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setz nicht ausheben. Er stimme für den KommisfionSantrag. — Häußer weist zunächst auf die Verhältnisse in Frankreich hin, wo man trotz Nachgiebigkeit auf Nachgiebigkeit dennoch die Enc-elica und den SylladuS an den Kopf geworfen erhalten habe. Wäre da« SchulauffichtSgefetz 1860 vorgelegt worden, so würde keine Agitation entstanden sein; inzwischen aber habe man fich gesammelt. Redner weist auf das Treiben der ultramontanen Partei in andern Ländern hin, in Belgien , Preußen, Bapern k., wo nirgends Zu- friedenheit mit der Regierung bestehe; wohl aber mit lener von Nassau und Darmstadt . Daß unsere Regierung da« Lob dieser Partei nicht erhalten, halte er nicht für die schlimmste Folge ihrer Thaten. Diese Regierung sei natürlich Vielen eia Dorn im Auge, und wie jene Partei über dieselbe urtheile, sei ja genugsam bekannt. Pkü dieser Partei sei kein Friede möglich, denn fie habe ihn noch «ie gewollt. Wenn ein Friede nach dem Worte und Geiste des Gesetzes von 1864 herbeigeführt werden könne, so sei er damit ein- verstanden; an eine Verständigung innerhalb des Rahmens der Gesetze von 1860 und 1864 könne aber nicht gedacht werden. Daß die Großh. Regierung daS Gesetz von 1864 nach seinem Geiste und Worttaute durchführen werde, darüber liege für ihn kein Zweifel vor. Allerdings aber habe die maßvolle Ruhe des Ministeriums selbst bei den heftigsten Angriffen da und dort Zweifel aufkommen lassen. Grundlage, Sitte und Recht veS Staates seien von den Gegnern angegriffen worden, und der Staat sei eS nun, der Ge- nugthuuog zu fordern und abzurechnen habe für den vielfachen Frevel, der feit 10 Monatrn an ihm verübt worden sei. Je klarer, je einmüthiger wir heute dem KommisfionSantrag zustimmcn, je. mehr werden wir die Pflicht gegen das Land erfüllen. (Allgemeine Zustimmung.) — Staatsrath Lamey äußert sich im Eingänge fftner Rede in ähnlicher Weise, wie im andern Hause. In diesem Streite sei auf eine wenig verantwortliche Weise vorgegangen wor­den, weil da« Fundament des Kampfes nicht in einer wahren, son­dern io einer bewußten unwahren Behauptung bestanden habe. Während des Kampfes sei von der Großh. Regierung keine Stel­lung eingenommen worden, weiche eine Verständigung ausgeschlos­sen hätte. Der § 8 de« SchulauffichtSgesetzes, nach welchem die Weisungen der kirchlichen Behörde durch das Ministerium an den Odcrschulrath zu erfolgen haben, sei nicht durchgeführt worden, habe auch bet der Weigerung der Kirche nicht durchgeführt werden könne». Redner verbreitet sich sodann noch über die Kaflnobewe- gung und deren Folgen, worauf die Sitzung nach östündigcr Dau-r bis um 4 Uhr Nachmittags unterbrochen wurde. — In der heutigen Rachmittagssttzung der Zweiten Kammer gelangte eine Eingabe von Altbreisach gegen die Agitation in der Schulfrage zur Anzeige. Köpfer sprach für den KommisfionSantrag und hofft, daß den. Geistlichen die staatlichen Aemter abgenommen, auch eine vollstän­dige Trennung der Kirche von der Schule eintreken werde. — Fauler, Federer, Lamey von Pforzheim , Achenbach, Para vieini, Moll, v. Feder und Gerwig sprachen gleichfalls für den KommisfionSantrag, wenn gleichwohl v. Feder durch die Entschließung de« Großh. Staatsministeriums nicht voll­ständig beruhigt ist. Er vertraue zwar der Großh. Regierung, wünsche aber auch, daß den Geistlichen die bürgerliche Stavdesbe- amtung abgenommen werde. Gegen den KommisfionSantrag sprach nur F i s ch l e r , der der Meinung ist, daß wenn cs brenne — und wir stünden mitten im Brand — so sollte man nicht zur Tages- ordnnng laufen. Eine höchst interessante statistische Nachweisung über den ganzen Gang der bisherigen Agitationen im Lande ver­danken wir dem «bg. Gerwig. Er hatte fich der Mühe unter­zogen , aus einer Karte die vielen Orte deS Landes, aus welchen die verschiedenen Eingaben einkamen, mit schwarzen Punkten zu versehen, und da ergab fich, daß die Gegend zwischen Steißlingen und Möhringen (die Wohnfitze der ultramontancn Herren v. Stotzin­gen und Fischler) am schwärzesten fich hervorheben. Im Uebrtgen hat der SeekreiS noch fo viele weiße Flecken, um daraus entnehmen zu können, daß die Lehre Weffenberg'S noch festen Boden hat. In acht katholischen Orten oder an solchen, wo die protestantische Be- völkerung ganz gering ist, findet man die Religion am wenigsten in Gefahr, weil von dort auS nur wenige Eingaben eingegangen find. Die Schwarzwaldgemeinden weisen die geringste Zahl auf; da« arbeitsame Völkcheu komme bei Zeiten in die Welt hinaus und wenn es mit Erfahrungen bereichert wieder in die Heimath zurück- kehre, so lasse e« fich von den Geistl-chen nichts weiß machen. Der Herr Abgeordnete hat seine statistische Nachweisung au/ zweierlei Grundlagen angrfertigt. Rach der einen hat er die Bewegung durch eine ultramontane Brille angesehen und die Zahlen so ge- nommrn, als wen» Alles wahr wäre, was diese Herren sagen. Die zweite Berechnung stützt fich aus die muthmaßlichc Wahrheit.

Rach der ersten Annahme würde die Bewegung, d. h. die Zahl der Unterschriften der Bittsteller, in Ettenbeim 11 Prozent, Offenburg , Rastatt , Radolfzell , Stockach , Baden bi« allmählig 2u Prozent an- steigen, der Landbezirk Freiburg 30, der Stadtbezirk dagegen nur 20 Prozent zeigen. Würde man aber auS dem Stadtbezirk Frei- bürg die beiden dazu gehörigen Orte Wiehre und Herdern auS- schciden, so ergäben fich für denselben, also am Orte, wo der Ur­sprung des Feuer« ist, nur 3 Prozent. Obcrktrch, Enge», Buchen, Bruchsal , Breisach weisen 22—30 Proz., PhilippSburg 31, Wall­ dürn 36, Staufen und Gerlachsheim 43, Keuz-ugeo und Ettlingen 47, Tauderbischoisheim 40 Proz. der katholischen Bevölkerung auf. In «rautheim und Wiesloch , eben so Weinheim und Breiten, wo die Bevölkerung zum allergrößten Theil auS Protestanten besteht, werden sogar 62 - 64 Proz. erreicht. DaS Gesammtbild zeigt in gemischten Bezirken 30 Proz. der kathol. Bevölkerung und 9 Proz. der Äesammtbevölkerung, im Ganze« jedoch 21 Proz. der katholi­schen und 14 Proz. der Gesammtbcvölkerunz und zwar au« 414 Gemeinden, woher die Eingaben stammen. Nach Kreisen zeigt fich folgendes Ergebniß: Seekreis 10, OberrhcinkreiS l9, Mittelrhein- kreis 20 und Unterrheinkreis 36 Prozent der kathol. Bevölkerung, und von der Gesammtdevölkerung kommen 9 Proz auf den See­kreiS, 13 auf den Oderrheinkreis, 12 aa f den MittelrheinkreiS und 18 Proz. auf den Unterrheinkreis. Das ist nun das Ergebniß des übertriebenen Bildes. In Wahrheit genommen werden aber höch­sten Falls 7 Proz. der kathol. Bevölkerung und 5 Proz. der Ge- sammtbevölkerung des Landes an den Eingaben fich bctheiligt ha­ben. Dahei machte der Redner insbesondere darauf aufmerksam, daß die wenigsten Eingaben von Gemeindebeamten unterzeichnet seien; auf deren Unterschrift sei aber großer Werth zu legen, da fie in der Regel zu dem einfichtigsten Theil der Bevölkerung ge­höre». (B.L.Z.)

Tagesgcschichtliche Mitcheilungen.

Karlsruhe , 17- Mai. (S. M.) Seit gestern weilt hier eia Bevollmächtigter des Erzbischofs von Freidurg, um Unterhand­lungen mit der Großh. Regierung über dir Schulfrage einzuleiten. Es ist dies der Convikisvirector Kübel m Freiburg. der zugleich als Assessor bei de» dortigen Ordinariate beschäftigt ist. SS soll sich' zunächst um eine Verständigung über die Bedingungen handeln, unter welchen dem katholischen KuratklcruS brr Eintritt in die OrtSschulrä he von Seiten des Erzbischofs gestattet, bezw. besohlen würde.

Lörrach , 9. Mai. (B. L.Z.) Eine großherzige That wurde in Eimcldingen vollbracht. Am 5. d. M. nämlich fiel ein Mädchen beim Wafferschöpfen in den bei der E-senbahnstation befindlichen 75 Fuß tiefen Brunnen. Der dortige Eisenbahnbedienstete Weigandt, früher ein rüstiger Turner, ließ fich Stricke um den Leib binden und stieg mit offenbarer eigener Lebensgefahr in die Tiefe, und cs gelang seiner heroischen Anstrengung, die Verunglückte wieder lebend, obwohl mit geschundenem Körper, an daS Tageslicht zu bringen. Diese edle That ist desto höher anzuschlagen, da der Maurermeister, der den Brunnen gemacht hatte und gerade anwesend war, selbst erklärt hat, daß der Brunnen so baufällig sei, daß für den Hinab- steigenden durch das Herabfallen von Steinen u. s. w. Gefahr vor­handen sei»

Wiesloch , 18. Mai. (B. L. Z.) Die Lehrer des BczirkS WieSloch haben bei der am 17. d. M. abgehaltenen freien Lehrer- konfcrenz den Vorfitzenden beauftragt, folgenden Beschluß in die Bad. Landeszeitung einrückeu zu lassen: l) Wir erblicken in der Durchführung des Gesetzes über die Beaufsichtigung der Volksschulen durchaus keine Gefahr für die Religion und stimmen demselben vollständig bei 2) Halten wir unerschütterlich treu zu unserm wohlmeinenden, allvcrehrtc» LandcSfürsten und dessen hoher, er­leuchteter Regierung.

© Rheinbischofsheim , 18. Mai. Es verdient io «ei­teren Kreisen bekannt zu werden, daß am 16. d. M., früh halb ,4 Uhr, durch die Fischer von Frcistett im Rhein beim s. g. Hafen, 72 Stunde von Freisten, ein Stöhr gefangen worden ist, der von der Schnauze bis zur Schwanzflosse 7 3 /* Fuß Länge und am Körper einen Umfang von etwas mehr als 3 7e Fuß hat. Das Gewicht dieses Fisches wird zn 200 Pfund geschaßt. Er lebt noch, ist ange- seilt und sehenswerth. St.

Kork , 12. Mai. (D.L.Z.) Die Telegrapheneinrichtung durch daS Hanauerland, d. h. 'vvN'Kehl bis Lichtenau. ist so weit gediehen, dqß der Draht gestern schon bis Linr gelegt war, als fich dort, wie noch nie bei dieser Arbeit auf so weite» Strecken, ein Ünglücksfalk ereignete. Der Arbeiter Seb. Vollmer von Nußbach stand beim