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Tagesgeschichtliche Mittheilungen.

Bade«. Wie der Schwäb. Merkur berichtet, Huben Se. Kön. Hoheit der Großherzog den lutherischen Gemeinden Re­ligionsfreiheit in der Weise zugestunden, daß sie das jus ex- ercitii religionis privati haben, ohne daß ihnen aber eigent­liche Corporationsrechte eingeräumt sind. Doch ist weiter be­willigt, daß gemeinschaftliche Gottesdienste für die Lutheraner verschiedener Ortschaften gehalten werden dürsen. Die früher aus der badischen unirten evangel. Landeskirche ausgetretenen Geistlichen, Eichhorn und Ludwig, sind als luther. Geistliche bestätigt worben.

— Das Allg. Anzeigeblatt Nro. 24 enthält eine Bekannt­machung der Großh. Regierung des Mittelrheinkreises, wor- nach mittelst Erlasses Großh. Justizministeriums vom 12. März d. I., Nr. 1914, der Notariatsdistrict Schiltach dem Districts- notar Karl Weber, der Notariatsdistrict Renchen dem Districts- notar Ambros Fink und der Notariatsdistrict Seelbach dem Districtsnotar Franz Futherer übertragen wurde.

Karlsruhe , 29. März Gestern ist dahier der Prospekt über die Gründung einer Badischen Gesellschaft für Tabaks- Produktion und Handel mit den Bedingungen, unter welchen die Zeichnung von Aktien hiesür zugelafsen wird, ausgegeben und in das ganze Land versendet worden. Es wird darin auf die große Zunahme des Tabakverbrauchs, namentlich der Cigarren, die günstigen Bodenverhältnisse unseres Landes, insbesondere des Oberlandes sür Tabakbau und die Aus­zeichnungen hingewiesen, welche unfern Tabakproducenten bei verschiedenen Anlässen, namentlich bei der großen Pariser Industrie-Ausstellung durch Ertheilung der großen goldenen und silbernen Ehrenmedaillen zu Theil wurden, und dabei gesagt: Baden habe den ersten Markt sür Cigarrendeckblatt und werde ihn behalten, wenn mit Ausdauer und Umsicht die Waare verbeffert und den Wünschen der Consumenten anzupaffen getrachtet werde. Dieses könne wohl geschehen, wenn der Tabak auf großen Gütern unter sachkundiger Leitung selbst gebaut und ein rationelles Verfahren mit entsprechenden Einrichtungen bei der weitern Behandlung desselben bis zu seiner Verbringung in den Handel eingehalten werde. Die Unternehmer, die Herren C. M Anderst in Heidelberg , Frhr . A. v. Babo, Albert Haas, Max v. Haber, W. Lauter, Georg Müller und I. Stüber, letztere alle von hier, haben sich nun entschlossen, einen Gütercomplex von beinahe 600 bad. Morgen (die Jlchengrube bei Ihrigen, vormals ebener Wald) anzukaufen, andere Güter dazu zu pachten, und ein Aktien-Kapital von 2 Millionen hiezu zu wenden. Vorerst soll aber nur eine Million in 2000 Aktien ä 500 fl. zur Auf­nahme kommen. Hievon sind 750,000 fl. bereits von den Unternehmern und einer Anzahl Kapitalisten gezeichnet, die weitern 250,000 fl. aber zur öffentlichen Subscription aufgelegt.

Pforzheim , 25. März. Das Bad. Zentralblatt theilt von hier mit, daß eine Deputation wegen des Eisenbahn­projekts aus Karlsruhe die Nachricht mitgebracht habe, cs werde schwerlich ein außerordentlicher Landtag einberufen werden und also die Angelegenheit für ein Jahr beruhen müffen. Die technischen Vorarbeiten sollen den Auswand für die Pforzheimer Eisenbahn wegen vieler Bodenschwierigkeiten auf 6 Millionen Gulden veranschlagt haben, wovon allein 600,000 fl. auf den Ankauf des Geländes kommen.

Viliingen, 30. März. (K.Z.) Zu der schon seit drei Jahren dahier bestehenden Wollstickerei ist nun auch ein ver­wandter Industriezweig — die Weißstickrrei —, die mehrere Hundert Mädchen in der Stadt und deren Umgegend be­schäftigen wird, hinzugetreten. Es wird dieses Unternehmen um so freudiger begrüßt werden, da hiedurch der initllern Volksklaffe Gelegenheit zu einer ehrenwerthen Beschäftigung und zu einem reichlichen Verdienste geboten wird. Die Ein­führung dieses neuen Industriezweiges in unserer Stadt ver­dient die allgemeinste Aufmerksamkeit und eine reichliche Unter­stützung, und wir wünschen ihm die zu seinem Fortbestand und Gedeihen hinreichende Betheiligung.

Von der Enz, 7. März. (B.L.Z.) Unter Bezugnahme aus den in Nr. 51 Ihres Blattes milgetheilten Fall, wornach Tbierarzt Schilling in Villingen in Folge Ansteckung von einem in Behandlung gehabten milzkranken Pferde ein Opfer

j seines Berufes geworden ist, spricht in der heutigen Nummer ein Korrespondent aus dem Breisgau im Hinblick aus die unsichere Lage und de» gefährlichen Berus der Thierärzte den Wunsch aus, es möchten sich dieselben Behufs der dereinstigen Versorgung Ihrer Hinterbliebenen zu einem Verbände einigen, wie dies in andern Zmeigen des öffentlichen Dienstes vielfach der Fall sei. Wir können nicht umhin, die gute Absicht des Hrn. Korrespondenten vollkommen zu billigen, finden aber den Vorschlag wegen der geringen Anzahl Berufsgenoffen kaum ausführbar, denn diese beträgt im ganzen Großherzog­thum — und eine weitere Ausdehnung des Vereins wird der geehrte Hr. Korrespondent wohl nicht im Auge gehabt haben — höchstens 200. Die in dem Ausrufe besonders hervorgehobene Gefährde nun muß notbwendig eine größere als die normale Sterblichkeit unter Männern dieses Berufs und darum auch selbst bei einer jeweils bescheidenen Unter­stützung der Hinterbliebenen, bestehe diese in einem einmaligen Benefizium oder einem Ruhegebalt, unverhältnißmäßige Bei­träge der Vercinsglieder zur Folge haben. Beweise hierfür haben uns kleine Lokal- oder Mnungssterbekaffen schon zur Genüge geliefert. Es gibt aber noch einen andern Weg, der bei geringerer Kostspieligkeit den beabsichtigten Zweck ganz sicher erreichen läßt. Diesen hatte auch Hr. Schilling noch in jüngster Zeit erwählt, indem er bei der Lebens- u. Renten- Versicherungsgesellschaft Iduna im Mai v. I. eine Versicherung aus die Summe von 200 Thlrn. abschloß. Seine Wittwe erhält nun nach nur einjährigen Zahlung der gewiß mäßigen Prämie und nachdem sie die verlangten Papiere beigebracht haben wird, jene Versicherungssumme ausbezahlt. Solche Vortheile sür die Theilnehmer sind nur möglich bei großer Ausdehnung einer derartigen Gesellschaft und können von einem kleinen Vereine niemals erwartet werden; wir möchten daher den Hrn. Korrespondenten sowohl, als Alle, die sich für die Sache interesstren, hierauf aufmerksam machen und sie zu recht lebhafter Betheiligung bei solchen Gesellschaften, be­sonders bei der oben erwähnten auffordern, da sie sich durch gute Einrichtung und fließende Geschäftsbehandlung sehr vortheilhaft auszeichnet.

Von der Donau , 30. März. <K. Z.) In dem Ver­kehrswesen aus der Kinzigthal-Route von Offenburg bis nach Donaueschingen wirb mit dem Beginne des Sommers eine, sür diese Gegend sehr vortheilhaste Aenderung eintreten. Statt des diese Straße täglich nur einmal aus- und abwärts gehenden Eilwagens wird nun ein Omnibusdienst in's Leben treten, welcher seine Fahrten Land auf und ab täglich zweimal machen wird. Durch diese Einrichtung, wozu die Großh. Direction der Verkehrsanstalten die Ermächtigung bereits ertheilt und glaubwürdigem Vernehmen zufolge von den betheiligten Posthaltereien die Zustimmung erfolgt ist, wirb dem schon längst gesuhlten Bedürsniffe nach einem billigen Verbindungsmittel mit unserer Eisenbahn entsprochen. Die Nachricht von dieser erleichterten und bequemen Verkehrs­gelegenheit wird bei uns gewiß überall freudig und dankbar ausgenommen werden.

Schwurgericht des Mittelrheinkreises. Ein Stras­sall von besonderem Interesse feffelte am 31. März die Auf­merksamkeit des Publikums, das sich zahlreich im Schwurge- richtssaale versammelt hatte. Der frühere Kunsthändler Joh. Bapt. Bufsa in Baden , welcher daselbst im vorigen Jahre eine photographische Anstalt errichtet, und solche im Vereine mit Maler Wabel von da unter der Firma „Wabel und Comp." betrieben hatte, saß neben einem I7jährigen Photo­graphen Namens Gottlieb Koch von Birkach (O-A. Stuttgart) auf der Bank der Angeklagten, unter der Anschuldigung, daß er diesen jungen Menschen zur photographischen Nach­bildung von falschem Papiergelde angestiftet habe und dadurch Ursache geworden sei, daß in dem Buffa'schen Geschästslocale falsche hessische Fünfguldenscheine angefertigt wurden. Bufsa, der von Obergenchtsadvocat Tresurt vertheidigt wurde, konnte zwar nicht abläugnen, daß in seinem Laboratorium durch den Gehülfen Koch mehrere negative Glasbilder von einem ächten Fünfguldenscheme gefertigt worden waren, behauptete jedoch, daß dies nur unschuldige Studien gewesen seien, um die Schärfe des photographischen Apparats zu prüfen. Da­gegen legte der junge, von Rechtsanwalt Maier verthcidigle