosigkeit um Vergangenheit und Zukunft in jeder Miene. Aber gewiß würden auch diese es sehr übel nehmen, sagte man ihnen, sie thäken NichtS. Sie haben sicherlich erst m der letzten Woche einen Fischfang mitgemacht und wer weiß, ob sie nicht übermorgen eine sehr anstrengende Arbeit be­kommen werden.

Dieses Volk ist im Grunde gut und treu und anstellig, wenn man freundlich mir ihnen ist und sie verdienstmäßig bezahlt. Aber ihre Lage hat sie ganz natürlich auf den "Kom­munismus-- bingewiesen; über das Mein und Dein haben sie ihre Begriffe keineswegs bis zu jener strengen Sonderung der Categorie» aufgeschwungen,, wie das bei uns der Fall, und man nennt Quartiere in der Stadt, Gegenden in der weitern Umgebung, wohin man sich nicht gerne allein begibt. Außerdem scheint in den Traditionen des Volkes fortzule­ben, daß es zu feinen Rechten gehört, bei bedeutenden poli­tischen Veränderungen die schöne Stadt Neapel ausplünoern zu dürfen. In den Jahren 1799, 1806, 1815 u. 1848 haben fie in der Thal furchtbar gehaust, besonders in dem erstge­nannten Zeitpunkte, nachdem ei» thörichter Angriff des Kö­nigs Ferdinand iv. auf die sranz. Republik die Truppen Frankreichs unter Cbampionnek in's Land gebracht und der König nach Sicilien entflohen. Die Anarchie, welche dadurch, in Neapel entstand, wurde vom -Lazzarismus - zu den schreck­lichsten Ausschweifungen benützt.