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BADENER TAGBLATT

Dienstag, den 23. Dezember 1947

Baden-Baden

Nun ist es so weit

Reine Zeit lm Jahr vergeht so rasch wie die Vorweihnachtszeit. Wünsche, Pläne und Vorsätze drängen sich zusammen, um in ' einer einzigen, wochenlangen Kraftanstrengung verwirklicht zu werden: Wer kennt nicht die Vorgänge, die Schliche und Bemühungen, die Flüstergespräche Ober den Ladentisch um Dinge unter dem Laden­tisch. die Beschwörungsformeln gegenüber über­lasteten Handwerkern — bis man endlich den be­gehrten Gegenstand nach Hause tragen und sich, meist aber anderen Menschen, einen, Wunsch erfül­len kann?

Um Freude zu machen, werden Nächte durch­wacht, bastelnd, stichelnd, strickend und eines Ta­ges — oft erst am allerletzten — sind die wohl­ader schlechtgeratenen, immer aber gutgemeinten Dinge vollendet, ohne die ein Weihnachtsfest .un­denkbar tst So undenkbar wie hierzulande eine Weihnacht ohne „Zuckerbrötle“ oder „Weihnacht«“ gutsele" und ein gewisses Minimum der Verbes­serung und Erweiterung des gewöhnlichen Speise- Settels. Glücklich, wer sich in den „schlechten Leiten" häuslich eingerichtet hat und lächelnd und ahne Wehmut der nahezu ausgestorbenen fetten Weihnachtsgänse gedenkt und der, wie ein uner­wartetes Geschenk, mit verschmitzter Freude in diesem Monat, die gesparten Kationen heimträgt.

Der Advent, die Zeit der großen Vorbereitung tend Erwartung, ist vorüber; es ist soweit: Bald werden die Kerzen angezündet und selbst der letzte and armseligste Stummel wird hundertfach au* glücklichen Kinderaugen zurückstrahlen und reich entschädigen für die Mühe und Arbeit der ver­gangenen Wochen und Tage. Es wird viel Freude ttnter den Menschen sein! Doch das Läuten der Weihnachtsglocken, der Wind, der an den Fenster- > liden rüttelt, wird stärker als zu anderer Zeit in der heiligen Nacht die Herzen vieler Menschen mit Trauer und Sehnsucht erfüllen. Wenn es nicht die Freude sein kann, könnte doch der Friede in die Herzen dieser Meqgchen einziehen, den die Welt so lange nicht finden kann! —nd.

Tagesgeschehen - kurz berichtet

Den Sonntags- und Nachtdienst der Apotheken versieht in der Woche vom 27. 12. 47 bis 3 1. 43 die Friedrich-Apotheke, Langestra» Be '(am Bahnhof).

Die Militärrenten werden beim hiesigen Postamt, am 99. 12. gezahlt. Die Auszahlung der In- val'den-Renten erfolgt am 30 12. und der Unfall- tmd Angestellten Renten am 31. 12. Pünktliche Ab­hebung ist erforderlich.

Die Meisterprüfung im Bau- und Kunst­schlosserhandwerk haben vor der Handwerkskam­mer Freiburg i. Br. Hermann Bohnert, Waidsee- straße 5 und Karl Walter, Rettigstr. 14, bestanden.

Ihren 9 0. Geburtstag feiert am 28. Dezem­ber Frau Helene R o e n s c h, Lange Straße 124.

30 Jahre alt wird am kommenden Mittwoch Schwester-Oberin Adelgunde, Städtisches Pfründ­nerhaus. 56 Dienstjahre hat die Schwester-Oberin bereits hinter sich, von denen sie 53 Jahre im Städtischen Pfründnerhaus verbrachte, wo sie auch heute noch vom frühen Morgen bis zum späten Abend tätig tst.

70 Jahre alt wurde am Sonntag Frau Ida Kehler, geh. Gerth, Kleine Dollenstraße 7. — Am >3. Dezember wird Stefan Müller, Stefanienstra- Be 38, 70 Jahre alt. — Seinen 80. Geburtstag feiert am 27. Dezember Johann Wiek, Weinberg- Straße S

Zulassung Ina Welhnachtaieiseveikehr

Die Elsenbahndirektion Karlsruhe teilt mit; Um den von ihren Familien getrennt lebenden Berufs­tätigen und Schülern im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten Gelegenheit zu geben, das Weih­nachtsfest im Kreise ihrer Angehörigen zu verle­ben, wird für alle verkehrenden zulassungspflich­tigen Züge sofort bis einschließlich 5. Januar die bevorzugte Ausgabe von Zulassungen an Inhaber von Dienstreisebescheinigungen, Bescheinigung der Berufsvertretungen und dergl. ausgesetzt. Dafür Rind Zulassungen bevorzugt auszugeben an die In­haber von Anträgen auf Ausgabe von Arbeiterrück­fahrkarten und Schülerfahrkarten oder Bescheini­gung des Arbeitgebers, daß der Inhaber seinen ge­trennt lebenden Ehegatten oder seine Kinder oder Eltern besuchen will und an solche Reisende, die üe* auf andere Weise glaubhaft machen.

Klein* Vorweihnachtsfreudo

Ara Sonnabend wurde in der Aula des Gymna­siums ein Festspiel „Weihnachtsmärchen für Alt und Jung" durch die Kindertanzgruppe von Frau Grimm-Reiter aufgeführt. Trotz der Improvisation

in Bühne und Ausstattung wurde eine reizende Szenenfolge geboten, die die jungen Zuschauer für kurze Zeit aus ihrer kleinen Welt des Alltags herausführte in eine schönere, bessere, wo gut und böse noch klar zutage treten. Die kleinen Darstel­lerinnen konnten stürmischen Beifall ernten. Es ist ein schönes Zeichen, daß die Leiterin und ihre be­geisterte Gruppe den Erlös des Abends über das -Rote Kreuz bedürftigen Mitmenschen zur Verfü­gung gestellt haben.

Kuizatbeiterunterstfitzung noch vor Weihnachten I

Die Betriebe, die infolge der Stromsperren ge­zwungen sind, Kurzarbeit einzuführen, werden, wie das Landesarbeitsamt schreibt, gebeten, in Füh­lungnahme mit den Arbeitsämtern den in Betracht kommenden Kurzarbeitern äuf Antrag Vorschüsse in der voraussichtlichen Höhe der Kurzarheiterun­terstützung noch vor den Weihnachtsfeiertagen mit den Feiertagslöhnen auszuzahlen. Die Betriebe er­halten die ausgelegten Beträge in Höhe der tat­sächlich zu leistenden Kurzarbeiterunterstützung Von den Arbeitsämtern zurückerstattet.

Der Weihnachtsmann hat viele Helfer

Die letzten Standen vor dem grofien Fe»t — Ausländer bereiten Weihnacbtsfreude

Wenn auch, der Begeisterung der freudig erregtet Kinder angesichts des reichlichen Schneesegens in den letzten Tagen die Sorgenvolle Meinung der Er­wachsenen gegenübersteht, daß „uns das gerade noch gefehlt hat", und der eine seine Schuhe iffl Hinblick auf das Tauwetter betrachtet, während der andere die „Häupter seiner Lieben“ an seinem Holzstoß bedenklich mustert, — auch der äußere vorweihnachtliche, Rahmen war gegeben. Die Schlangen vor den Geschäften haben zu bestehen aufgehört, und mit mehr öder weniger Er­folg hat der Einzelne seine Wünsche in Erfüllung gehen sehen. Es gab schon mehr zu kaufen als int vergangenen Jahr, und daß zuweilen wertbeständig* Dinge gus dem reichen Segen des Kitsches heraus­ragten, mag uns, wenn wir auch nicht zu den Glücklichen gehörten, die das Gewünschte auf dem Gabentisch eines lieben Mitmenschen legen können, in der Zuversicht bestärken, daß das Gute sich

Gestern Kriegsgefangene - heute Weihnachtsurlauber

Ehemalige deutsche Kriegsgefangene fahren in Weihnacht gar latib

Rastatt , Offenburg und Kaiserslautem sind seit einigen Tagen Durchgangsstelle für jene ehe­maligen deutschen - Kriegsgefangenen, die, ln Frank­ reich in ein freies Arbeitsverhältnis überführt, jetzt den ihnen versprochenen vierwöchigen Urlaub an- treten. Seit Mitte November haben 2200 dieser nun­mehr freien ehemaligen Soldaten Rastatt passiert Die meisten, 1800 Mann, kamen in den letzten zehn Tagen über das Büro im Schloßhotel. Besonders umfangreich war der Verkehr am Dienstag und Mittwoch vorletzter Woche. Allein an diesen beiden Tagen haben sich 1000 Mann in Rastatt gemeldet und dort ihre Fahrkarte in Empfang genommen und 40 Mark, die jedem einzelnen ausgehändigt werden. Die Fahrkarte berechtigt sie dazu, ausnahmslos alle Züge, auch die allierten und beispielsweise den Orient-Expreß, zu benutzen.

Wir haben uns mit mehreren dieser Weihnachts­urlauber unterhalten. Die meisten tragen Zivilan­züge, und höchstens gefärbte Wehrmachtsmäntel erinnern noch an ihre Gefangenschaft. Sie sind aus­nahmslos glücklich, nach meist vielen Jahren wieder auf deutschem Boden zu sein, wenngleich das/ Glück über das bevorstehende Wiedersehen mit den Ihren verschiedentlich dadurch getrübt ist, daß Ihre Familien heute, soweit Sie Flüchtlinge sind, un­ter sehr schweren Verhältnissen leben müssen.

Was uns natürlich besonders interessierte, das waren die Verhältnisse in Frankreich , an ihrem Ar­beitsplatz und ihre Einstellung zu dem Wandel ih­res persönlichen Schicksals. Ich habe keinen gespro­chen, der nicht darüber erfreut gewesen wäre, end­

lich Wieder freier Mensch zu sein. Zwar wurde übereinstimmend versichert, daß die Preise in Frankreich sehr hoch seien, doch hat ihnen der kur­ze bisherige Aufenthalt in Deutschland genügt, um ■ zu sehen, wieviel besser trotz allem das Leben in Frankreich ist Sie müssen freilich mit ihrem Lohn, der dem des französischen Arbeiters voll angegli­chen ist, haushaiten; die meisten unter ihnen haben Bich aber doch schon so viel ersparen können, um eich zu dem Anzug und der Wäsche, die sie bei Überführung in das freie Arbeitsverhältnis unent­geltlich ausgehändigt bekamen, zusätzlich Textilien kaufen zu können. „Anzüge, Wäsche und zum Teil auch Schuhe sind frei", sagte mir einer der Urlau­ber, „wenn auch ziemlich teuer 1 . Die meisten Le­bensrnittel gibt es nach wie vor auf garten.

Die Urlauber sind meist schwer beladen und tra­gen Holzkoffer, in denen sich viele gute und schön* Dinge befinden, die sie ihren Angehörigen zu Weih­nachten mitbringen wollen: Fleisch, Fett, Früchte, Wein, Textilien und Zigaretten. 400 Zigaretten durfte jeder frei mit nach Deutschland nehmen.

Ein kurzer Rundgang durch die Stadt, der ih­nen möglich ist, weil sie bis zur Aushändigung ihrer Papiere mehrere Stunden warten müssen, vermit­telt den ehemaligen deutschen Kriegsgefangenen Schon ein sehr ernüchterndes Bild des Nachkriegs­deutschlands.

Vor ihnen aber stehen vier Wochen Urlaub, und das macht sie trotz allem glücklich und froh . .

W.

Tragik des Gekrönten

Raynai’« „Napoleon Unique“ im Kleinen Tfeeafer

Im Dezember des Jahres 1809 ließ Kaiser Napo- leon l. sich von seiner Gemahlin Josephine , ver­witweten Beauharnais scheiden, da sie ihm den er­hofften Thronerben nicht geschenkt hatte. Diesem^ Entschluß waren schwere innere Kämpfe voran­gegangen, denn Napoleons Gefühle für seine Gattin waren nicht erstorben, aber der Bestand der Dy­nastie und, wie er glaubte, das Glück des Vater­landes schienen gefährdet, weshalb er sfaatsmän- nische Einsicht über sein persönliches Wohl stellte. Paul Raynal’s , Fünf-Personen-Stück „Napoleon Unique“ gestaltet dieses heikle Thema frei, groß­zügig und mit psychologischer Delikatesse. Der Im­perator Europas ist hier ein vom Dämon seiner Be­rufung gehetzter, leidenschaftlicher, herrischer, aber auch überaus verwundbarer, sensibler Mensch, ungestüm in seinem Zorn, beißend in seinen Sar­kasmen, sehnsüchtig nach Zärtlichkeit und JJebe und immer wieder zu Tränen erschüttert vom Wi­derstreit zwischen Gefühl und „höherer Einsicht". Henri Rollan , der das Stück auch — in den ge­schmackvollen Dekorationen von Nicas — insze­nierte, Ist Napoleon . Schon tn der Maske verblüf­fend. im Spiel von einer souveränen Beherrschung aller, aber auch aller schauspielerischen Mittel bis ins Nervenzucken der Augen, sprachlich meister­haft Im unbewußten Seufzer wie im ausbrechenden Pathos des Regenten. Das stumme Spiel in der Schlußszene ist grandios, ist aber so breit angelegt und erschöpft alle Viriationen, daß der Zuschauer fast mehr von der Virtuosität der Darstellung als von der Tragik der Szene erschüttert wird. Tania Balachova als Josephine vereint das Tierchenhafte, Geschmeidige der Kreolin mit dem Wesen des „zehnjährigen Mädchens, das ebenso schnell weint wie sie getröstet ist“ (so beschreibt sie ein Zeit­genosse). Sie war durchaus nicht zu „hysterisch“ für diese Rolle. Beide Darsteller haben sich inten­siv in die historischen Vorbilder versenkt Die

Mutter des Kaisers spielte Germaine Dermoz eigen­willig profiliert die schlauen Hofleute Fouche und Talleyrand waren Constant Römy und Jean Clä­rens. Es war ein sehr wichtiges Theaterereignis, sicher auch eindrucksvoll für den, der die Sprache nicht versteht , W, Lohmeyer

Kammerorchester Le Conte

Am Sonntagnachmittag gab das Kammerorchester des französischen Rundfunks unter Leitung von Pierre-Michel Le Conte lm Großen Bühnensaal des Kurhauses ein Gastkonzert, das großen Erfolg hat­te. Der erste Teil des Programms enthielt die Lon­ doner Sinfonie von Joseph Haydn und- das 5. Bran- denburgisches Konzert von Johann Sebastian Bach . Nach der Pause folgten Mozarts Klarinettenkon­zert die „Pavane auf den Tod einer Infantin" von Maurice Ravel und „Divertissement“ von Jacques Ibert Sollst war Ulysse Deleduse, Klarinettist des Orchesters der Garde Räpublicaine.

langsam aber stetig durchzusetzen vermag, und vielleicht schon im kommenden Jahr ,

Aber bleiben wir bei dem Weihnachtsfest 1947. Denn nicht der Wert der Geschenke ist ausschlag­gebend, sondern das ehrliche Bemühen, seinen Mit­menschen eine der Feierlichkeit entsprechende Freude zu bereiten. Und deshalb haben sich gerade die dharitaliven Verbände zu diesen Tagen beson­dere Mühe gegeben, um denen, die sich nicht aus eigenen Mitteln einen Freudentag bereiten können, das Bewußtsein zu geben, daß auch sie night ver­gessen sind von der Gemeinschaft ihrer Mitmen­schen. Viele haben einen kleinen Beitrag geleistet, um den Wohlfahrtsorganisationen dazu die Möglich­keit zu geben, aber es Wäre doch nicht viel zusaih- mengekommen trotz aller Opferbereitschaft, wenn nicht auch tn diesem Jahre anläßlich des jVeib- Itachtsfestes von Amerika , Afrika , aus der Schweiz und Schweden zahlreiche Pakete und Päckchen ein­getroffen wären als schöner Beweis der Nächsten­liebe. Freilich, wenn all die vielen und kostbaren Dinge auf die einzelnen Städte verteilt sind, und in diesen wieder durch etliche hundert oder tau­send geteilt werden, es bleibt für den Einzelnen — äußerlich gesehen — nicht allzuviel, bei dem We­nig aber dennoch die Gewißheit, daß trotz der durch den Krieg geschlagenen Wunden der Wille vieler besteht, einander zu helfen.

Wie in den Vorjahren, so wird auch heuer das Badische Rote Kreuz trotz aller zeitbedingten Schwierigkeiten einer - beschränkten Anzahl von Bedürftigen eine bescheidene Weihnachtsfreude be­reiten. In erster Linie soll der Kinder von Kriegs­gefangenen, Flüchtlingen, Vermißten und Gefalle­nen gedacht werden. Verschiedener alleinstehender, alter Leute wird sich das Badische Rote Kreuz an­nehmen und darüber hinaus auch wie die anderen charitativen Verbände mithelfen, den Kriegsge­fangenen in Baden-Baden das Gefühl zu geben, daß Ihre Heimat sie nidht vergessen hat Die Bevölke­rung der Stadt hat durch Geldspenden und Päck­chen hierzu einen wertvollen Beitrag geleistet. Wenn an etwa 1200 Kinder der Stadt die so kost­baren Nährmittel verteilt werden konnten, wird so mancher einen stillen Dank an das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen richten, die durch Spenden der Glaubensgenossen im In- und Ausland die Ver­mittlung der Rolle als Freudenbringer übernehmen konnte. Und in der gleichen Weise wie die anderen charitativen Organisationen hilft auch die Caritas an den bevorstehenden Festtagen mit, in Not gera­tenen Mitmenschen zu helfen Sie leistet ebenfalls einen Beitrag zur Kriegsgefangenen-Bescherung und wird darüber hinaus sich auch der Menschen annehmen, die zur Zeit im Gefängnis sind, um auch ihnen eine kleine Weihnachtsfieude zuteil wer­den zu lassen. Selbstverständlich hat sich auch c‘e Arbeiterwohlfahrt um einen Kreis Betreuungswür­diger bemüht und in einer Weihnachtsfeier, die in der „Wohnstub“ stattfand, 70 Arbeiterkinder fest­lich bewirtet und sie mit Spielsachen und nützlichen Dingen erfreut. Durch zahlreiche Geschäftsleute, und in kleinem Ausmaß auch durch ausländische Spenden, wurde diese Bescherung ermöglicht

Wie aufch im vergangenen Jahr nimmt s-ch der CVJM der Einsamen und Heimatlosen in Baden- Baden an. Sie alle Sind eingeladen, den Heiligen Abend gemeinsam mit dem CVJM zu verleben. Im bescheidenen Rahmen soll eine Bewirtung liurch- geführt und Geschenke weitergegeben werden. Die­se Christfeier für die Einsamen und Heimat* osea gehört, wie der CVJM versicherte, mit zu dem Wertvollsten des gesamten Dienstes dieser Orga­nisation.

Glückliche Stunden werden auch die Familien verleben, die von der Gattin des Präsidenten der Cralog der französischen Zone, Dr. Nils Ylvisaker, am 23. Dezember zu einer Weihnachtsfeier eingela­den worden sind. Die vier charitativen Oisämsa- tionen haben je zehn Familien von sich aus zu die­ser Feier namhaft gemacht und darüber hinauf werden fünf bedürftige Lehrerfamilien teilnehmen

. . . und was bringt der „Südwestfunk “ ?

Ein reiches Programm für die Festtage — Weihnachtliche Glockenklänge

Stille Stunde in der Pfortnerloge

Etwa* unwillig stieß der alte Schumpf den sper­rigen Holzkloben in sein öfchen, obwohl ts eigent­lich ganz behaglich warm in seiner Pförtnerloge war. Über seinem Kopf drehte sich der Advents­kranz in der Wärme, den die kleine Brandmäler ihm vor einigen Tagen gebracht hatte. Ein nettes Madel! Und recht talentiert! „Man hat da* so seiten, heutzutage!“, seufzte der Alte und warf einen Blick auf die altmodische Taschenuhr, die er seit dreißig Jahren zu Dienstbeginn an dem gleichen Nage! aufzuhängen pflegte. Acht Uhr! Heute em Weihnachtsabend lag das Theater still, dunkel und verlassen, das sonst um diese Zeit von der fiebernden Gespanntheit einer beginnenden Vorstellung erfüllt war.

Nachdenklich bückte der alte Schumpf über-die halbrunden Brillengläser in den Rauch seiner Pfeife: dreißig Jahre! Gestalten zogen vor seinem Auge vorbei, viele, alte und junge. Wieviel Schicksale in all der Zeit! Er dachte an den Cha­rakterkomiker m.t dem Säuferleben, für dessen Be­erdigung die Kollegen nachher das Geld sammein mußten, an den Bautre, der seine Stimme verlor. Das waren noch Zeiten! Später dann, als die Welt draußen anfing verrückt zu werden, durften viele Nimmer das Theater betreten, einerlei, ob sie gute

Schauspieler waren oder schlechte. Man hörte bald nichts mehr von Ihnen, sie waren in der Emigration vei schollen oder Im KZ verendet. Dann, als das große Morden draußen begann, kamen wieder viele nicht mehr ins Theater zurück. Sie waren gefallen oder bei Bombenangriffen ver­schüttet. erstickt, verbrannt Dann kam die schlimmste Zeit für den alten Schumpf: das grau­sige Welttheater überwucherte die zarte, be­schwingte Welt des Scheins, der er sich verbunden fühlte seit dreißig Jahren. '

Das Theater hatte seine Pforten geschlossen. Als er sie von neuem öffifele, durften wieder viele das Theater nicht mehr betreten, einerlei, ob sie gute Schauspieler waren oder schlechte. Noch ver­mochte man ab und zu aus der Ferne ihre Schick­sale zu verfolgen. Die Weft war immer noch ver­rückt! Dem allen Schumpf fielen langsam die Augen zu. „Ob wohl mal eine Zeit kommt“, dachte er beim Einschlafen, „wo es nur noch darauf an­kommt. daß der Mensch etwas leistet in seinem Beruf. Ob Ich das wohl noch erlebe — —7"

Das Weihnachtsgeläute von allen Kirchen der Stadt drang wie ein undeutliches, fernes Summen «n sein Ohr. h. q.

Auch in diesem Jahr hat der „Südwestfunk " als Weihnachtsgabe für seine Hörer zahlreiche erlesene Sendungen in das Programm aufgem mmen, die ln ihrer Vielseitigkeit nicht nur dem festlichen Charakter entsprechen, sondern auch dem Wunsch nach Unter­haltung während der Festtage Rechnung tragen Den Heiligen Abend leitet von 16 bis 17 30 eine Johann- Sebastlan-Bach-Sendung ein. Von 17.30—16.30 singen Kinder die Weihnacht ein. Im Rahmen dieser Sen­dung. die der Märchenonkel des „Südwestfunks", Karl Kempf, mit einem Krtppensplel beginnt, werden auch Kinderchöre von anderen deutschen Sendern zu hören sein. Der „Ruf der Glocken" erschallt ab 19.00 eine Viertelstunde lang, und anschließend erklingen .Weih­nachtslieder zur Bescherung" Das Collegium musi- cum der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz , un - der der Leitung von Dr Ernst Iaaff. spielt und singt Von 20 > 6—20.46 „Weihnachtsmusik aus dem 13 bis 17. Jahrhundert“. In der folgenden halben Stunde denkt „Die Heimat an die Kriegsgefangenen" Die Mu­sik am Heiligen Abend von 22.15—22.45 steht unter dem Motto „Fröhliche Weihnachten“. Von 23—24 Ist die Sendung „Heilige Weihnacht — Weihnachten der Völ­ker" zu hören.

Mit der Übertragung der Christmette aus dem Dom zu Speyer von 00 00—1.30 beginnt der erste Weihnachts­feiertag.

Von 10—12 wird am 23. Dezember das Pontifikalamt aus dem Dom zu Mainz übertragen. Ernste alte Weih­nachtslieder bringt die' Kinderstunde von 15—16 Uhr. Den „Meistern der kleinen Form", Alfred Polgar und Sigismund von Radezky. ist die halb» Stunde von 16.00—15.30 gewidmet. Von 16.90—17 30 sendet der „Süd­ westfunk " di» Erzählung „Weihnachtsabend" von Charles Dickens als Hörspiel. lm Sinfoniekonzert bis 19 werden folgende Werke geboten: Bach, Konzert in C-dur für zwei Klaviere und Streichorchester (Soli­sten: Edwin Fischer und Reine Gianolli. Medelssohn- Bartholdy. Konzert für Violine und Orchester, op 64 (Solist: Yehudi Menuhin ), Beethoven: Symphonie Nr. 9 ln Es-dur, op. 55, gespielt Von einem amerikanischen Rundfunkorchester unter der Leitung von Artur» Toscanini. Nach der Betrachtung „Das Weinnachts­fest", von Ernst Wlechert von 19 bis 19.15 singt Uta Graf bis 19.30 alte Weihnachtslieder zur Laute. „Die Nacht vor Weihnachten " ist der Titel einer komisch- fantastischen Oper von Peter Tschaikowsky nach ei­ner gleichnamigen Erzählung von Gogol , die in einer Rundfunkbearbeitung von Christian Bertz von 2015— « gesendet wird. Ausführende sind das Berner Stadt­orchester und der Chor der Schweizerischen Rund­funkgesellschaft tn Bern.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag überträgt der Süd­westfunk von 10 bis 12 aus Speyer einen evangelischen Festgottesdienst. Der Kinderfunk bringt von 14—14.30 das lustige Spiel von der „Weihnachtskiste". „Musika­lischer Christbaumschmuck" heißt eine Sendung von 16—17 Uhr mit bekannten Künstlern wie Magd* Hain,

Heinz Erhardt , Willy Reichert . Walter Hauck ». a. Nach Versen von Vätern an ihre Söhne spielen von 17—17.15 Gerhard Taschner und Walter Gteseking di« Sonate für Klavier In Dur von Cäsar KrahCk. „Unterm Weihnachtsbaum ' erklingen weihnachtliche .erse, Mu­sik und Prosa In einer Sendung füi große und kleine Kinder von 19^19.30 Uhr Ausschnitte aus den öffent­lichen Veranstaltungen des ..Südwestfunk m Kur­haus von Baden-Baden hat Rudolf Förster zu eine« Sendung „Fröhliche Weihnachten" von 20 15- 21 45 zu­sammengestellt. viele beliebte Künstler und Orche­ster wirken darin mit.

Matchen für Alt und Jnng

Annette Roland las lm „Roten Saal"

Leider hatten sich nicht sehr viele Besucher ein­gefunden, um Frau Annette Roland Märchen von Andersen vortragen zu hören. Freilich sind die Tage vor Weihnachten in Jedem Haushalt Mit Arbe)t an­gefüllt. aber wenn man an den immer recht guten Besuch inhaltlich und künstlerisch dürftiger Veran­staltungen denkt, kann man sich eines leisen Be­dauerns über das fehlgeleitete Publikumsinteresse nicht erwehren,

Frau Roland hatte aus dem Märchenschatz des liebenswürdigen Dänen solche Stücke ausgewählt,. die sowohl Kindern als Erwachsenen etwas zu sa­gen „haben: jenen ihrer Bildhaftigkeit und ein­fachen Sprache wegen — diesen wegen der Hinter­gründigkeit und sanften IromS ihrer Gleichnisse Beim Lesen nutzt sie ihr dramatisches Tempera­ment, um den Stimmen der Menschen und der be­seelten Dinge persönlichen Ausdruck zu geben, ohne aber die Wirkung dfer schlichten und rühren­den Fabel, wie etwa der Erzählung vom Mädchen mit den Schwefel hölzern, durch unangebrachte» Pathos abzuschwächen. Nur bei der „Geschichte ei­ner Mutter“ glitt der Vortrag - gelegentlich in* Schauspielerische ab. Einen Höhepunkt bedeutet* die abschließende Lesung: „Die Nachtigall“, da« Märchen von den heilenden Kräften der unverdor­benen Natur und den Grenzen menschlicher Kunst­fertigkeit.

Der kleine Kreis — Erwachsene und Kinder — war mäuschenstill und dankte am Schluß durch sehr herzlichen, anhaltenden Beifall, -loh-»