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Hat früher der bavische Landtag, freilich in anderer Weise, die Augen des ganzen Deutschlands auf sich gezogen, so ver­dient er die allgemeinste Aufmerksamkeit diesmal in noch viel höherem Grad, weil er einen Weg eingeschlagen, welchen die Kammern anderer Staaten, folgten sie ihm, nur zum Heil ihrer Cvmmittenten wandeln würden. Die Parteikämpfe sind verstummt, das unfruchtbare Gebiet politischer Discus- sionen ist verlassen, dafür aber mit allem Eifer das der materiellen Interessen betreten, und auf diesem reichen sich, wie wir sehen, Alle die Hand, um ein Werk zu schaffen, das eine wahrhafte und dauernde Stütze des Volkswohls wird.

— Der „S. M." bringt Nachstehendes aus dem Ent­wurf über Abänderung verschiedener Bestimmungen über die Verwaltung des Gemeindevermögens. Gegenüber den seit­herigen andern Bestimmungen ist im neuen Entwurf darauf abgesehen, die Gemeindebedürfniffe zunächst durch verstärkte Beiziehung des Ertrags des Gemeindevermögens zu decken, dann erst zu Umlagen zu schreiten, und hierbei den Umlage­fuß für die Ortsbürger und die ihnen Gleichgestellten einer­seits, und die staatsbürgerlichen Einwohner und Ausmärker andererseits in billigerem Maaßstab sestzustellen. Es soll demnach, wenn in einer Gemeinde die nach dem Steuerka­pital zu machende Umlage 4 kr. von 100 fl. Steuerkapital übersteigt, die auf die Bürgernutzungen zu machende Auflage nöthigensalls bis auf 3 Viercheil des reinen Genußwerches erhöht werden, und unter denselben Voraussetzungen auf den von der Auflage sonst ganz fteizulaffenden Theil der Bürger­nutzungen eine solche Auflage bis auf t Viertheil des Genuß- werthes stattfinden. Was sodann durch die Gemeindeeinkünste und durch die Auflagen auf die Bürgernutzungen nicht gedeckt ist, wird nach dem Gemeindekataster aus das gesammre Ge- werb-, Häuser--, Güter- und Gefällsteuerkapital in der Art umgelegt, daß die Steuerkapitalien der Gemeindebürger in ihrem vollen, jene der übrigen staatsbürgerlichen Einwohner und der Ausmärker mit dem hälftigen Betrag in Ansatz kommen. Uebersteigt die allgemeine Umlage den Betrag von rv kr. vom 100 Steuerkapital, so darf dieselbe nur mit be­sonderer Genehmigung der Staatsbehörde stattfinden. In diesem höchst schwierigen Theil der Gesetzgebung, wo so vieler­lei zum Theil widerstreikende Interessen zu berücksichtigen sind, wurden bei uns schon einige Versuche gemacht; möge der vorliegende zu einem gedeihlicheren Resultate führen!

— Die Schlachtvichaccise soll auch nach Ablauf der derzeitigen Budgetperiode forrerhobrn werden. Die von den Metzgern des Landes dagegen einaereichte Petition dürste den gewünschten Erfolg wohl schwerlich haben, da, wenn eine Abgabenminderung zulässig ist, es nach der Begründung der Regierungsvorlage nicht die Schlachtviehaccise sein wird, welche man dabei zunächst ins Auge zu fassen hat. Ebenso kann die 1848 in Aussicht gestellte Aufhebung der Kauft und Tauschbrieftaxe und die Ermäßigung der Kaufaccise zur Zeit noch nicht eintreten. Der einzige Artikel des deßfallsigcn Ge­setzentwurfs ordnet bie Forterhebung an, und die Großh. Regierung sagt in der Begründung: „Gerade gegen die Steuer, in welcher man früher ein Surrogat erblicken mochte, hat die Erfahrung neuerdings erhebliche Bedenken hervortre- ken lassen." Der Gesetzesentwurf will daher die Forterhebung bis auf Weiteres, um nicht zum vierten Mal Hoffnungen zu erwecken, die abermals vereitelt werden könnten.

— Der Gesetzesentwurf über die Branntweinsteuer ist dem Gesetz von 1837 nachgebildet, erhöht jedoch das Kesselgeld, - bringt die Kessel in 3 Klaffen: a) einfache, deren wir etwa 57,000 im Lande haben; d) mit Vor- oder Maischwärmcrn, deren es 1850 im Lande 194 gab, und c) Dampfbrennereien, 1850 75 zum Theil sehr großartig und kostspielig eingerichtet. Nach dem Entwürfe soll die Branntweinsteuer von jeder Maas Keffelinhalt monatlich bei a) 3 kr., bei b) 4Vs kr., bei c) 6 kr. betragen. Gestattet werden Fristen (Zahlzeiten) von * 3 Monat. Aus dem in der Begründung niedergelegten Material geht hervor, daß bei den besonderen Verhältnissen unseres Landes immer noch die Brennerei im Kleinen und als landwirthschaftliches Nebengeschäft viel verbreitet ist, daß - den letzten 10—12 Jahren auch große Brennereien >"> Lande entstanden sind, während sich fast überall im Lande vas Branntweinbrennereigeschäst als besonderes Großgeschäst

entwickelt, und in vielen Theilen Deutschlands , namentlich aber Englands, besonders ausgebildet hat. Das Zeitenrad wird auch hierin wahrscheinlich bei uns noch seinen Um­schwung vollenden.

— In Rastatt befindet sich eine Arbeitsschule für reise« Mädchen, welche aus der dortigen Karl-Friedrichs-Stiftung hervorging. In ihr erhalten alle Mädchen, die der Schule entlassen sind und wollen, unentgeldlichen Unterricht in allerlei weiblichen Arbeiten, vorzüglich im Weißnähen und Kleidermachen. Sie erhalten überdies Gelegenheit, sich ftühe schon Einiges durch ihre Fertigkeiten zu erwerben, und wer­den durch Beispiel und Lehre so zu Sitte und Zucht heran­gewöhnt, daß man mit Recht hoffen darf, manches von «bnen werde vor dem moralischen und physischen Verderben bewahrt bleiben, dem es sonst unrettbar verfallen wäre. Wie veredelnd dann wieder eine gesittete weibliche Jugend auf das andere Geschlecht hinüber wirken müsse, ist so wenig zu verkennen, als die alte Erfahrung, daß häusliches Glück und Wohlstand mehr durch das stille Wirken des Weibes, als durch die geräuschvollere Thätigkeit des Mannes, die mehr nach Außen sich richtet, geschaffen und gefestigt werde.

— Der landwirthschastl. Bezirksverein Rastatt hat Versuche mit der Duffeau'schen Samendüngung auf dem Vereinsfelde gemacht. Das Ergebniß war ein durchaus ungünstiges, in­dem sowohl Gerste als Haber an Garben, Stroh und Kör­nern einen ansehnlich geringer» Ertrag lieferten, wo die vielgepriesene Samendüngung angewendet worden, als wo man die Saat ohne Düngung in Boden warf. Es sind solche Versuche höchst dankenswerth, auch wenn sie mehr kosten, als der gegenwärtige (2 fl. 42 kr.), da die Land- witthe dadurch vor Täuschungen bewahrt werden.

— Vom Rhein brachte die Karlsr. Zeitung kürzlich folgenden beachtenswerthen Artikel: „Aus Württemberg hat die Karlsruher Zeitung jüngst berichtet, daß der dortige Seidenbau-Verein mit aller Thätigkeit auf einen reichlichen Erfolg hinarbeite; fast zu gleicher Zeit vernahm man aus verschiedenen Blättern, wie man in Preußen eiftig bemüht ist, diesen Industriezweig zu fördern, und namentlich an Arme unentgeldlich Maulbeersetzlinge abzugeben, um sie in Stand zu setzen, sich einen Erwerbszweig zu schaffen. Es mag auffallen, daß in einem Landstrich, wie Baden, das alle Vortdeile für die Zucht der Seibenraupe vereinigt, so fast gar Nichts geschieht, um einen Industriezweig zu begründen, der bei Fleiß und Aufmerksamkeit reichliche Früchte trägt. Denn was bis jetzt bei uns geschehen, sind einzelne Versuche, welche aber gerade den Beweis geliefert haben und noch liefern, daß wir uns des schönsten Erfolgs erfreuen könnten, wenn wir nur mit Ernst die Sache unternehmen wollten. So haben vor einigen Jahren der jüngst verstorbene General von Wangen in Biengen , der Regierungsrath Gras von Kagencck in Munzingen eine so ausgezeichnete Seide ge­wonnen, daß sie der italienischen nicht nachstand; in ähn­licher Weife hat der frühere Dvmpräpendar Dr. Müller in Freiburg , letzt Skadtpfarrer in Ueberlingen, seine Bemühun­gen reichlich belohnt gesehen, und noch in den jüngsten Jah­ren hat ein Bauer in Waldprechtsweier am Eichelberg zahl­reiche Seidenraupen und ihr seines Gespinnst gezogen. Das erste Erforderniß für Seidenraupen-Zucht ist das frische Laub des weißen Maulbeerbaumes; dieser aber gedeiht bei uns allenthalben recht üppig. Die landwirthschaftliche Kreisab­theilung in Freiburg hat vor einigen Jahren eine recht schöne Pflanzung des weißen Maulbeerbaumes angelegt, und in der Nähe von Mannheim stehen seit mehr als 50 Jahren meh­rere Tausende solcher Bäume, ohne in den rauhesten Winkern Schaden gelitten zu haben. Ganz besonders aber eignen sich die Maulbeergesträuche zu Einfassungen von Gärten und Feldern, da keinerlei Jnsecren in einer Maulbeerheckc sich aufhalren. Das Laub solcher Gesträuche ist noch zarrer, als das der hochgewachsenen Stämme. Wie mancher schöne Thaler könnte für unser Land gewonnen werden, wenn die­ser Industriezweig der Seidenzucht bei uns Eingang fände!"

Aus dem Bezirk Lörrach . Rach genauen Nach­richten soll die Anlegung einer zollfreien Straße aus dem Wiesenthale über Weil nach dem letzten badischen Bahnhöfe von der Schweizer Regierung schon genehmigt sein, was sicher darauf schließen läßt, daß die 'Eisenbahn selbst in näch-