Tbeil und der Finder der Bohne wird Festtags-König, der mit „Sire" oder „Majestät" angeredet, eifrigst bedient wird rc. rc. Trinkt er, so ruft der Chorus: „Der König trinkt!" „Le roi de la febve!“ heißt's im Altfranzösischen ; das ist der Bohnenkönig. Auch die Studenten und Bürger wählten am Dreikönigtag einen aus ihrer Mitte zum König und er­wiesen ihm beim Gastmahl königliche Ehren; je nach der Art der Mahl hieß der Erkorene dann Apfel- oder Bohnenkönig.

Man da,f daran erinnern, daß bei uns nach dem Drei­königtag die Carnevalszeit beginnt und die Wahl des Prinzen zu geschehen pflegte.

Das geht noch über's Bohnenlied, heißt so viel wie: das ist zu toll, eine unglaubliche Albernheit. „Einem das Bohnenlied singen" bedeutet, man kümmere sich nicht mehr um ihn, er möge sich entfernen. „Geh mir aus den Bohnen", das heißt: geh Deiner Wege, ich will mit solchem Thoren nichts zu thun staben; „nu gang mir aus den Bohnen", das auch Fischart im „Trunken Gespräch" hat, ist der ständige Kehrreim im ältesten und Verbreitesten Bohnen­lied. Es zählt in 6 Strophen lauter Thorheiten auf und ruft dem, der sie begeht, im Kehrreim zu: „uu gang mir aus den Bohnen!" Was noch toller ist. als diese dann aufgezählten Dummheiten, das geht noch über das Bohnenlied. In „Wanders Lexikon" heißt es:

Das Bohnenlied war eigentlich ein äußerst beißendes Gedicht über die Klerikei und den katholischen Ritus, besonders wider den päbstlichen Ablaß vom Jahre 1522, verfaßt von Nikolaus Manuel von Bern. Weil man sich nichts denken konnte, das über diese öffentliche Verspottung des Papstes und der Klerisei mitten in einer katholischen Stadt hinausgehe, so sagte man zur Bezeichnung irgend welcher unglaublichen Maßloßigkeit: Das geht noch über das Bohnenlied.

Eine andere E klärung des Ursprungs wird in 6räter'8 Bragur (Bd. 6) versucht; im „Allgem. Nassauischen Schulbuch" (1862) sucht ein Lehrer diese Redensart aus einer Volkssitte zu erklären. Vielleicht spielt Walther von der Vogelweide auf das Bohnenlied an, wenn er fragt:

Waz eren hat fro Bone,

da« man so von ihr singen soll?

Das Bohneulied, ein altes, vielgesungenes Volkslied, ist in verschiedenen Fassungen überliefert, (z. B. Böhme, Altd. Liederb. S. 435).

Grob wie Bohnenstroh, oder „dumm wie Bohnen­stroh", soll eine ganz besondere Höhe von Mangel an Takt und Klugheit bedeuten. Das grobe und feste Bohnenstroh aus dürren Bohnenranken ist nur im Nothfall ein Ersatz für Stroh­bündel. In Murner's „Mühle von Schwindelheim" (V. 1499) klagt der Müller und Wirlh über die Verwöhnung seines Esels durch andere Leute:

Bey mir war er von hertzen fro, wenn ich in legt ins honen stro.

Damit sei die Betrachtung über das Bohnen-Sprichwort geschlossen. Von dem zünftigen Offenburger kennt man seine

Anhänglichkeit an das Bohnengericht in allen Zubereitungen und Formen. Das nahrhafte Essen macht ih» zäh und tapfer; jedenfalls kann man ihm nicht vorwerfen, was der Plattdeutsche von furchtsamen Leuten sagt:

he lett sück mit ’n Blase vull Bohnen verjagen.

Nicht das Krachen ist beim Schießen das Gefährliche, sondern die „blaue Bohne".

D' «eef.

p'

mm

MG;

Im Advent loß ich mich föpple un üb' mich im Schwiege und Dulde. Daß er 's wisse, ihr vorlutti Mannsbilder!

Em Rorati blieb ich treu uß alter Gwohnheit un Pläsieri Jede morge um Sexi in d' Pfarrkirch laufe mit eme Latäderl. in dr Hand un e Liächtli drin vum en alte Jmme-Wagsschtock uß em Hampe, deß isch mi Ambitsjon für dr Dezembr. Als Johanneswürmli im Dezember z' leuchte isch gwiß en unschuldiger Ehrgiz; numme Eins ärgert mich als, daß selli neumodischi Gasleuchter an dr Allee so hell brenne, wie! deswege mi Jo- hannesliächt vom e Schtrumpf odder Socke in dr Schatte gschtellt wurd. Alli Romandik vrgeht un wemmer ersckt noch elektwchi

Bekannte Redensarten im Bolksmund.

i.

Ein X für ein U machen. (X für U). Man hat zu beachten, daß diese Buchstaben, namentlich die lateinischen, auch einen Zahlenwerth haben und daß das U bei den Alten V ge­schrieben wurde, also die Hälfte des X darstellte. Somit drückt diese Redensart eine betrügerische Täuschung aus; der Sinn ist gewöhnlich der: einem Zehn für Fünf anrechnen, betrügen oder überhaupt etwas anders machen, als es ist, d. h. fälschen. Au« dem Lesen altdeutscher Glossen gibt Albert H ö fe r folgende andere Deutung:

Unter den verschiedenen Geheimschriften, deren unsere Vor­fahren sich bedienten, war die gewöhnlichste und mindestens bis in's XV. Jahrhundert fortdauernde Art bekanntlich die, welche statt des Vokals den zunächst folgenden Consonanten setzte, also: d statt a — f statt e - k statt i — p statt o und endlich x für u. Und da die Absicht dieser Schreibweise, mag sie oft­mals auch als Zeitvertreib oder Spielerei geübt worden sein, ursprünglich nicht sowohl auf ein Betrügen und Fälschen, als auk ein Verbergen und Täuschen hinauslief, so scheint die Re­densart hier ihren ersten Ursprung gehabt zu haben.

Diese Deutung Höfer's (Germania Bd. XIII) ist wohl gelehrt, aber entsn i ,t nicht der Wahrscheinlichkeit. - Dieser ent­spricht eine Stelle ut Laurenberg's Scherzgedichten: voer L to schriven C un vor V schriven X, kan ik den nicht veel mehr, so bin ich darup fix.

Bei der Zechschuld sagt man deßhalb auch: „mit dop­pelter Kreide anschreiben", weilX ein zweifaches V ist. Wenn der Wirth schreibt ein X für ein V,

So kommt er seiner Rechnung zu.

Er ist Peterlein auf allen Suppen. Die Varia­tionen lauten: Er ist der Peterling (Petersilie) in alle Suppen. — Peterlein muß nicht auf allen Suppen sein. (Siinrock). — Oes is der Peiterla uff der Supp na. (Nürnberg .) — Er isch Peterli uff der Suppe. (Solothurn .) — Der ist au der Peter­ling uff alla Suppa. (Schwaben ).

Damit soll Jemand bezeichnet werden, der sich überall vordrängt, namentlich in allen Gesellschaften; der an allen Ge­schäftsverbindungen theilnimmt.

Aehnliche Bedeutung hat das Sprichwort, das sich bei Simrock und Andern findet:

Er ist Zachäus auf allen Kirchweihen, oder: er ist Zachäus in allen Schenken.

Damit pflegt man einen Menschen zu bezeichnen, der auf allen Lustbarkeiten zu finden ist. Der kleine Zachäus der Bibel, der Jesus vom Maulbeerbaum aus sehen will, kommt im Evangelium des Tages der Kirchweih vor, wird also regelmäßig an Kirchweihtagen erwähnt. So heißt's dann im „Rollwagen­büchlein" :

Also predigt man vom Zacheo auff allen Kirchweihen, niemandt aber volget jm inn den wercken nach.

Er ist mit Zacher vff allen Kirchweyhen. (Ehering.)