vr alt Gffeburger.
Belletristische und humoristische Lhronik der Kreishauptstadt Gffenburg.
Nr. 183.
Ausgabe vom 9. November 1903.
Preis 10 Pf.
Der Gemeindehaushalt anno 1901.
Der städtische Rechenschaftsbericht für das vorige Jahr bedeutet in seiner rechnerisch-technischen Ausstattung einen Fortschritt; es kommt diese Neuerung einem Wunsche des Bür gerausschusses entgegen. Die endgiltigen Rechnungsergebnisse korrespondiren mit den im Voranschlag beobachteten Ausführungen und sind, wo es sich empfiehlt, mit den entsprechenden statistischen Daten versehen. Jedermann kann von dieser Abrechnung Einsicht nehmen; ein gedruckter Bericht ging den Mitgliedern des Bürgerausschusses zu.
Als ordentliche Einnahmen hatte der Voranschlag vorausgesehen 627,047 Mark, wovon aus der direkten Steuerkraft (d. h. durch Umlagen) 231,922 M. ausgebracht werden sollten.
Das städtische Kassenbuch verzeichnet aber im Soll der ordentlichen Einnahmen für 1901 den Betrag von 643,815 M., was eine Mehreinnahme von 16,768 Mk. bedeuten würde. Da jedoch die Stadtkasse, wie gewöhnlich, am 31. Dezember noch nicht Alles hat, was sie nach der Theorie haben soll, stellt sich in dieser Rechnungsabtheilung II ein Rest (Einnahmerückstand) von 9872 M. heraus.*)
Bezüglich der Ausgaben hatte der mit aller weisen Vorsicht gedrechselte Voranschlag eine Summe von 540,597 M. angenommen. Aber auch hier zeigt sich wieder die verdammte Erbsünde, daß stets mehr ausgegeben wird, als der heilige Vorsatz beabsichtigte. Nach dem Rechnungs-Soll belaufen sich die Mehrausgaben auf 566.183, bedeuten also eine Ueber- schreitungssünde von 25,586 Mk. **)
Wir kommen nun zum außerordentlichen'Etat. Außerordentliche Einnahmen Mk. 12 704.63
,. Ausgaben „ 21918.32
a. Mehrausgabe „ 9 213.69
Grundstockseinnahme „ 897 463.52
Grundstocksausgabe f) „ 885143.41
b. Mehreinnahme „ 1232011
oder die Differenz (b—a) 3106.42 M. Bestreitung von Wirthschafts- ausgaben aus Grundstocksmitteln, deren Ersatz im Voranschlag 1902 berücksichtigt ist.
Die Rückstände von früheren Jahren ergeben einen Rest von 1518 Mk.
Abschluß.
Die Einnahmen im „Hat" Mk. 1645579.28 „ Ausgaben „ „ „ 1627417.14
Der Kassenrest „ 18162.14
Der Vermögens st and der Stadtgemeinde kennzeichnet sich per 31. Dezember 1901 durch folgende Zahlen:
Brandversicherung der Gebäude 1.053,610 M.; Landwirth - schaftliche Grundstücke 1,092,542 M. (Steueranschlag der Aecker rund 528,900. der Wiesen 555,200, der Gärten 2570, der Plätze 5830 M.); Waldungen 722,045 M., Gewerbliche Ein
*) Mehreinnahmen vnn ansehnlicher Bedeutung ergaben Land- wirthschaftliche Grundstücke M- 7316.85. Waldungen M. 12,947.98, Umlagen und Wanderlager M. 4271.29, Sonstiges M. 1170.31. Zusammen M. 25,706.43. - Mindereinnahmen ergaben sich bei Zinsen, aus öffentlichen Einrichtungen rc. zusammen M. 16,317.32; diese abgezogen von der ganzen Mehreinnahmensumme von M. 33,085.35 ergibt sich in dem Einnahmen ein Mehr von 16,768 M.
**) Der Voranschlag wurde durch Mehrausgaben hauptsächlich bei folgenden Rubriken überschritten: Landw. Grundstücke M. 1956.39, öffentliche Beleuchtung Mk. 1365.44, öffentliche Gewässer Mk. 2765.46, Schulanstalten M. 3768.77, Passivzinse Mk. 7694.02, Abgänge und Rückersätze M. 9351.24; zus. M. 26,901.32 oder im Ganzen M. 45.773.26. Davon ab die braven Rubriken mit verminderten Ausgaben M. 20,186.28, also eigentlicher Mehraufwand M. 25,586.98.
1) Diese Summe entsteht, wenn an den Grundstocksausgaben von Mk. 961,913.41 die aus Wirthschaftsmitteln (Umlagen) aufzubringendcn Betreffnisse sür Schuldentilgung mit M. 76,770 abgezogen werden.
richtungen 39,245 Mark, Kapitalforderungen 2,827,464 Mark, (Kaufschillinge 3231 Mk., Darleihenskapitalien rund 2,824,000 Mark).
Zu diesem Vermögen von zusammen M. 5,734,908.18 tritt noch
Kassenvorrath M. 18,162.14
Jnventurwerth der Geräth- schaften „ 128,305.67
Jnventurwerth d. Naturalien und Materialien „ 2,000.—
Einnahmerückstände „ 13,370.67
„ 163,838.58 M. 161,838.58
Summe des Grundstockvermögens M. 5,896,746.76
Dazu:
Wasserwerk-Anlagekosten M. 512,000
Gaswerk nach bisherigen Aufwendungen „ 413,000
Summa 925.000 Mark.
(Die Schulden der Wasserwerkskasse sind mit 70,500 M., die der Gaswerkskasse mit 297,460 Mark berechnet. Bei der Wasserwerkskasse hat sich das Vermögen um 4943 Mark, beim Gaswerk um 2640 Mark vermindert.)
Schulden gehören zu den Merkmalen jeder „Groß stadt "; es betrugen Ende 1901 die Grundstocksschulden 5,095,153 Mark 55 Pfg. (nämlichKaufschillinge 103,055 Mark 60 Pfg. und Anlehenskapitalien 4,992,097 M. 95 Pfg.) Dazu noch Ausgaberückstände 12,052M. 19 Pf. Nach Abzug des Grundstockvermögens von rund 5,9 Millionen Mark verbleibt das Reinvermögen von 789,541 Mark, welches gegen das Vorjahr sich um 12,869 Mark vermehrte. Diese kleine Zunahme berechnet sich also: aus Grundstockseinnahmen rund 980,000 M., aus laufenden Mehreinnahmen rund 68,400' Mark; dagegen weniger beim Anschlag der Brandversicherung 1200 M., der Waldungen 850 M., der Fahrnisse, Naturalien und Materialien 1800 Mk., neukonstatirte Grundstocksausgaben 1,031,840 Mk.
Die Anlehensschulden betrugen am 1. Januar 1902 noch 4,898,332 M. es sind bis 31. Dezember getilgt 310,668 M.; das erste Anlehen rührt vom Jahr 1895 her.
Die Summe der Schulden der Stadtkasse betrug am 1. Januar 1902 5,107.205 Mark.
Die Gewerbeschulkasse hat Aktiva 12,189 Mk., die Mädchenschule 11,689 Mk., die Realschule 14,620 M., die Handelsschule 1006 Mk.
Die Arbeiter-Baukasse berechnet Aktiv-Vermögen 176,967 M., Schulden 176,752 Mark.
Gesammtergebniß.
Summe des Aktiv-Vermögens 7,039,153.72 Mark,
Summe der Schulden 5,651,918.52 „
Reines Vermögen 1,387,235.20 Mark.
Nach einer Oedung „Dattenweier" bei Elgersweier nennt sich Sigihelm de Tatenwilre cks ctomo ctucw, der um das Jahr 11.48 unter den Edlen der Mortenau genannt ist im Kotulus Sanpetrinus.
Die Dedinger oder Taedingen waren ein altes Offenburger Geschlecht, das urkundlich um 1464 genannt ift r Jacob Tedinger (Tädinger), ein Kaplan zu St. Thomas in Straßburg , kaufte das Bürgerrecht daselbst. Zwölfer des alten Rathes und Spitalmeister zu Offenburg war im Jahre 1495 Herr Rulmann Tedinger, der es 1503 zum Schultheiß brachte.