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heitrn der Türkei zu sehen. Man sagt sogar, die Monte­negriner würden von ihr unterstützt. Die Türken sehen die Sache sehr ernst an, und Alles drängt sich zum Kampf her­bei, selbst Angehörige der ersten Familien, es ist ein wildes Ausfiackern des türkischen Fanatismus. Sechsfach weht des Propheten Fahne aus den Plätzen Sarajewo's und Telol's (Herolde) rufen zum „heiligen Kämpft" auf. Ueberall rüstet man und schleift die Säbel zum Kampfe, und mit den den Rajah abgenommenen Waffen werden die Türken beschenkt, denen es daran mangelt. Jedes Christendorf hat einen Mann zu stellen und auf seine Kosten auszurüsten. Die Wuth der Türken ist durch des berüchtigten Arnautenführers Gjuleka Ermordung noch mehr aufgestächelt. An regulärem Militär sollen 27 Tabors von der Seite von Scutari , 20,000 Ar- nauten und gegen 30,000 Mann von der Herzegowina aus gegen Montenegro operiren. Am 15. Jan. war bei Scurari ein Kampf. Gegen Abend zog sich Osman Pascha von Scu- kari in die Ebene zurück, und nahm eine feste Stellung am Fuße eines Hügels. Die Montenegriner benützten die stür­mische, regnerische Nacht und brachen um Mitternacht in das türkische Lager ein, wo Schrecken und Unordnung zu herrschen ansinaen. Die Türken zerstoben nach allen Seiten. Von der Größe dieses Erfolges zeugt die Menge der Tro­phäen, welche die Montenegriner erbeuteten, nämlich 17 Fahnen, darunter eine, Bariak oder Mohameds-Fahne ge­nannt, 80 Pferbeladungen Pulver, 60 Pferde, eine Menge Waffen, mit Silber beschlagene Datagans und dgl. und end­lich 317 Türkenköpfe.

Schweiz . Bern , 28. Jan. (S.M.) Der National- rarh behandelte heute in geheimer Sitzung die Frage: ob dem mit dem Grvßberzogthum Baden unterhandelten Skaatsver- trage, betreffend Wetterführung der badischen Eisenbahnen über Schweizer Gebiet (Einmündung von Haltingen nach Basel und Fortsetzung längs dem Rhein über Schaffhausen bis Konstanz ), die Ratisication zu ertheilen sei oder nicht. Die Commission beantragte einstimmig, die Sache zu ver­schieben, und mit ihr stimmten die Abgeordneten von Zürich , St. Gallen , Thurgau , kurz des ganzen Ostens, weil sie für ihre Eisenbahnen Gefahr sehen, wenn eine solche von Kon­ stanz direct nach Basel geht. Basel und die Centralbahnge­sellschaft, für welche die Abgeordneten der mittleren und westlichen Schweiz sich hauptsächlich interesiiren, glauben durch die Genehmigung des Vertrags und das Zustandekom­men einer Bahn von Basel bis Konstanz (rechtes Rheinufer) die gefährliche Bötzbergbahn zu Hintertreiben. Mit ziemlicher Mehrheit wurde der Bundesrath beauftragt, die Ratification zu ertheilen, falls Baden hierzu geneigt ist.

Amerika. Aus New-Dork, 12. Jan., berichtet man der Times über ein neues riesiges Eisenbahn-Projekt. Es hat sich nämlich eine Gesellschaft mit dem nominellen Kapital von 100,000,000 Dollars gebildet zum Bau einer Eisenbahn vom Mississippi bis an das Gestade des stillen Weltmeeres. Die ersten 600 Miles sollen im April in An­griff genommen werden und binnen fünf Jahren vollendet sein. Eine Telegraphenlinie wird natürlich den Schienen­weg begleiten. Um Gewährung der nöthigen Vereins-Pri­vilegien hat sich die Gesellschaft bereits durch eine Bill an den Senat des Staates New-Dork gewendet. Es versteht sich, daß die Bill durchgeben und ohne Zweifel auch die Be­stätigung des nationalen Congreffes erhalten wird.

Miscellen.

Prinz Albert in England ist ein sehr eifriger und intelligenter kandwirth geworden. Auf der Insel Wight bewirthschastet er zwei große Farmen selber und die Engländer, die's streng nehmen, nennen sie Musterwirthschasten. Die Entdeckungen, welche die praktischen Wissenschaften bringen, werden von ihm, wie's jeder große und an­gesehene Grundbesitzer thun sollte, praktisch geprüft und läßt er sich pabei kein Geld reuen. Auf den Schaustellungen gewinnen die Rinder des Prinzen Preise und die Neujahrstafeln m Berlin , Brüssel und London sind Zeugen, daß man in England versteht, unübertroffene Rinder zu ziehen. Kurz, die Bauern und Pächter haben an dem prinzlichen Landwirth ein treffliches Beispiel.

Der Grund aller sogenannten schlechten Zeiten liegt meist darin, daß die meisten Menschen heute mehr bedürfen, als ihnen gestern noch genug war.

Lotterielose sind Einlaßscheine in das Armenhaus.

Im Departement der Dordogne (Frankreich ) erkrankte vor einiger Zeit, wie die Gazette de la Dordogne erzählt, ein 80jähriger Landpfarrer, der Riemandm um sich sehen wollte, als seine ge­wesene Amme, die bereits 118 Frühlinge zählt. Diese Frau er­innert sich noch der Zeit Ludwigs XV. und Ludwig's XlV., sah Napoleon in seiner Glanzperiode, empfing Ludwig XVIII. , als er durch ihr Dorf reiste. Während der hundert Tage wurde sie als eraltirte Legitimistin eingesperrt und erhielt durch die zweite Restau­ration chre Freiheit wieder. Karl X. sah sie in Bordeaux ; sie wurde von Ludwig Philipp freundlich empfangen, als sie, bereits 100 Jahre alt, sich auf den Weg nach Paris gemacht hatte, um beim Könige Unterstützung für chren alt und schwach gewordenen Pffegsohn zn erbitten. Geistig und körperlich noch sehr kräftig, hegte sie von der so eben eingeschlafenen Republik von Anfang an die Meinung, sie würde nicht alt werden, und prophezeihte, als sie vom Staatsstreiche des 2. December hörte, das Kaiserthum. Aber auch diesem stellte sie ein schlechtes Prognostik»«!, und glaubt steif und fest, nicht eher zu sterben, als bis der rechtmäßige Erbe des heiligen Ludwig den Thron seiner Väter bestiegen haben würde. Die Frau heißt Luise Bertier.

Der Straßenkoth in Paris wird um 500,000 Franken ver­pachtet und der Pächter soll sich ein Sümmchen von 3,000,000 Franken verdienen, indem er daraus Dünger fabrizirt. Wie viele Millionen werden noch immer verschleudert!

Es ist gefährlich, eine Locke zu verschenken, denn die Somnambülen lesen aus der Locke das ganze Leben der- oder desjenigen, von dessen Haupte sie genommen ist. Ein Beweis da­von kam kürzlich in Paris vor. Ein junger Mann in der Provinz hatte sich mit einem schönen Mädchen dort verlobt und die Heirath sollte bald erfolgen. Der Bräutigam mußte indeß vorher in man­cherlei Geschäften nach der Hauptstadt reisen und als Amulet erbat er sich eine Locke von der Geliebten. In Paris hörte er nun überall davon reden, daß die Somnambülen, denen man eine Locke vorlege, anzugeben vermöchten, wie die Person sich befinde, von der fie her­rühre. Um also Nachricht von der Geliebten zu erhaltm, ging der Bräutigam zu einer Somnambüle und legte ihr die Locke vor. — »Die Person, von welcher dies Haar herrührt," sagte die Hellseherin, „hat viel geliebt und viel gelitten." — Der Bräutigam machte große Augen. — „Sie ist seit 2 Jahren Wittwe." Da lachte der Bräu­tigam. „Sie hat den Mann, den sie liebte, verloren, ob durch den Tod oder durch Trennung, weiß ich nicht," setzte die Somnambüle hinzu. Der Bräutigam erklärte lachend, daß die Dame, von wel­cher er die Locke erhalten, ein junges Mädchen sei; die Hellseherin aber blieb' unerschütterlich bei ihrer Erklärung und fügte überdies hinzu, der Geliebte der Dame sei ein Soldat. Da wurde der Bräu­tigam bedenklich; er kehrte, ohne seine Ankunft zu melden, in die Stadt zurück, in welcher seine Braut wohnte, und erfuhr endlich nach vielem Fragen, daß dieselbe allerdings früher ein vertrautes Verhältniß mit einem Lfficier gehabt habe, der seit 2 Jahren in Algier sei. Aus Verdruß darüber, daß fie ihm dies verschwiegen, sandte der Bräutigam die Locke dem Mädchen zurück, meldete ihr, wie er durch dieselbe die Wahrheit erfahren und erklärte zugleich, daß ihr Verhältnis! gelöst sei.

In Brandenburg werden gläserne Dächer verfertigt, die Maffe von grünem Glase, V« Zoll dick. Ihr hauptsächlichster Zweck ist, die Böden hell zu machen, während fie an Dauerhaftigkeit den üb­lichen Dachziegeln nicht nachstehen.

Eine auffallende Familienscene macht in Düsseldorf viel von sich reden. Ein Engländer hatte, um dm barocken Idem seiner Landsleute eine neue hinzuzufirgm, dm wunderlichm Plan gefaßt, als Flüchtling durch die Welt zu ziehen. Seine Gemahlin verfolgte ihn seit vier Jahren mit ihren Kindern und ihrer Dimerschast von Land zu Land, von Stadt zu Stadt. Sobald der Gemahl, der fvrtwährmd seinm Namen wechselte, die Ankunft seiner Gattin er­fuhr, verließ er schleunigst mit seiner Begleitung dm Ort. In Düsseldorf mdlich ist es am 23. Januar der verfolgenden Familie gelungen, ihr flüchtiges Haupt einzuholm, und bei der ersten Be­gegnung soll der Englishman, als ob gar nichts vorgefallm wäre, sich sofort in die alten Familimverhältniffe wieder gefügt haben.