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Tagesgeschichtliche Mittheilungen.
Baden. Die Dircction der Großh. Berkehrsanstalten hat folgende Bekanntmachungen erlassen: Bei Briefen nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika ist durchaus erforderlich, daß die Adresse, auch wenn sie in deutscher Sprache abgefaßt, wenigsten« mit lateinischen Buchstaben geschrieben ist, und daß dieselbe außer dem Bestimmungsorte noch den Staat, und wo möglich auch den Kreis (county), in wclckcm der Ort gelegen ist, angibt. Der häufige Mangel dieser Er- sorderniffe trägt wesentlich dazu bei, daß alljährlich eine große Anzahl der nach Nordamerika versendeten Briefe als unbestellbar an die Ausgabsorte zurückgelangen DaS Publikum wird daher wiederholt auf jene Erfordernisse aufmerksam gemacht. — Zn Folge der neuesten Ereignisse in Nordamerika haben die Postvcrwaltungen von Preußen, Bremen und Hamburg für ihre direeten Routen die Beförderung von Briespostsendungen nach den auS der Union ausgetretene» Südstaatcn North- Carolina, South - Carolina, Georgia , Florida , Alabama . Mississippi , Louisiana , Arkansas , Teras und dem östlichen Therle von Mrginicn bis auf Weiteres abgelehnt. Auf dem Wege über Frankreich können dergleichen Briefpostsendungcu noch bis zu den nordamerikanischen Auswechslungsbnreaur <New-Iork, Boston u. s. w.) gelangen; auf die Weiterbeförderung nach dem wirklichen Bestimmungsorte kann jedoch vorerst nicht gerechnet werden, indem die Nordstaaten alle Postverbinvung mit de» Südstaatcn zeitweilig abgebrochen haben. Das Publikum wird hiervon mit dem Anfiigcn in Kenntniß gesetzt, daß alle Briefe nach den genannte» Süd- staaten, welche von jetzt ab bei den Großh. Poststellen noch zur Aufgabe gelangen, von diesen bis auf Weiteres aus- Ichließlich über Frankreich geleitet werden, da angenommen werden muß, daß unter den dermaligen Verhältnissen die Aufgeber mit dieser Befördrrungswcise einverstanden find.
— Die Badische Landcözcitung berichtet aus vielen größer» und kleinern Städten und Ortschaften des Großherzogthums, daß die geselligen Vereine und Gasthäuser den Münchener Punsch abgeschafft haben, und sagt in einem Artikel auS Stock ach, 17. Juni, zum Schluß: «Solch' eine Zensur, vom Volke selbst geübt, kann man sich schon gefallen lassen. Der Münchener Punsch und sein Anhang mögen erfahren, wie wir Badener gesonnen und gewillt sind: wir find stolz darauf, einen Fürsten zu besitzen, dessen vaterländisches Herz weit über die Grenzen unseres kleinen Landes anerkannt und geehrt wird."
Kehl , 20 Juni. (Frbgr. Ztg) Der hiesige Postmeister und Eifenbahnamts-Vorstand Clady erhielt von Seiten des Kaisers der Franzosen den Ehrenlegionsorden.
Kehl , lg. Juni. (B. L. Z.) Ein frecher Kirchendicb wurde gestern durch zwei hiesige Arbeiter, Vater und Sohn, auf der That, beim Einbruch in die Sakristei der Kapelle der nahen Zitadelle von Straßburg , ertappt, zur Haft gebracht und unter günstigen Umständen dem strengen Arme der Gerechtigkeit überliefert. Die gedachten beiden Arbeiter, Namens Burger aus Westheim jRheinbapern), welche als Maurer bei den Militärbauten dahier arbeiten, erhielten von weiblichen Verwandten Besuch, und wollten diesen auch den nahen Münster und die Uhr in Straßburg zeigen. Sie nahmen den Weg durch die Zitadelle, fanden im Vorübergehe» die Thüre der Kapelle offen und traten ein, um ein Gebet zu verrichten. Plötzlich hörten sie eine weibliche Stimme, laut und mehrmals schreien. Die beiden Burger folgten diesem Hülserufe in die Sakristei, wo sie eine» Blusenmann im Kampfe mit einer Frau fanden, welche jener am Halse gepackt und fast erwürgt hatte. Vater Burger stürzte sich auf de» starken Dieb, welcher bereits Monstranz, Kelch und andere kostbare Gegenstände in seine Säcke gesteckt hatte und kräftig Widerstand leistete, und unterdessen rief und winkte der Sohn der nahe dabei befindlichen Schildwache vor des Kommandanten Wohnung, welche alsbald mit anderer Mannschaft herbcieilte, den frechen Kirchenräubcr zu Boden warf und mit Stricken band, da derselbe wie ein wildes Thier sich gebehrdete. Die Frau, welche in der Sakristei im Kampfe mit dem verhafteten Diebe gefunden wurde, halte von der Kirche aus, wo sic sich ganz allein befunden, den verdächtigen
Dieb bemerkt, welcher mehrfach die Thüre öffnete und wieder zumachte, um zu sehen, ob er ungesehen entwischen könne. Die Frau, welche, geleitet von der Neugierde des weiblichen Geschlechts, wissen wollte, was da vergehe, begab sich in die Sakristei und packte den Dieb sogleich an, als sie bemerkte, daß er ejnen silbernen Kelch im Sacke seiner Bluse stecken hatte Der Dieb wird nun vorerst von seiner Ueberraschuug bis zum Anfang der nächsten Schwurgerichtssitzung auszuruhen Gelegenheit haben, denn er ist bereits unter Schloß und Riegel sicher verwahrt.
□ Kork, 21 Juni Am >6 Juni wurde in Sand ein kräftiger gesunder Knabe geboren, dem der linke Arm fehlt. Das Schultergelenk, Schlüsselbein und Schulterblatt sind normal vorhanden. In dem Ersteren liegt das oapit'ilum Iiumeri beweglich mit einem *,.* Zoll langen Stückchen des bumerus mit der gehörigen Muskulatur uud natürlicher Farbe. Der ganze Stumpen hat das Aussehen, als sei der Oberarm nahe an dem Schultergeleak amputirt, und sitzt an dessen Ende ein kleiner häutiger weicher Wulst, auf vem sich drei Rinnen nach vornen befinden, die die werdenden Finger (den kleinen, Ring- und Mittelfinger) andruten. Der Daumen und Zeige- fiuger sitzen in Duodezform auf der inner» Seite des Wulstes, sind steif und haben die metnonrpt und pIi.nlnnM!, ckigitorum ebenfalls in Duodezgröße. Vater uud Mutter dieses Kindes sind gesunde, normal gebaute Leute.
ff Von der Rcnch. (Verspätet.) Am lt. d. M. wollte ich eine Tour nach dem freundlichen Obcrkirch mache», um dort die Anstalt für sittlich - verwahrloste Kinder zu besuchen, welche durch die aufopfernde Sorgfalt des Herrn Decans und Stadtpsarrers Weiugärtner den besten Fortgang nimmt, und in welchem noch junge Mädchen aus der Stadt und Umgegend im Nähen und Klcidermachcn durch die liebevollen Schwester» der Anstalt unterrichtet werden. Mein Vorhaben wurde aber dieses Mal durch einen Zwischenfall vereitelt, der mir noch dis heute willkommen ist. Als ich nach Ulm kam, zog gerade eine Procession von der Kirche aus, die mich ihres Glanzes wegen etwas Bedeutendes erreichen ließ. Auf Erkundigen erfuhr ich auch, daß ein Fcldkreuz eingeweiht werde. Ich schloß mich dem Zuge an, der auf einen schön gelegenen Bauernhof führte. Dort angekommcn, bestieg der Ortspfarrer, Herr Decan OchS, die neben dem Kruzisire, welches Bild- Hauer Friedrich von Altdorf mit Kunstsinn und großem Fleiße gemacht hat, errichtete Kanzel und hielt eine Rede über den Tert: „O ihr Alle, die ihr vorübergehet am Wege, geber Acht und schauet, ob ein Schmerz gleich sei meinem Schmerze! ' Die Durchführung und Anwendung sprachen mich ungemein an, uud ich sah auch, daß viele Thränen stoßen, also auch Andere nicht »»gerührt geblieben sind. Nach vollendeter Festrede fand die kirchliche Einweihung des Kreuzes statt, bei der mehrere Herren Geistliche aus der Umgegend afsistirten. Einer dieser Herren, mit welchem ich seit vielen Jahren befreundet bin, erkannte mich, und stellte mich Herru Decan Ochs vor, der mich einlud, nun auch an einem frugalen Mahle im Hause des Stifters, des Rothbauern Frau; Joseph K u p s e r e r, Antheil zu nehmen. Diese Einladung war mir um io willkommener, als gerade im Augenblicke, wo die Weihe vollendet war, ein heftiger Platzregen kam. Wir kamen in ein festlich geschmücktes Bauernhaus, wo die Bildnisse des Gekreuzigten, der Gottesmutter und anderer Heiligen mir einen deutliche» Begriff von dem religiösen Sinn der Bewohner gaben Bei dem Mahle, an welchem außer den Herren Geistlichen uud Lehrern die nächsten Verwandten des Stifters und seiner Ehefrau Antheil nahmen, herrschte eine Gemüthlichkeit, wie ich sie sonst nicht leicht gefunden habe. Auch an Toasten fehlte es nicht, welche der Festlichkeit entsprechend waren. Ich fühlte mich so froh und so glücklich, wie noch bei keinem andern Feste, und konnte nicht umhin, dem gastfreundlichen Hofbauern und seinem ge- müthlichcn Weibe die Hand zu drücken mit der Versicherung, daß ihre Auslagen für das neu errichtete Kreuz ihnen großen Gewinn an Trost und Gottergebcuheit. Glück und Segen bringen werden. Noch lauge werden mir die Stunden, die ich zu Ulm in einer so gemüthliche» Gesellschaft verlebt habe/ im Andenken bleiben. Namentlich ging ich auch noch reicher an der Erfahrnng nach Hause, daß im Bauernstände manches Talent verborgen ist, welches bei gehöriger Entwicklung Großes