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Verlobung des Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen mit der Prinzessin Victoria, ältesten Tochter der Königin von Gigland, kann als gewiß bestätigt werden und wird im Mai d. I. in England stattfinden.

Anhalt . Quedlinburg , 26. März. Gestern ist das anhalt -bernburgische Städtchen Günthersberge beinahe gänzlich ein Raub der Flammen geworden.

Oesterreich. Wien , 19. März. Nach heute hier ein-

f laufenen Meldungen sind die Grundzüge des neuen Friedens lgende: In Betreff der Donausürstenthümer ist besonders ücksicht auf den Statusquo genommen und der Grundsatz scstgehalten worden, die wechselseitigen Bande zwischen den Donauländern und der Psorte enger zu schließen, anstatt sie zu lockern. Die Grenzsrage zwischen Rußland und der Türkei wird durch eine besondere Commission geregelt werden. Die Grenzregulirung in Kleinasien wird nach dem Princip des Status quo ante bellum bewerkstelligt. Auf den Schiffswerften von Nikolajeff dürfen, mit Ausnahme der kleinern zur Be­wachung der Küsten dienenden Schiffe, keine Kriegsschiffe gebaut werden. Die Zahl dieser kleinern Kriegsschiffe wird durch eine zwischen der Pforte und Rußland abgeschlossene Conven­tion, die jedoch als integrirender Theil des Friedensvertrags betrachtet werden muß, auf zwölf (nach einer andern Version aus acht) festgesetzt. Den fünften Punkt betreffend, darf Ruß­ land weder die Festungswerke von Bomarsund Herstellen, noch die Befestigung der Alandsinseln vollziehen. Allen europäi­ schen Seemächten steht das Recht zu, in jedem Hafen des schwarzen Meeres Consulate zu errichten. Rußland macht sich endlich anheischig, keinen Kriegshafen mehr im schwarzen Meer zu behalten, wobei es ihm iedoch unbenommen bleiben oll, den Eingang seiner Handelshäfen durch Batterien zu chützen, um sowohl das Besitzrecht des sogenannten Terri­torialmeeres auszuüben, als um die Seepolizei in üblicher Art zu handhaben.

Schweiz . Bern , 24. März. (F. I.) Der zunehmende Verfall der Sitten zeigt sich immer deutlicher in den über­füllten Zuchthäusern, in der stets nothwendiger werdenden Vermehrung der Rettungsanstalten für sittlich verwahrloste Kinder, während die Schweiz schon gegen 50 solcher Besse- rungshäuser hat: ganz besonders aber in den von allen Seiten her ertönenden Klagen über die Verwilderung des Familienlebens und der daraus hervorgehenden Zerrüttung des ganzen Gemeinwesens. Die eben in Bern versammelten Assisen des Mittellandes haben zwei Kindsmorde und einen Frauenmord zu beurtheilen. Ein gewisser Rittmeister Henzi von hier erwürgte nämlich auf die roheste Weise sein Ehe­weib und verlangt nun Beschleunigung des Proceffes, um möglichst schnell durch den Scharfrichter vom Leben befreit zu werden. Nächste Woche wird ein 2ljährigcr Raubmörder yingerichtet, der einen alten Mann erschlug und ihm seine Baarschaft im Betrag von 30 Centimes nahm. Bei solchen Erscheinungen, welche von der Zerrüttung der Gesellschaft ein lautredendes Zeugniß geben, nimmt man mit Entsetzen wahr, wie selbst Staatsbehörden nicht vor Handlungen zurück­schrecken, welche in der ganzen Schweiz einen Schrei des Unwillens hervorgerufeu haben.

Basel. Die Basl. Ztg. berichtet über die wunderbare Rettung eines neugeborenen Kindes. Ein Schiffer fand unter der am linken Rheinuser steil aufsteigenden Pfalz, in einer Staude über dem Rhein schwebend, ein neugeborenes Kind, zwar halb erstarrt, aber lebend. Es bestätigt sich nun nach dem Geständniß der Thäter die Vermuthung, daß die Neu­geburt über die Pfalz hinabgeschleudert worden sei. Aber die Engel Gottes hehüteten im Sturz das Kind und ließen ihm auch in den Zweigen der Brombeerstaude, in die es fiel, und worin es die frostige Nacht von lO'/a Uhr bis Mor­gens nach 8 Uhr zubrachte, kein Leid widerfahren. Diese doppelte Bewahrung bei so augenscheinlicher und naher Lebens­gefahr hat etwas tief Ergreifendes, und der Eindruck des wunderbaren Ereignisses, das die öffentliche Theilnahme in Anspruch nimmt, wird erhöht noch durch die der verbreche­rischen That aus dem Fuße nachfolgende bittere und aufrich­tige Reue der unglücklichen Eltern. Diese kamen mit dem Dienstag, den 4. März, in Mühlhausen geborenen unehe­lichen Kmde am folgenden Abend um 10 Uhr hier an; sie

hatten den halben Weg zu Fuß zurückgelegt und von Habs­heim bis in die Stadt den letzten Zug der Eisenbahn benutzt. Vermuthlich schien es ihnen auf der Rheinbrücke, bei welcher sie vorbei gingen, noch zu belebt, um den finstern Entschluß dort unvermerkt auszuführen. Sie gingen mit einander aus die Pfalz , vollbrachten dort die verzwetselte That, und als sie geschehen, übernachteten sie in einem hiesigen Wirths- hause. Jedoch nickt der Rhein , wie sie wähnten, sondern die dürren Zweige jener Staude am linken Ufer zunächst dem Waffer hatten das kleine, gut eingewickelte Geschöpf ausge­nommen und die Wucht des tiefen Falls von 75' parirt. Der Schiffmann, der 10 Stunden darauf es fand und so­gleich seiner Frau, einer Hebamme, über den Rhein in das kleine Basel es gehracht, bemerkte im Gesicht des Findlings nur einige schwache Ritzen. Ins Badische flüchteten sich am nachfolgenden Abend die Schuldigen (der Vater, der es hinab­geworfen, ein Schneidergeselle, ist aus dem Badischen, und die Mutter, eine Fabrikarbeiterin, aus Altstätten , im Can- ton St. Gallen ) irrten dort r ith- und geldlos umher, merk­ten die Verfolgungen der Polizei, gingen reuevoll in sich, stellten sich Abends freiwillig bei der Polizei, ein umfaffendes Geständniß und Schuldbekenntniß ablegend. Sie sind vom kleinen Rath dem Criminalgericht überwiesen worden.

Italien . Parma , 21. März. (A. Z.) Als am Abend des 17., gegen 7 Uhr, der Kriegsauditor Gaetano Borde in Gesellschaft eines andern Osficiers durch die Straße Baffa de Magnani ging, wurde er von unbekannter Hand von hinten durch einen Dolchstich schwer verwundet. Der Mörder flüchtete eiligst und war im Augenblick verschwunden. Das Opfer konnte sich noch, von 2 Soldaten unterstützt, bis zur nahen Platzcommanbantur schleppen, wo ihm die erste Hülse der ärztlichen Kunst und die Tröstungen der Religion gespendet wurden. Drei Stunden später wurde er in seine Wohnung gebracht. Die Wunde wird für tödtlich gehalten. Tags darauf erschien ein herzogl. Erlaß, nach welchem die Stadt Parma und sämmtliche sie unmittelbar umgebende Gemeinden in Belagerungszustand erklärt werden. Der Fa­natismus der Mazzinisten scheint seinen Höhepunkt erreicht zu haben.

Frankreich . Paris , 23. März. Man thut wohl daran, wenn man die zahllosen Anekdoten und Gerüchte, die von Neuigkeitsjägern der auswärtigen Presse über die Vor-

t änge in dem Congreffe, sowie über das Benehmen der Mitglieder desselben verbreitet werden, mit aller Vorsicht auf­nimmt. Eines aber verdient bemerkt zu werden, weil es in vielfachen Versionen allenthalben wiederkehrt: Dies nämlich, daß Oesterreich nachgerade allen Grund habe, sich weder von der Stimmung Rußlands , noch der Westmächte sehr befriedigt zu fühlen. Die Unzufriedenheit der einen kriegführenden Par­tei darüber, daß Oesterreich ihr am meisten wehe that, und der andern, daß es nicht genug that, soll mehr und mehr zum Vorschein gekommen sein. Gleichzeitig spricht man allge­mein von einer immer enger werdenden freundschaftlichen Beziehung zwischen Frankreich und Rußland , zu deren An­bahnung Graf Orlofs ganz der rechte Mann sein soll. Jeden­falls erfreut er sich der ganz besondern Zuvorkommenheit des Kaisers Napoleon und der französischen Staatsmänner; bei der Pariser Bevölkerung ist er ohnehin das populärste Mit­glied des Congreffes. Es kann nicht wundern, daß man an alle diese Dinge weitgehende Vermuthungen für die Zukunft knüpft

Paris , 29. März. Marschall Pelissier meldet in einer Depesche an den Kriegsminister, daß die Kunde von der Ge­burt des kaiserl. Prinzen erst am 23. d. M. in der Krimm bekannt worden sei. Die ganze Armee ^der Verbündeten zündete Freudenfeuer an. Namentlich die Schotten und Sal­den, welche die Höhen besetzt halten, konnten ihren Feuern Verhältniffe geben, die deren Licht weit in die Ferne hinaus verbreiteten. Wie der Obergeneral meldet, haben auch die Ruffen durch Theilnahme an dieser sonderbaren und eigen- thümlichen Beleuchtung den Kundgebungen der Verbündeten sich angeschloffen. Die Wirkung dieses Schauspiels soll eine ganz außerordentliche gewesen sein. — Der Constitutionnel schreibt: „Wie wir erfahren, hat I. Maj. die Kaiserin, welche in dem Zusammentreffen der Geburt des kais. Prinzen mit