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Lesuch war Tafel im Lager, wozu sämmrliche fremde Prinzen Maden waren. Der Andrang von Fremden ist so groß, daß sehr viele keine oder schlechte Unterkunft stnden. Die Meisten werden sich jedoch nur drei bis vier Tage aufhalten, um die Hauptmanöver mit anzusehen.

— In Triest wird jetzt die Mittagsstunde durch einen Kanonenschuß verkündet, wodurch man in der Lage ist, die Uhren genau zu reguliren. . , v . M

— Zn Karschau, einer Stadt in Ungarn , hat die Po­lizei eine Mördergrube entdeckt, in welcher binnen kurzer Zeit sieben Männer, von einem jungen Mädchen angelockl, auf empörende Weise ermordet wurden. Oie Verbrecher sind in den Händen der Gerechtigkeit.

Schweiz . Die ganze Schweiz , so weit sie zum Fluß­gebiet des Rheines gehört, bis hinein in die Gebirge der Ur- kantone, sowie ein Theil des Rhonegebieks ist der Schau-

S der Verheerungen. Bei Rorschach hat die Golbach en Schaden angerichtet, und ebenso war es mit der Thur und den anderen Bächen der nordöstlichen Schweiz . Nicht anders verhielt es sich mit den kleineren Bäche» de« Cantons Zürich, welche zu wahren Strömen anschwollen. Am 18. d., sag« die „Basler Zeitung", glich das Glatt- und Tößthal einem See. Auch im östlichen Eantvn, in Zllnau, Bauma, Pfefsikon rc., war die Noch; Brücken, Mühlen, Sägen wurden theils zerstört, theils stark bedroht. Eben so in Luzern die Emme, die Wigger, die Lurhern. Zm Eantvn Bern waren es besonders die Emme, Saane und Sense, welche am meisten angeschwollen waren; in Bern hatte die Aare die außerordentliche Höhe früherer Jahre nicht Erreicht, erst unterhalb der Stadt wurde sie durch die Zu­flüsse der beiden genannten Flüsse außerordentlich ange- schwvllen. In Freiburg hat die Saane großen Schrecken verursacht. Zn der Nacht vom Donnerstag auf den Freitag trat sie über ihre Ufer und überschwemmte die untere Stadt in Freiburg . Die Sturmglocke erklang. Eine Straße mußte ganz geräumt werden. Im Berner Oberland waren die Verheerungen nicht geringer; nur den größten Anstrengungen gelang es, das Dorf Zweisimme» zu retten.

— Reisende aus Chauxdefonds melden eine merkwürdige Ueberfliüung dieses Zndustriefleckens an den letzten Markt­tagen. Die zahlreichen Gasthöfe und Wirthschasten waren genöthigt, Hunderte von Fremden abzuweisen, und das Geld soll dermaßen flüssig sein, daß dessen Besitzer es nur in Neu­bauten anzuwenden wüßten. In der That grenzt die Colo- nisirung und der Geschäfts-Verkehr der drei neuenburgischen mehr oder minder rauhen Zura-Thäler (Locle-Chauxdefonds, Rü; und Travers) ans Unglaubliche.

Frankreich . Paris , 16. Sept. Endlich hat Ludwig Napoleon in Beziehung auf die Frage von der Herstellung des Kaiserreichs sein Stillschweigen gebrochen. Als ihm gestern in Nevers die Mitglieder des Departementalrachs ihre Aufwartung machten, erinnerte ihr Präsident Hr. K. Dupin den Prinzen an die Adresse des Departementalrathes, die bekanntlich eine entschieden imperialistische war. L. Na­poleon antwortete: „Wenn es sich von einem allgemeinen Interesse handelt, bemühe ich mich, der öffentlichen Meinung vorauszueilen, aber ich folge ihr nach, so bald es sich von einem Interesse handelt, das wie ein persönliches erscheinen kann." Diese Worte sind deutlich und der Schlüssel zum Verständniß der Politik des Präsidenten.

Paris , 17. Sept. Es ist ein sonderbares Zusammen­treffen, daß gerade i» dem Augenblick, wo das Kaiserthum sich anschickt, wieder aufzustehen, der große englische Feld­herr Wellington, der ihm einst den letzten Stoß gab, in die Gruft steigt. Muß nicht Ludwig Napoleon , dessen Gemüth schon oft einen Anflug von religiöser Schwärmerei verrathen hat, von diesem Zusammentreffen seltsam ergriffen werden? Wird er sich nicht sagen: der Finger der Vorsehung selbst weist aus die Kaiserkrone hin? Es würde indessen schwer­lich noch irgend welchen äußerlichen Umstandes bedurft haben, um das unvermeidliche Schlußereigniß herbeizuführen. Denn in Nevers hat der Prinz deutlich genug feinen neuen Ent­schluß ausgesprochen: sich den Wellen der öffentlichen Mei­nung ohne Widerstand zu überlassen, und damit das letzte Hinderniß des Kaiserthums, seine Kammereröffnungsrede vom

29. März, bei Seite geschoben. Damals sagte er: „Nuv Parteiumtriebe könnten mich nöthigen, vom Volke die de­finitive Befestigung meiner Gewalt zu verlangen." Seit der Erklärung von Nevers hängt dagegen das Kaiserthum nur noch an den Strömungen der öffentlichen Meinung.

— Als zu Moulios sich Leute in die Kirche hinein dräng- «n, um dort ihre Hochruft auf den Kaiser sortzusetzen, wandte Louis Napoleon sich um und sagte zu ihnen: „Meine Herren, in der Kirche darf man blos das Lob Gottes hören."

— Nach einem Schreiben aus Marseille vom 20. d. ist das für die präfldentschastlichen Feierlichkeiten dort vor­bereitete Feuerwerk durch das Zerplatzen einer Bombe in die Luft geflogen. Mehrere Personen wurden schwer verwundet, «. A. der Oirector der Fabrik, an dessen Aufkommen man zweifelt. Die Fabrik selbst wurde zerstört.

— Wiederum hat sich ein schwerer Eisenbahn - Unfall ereignet. Ein Personenzug, der Montpellier am 17. Mittags 2>h Uhr verließ, ist mit einem von Beaucaire kommenden Waarenzug zusammengestoßen. Die ersten Wagen beider Züge wurden zertrümmert und 50 Personen mehr oder weniger schwer verwundet, von dennen 26 ihre Reift nicht fortsetzen konnten. (Ein anderer Bericht gibt die Zahl der Verwun­deten nur auf 30 an, wovon 12 ihre Reise einstellen mußten.) Die Locvmotivsührer retteten sich durch Herabipringen von der Maschine von dem sonst unvermeidlichen Tode.

— Aus dem Innern Frankreichs berichtet man wieder von starken Wolkenbrüchen. Zn der Nähe von Besannen hat ein Wolkenbruch mehrere Häuser hinweggeschwemmt. Die Dvubs war bedeutend gewachsen und man erwartete jeden Augenblick eine Ueberschwemmung.

— Alle Blätter aus dem Elsaß enthalten fast Nichts als Nachrichten über die letzte Ueberschwemmung, gegen welche alle früheren zurückstehen. In Folge verschiedener Damm­brüche, die trotz der angestrengtesten Bemühungen der Be­hörden, der Bevölkerung und des Militärs nicht verhindert werden konnten, steht ziemlich die ganze Rheinebene von Hüningen bis Straßburg unter Wasser. Der Rhein scheint zu einem großen See umgewandelt, aus dem die Städte und Dörfer, Hügel und Wälder herausschauen; die Menschen suchen zu retten, was zu retten ist, und dies besteht oft nur im nackten Leben; ganze Dörfer sind verlassen, und ihre Bewohner suchen ein Unterkommen in den gegen das Ge- birg hin liegenden Orten. Was an Feldsrüchten noch nicht eingeheimst war, ist dem wüthenden Element unrettbar an­heimgefallen; aber auch was schon der Keller und Speicher geborgen hat, ist nicht sicher, denn in jene dringt das Wasser, und die Häuser sind oft nicht fest genug gebaut, um den ' Fluchen Widerstand zu leisten. Zn dem einen Dorf Bvofz- heim waren am 20. d. bereits sieben Häuser eingestürzt; und so ist es an vielen andern Orten. In Rheinau waren deren an demselben Tag 20 eingestürzt, und einer noch größer» Zahl drohte der Einsturz. Zm ober« Elsaß scheinen übrigens weniger Dammbrüche vorgekommen zu sein, als in dem un­tern; die Ueberschwemmung mag dort mehr von der Ueber- fluthung und Durchweichung der Dämme, verbunden mit Horizontalwasser, kommen. Zm niederrheinischen Departe­ment dagegen ist der Damm an mehreren Stellen zerrissen worden, und hier sind besonders die zwei Dammbrüche bei Rheinau (Mahlberg und Kappel gegenüber) namhaft zu machen, deren einer 200 und der andere 40 Meter groß ist. Alle aufgewandte Mühe, hier die Wellen in ihrem Anprall auf das Elsässer User zu bannen, war vergebens, und eben so vergebens war es, den unaufhaltsam hereinbrechenden Fluchen durch Dammstiche unterhalb einen Abzug zu geben. Der Strom drang herein, etwa in der Breite des Neckars, und setzte alles umliegende Land unter Wasser. Der Schrecken, der sich den Bewohnern des Städtchens Rheinau bemächtigte, ist nicht zu beschreiben; man flüchtete sich aus den Häusern in die Kircye, brachte das Vieh auf das freie Feld und rettete die Kranken und Kinder nach Benfelden. Die Rhein­straße war nicht mehr zu passiren. Dazu das Hülferuftn, das Ertönen der Sturmglocke, die Nacht, und man kann sich eine schwache Vorstellung der Schreckensscene machen. Aehnliches, wenn auch meist im geringerem Grade, meldet man von Schö­nau, Gerstheim, Krafft, Obenheim, Bovszheim, wo Alles bis zum Rhein-Rhone-Kanal unter Wasser steht. Bei Schönau über-