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Arbeiter die deutschen -beobachten und ihre Handgriffe nach­machen, besonders aber die deutschen Handwerksgeräthe unter­suchen, die den allgemeinsten Beifall finden."

Das bayerische Bier.

Jean Paul (sagt Schuselka in seinen „deutschen Fahr­ten'), der in Bierangelegenheiten gewiß ein kompetentes Ur- theil hat, sagt: „Eine vernünftige Betrunkenheit kommt dem ascenschen und poetischen Enthusiasmus unglaublich zu Stattenund ferner nennt er die Dichter geradezu „betrun­kene Philosophen." Da nun aber das deutsche Volk ein asketisch-ftommes Volk ist, da wir unsere Dichter-Philosophen und Philosophen - Dichter als die ruhmvollsten Repräsentanten der deutschen Nationalität preisen, und da sich die Deutschen , philosophische wie unphilosophische, seit alten Zeiten am ver­nünftigsten mit Gerstensaft berauschten, so dürfte es kein ganz unvernünftiger Schluß sein, das Bier das National­getränk der Deutschen zu nennen.

Da nun bekanntlich die Bayern für den urächtesten deutschen Stamm gelten, so ist es ganz natürlich, daß eben sie im Besitze des National - Braugeheimniffes sind. In der That ließe es sich sonst auch gar nicht natürlich erklären, warum gerade Bayern und nur Bayern im Besitz des besten Bieres ist. Wandert von Culmbach bis Tölz , von Aschaffen­ burg bis Paffau, überall, allüberall das köstlichste Bier.' Und ringsum in den nächsten Gränzländern, namentlich in Ober­ österreich , Böhmen , Thüringen , Schwaben , behält das Bier noch einen Nachgeschmack des bayerischen, aber je weiter von Bayern entfernt, desto schlechter wird es. Schon dadurch widerlegt sich die gemeine Annahme, das Wasser bedinge die Vortrefflichkeit des bayerischen Bieres. Wie verschieden muß das Wasser sein im Rhön - und Fichtelgebirge , im fetten Mainthale, auf dem dürren fränkischen Landrücken, in den Moosgründen und auf den Alpenhöhen Bayerns , und den­noch überall vortreffliches Bier! Wie prosaisch ist auch die Annahme, das Wasser wirke das bayerische Bierwunder.' Nein, der ureigene deutsche Geist braut den geheimnißvollen Zauber dieses Getränkes. Wahrlich eine Erscheinung, die auf einer der nächsten Germanisten-Versammlungen reiflich er­wogen werden sollte.

Selbst in den Franzosen wird das germanische Element ihres Ursprungs lebendig und sie befreunden sich von Jahr zu Jahr eiftiger mit deutscher Philosophie und bayerischem Bier.

Wenn aber Börne im Jahr 1832 aus Paris schrieb, ein Münchener Bierbrauer gienge mit König Otto nach Grie­ chenland , um dort bayerisches Bier einzuführen, so beweist diese Stelle eben nur, daß der sonst so vortreffliche Börne nicht rein germanischer Race war. In ihren Wäldern haben die Deutschen auch das Bier erfunden und wir haben nur die Erfindung unserer Vorfahren cultivirt. Die alten Deut­ schen tranken viel Bier, ja sie tranken ihr Bier aus den Schädeln ihrer Feinde.

Was Diejenigen betrifft, welche behaupten, das Bier verstumme und verdumme den Geist, so wird sie durch die Geschichte des deutschen Geistes widerlegt. Das deutsche Volk ist das Biervolk Europa '«, aber ist zugleich das Volk der scharfsinnigsten Gelehrsamkeit, der kühnsten Philosophie, der idealsten Poesie. Schiller trank in der Periode seiner genialsten Schöpferkraft täglich seine Flasche Bier. Jean Paul war ein großer Biertrinker, und wer ubertrifft ihn an Witz, Humor, Phantasie? Als Goethe in seiner Jugend noch gern Merseburger Bier trank, da war er voll Leiden­schaft, da schrieb er „Weither und Götz", da dachte er seinen Faust." Später trank er nur Burgunder und versank den­noch in anrik-marmorne Kälte. Und wer bildet denn den

gewecktesten, fröhlichsten, freisinnigsten, muthigsten Theil un­seres Volkes? Sind es nicht die Studenten? Und sind sie nicht rastlose Biervertilger? Daß sie später so häufig flaue Philister werden, daran »st nicht das Bier, sondern der Man­gel an Bier schuld.

Drum bleibe unser deutsches Bier in Ehren, und Mün­ chen freue sich, die Metropole der deutschen Braukunde zu sein. Das berühmteste Münchener Bier ist bekanntlich der Bock. Dieser Bock aber ist nichts Anderes, als das veredelte, altberühmte Eimbecker Bier.

Wir glauben, diese Bierabhandlung nicht würdiger schlie­ßen zu können, als wenn wir ein Bierlied mittheilen, wo­mit ein österreichischer Dichter die leider noch ziemlich arme Bierpoesie bereiche«.

Bierlied.

Es lebe Die Rebe,

Es lebe der Wein!

So hör' ich Euch schrei'».

O schämt Euch, Gernianen,

Und denket der Ahne»!

Bei allen Walhallen!

Sie tranken ja Bier Und schlürsten'S mit Gier Aus römischem Schädel Und nannte» es edel.

Die Tropfen Aus Hopfen Und duftendem Malz'

Sind attisches Salz,

Entheisern die Kehle Uno kläre» di« Seele.

Nach Währung Verftärung!

Nach Kämpfen der Sieg Und Friede nach Krieg!

3a, bräunliche Klarheit Gleichst männlicher Wahrheit!

Schön Zwitter Von bitter,

Süß, herb« und mild:

Vom Leben ein Bild!

Dein perlende« Schäumen Von menschlichen Träumen.

Bist Paarung Von Nahrung Und flammendem Geist,

Die tränket und speist;

Die Flamme gebührend Und sie auch ernährend.

Der flücht'gen.

Der »icht'gen Begeist'rung vom Wein,

Laßt Schwärmer sich, srenn.

Auf, zeigt Euch als Kenner,

Trinkt Bier nur ihr Männer!

Wegen des Festtages Christi Him­ melfahrt können Einrückungen in die nächste Nummer dieses Blattes nur bis Mittwoch ZKittag angenommen werden.

Verantwortlicher Redakteur: I. Otteni. — Druck und Verlag der I. Okteni'schen Buchdruckerei.