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800000 aus RuHland erwartet

BERLIN — Das Zentralsekretariat der LEO in Berlin bestätigte, daß Marschall Soko- l^wski die Heimlührung von 800 000 deut­ schen Kriegsgefangenen noch im Laufe-dieses Jahres in Aussicht gestellt hat In diesem Zu­sammenhang teilte Franz Dahlem , ein Mit­glied des Zentralkomitees der SED , auf einer Pressekonferenz in Mannheim mit, daß der sowjetische Kommandant von Berlin der SED diese Mitteilung gegeben habe. Ferner wurde erklärt, daß die sowjetische Militäradministra­tion die hierfür in Betracht kommenden deut­ schen Dienststellen beauftragt hat, Vorberei­tungen zur Aufnahme größerer Kriegsgefange- nen-Transporte aus Sowjetrußland zu treffen. Auch hier wurde von 800 000 Mann gesprochen.

Kinderschfcksal

MÜNCHEN — Schulkameraden haben den erst zehnjährigen Michael Frank — so erklärte seine Mutter — so sehr als den Sohn des hin- gerichteten nationalsozialistischen Führers Hans Frank verhöhnt, daß er seine Ruhe in der Flucht nach Amerika suchen wollte. Mit einem 13jährigen Freund lief er von zuhause fort und wurde in Hamburg von der Polizei aufgegriffen. Der Zehnjährige erläuterte seine Absicht, zusammen mit seinem Freund von Hamburg aus nach den Vereinigten Staaten zu gelangen. Der Junge wurde wieder zu sei­ner Mutter gebracht.

BADENER

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Nr. 24 / 3. JAHRGANG st

BADEN-BADEN, MITT WOCH, DEN 2f>. MAERZ 1947

PREIS 15 PFENNIG

Deutschlands Einheit

Drei neue Memoranden ank dem Konferenztisch in Moskau

Delegation des Obersten Sowjets in England

LONDON — Eine Delegation des Obersten So­wjets der UdSSR , die aus 20 Mitgliedern besteht und den von englischen Parlamentariern im Jahre 1945 in der UdSSR gemachten Besuch erwidert, ist in London ‘angekommen. Es wurden Maßnah­men getroffen, um den Russen das parlamentarische Leben Englands in seinen Einzelheiten zugänglich zu machen. Man beabsichtigt sogar, während ihres Aufenthaltes in'Westminster ein System einzurich­ten, das dem in Nürnberg angewendeten gleicht, und ihnen die Möglichkeit gibt, die Debatten des englischen Parlaments in russischer Übersetzung zu verfolgen.

Konferenz für deutsche Auswanderung

MOSKAU — Die französische Delegation wird der Moskauer Konferenz Vorschlägen, vor dem 1. Juli 1947 nach Paris eine Konferenz der vier Groß­mächte einzuberufen, um die Auswanderung des deutschen Bevölkerungs-Überschusses zu regeln. Die anderen, an dieser Frage interessierten Staa­ten killen gegebenenfalls eingeladen werden.

208000 italienische Ar beiter nach Frankreich

ROM — In Rom wurde vom französischen Ar­beitsminister Ambroise C r o i z a t das französisch- italienisch# Abkommen über die Beschäf­tigung italienischer Arbeiter in Frankreich unterzeichnet. Dieses Abkommen sieht' für das Jahr 1947 die Einreise von 200 000 italienischen Arbeitern nach Frankreich vor. Man erwartet, daß die Einreise der italienischen Arbei­ter nach Frankreich in einem beschleunigten Tempo erfolgen wird. Die italienischen Arbeiter in Frank­ reich können bis zu 40 Prozent ihres Lohnes nach Italien überweisen, solange sich ihre Familie dort befindet, und 20 Prozent, wenn sie sich in Frank­ reich aufhält. Sie erhalten die vorgesehenen Fa­milienunterstützungen. Außerdem ist di« Einset­zung gemischter Kommissionen vorgesehen, die den beiden Regierungen über die Durchführung des Abkommens laufend berichten werden.

Konflikt in der Nürnberger Spiuchkainmer

NÜRNBERG — Wegen Meinungsverschiedenheit mit dem bayerischen Minister für Sonderaufgaben, Loritz, ist der Vorsitzende der Nürnberger Spruchkammer, Camille Sachs , zurückgetreten. Nach der Ansicht von Löritz seien die Richter im . Urteil gegen Franz von Papen , der zu 8 Jah­re Zwangsarbeit verurteilt worden Ist, zu nach­sichtig gewesen. Loritz hat gegen das Urteil Be­rufung eingelegt

Abtransport Kriegsgefangener verlangt

KAIRO — 87000 deutsche Kriegsgefan­gene leben in Ägypten . Sie arbeiten für die bri­ tische Armee iff der Suez-Kanal -Zone. Die ägyp­tische Zeitung „Al Aharam" verlangt daß diese Gefangenen nach anderen Ländern abtransportiert werden sollen. Das Blatt schreibt: „Ägypten hat keinerlei Vorteil von Ihnen“.

1 Million Kriegsgefangenenbriefe in» Keller

BERLIN — In den Kellerräumen des Berliner Postamtes NW 7 entdeckte ein Zeitungsberichter­statter, in Säcke verpackt über eine Million Kriegs­gefangenenbriefe aus. der Sowjetunion . Seinem em­pörten Erstaunen ward die Antwort zuteil, man sei mit der Arbeit in Rückstand gekommen, da täglich 60 bis 80 000 Briefe aus der Sowjetunion einliefen. Es wurden Sofortmaßnahmen zur Weiterleitung der Kriegsgefangenenbriefe getroffen. %

Steigeode Selbstmordziffer in Berlin BERLIN

— 333 Berliner haben in den Monaten Januar und Februar Selbstmord verübt. Nach einer Untersuchung des Berliner Polizeipräsidiums mach­ten von ihnen 111 Männer und 75 Frauen aus Nah­rungsnot ihrem Leben vorzeitig ein Ende. Unheil­bare Krankheit war für 80 Personen der Anlaß, während 14 Frauen und 5 Männer aus Liebeskum­mer Hand an sich legten.

MOSKAU ~ Frankreich war bis jetzt die einzige 4er, in Moskau vertretenen vier Großmächte, die durch amtliche Schriftstücke (die Memoranden vom 17. Januar) ihre Auffassung über die zukünftige politische Organisation Deutschlands dargelegt hatte. Nunmehr kennt man auch die in konkreten Vorschlägen formulierten Ansichten der anderen drei Mächte.

Die französischen Memoranden unterschieden zwi­schen der vorläufigen politischen Neuordnung im besetzten Deutschland und seinem zukünf­tigen verfassungsmäßig verankerten, endgültigen Regime. Auf Bevins und Marshalls Fragen hat aber Bidault jetzt zugegeben, daß es unmöglich ist; ein vorläufiges Statut festzulegen, ohne dadurch dem endgültigen Statut vorzugreifen. Er forderte lediglich, daß man eine deutsche 'Zentralregierung nur mit der größten Vorsicht und Schritt für Schritt schaffen solle. Die Debatten haben schließ­lich noch den Eindruck vermittelt, daß die vor­

sichtige Zurückhaltung Frankreichs der Einstellung seiner Alliierten verwandt ist. Die grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten bleiben zwar beträchtlich — vom Unitarismus der sowjeti­schen These zum totalen Föderalismus der fran­ zösischen These, zwischen denen der mehr oder weniger deformierte Föderalismus der amerikani­ schen und britischen These steht — diese Meinungs­verschiedenheiten erscheinen aber weniger tief­greifend, als man vor der Darlegung der Einzel­heiten ihrer Pläne durch die anderen drei Großen annahm.

Jeder der Vier hat sich sichtbar angestrengt, die Distanz, die seine Auffassung von denen der drei anderen trennt, zu verringern. Frankreich hat sich seinerseits bemüht, den Wunsch seiner Alliierten, die deutsche Wirtschaftseinheit zu ver­wirklichen und ihm eines Tages eine Regierung zu geben, zu erfüllen.

Erst „Lehrzeit der Demokratie“ für Deutschland

Die Auffassung Rußlands über die Neuordnung Deutschlands wurde von Molotow dargelegt Sie' begann mit einer Kritik an allen Bestrebungen, deren Ziel die Vernichtung der' deutschen Unab­hängigkeit ist Molotow verurteilte zugleich jeden Gedanken an eine Zerstückelung, Föderalisierung und Abtrennung Westdeutsch 1 ands. „Wenn man die Einheit des deutschen Volkes auf politi­schem Gebiet verhindert, überantwortet man seinen Zusammenschluß aufs neue den Militaristen, man leistet dem unvermeidlichen Wiederauftauehen eines neuen Bismarck oder eines neuen Hitler Vor­schub.“

Bidault erinnerte an die beiden französischen Denkschriften vom 17. Januar und sagte: „Der we­sentliche Fehler, den man vermeiden muß, ist der, der nach dem ersten Weltkrieg begangen wurde und darin bestand, sofort die Bildung nicht' nur einer zentralen, sondern einer zentralisierten Re^ gierung wieder zu gestatten, die den ganzen ver­waltungsmäßigen und militärischen Apparat des ehemaligen Kaiserreiches aufrecht erhielt und damit das Dritte Reich erst möglich machte.“

Unsere Aktion muß von unten nach oben aufge­baut und schrittweise entwickelt werden. Deutsch­ land muß eine Lehrzeit der Demokratie und ihrer Methoden durchmachen. Anfangs kann das nur in örtlichem Rahmen geschehen. Die erste Etappe ist noch nicht abgeschlossen. Die Aufgabe der Be- i Satzungsmächte hat jetzt darin zu bestehen, die Arbeiten dieser ersten Etappe zu konsolidieren. Man muß in definitiver Form die Länder auf de­mokratischer -Grundlage organisieren. Dann gilt es, ihnen die denkbar größten Vollmachten, sowohl in politischer, als auch in wirtschaftlicher Hinsicht zu überlassen.

Wenn ein Übereinkommen hinsichtlich der tat­sächlichen wirtschaftlichen Einheit erreicht sein wird, so ist die französische Delegation bereit, un­mittelbar an die nächste Etappe heranzugehen, die in der Bildung einer. Anzahl von Zentralverwal­tungen besteht, die berufen sein werden, die wirt­schaftlichen Dienstzweige zu vergalten, die in dem augenblicklichen Amtsbereich des Kontrollrates mit Ausnahme des Saargebietes eingerichtet werden . müssen.

Deutsche Stahlproduktion: 10 Millionen Tonnen?

Bevin übergab den Delegationen einen Bericht, ln dem die wirtschaftlichen Grundsätze gegenüber Deutschland sowie die Frage der Reparationen und des industriellen Niveaus behandelt werden. Dar­nach soll Deutschland als eine wirtschaftliche Ein­heit gelten. Die Besatzungsmächte sollen die be­reits entstan4enen, die gegenwärtigen und die zu­künftigen Besatzungskosten gerecht untereinander aufteilen. Diese Ausgaben müssen in erster Linie durch die deutsche Produktion gedeckt werden. Der Plan muß auch die Schaffung von zentralen Ver­waltungsbehörden für die wirtschaftlichen Fragen, die uneingeschränkte Bewegungsfreiheit in ganz Deutschland , die Aufhebung der interzonalen Zoll­schranken, die gemeinsame Ausbeutung der ver­schiedenen örtlichen Hilfsquellen in Deutschland und ihre Verwendung und Verteilung .nach einem gemeinsamen Plan vorsehen. Es soll ein Ausfuhr- und Einfuhr-Plan aufgestellt werden. Jedes aus­ländische Eigentum in Deutschland wird nach den

deutschen Gesetzen «u verwalten sein und die Maßnahmen zur Auflösung der Kartelle, Truste und der anderen Organisationen monopolartigen Charakters müssen beschleunigt werden.

Bevin schlug noch vor, daß der Kontrollrat eine neue Schätzung der Betriebe und der industriellen Ausrüstung spätestens bis zum 1. Juli 1947 vorneh­men soll, die aufgrund eines revidierten Niveaus der deutschen Produktion abgeliefert werden kön­nen. Diese Ablieferung soll beschleunigt durchge­führt werden, und die endgültige Liste der für Ab­lieferungszwecke vorgesehenen Unternehmen und Industrieausrüstung soll vom Kontrollrat spätestens am 15. August 1947 veröffentlicht werden.

Deutschland soll später jährlich 10 Millionen Ton­nen Rohstahl und die gleiche Menge Fertigstahl er­zeugen dürfen. Die Produktionsgrenzen der ande­ren Industrien, die Beschränkungen unterworfen sind, sollen ebenfalls heraufgesetzt werden.

Deutscher Nationalrat als provisorische Regierung

Die Schaffung eines deutschen National­rates als provisorische Regierung und die Bildung einer verfassungsgebenden Versammlung zur Vorbereitung • einer demo­kratischen Verfassung auf Grund allgemeiner Wah­len, werden in dem amerikanischen Plan über die Form und den Umriß des provisorischen und poli­tischen Aufbaues Deutschlands vorgeschlagen, den Außenminister Marshall der Moskauer Außenmini­sterkonferenz vorlegte. Des weiteren wird in dem Plan vorgeschlagen, daß sich der alliierte Kontroll­rat für Deutschland einer direkten Durchführung oder ins einzelne gehender Aufsicht provisorischer Regierungstätigkeiten enthalten solle.

Interessant ist, daß die Billigung der Verfassung durch die Alliierten von der Erfüllung folgender Bedingungen abhängt: Deutschland ist ein demo­kratischer Staat, und zwar in folgendem Sinne:

1. Alle politische Macht wird als vom Volk ausge­hend anerkannt und steht unter seiner Aufsicht

2. Das Volk hat Gelegenheit diese Aufsicht durch allgemeine Wahlen, die in bestimmten Zeitabstän-

Maginotlinie im Pazifik steht

Militätischer Beistandspakt USA —Philippinen abgeschlossen '

WASHINGTON — Zwischen den Philippinen und Jen JJS-Staaten ist ein militärischer Beistandspakt abgeschlossen worden. Der Pakt bildet die Folge eines Abkommens, nach dessen' Bestimmungen die philippinische Regierung den Vereinigten Staaten das Recht eingeräumt hat, ihre militärischen Stütz­punkte für die Dauer von 99 Jahren auf den Inseln zu belassen. Diese insgesamt fünf Stützpunkte, von denen drei der Luftwaffe und zwei der Marine an­gehören, sind mit den modernsten und mächtigsten Mitteln ausgerüstet. Die Amerikaner möchten es nicht erleben, daß sich in Zukunft die Katastrophen, die den Anfang des Krieges mit Japan kennzeich­neten, wiederholen.

Der Beistandspakt mit den Philippinen, denen die Vereinigten Staaten im Juli 1945 die volle Unab­hängigkeit gewährte — die Bewilligung der Stütz­punkte, bildete ihre Voraussetzung — stellt die un­erläßliche Ergänzung der mächtigen Organisation dar, die die Amerikaner, zur See und in der Luft im Pazifik aufbauen: Im Norden Alaska, ! das durch die Perlenschnur der Aleuten verlängert ist, in de: Mitte Hawai , die Festung, die sich trotz des ver­räterischen Angriffs, der Japaner als uneinnehmbar erwies, weiter im Süden dann die Archiv?'? d.e

sich von Osten nach Westen, hinziehen und die Mariannen, Karolinen und die MarschaU-Inseln, deren Schutz die Vereinigten Staaten beanspruchen und weiterhin übernehmen werden.

Bekanntlich prüft der Sicherheitsrat zur Zeit den Abkommens-Entwurf für die amerikanische Treu­handverwaltung, gegen den bis jetzt von seiten’der anderen Mächte keine Einwendungen erhoben wor­den sind.

Es ist daher nicht weiter überraschend, daß Ge­neral Mac Arthur vor drei Tagen erklärt hat, daß der Augenblick gekommen sei, um mit der japa­nischen Regierung über den Friedensschluß zu ver­handeln. Der amerikanische Militär- Apparat ist fast vollständig aufge­baut Die Vereinigten Staaten können sich dadurch einerseits vom strategischen Standpunkt aus an China desinteressierter zeigen und anderer­seits bald ihre Truppen aus Japan abziehen, indem sie eine unnötige Kosten verursachende Besatzung aufgeben. Die japanischen Inseln sind nun jeder / Aggressionsmöglichkeit benommen und die ' amerikanischen Verteidigungsgrenzen sind in den Pazifik vorgeschoben.

den abgehalten werden, auszuüben. 3. Wahlen wer­den unter Verhältnissen durchgeführt, unter denen die politischen Parteien in freiem Wettbewerb ihre Programme und ihre Kandidaten den Wählern in bestimmten Zwischenräumen bekanntgeben. 4. Po­litische Parteien sipd freiwillige Vereinigungen der Bürger, und keine politische Partei genießt einen privilegierte« Status. 5. Die Grundrechte des In­dividuums einschließlich der Redefreiheit, den Re­ligionsfreiheit, der Versammlung und Koalitions­freiheit, und andere Grundrechte der Menschen werden anerkannt und garantiert. 6. Einzelpersonen sind geschützt vor willkürlicher Verhaftung .Durch­suchung und Beschlagnahme, ihre Gleichheit vor dem Gesetz wird garantiert

Nil ohne Engländer

KAIRO — Der Rat der Arabischen Liga beschloß, die ägyptischen Forderungen nach einem sofortigen Abzug sämtlicher britischer Streitkräfte aus dem Niltal zu unterstützen.

Die erste Vollversammlung der Liga fand bereits statt und hat folgendes Kommunique veröffentlicht:

Die arabischen Staaten betonen, daß sie den nationalen Forderungen Ägyptens ihre volle Unter­stützung zuteil werden lassen. Anläßlich ihrer Ta­gung vom 28. und 29. Mai 1946 in Inchass bestätig­ten sie diesen Entschluß mit derselben Bestimmt­heit, wie im Verlauf der außerordentlichen Sitzung des Rates der Liga, die vom 8. bis 12. Juni 1946 in Bludane abgehalten wurde, zu einem Zeitpunkt, da die Verhandlungen zwischen Ägypten und Groß­ britannien zu keiner Einigung führten, und die ägyptische Regierung ihre Absicht bekanntgab, sich , an die UNO zu wenden. »

Der Rat der Arabischen Liga nimmt anläßlich seiner gegenwärtigen Tagung die Gelegenheit wahr, um, wie schon so oft, die vollste Unterstützung der arabischen Staaten gegenüber den nationalen ägyp­tischen Forderungen in Aussicht zu stellen: sofor­tige und völlige Räumung des Niltales und stän­dige Vereinigung Ägyptens und des Sudans unter der ägyptischen Krone.

»Schwarze*' Prinzessinoen

UELZEN — Beamte der amerikanischen Militär regierung deckten einen Schwarzmarktring auf,* dem die Hohenzollemprinzessinnen Agathe, Elisabeth und Luise Henriette angehören. Die Prinzessinnen haben Juwelen im Wert von etwa KM SO 408 gegen Lebens­mittel aus DNRRA-Beständen eingetauscht. Ihr Ver­bindungsmann und gleichzeitiger Anführer des Ringes ist der frühere SA-Führer Kogler, der von holländi­schen Behörden als Kriegsverbrecher gesucht wird, (p.)

General Knenig protestiert

BADEN-BADEN — Wie bereits kurz berichtet (Badener Tagblatt vom 19. März) hat in Berlin eine interzonale Tagung der CDU und der CSU stattgefunden. Dabei unterbreitete der zweite Par­teivorsitzende, Ernst Lemm er, den Antrag auf Schaffung einer „nationalen Repräsenta­tion des deutschen Volkes“. Ihre Auf­gabe sei es, Wahlvorbereitungen zu einer „Deut­schen Nationalversammlung“ als die vorläufige Vertretung deutscher Interessen nach außen hin zu treffen. Es wurde der Beschluß ge­faßt, die SPD , die LDP und die Arbeitsgemein­schaft der SED und KPD dazu einzuladen, gemein­sam mit der zwischen der CDU und CSU gebildeten Arbeitsgemeinschaft die angestrebte nationale Re­präsentation des deutschen Volkes zu verwirk­lichen.

Die SED und die LDP haben offiziell erklären lassen, daß sie die Einladung annehmen. Der Vor­sitzende der SPD , Dr. Schumacher, nahm zu der Einladung auf einer am 18. März in der „Neuen Welt“ in Berlin stattgefundenen Funktionärkonfe­renz Stellung. Darnach ist die SPD nur dann bereit, an der angestrebten Vier-Parteien-Kon- ferenz teilzunehmen, wenn die SPD rechtswirksam in der Ostzone zugelassen sei Als ein« weitere Bedingung stellte er die Forderung, daß die SED zusammen mit der SPD Schritte zu einer Revi­sion der Oder - Neisse-Linie als deutsch -polnische Grenze unternehme. Grundsätzlich stimmte Dr. Schumacher dem Plan zur Schaffung einer nationalen Repräsentation des deutschen Volkes zu.

In diesem Stadium der zwischenparteilichen Füh­lungnahme verbreitet die Südwestdeutsche Nachrichtenagentur (Südena) in Baden- Baden folgende Meldung aus Berlin :

„General Joseph Pierre Koenig, der französische Militärgouverneur für Deutsch­ land , erhob beim Alliierten Kontrollrat Ein­spruch gegen den Vorschlag der CDU , die deutschen politischen Parteien zu Besprechungen über eine deutsche Zentral­regierung einzuberufen, und bezeichnete die­ses Vorhaben während der Moskauer Kon­ferenz als „unpassen d“. General Koenig erklärte, die Zusammenarbeit der Parteien auf nationaler Basis für ungesetz­lich und vertrat die Meinung, daß die Tätig­keit der Parteien auf ihre lokalen Grenzen beschränkt bleiben müsse. Der britische Vertreter, LuftmärschaU Sir Sholto Dou­ glas , und der amerikanische Vertreter, Ge­ neral Frank Keating, stimmten der An­sicht General Koenigs nicht zu. Sir Dou­ glas vertrat die Ansicht, daß der Vorschlag der -CDJJ weder iILegal, „auch Un­passend oder unzeitgemäß sei. Der sowjetische Vertreter, Generalleutnant D r a t - v i n, schloß sich der Ansicht General Koe­ nigs an.“

Damit kommt den Plänen der Berliner CDU -Ta- gung im Blickwinkel aus der. französischen Zone eine besondere Bedeutung zu, deren Auswirkungen allerdings gegenwärtig noch nicht beurteilt werden können.

Den von der CDU und CSU ausgegebenen Ein­ladungen zufolge hat am 19. März in Berlin eine Besprechung zwischen den Unionsvertretem Kai­ser, Lemmer und Josef Müller einerseits und den SPD -Vertretem Dr. Schumacher, Ollenhauer und Brost andererseits stattge­funden, über die eine Verlautbarung ausgegeben worden ist In ihr ist u. a. zu lesen: „Die Ver­treter der SPD erklärten zu der Initiative, daß die SPD auf dem Boden der Rejte Dr. Kurt Schumachers vom 18, März in der „Neben Welt“ ■in Berlin steht. Die Sprecher der Union erklärten, dur^h Fühlungnahme mit den anderen Parteien sich um die Schaffung der für erfolg­reiche Verhandlungen notwendigen Atmosphäre weiter bemühen zu wollen.“

Bemerkenswert ist' es, daß im Zusammenhang mit den Berliner Besprechungen der Name Dr. Ade­nauers nicht genannt wurde. Es heißt, daß er durch Krankheit an der Teilnahme verhindert war, so daß von den beiden Vertretern der CDU in der britischen Zone — der Vorstand der CDU -CSU-Ar- beitsgemeinschaft besteht aus je zwei Zonenver­tretern und einem Vertreter von Berlin — nur einer anwesend war. Auch der eine Vertreter aus« der französischen Zone (linksrheinisches Gebiet) fehlte, u. zw. ohne Angabe der Gründe. Hingegen waren der rechte und der linke Flügel der Union in Bayern mit insgesamt fünf Vertretern anwesend.

Es ist nicht das erste Mal, daß die CDU die Ini­tiative zur Auffindung einer Plattform ergriffen hat, auf der. die führenden -Parteien, gehieinsam die Lebensinteressen ihrer Wählerschaft zum Ausdruck bringen können. Nachdem schon im Vorjahre be­gonnene Versuche fehlgeschlagen waren, ließ der zweite Unionsvorsitzende Jakob Kaiser in einer ~ Erklärung anläßlich der Leipziger Messe die Ab­sichten der CDU erkennen.

Ähnliche Bestrebungen sind auch in der Ostzone * feststellbar. Dort hatte der Liberaldemokrat Dr. Schiffer die Vertreter der vier großen Parteien, also auch die der de facto, jedoch nicht dö jure bestehenden SPD , zu einer Besprechung einge­laden, aus der ein „Einheitsausschuß der Ostzonen-Parteien“ hervorgehen sollte. Weil man Dr. Schiffer jedoch persönliche Ziele unterstellte, verlief die Besprechung ergebnislos.

Da die vier großen Parteien dem Plan zur Schaf­fung einer „nationalen Repräsentation des deut­schen Volkes“ sich grundsätzlich nicht ablehnend gegenüber gestellt toben, so kommt der Unions- Arbeitsgemeinschaft nunmehr die Aufgabe zu. die Fühlung mit den anderen deutschen Parteien auf­zunehmen, um ihre Mitwirkung zu gewinnen.

Norbert Tessner

Schweizerische Verloste im Krieg

BERN — In einer Botschaft an das Schweizei Parlament veröffentlichte der Bundesrat folgerte Ziffern für die der Schweiz entstandenen Verluste im Kriege:

Zerstörungen durch Kriegshandlungea eine Mil­liarde 72 Millionen. Schweizer Franken . Plünde­rungen und ungesetzliche Wegnahme Schweizer Eigentums 166 Millionen Schweizer Franken .

Requisitionen 185 Millionen Schweizer Franken . Das ergibt eine Summe von einer Milliarde 423 Millionen Schweizer Franken .