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Samstag, den 3. November 1345
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Heute vollendet Frau Anna Schindler, Wwe, Geroldsauerstr. 176, ihr 8 0. Lebensjahr. Die Jübilarin ist langjährige Abonnentin unseres Blattes. Wir wünschen ihr •inen gesegneten and gesunden Lebensabend. *
Die Bäder- und Kurverwaltung weist besonders auf die im Anzeigenteil der heutigen Ausgabe veröffentlichte Sammelanzeige hin, aus welcher alles Nähere über die Veranstaltungen der kommenden Woche sk ersehen ist
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Am Mittwoch, den 7. November 1945, wird
beim Amtsgericht Baden-Baden die Geschäftsstelle der Freiwilligen Gerichtsbarkeit für die Bevölkerung Baden-Baden wieder in Tätigkeit treten. Die Eröffnung der anderen Geschäftsstellen des Gerichts wird noch bekanntgegeben.
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Die Ei er a bl i f e r u n gs n a eh w ei s e
müssen bis zum 10. November abgegeben sein. Näheres ersehen unsere Leser aus dem Anzeigen teiL
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Industrie- und Handelskammer Baden- Baden. Eine wichtige Bekanntmachung im Anzeigenteil betrifft Allgemeine Neuanmeldung/Steuermeßbescheid, Wiederaufnahme der Arbeit Wirtschaftsprüfer, Wirtschaftstreuhänder, Versicherungen, Altmaterialhändler, Lederverarbeitung, Baufirmen. Wir verweisen unsere Leser auf die Anzeige.
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Htttefluacwn des Kuttar-Ratss
1. Literarische Morgenfeier. Zum 80. Geburftsts* dos Freiherrn von Gleichen-Rußwurmj des Urenkels Schillers, findet am Sonntag den 4. Nov. 11.30 Uhr im Kleinen Bühnensaal in Gegenwart des Jubilars eine Morgenfeier statt Albreeht Bchönhals spricht Verse von Schiller, Heinrich Beri und Elisabeth von Glasenapp lesen Prosa und Lyrik aus den Werken von Alexander v. Gleichesn-Rußwurm.
Die Ausstellung Kuhn (in den unteren Räumen des- Stadtgesch. Sammlungen) ist bis einschließlich Sonntag, den 4. Nov. verlängert worden.
Generalmusikdirektor G. E. Leasing ist in den Kultur-Rat gewählt worden.
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AHerheiBgen ta Baden-Baden und Lichtental Baden
gedachte seiner Toten in würdiger Form, eine Form, wie wir sie so selten in den letzten Jahren sahen. Neben dem umfangreichen Blumenschmuck auf den Friedhöfen sangen auch wieder die• Chöre, so der Gesangver- ein Hohen b ad.en, der mit den Liedern „Sanktus“ und „Verlaß mich nicht“ eine nachhaltige Wirkung bei den Zuhörern erzielte. In Lichtental sangen die Mannergesangvereine Sän- gerloet, Hercynia,, Baden-Lichtental sowie Merkur Geröldaus unter Leitung von Chordirektor Hermann Ma y-e r. Unter dem gleichen Dirigenten trug auch der Kirchenchor zur Ausgestaltung des Feiertages bei. Alle Chöre erfreuten die Zuhörer aufs beete.
Seine« 8 2. Geburtstag feiert heute Schuhmachermeister Karl Falk, Hauptstr. 88. Dpm ehrwürdigen Handwerksmeister wünschen wir einen gesunden Lebensabend. J. F.
Ans der Evangelischen Stadtmission
In der Mitte der Woche zwischen dem Christkönigsfest der römisch-katholischen Kirche und dem Reiormationsfest der deutschen evangelischen Kirche fand am 31. Oktober ln der ChriBtuskapelle der Evangelischen Stadt- mission eine schlichte '
Gedenkfeier an den Beginn der Reformation der Kirche
statt
Zur Erinnerung an den Anschlag der sogenannten 95 Thesen des 33 jährigen damaligen Augustiner Mönches Dr. Martin Luther wurden zunächst diese Thesen im Auszug und im Hinblick auf die Gegenwartslage der Kirche verlesen.
Anschließend an- die Verlesung gab der Pastor der kleinen Heide der Christusgemeinde der Evangelischen Stadtmission eine Erklärung zum 3 1. Oktober 1945 ab.
Aufgrund von Tatsachen-Berichten über die Einstellung leitender Staats- und Kirchenmänner der heutigen Welt zur Christusfrage wurde festgestellt:
*Es ist die Furcht des Wirkens der Reformatoren der Kirche in allen Ländern Europas und unter allen Völkern der Welt, daß heute nicht nur im evangelisch-protestantischen Kir- chentum, sondern sowohl in der römisch-, wie auch in der anglo-. Wie auch in der griechisch- und russisch-katholischen Kirche, wie auch in allen aus ihnen hervorgegangenen Brüäer-Kirchen in aller Welt sich die biblische Wahrheit Bahn bricht*.
Ueberall wird heute die Botschaft der Quäkerin dankbar äufgenommen werden, die als Vertreterin amerikanischen Tat Christentums, kl Erkenntnis und Bekenntnis gemeinsamer Schuld vor Gott , dem deutschen Volke zuruft: „Hin zuChrlstusJesus, Er allein ist der Retter und Herr* zujubelt:. Ich. weiß, daß mein Erlöser lebt.
Stadtmissionspfarrer K. Ippach
__ Stadtteil Oberbeuern
Infolge eines Unfalls verschied Mefegennel- ster Flesch, der nach sechsjähriger Abwesenheit vor kurzem aus der Gefangenschaft «u seiner Familie wieder zurückgekehrt war. Die Anteilnahme an dem tragischen Geschick ist unter der Bevölkerung unseres Stadtteils allgemein, denn Herr Flesch hatte sich als tüchtiger Handwerker nnd als charaktervoller Mann, der seiner Überzeugung stets treu geblieben war, großer Beliebtheit erfreut. -r
Druck und Verlag: Ernst Koelblin. Baden-Baden H’auptschriftleiter: Albert Herzog
t &gAUar fcn Hsnala rhriLU a i ter; Werner. StowhrSek
Das Sozialversicherungswesen
Die Ende September veröffentlichte Abhandlung „Krankenversicherung im -Zeichen neuer Entwicklung“ brachte vorzugsweise über die gesetzliche Krankenversicherung Verschiedene aufklärende Hinweise, die zahlreiche Anfragen auslösten. Etz wird daher gern von Zeit zu Zeit über wesentliche Merkmale der einzelnen Versicherungszweige berichtet werden, um die Einrichtungen der Sozialfürsorge der Bevölkerung vertrauter zu machen.
Zunächst verdient heute Erwähnung, daß durch die Erweiterung des Postverkehrs nunmehr wieder die Verbindung mit allen zentralen Verwaltungen hergestellt ist. Dies wird dazu beitragen, Fragen von grundsätzlicher Bedeutung zu klären und im Zuge der Vereinfachung des gesamten Behördenbetriebes Maßnahmen zu treffen, um auch im Solzialversicherungswesen durch Vereinheitlichung der Versorgungsgebiete und Zusammenlegung ihrer Körperschaften die ' gebotenen Einsparungen zu erzielen.
In der Krankenversicherung konnte erfreulicherweise in der Betreuung der Kranken eine empfindliche Lücke durch die verständnisvolle Bereitschaft von Herrn Dr. med. Rose beseitigt werden, als dieser Mitte Oktober 'auf seinen ihm 1933 entzogenen Posten als Vertrauensarzt der gesetzlichen Krankenkassen zurückkehrte. Es enspricht dem Geist der wiedererweckten Menschlichkeit,, daß der Vertrauensarzt den Kranken Vertrauen entgegen!,ringt und hilfsbereit ist, indem er Strenge nur dort walten läßt, wo die Notwendigkeit dies fordert.
In der Beachtung der allgemeinen Ordnungsvorschriften sind Unterlassungssünden mannigfacher Art noch immer an der Tagesordnung. Einige Hinweise sollen hier nachhelfen. Arbeitgeber müssen die An- und Abmeldungen und die Lohnveränderungsanzeigen innerhalb von 3 Tagen erstatten, da sonst Strafbeiträge die unliebsame Folge sind. Dem Arbeitnehmer erwächst Schaden, wenn er bei Erkrankung seine Arbeitsunfähigkeit der Kasse nicht binnen 7 Tagen anzeigt. Noch eine, leider sehr oft versäumte Frist schreibt das Gesetz kn Falle der freiwilligen Weiterversicherung vor, die binnen 8 Wochen nach dem Ausscheiden aus der Beschäftigung bei der Krankenkasse zu beantragen ist. Am meisten wird diese Bestimmung von jungen Franen übersehen, die nach ihrer Verheiratung oder als werdende Mat
ter Mitglied der Krankenversicherung bleiben wollen. Im Versäumnisfalle wird sich eine nachträgliche schadlose Regelung bei Vorliegen ungewöhnlicher Begebenheiten immer seltener ermöglichen lassen, da der erfreuliche Fortschritt in der Wiederherstellung geordneter Verhältnisse solche Voraussetzungen kaum mehr aufkommen läßt.
Eine wichtige Neuerung ist. daß Beschäftigte der Militärregierung oder sonstiger ausländischer Stellen, die ihre Lohnvergütung nicht durch die Stadtverwaltung oder eine andere deutsche Behörde erhalten, die Anmeldung nnd die Bezahlung der Beiträge zur Sozialversicherung selbst vornehmen müssen. .Es liegt auf der Hand, daß manche dieser oft unfreiwilligen Arbeitskräfte keine Neigung für die-Erfüllung ihrer Versiehe: rungspflichten empfinden. Da früher oder später eine Feststellung der Tätigkeit aber doch erfolgt, ist nur ratsam, die unumgänglichen Meldungen stets sofort-zu bewirken.
Die jetzt für Baden-Baden wieder ins Leben gerufene deutsche Gerichtsbarkeit gibt auch dem Vollstreckungsdienst der Sozialversicherung die Möglichkeit, gegen gewisse, gern im Rückstand bleibende Zahlungspflichtige die entsprechenden Maßnahmen zu ergreifen, um so Schädigungen der Allgemeinheit von vornherein auszuschließen.
Die Versorgung der Rentner hat inzwischen die besondere Beachtung der für den hiesigen Bereich zuständigen Landesversicherungsanstalt Baden gefunden. Den Bemühungen dieser verantwortlichen Stelle gelang es, die Rentenzahlungen der Invalidenversicherung vorerst in halber Höhe als Vorschuß mit Wirkung vom 1. 7. 45 an wieder in Gang zu bringen. Auch für die Rentner der Angesteljtenversicherung ist eine baldige Regelung, zu erwarten. Es ist ange- strebt, hier gleichfalls die Landesversicherungsanstalt Baden einzuschalten, weil dadurch ein rascherer Zahlungsverkehr möglich sein wird.
Die Rentner k rankenversichern ng wird, wie angekündigt wurde, rückwirkend vom L 4. 45 hi ähnlicher Form weiterbestehen, wie sie schon zuvor gesetzlich geregelt war. Näheres hierüber wird demnächst bekanntgegeben werden.
Einzelauskünfte jeglicher Art können nach wie vor bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse Ba-
dae-Badan er fragt werden.
Karl Knttmff
.... und mimt! Worin er größer ist? In der kühnen Synthese von beidem im Dienst geistund witzvOller Ideen oder Grotesken, die er restlos ausschöpft. So klagt er als Orpheus um Eu rydike in einem Tanzduodram von unerhörter Symbolkraft, lediglich von ihrer Maske, unter- stüzt. Und doch gelingt ihm, ins Sichtbare zu projizieren, was Rilke so kühn in den alten Mythos hineinschaute: daß Orpheus seinen Körper verläßt, um Eurydike in ihm zu bannen für selige Augenblicke. Zum „Stememlied“ benötigt er gar kein Requisit,, um kosmische Gedanken von der Weite eines Nietzsche oder Alfred Mombert ahnen zu lassen. Ein Büchlein in der Linken zu Impromtu-Klängen Schuberts genügt, uns im Prater die lyrische Verzückung eines jung verliebten Biedermeier-Stutzers vorauzaubern. Für die Straußzeit braucht er noch weniger im „Seligen Walzer“: und doch zwingt er uns alsbald Sektrausch nnd Walzerseligkeit auf! Kein Wunder, daß diese Kostbarkeiten wiederholt werden mußten,
Jahrzehnte engster Zusamenarbeit schweißten ihn mit Friedrich Wilckens zusammen, der am Flügel kongenial waltete, auch als Komponist. Zu Chopins Vals« op. 18 tanzte Kapellmeister Kreisler persönlich seine Groteske „B. T. A. Hoffmann-Phantasäe“. Daß Kreutzberg auch zu folkloristischer Schlichtheit zurückfindet, bewiesen seine „Ungarischen Tänze “ mit Brahms . Er kann alles mit wenig oder nichts dank der letzten Beherrschung aller tänzerischen, mimischen und Gebärde-Ausdrucksmöglichkeiten dieses Körpers, der freilich von Geist, genialen Einfällen und Witz geleitet wird. Friedrich Baser .
„Pariser Stimmung“
Ein halbleerer Saal ist nicht geeignet, Stimmung zu erzeugen, zumal einer Kunstgattung gegenüber, die ganz besonders der Resonanz des Publikums bedarf. . Hierin lag vielleicht einer der Gründe, daß Künstler und Zuhörer von einander etwas 'enttäuscht waren und die erwartete „Pariser Stimmung", unter der man sieh so etwas wie Montmartre-Atmosphäre vorgestellt hatte, ausbldeb, obgleich doch manche beachtenswerte. Leistungen zu verzeichnen waren. Vielleicht lag es auch an der Anhäufung Bunter Abende in letzter Zeit oder auch an den zu hohen Preisen. <4—12 Mark ist selbst für einen „Pariser Stimmungs“-Abend zuviel.) Aus dem Programm hervorzuheben ist das Akrobatenpaar N e 1 und No, die von einer bewegten, durchzechten Nacht aus dem Rehland zurückgekommen, unter bacchantischer Schwerelosigkeit der
Glieder eine staunenswerte KörperdSmtpRn verbargen, die auf eminentem Können beruhte. Die- gleichen Vorzüge wies auch das Trio Rexy auf, das in einer urkomischen Szene einer harmlos erscheinenden Jungensbalgerei große akrobatische Gewandtheit entwickelte und viel Heiterkeit erregte. Weniger gefiel der in seiner Derbheit etwas peinlich wirkende Tanz des Fauns mit Nymphen. Recht lustig waren auch die beiden D a n y s in ihren, mit großer Kunstfertig- • keit und straffem Rhythmus ausgeführten Stepptänzen. Ins Reich chinesischer Zauberkunst entführte Li King S1. Wenn er auch nicht viel Neues daraus taitbrachte, so machte er mit seinen geschickt vorgeführten Taschenspielerkünsten soviel Vergnügen, daß man sich gern von ihm an der Nase hemmführen ließ. Von den mit großem Beifall aufgenommenen Duo-Stücken der beiden V i 11 e n e t ist zu sagen, daß sie beide ihre Instrumente gut beherrschten, man jedoch den Eindruck hatte, daß Akkordeon und Laute keine gute Klangmlschung ergeben. Der mit großen Lettern angekündigte Bariton Andrä Baugö, von Film, Schallplatteri und Rundfunk her bekannt, erfreute mit Liedern, Schlagern und der Auftrittsarie des „Figaro “ von Rossini. France Delaye tanzte mit Anmut zwei hübsche Tänze und das Ballett Renn durchflocht den Reigen der Darbietungen mit fröhlichen Gruppentänzen. Das musikalische Rückgrat bildete das aus 3 Damen und 2 Herren bestehende Jazz-Orchester Drallyan. Inge Karsten
Kammerkonzerte der Bachzeit Im Kleinen Theater, im stilvollen Rahmen, erklang erwählte Barock- und Rokokomusik, die Gotth. E, Lessing in musikantisehem Zusammenwirken mit dem Kammerorchester klangschön bot. Im 4. Brandenburgischen Konzert. Bachs , das durch die machtvoll strömende Fuge einen eindrucksvollen Abschluß bekam, wie in Händels 5. Concerto grosso war das Concertino recht gut besetzt durch Otto Voigt und E 1 z i o L n g h i (Flöten), unsere drei Konzertmeister Kiskemper, S t ß-nn e b rti g g eh und Heuer sowie Eugen Oschatz, der den Cembalo-Part am Flügel dezent vertrat. Leasing stufte die dynamische Gliederung dem Barockstil getreu ab im Wechsel der Tutti und Soli. Die feinverrätselte Polyphonie Bachs blieb stets klar und plastisch wie beim so andere aufhauenden Händel .mit seinem großflächig angelegten Alfresoo-Stil. Die vollendet-schlichte Thematik seiner vier Sätze läßt kaum ahnen, in welch seelischer Bedrängnis und Hast Händel damals (1739) dies Werk komponieren mußte. Die geistvoll fugierten Ecksätze im Allegro behielten
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Gestorben: Ingeborg Hoffmann , geb. Wulff, 13. 10., B.-Baden, Maria-Viktoriastr. 8, 77 Jahre alt; Anna Knapp, geh. Fritsch, 13. 10., Rastatt , Augustastr. 17, 39 Jahre alt:. Otto Koetz, 14. 10„ Gernsbach , Am Markt 4, 52 Jahre alt; Günther Falk, 13. 10., B.-Badem,Stednbruehweg 13, 2 Jahre alt; Karoline Hecht, 15. 10., B.-Baden, Luisenstraße 22, 80 Jahre alt: Clara Lange , 15. 10., B.- Baden, Fremersbergstr. 5, 71 Jahre alt; Rudolf Pagenstecher, 15. 10., B.-Baden, Schützenstr. _ 12, 68 Jahre alt: Dorothea Schmidt von Schwind, geb. v. Düngern, 15. 10., B.-Baden, Yburgstr. 27 a, 75 Jahre alt; Frieda Fritz, geh. Rieth, 16. 10., B.- Baden, Reuernerstr. 2, 68 Jahre alt; Gustav Bol- linger, 16. 10., B.-Baden, Burgstraße 2, 71 Jahre alt; August Hermann, 17. 10., B.-Baden, Friedhofstraße la, 49 Jahre alt, Luise Dickerhoff, 17. 10., B.-Baden, Annabergstraße 2, 73 Jahre alt; Robert Gietl, 19. 10.. Herrenalb, 61 Jahre alt; Johann Usenbenz 19. 10., B.-Baden,Hardstaffeln 6, 81 Jahre alt; Anna Kiefer, geh. Rech, 19. 10., B.-Baden, Yburgstr. 29 a, 64 Jahre alt; Therese Lorenz,, geh. Wolf, 19. 10., B.-Baden, Friesenbergstraße 3, 68 Jahre alt; Otto Karl Klink, 21. 10„ B.-Baden Lichtentaler Straße 16, 73 Jahre alt; Oswald Waßmer, 20. 10., B.-Baden, Reuernerstr. 101, 49 Jahre alt; Karoline Hertweck, geb. Bohe, 21. 10., Haueneberstein, Schirmhof 33, 69 Jahre alt; Ilse Thieufe geh. Waßmuth, 19. 10., B.-Baden, Maria-Viktoriastr. 6, 34 Jahre alt; Magdalena Al* -bus, geh. Pfeffer, 21. 10., B.-Baden, Gernsbach er Str. 16, 77 Jahre alt; Elisab. Bornscheim, 20. 10„ lladen. Geroldsauer Str. 83, 69 Jahre alt; Jo- sef Flesch, 17. 10., B.-Baden, Beuernerstr. 58. 40 Jahre alt; Martha Koechly, geh, Fritsch, 22. 10., B.-Bäden, Langgstr. 34,. 78 Jahre-alt; Elisabeth, Karolina Frey, 23. 10., B.-Baden, Rettig- Straße 24, 61 Jahre alt; Dr. Richard Michael Kahn-Starre, 23. 10., B.-Baden, Bernhardstr. 40, 83 Jahre alt; Emma Amalia Balbina Degler, 25 10., B.-Baden, Kl. Dollenstr. 1, 22 Jahre alt; Bertha Seitz, geb. Kolb, 25. 10., B.-Baden, Ehersteinstraße 16, 68 Jahre alt; Hedwig Anna von Damnitz, geh. Ieschke, 25. 10., B.-Baden, Hilda- str. 7, 75 Jahre alt; Lina Mitzel, 24. 10., B.-Baden, Hauptstraße 74, 65 Jahre alt; Pauline Heinzmann, geh. Götz, 26. 10., B.-Baden, Rettigstr. 10. 74 Jahre alt
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So festlich waren die Friedhöfe seit langem nicht geschmückt! Blumen in unbeschreiblichen Mengen zierten die Gräber und zeugten von dem herzlichen Gedenken der Menschen an ihre lieben Verstorbenen. Und auch die Ansprachen der Geistlichen wie die Gesänge der einzelnen Chöre auf den Friedhöfen legten ein beredtes Zeugnis von der innigen Verbundenheit der Lebenden mit den Toten ab. Ein Allerheiligen wie so selten in den letzten Jahrenl
Und wie die Stimmung dieser Tage auf den kommenden Sonntag hinüb erklingt, so freuen sich die Bühler wieder auf eines der bekannten Orgelkonzerte von Joseph Bachem mit Werken von Bach, Boellmann , Händel und Guilmant sowie einer Improvisation des Künstlers selbst. Das Konzert, das um 4.30 Uhr morgen in chsr Marienkirche beginnt und zu dem als wertvolle Ergänzung ' Maria Merklin (Mezzosopran) hinzutritt, wird seines künstlerischen Niveaus wegen bestimmt eine große Anzahl Zuhörer vereinen. ü~ck
ihre deutlich geprägte Zeichnung und ofti ..barten ihren so fein differenzierten rhythmischen Reichtum. Beiden Mittelsätzen kam die _ edle - Kantabilität, daun der tänzerisch beschwingte, rauschende S'treicherklang zugute.
Glücklich fügten eich diesen instrumentalen Meisterwerken zwei Arien aus der Schäfer-Serenade „II pastore“ Friedrichs II. ein, die Elisabeth Alber wohllautend, rein und stilgerecht sang. Besonders die 2. verleugnet« nicht ihr tänzerisches Gepräge, das der hoch über dilettantisches Mittelmaß emporgewachsene Flötenspieler von Sanssouci dieser Serenade verlieh, die 1747 der Tänzerin Astrua eine glanzvolle Einführung an seinem Hofe ermöglichte. Blühte die 1. Arie in einer "Gesaraglichkeit auf, die seinen Vorbildern Graun und Hasse durchaus nahekommt, so entzückte in der 2. Arie das Rhythmisch-Schwebende, mochte auch- die Koloratur in der kleinen Kadenz nicht an die italienischen Vorbilder heranreichen.
Hatte Vater Bach den Abend eröffnet, so beschloß ihn der jüngste. Sohn seiner 2. Ehe Johann Christian' mit seiner Sinfonie in B-Dur, an die wir freilich noch nicht den Maßstab der klassischen, viersätzigen Sinfonie anlegen dürfen. Hatten die Mailänder und Londoner ihn in ihrer Mitte geradezu verhätschelt, so wurde er später unterschätzt. Wir aber freuten uns seiner frisch fließenden Melodik, die im Kopfsatz Mozart- sche Figaroklänge vorwAgnahm; der Mittelsatz schritt mit dem edlen Gleichmaß einer Gluck- schen Sarabande dahin, während das Presto sich gleich einer Gigue lustig tummelte.. Der stimmungsvolle Abend wurde sehr dankbar aufg&- nommen. -Friedrich Baser.
Alexander Freiherr von Gleidten-RaEwurm
Zum 80 . Geburtstag des Urenkel Schillers
Am Dienstag, 'den 6. November vollendet in seinem Baden-Badener Ruhesitz, der Villa
Mentschikoff in der Lichtentaler Allee unser langjähriger Mitbürger und verehrter eifriger Mitarbeiter des „Badener Tagblatt“ Alexander Freiherr von Gl eichen- R u ß w u r m sein 8 0. Lebensjahr. An sich schon Anlaß genug, an dieser Stelle des so erfolgreichen und auch in seinem hohen Alter noch schaffensfrohen Schriftstellers mit herzlichen Wünschen zu gedenken, dessen Werke in jeder Bücherei einen nicht geringen Raum beanspruchen und ihr zugleich als kulturhistorische nnd ästhetische Denkmale ihrer Zeit zur besonderen Zierde gereichen.
Aber über seine persönliche literarische Bedeutung ist dem 80 jährigen noch eine eigen- same symbolische Aufgabe zu gewiesen, die an seinem Festtage vor allem in Erscheinung tritt. Aus der Ehe von Friedrich v. Schillers jüngster, Tochter Emilie mit dem Freiherrn von Gleichen-Rußwurm stammend, tritt uns iirseiner hochragenden Gestalt mit der ausgesprochenen Sehillersehen Adlernase, in ihm, dem letzten direkten männlichen Nachkommen des großen Dichters, zugleich die unvergleichliche Jena -Weimarer Epoche der deut schen klassischen Literatur selbst entgegen. Sie hat übrigens in der Lebensgesehichte Schillers, die der Urenkel von seinem Ahnherrn herausgab, eine ihrer schönsten Darstellungen gefunden.
Jedoch das Symbolhafte in der Persönlichkeit Alexander von Gleicheu-Rußwuxtns bat
gerade in unseren Tagen ein neues Gesicht erhalten. Eines, das über alte Stammes- und Volksgrenzen hinüber schaut in das gemeinsame Vaterland jedes freien, brüderlichen Menschentums, wie es Schiller vorschwebte. Und wie es von dem französischen Volke in den Tagen der großen Revolution verstanden und erwiedert wurde, als es dem deutschen Freiheitsdichter für sich und seine Nachkommen die französischen Bürgerechte verlieh. Als das Dokument mit dieser Auszeichnung Schiller s. Zt. erst auf jahrelangen Umwegen erreichte, waren die Unterzeichneten Väter der Revolution selbst schon deren Opfer geworden. Aber Schiller sah in der'Ehrung eine Freundschaftsbezeugung der französischen Nation als solcher; er nahm» das Bürgerrecht um so bereitwilliger an, als es sich auch auf seine direkten Nachkommen ausdehnte. Das wurde auch nach der jetzigen Besetzung Baden-Badens durch einen Besuch der in Betracht kommenden höheren Stellen im Dichterheim Alexander v. Glei- chens in courtoisievoller Weise zum Ausdruck gebracht.
Der kgk bayer. Kammerherr und Rittergutsbesitzer Frhr. Alex, von Gleciben — die Hinzufügung des Namens Rußwurm erinnert an den zur Familie zählenden ehemaligen Feldmarschall des 30jährigen Krieges — wurde am 6. November 1865 auf der alten fränkischen Stammburg Greifenstein geboren, zeigte erst militärische Neigungen, wandte sich dann aber um so entschiedener der Beschäftigung mit den Dingen der Poesie, der Kunst und
Wissenschaft zu. In seiner Gattin Sonia von Thienen-Aglerflycht - auchseine Mutter entstammte diesem Hause, — fand er hierbei eine begeisterte, als Malerin selbst-» schöpferische künstlerische Kameradin. In wenigen Wochen, am 28. November, wird das immer nach tätige Künstlerpaar goldene Hochzeit begeben können. Daß das erste Werk, welches Frhr. v. Gleichen veröffentlichte, den Titel „Amor und Psyche trug, zeigt deutlich seine Huldigung an dm heimgeführte Gattin.
Seitdem sollten noch viele Bände einander folgen: Romane, Komödien, Esseys, ästhetische Betrachtungen, — aber das Bemerkenswerteste blieb doch neben seiner Schillerbiographie und dem Briefwechsel mit Lotte die großaufgebaute und feinziselierte „Geschichte der europäischen Geselligkeit“ in 6 Bänden und zumal die Bücher „Freundschaft“ und „Liebe“, die von der ganzen Fülle humanistischen Geistes durchdrungen sind.
Immer ist Würde in diesem greisen Schriftsteller, aber eine Würde, die nicht ohne inwendige Fröhlichkeit ist, und die Verpflichtung, das Schiller-Erbe an die Zukunft weiter zu geben. Das gibt ihm, dem Ehrenmitglied der verschiedenen Schiller- und Goethestiftungen und dem Ehrenbürger von Schillers Geburtsstadt Marbach a. N., wie eine Gegengabe die Grazie eines charmanten Plauderers, so daß seine Erzählungen plötzlich den ganzen Raum mit lebensvollen Gestalten erfüllen. Damit ist auch er, wie sein Ahn, ein Stück „Geisterseher“. Und er möge uns noch manches Jahr erhalten bleiben als Pfeiler einer geistigen Brücke, die’Jahrhundert und Völker in seine* Persönlichkeit verbinden. Albert Herzog j