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Stellung für Politik, Wirtschaft i
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DIENSTAG, 30. DEZEMBER 1947
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Griechische Gegenregierung gebildet
General Markos will diplomatische Beziehungen aafnehmen
ATHEN — Griechische Militärbehörden haben sine Rundfunkbotschaft aufgefangen, in der die Bildung einer „Regierung freies Griechenland “ proklamiert wird. Chef dieser Regierung ist der General Markos. In der Botschaft wird u. a. festgestellt:
„Die provisorische demokratische Regierung .Freies Griechenland“ ist überzeugt, daß ihr erstes Ziel sein muß, alle Kräfte des Volkes aufzurufen, um ihr Land von den ausländischen Imperialisten und ihren griechischen Handlangern zu befreien. Eine der Hauptsorgen der Regierung wird es sein, das freie Territorium nach den Prinzipien einer Volksdemokratie zu verwalten und die Verstaatlichung der ausländischen Unternehmen, der Großbanken und der Schwerindustrie zu verfügen. Die provisorische demokratische Regierung wird sich bemühen, in Übereinstimmung mit den Zielen der Vereinten Nationen , freundschaftliche Beziehungen mit allen Staaten aufzunehmen, und wird der Herstellung freundschaftlicher Beziehungen zur So wjetunion und zu den slawischen Demokratien des Balkan und Mitteleuropas sowie zu allen anderen demokratischen Völkern ihre besondere Aufmerksamkeit zuwenden. Sie wird sich bemühen, diplomatische Beziehungen mit diesen Regierungen aufzunehmen.“
Weiterhin hat der Rundfunk des „Freien Griechenland“ ein Kommunique des Justizministers der Gegenregierung, Miltiades Porphyrogennis, verbreitet, in dem die bevorstehende Schaffung einer demokratischen Armee, einer starken Luftwaffe und einer Marine angekündigt wird.
Der griechische stellvertretende Ministerpräsident, Tsaldaris, lehnte es ab, sich darüber zu äußern, welche Reaktionen auf die im Einverständnis mit dem slawischen Block erfolgte Bildung einer Regierung „Freies Griechenland“ der alliierten Regierungen und der Vereinten Nationen zu erwarten sind. Der Sicherheitsminister' Rendis erließ an alle, seinem Ministerium unterstehenden Behörden einen
Aufruf, in dem diese aufgefordert werden, „alle ihre Pflicht gegen die griechischen Kommunisten zu erfüllen, die sich durch eine antinationale und vom Ausland gestützte Aktion von sich aus isoliert haben.“ In der Proklamation heißt es weiter „Grie chenland steht in seinem Kampf um seine Integrität nicht allein, es hat mächtige Verbündete, die ihm eine sehr viel größere Hilfe gewähren werden als sie, die „Bergregierung““, von den Feinden des griechischen Volkes erhalten wird.“
Die amerikanische und die britische Botschaft in Griechenland wurden durch die griechische Regierung über die Lage informiert. Zwischen den wichtigsten griechischen Ministern, den Vertretern der amerikanischen Hilfsmission für Griechenland und dem Botschafter der Vereinigten Staaten fand eine Konferenz statt.
In griechischen Regierungskreisen vertritt man nach den neuesten Meldungen die Ansicht, daß
weder die UdSSR noch Jugoslawien die Regierung Markos anerkennen werden, sondern daß dieser Schritt Albanien und Bulgarien Vorbehalten bleiben wird. Es wird ferner angenommen, daß die USA ihre Haltung der der Sowjet-Union anpassen werden. Man hält aber eine sofortige Stärkung der Regierungsstreitkräfte durch die Vereinigten Staa ten für wahrscheinlich. Das amerikanische Staatsdepartement führt augenblicklich Untersuchungen durch, um das Ausmaß der von der Athener Regierung benötigten zusätzlichen Hilfe zu bestimmen. Der stellvertretende Staatssekretär Lovett führte mit Präsident Truman Besprechungen über die Lage in Griechenland .
Das britische Kabinett wird heute über die evtl. Internationalen Auswirkungen der Griechenland - Frage debattieren. In amtlichen Kreisen vermutet man die Bildung einer „Regierung der Nationalen Union“ in Griechenland , die unter Führung der Liberalen • und Populisten Vertreter aller demokratischen Parteien umfassen soll.
Ein Sprecher des jugoslawischen Außenministeriums erklärte, Jugoslawien werde „den heroischen Kampf des griechischen Volkes gegen die ausländische Expansion mit Sympathie verfolgen“.
Hochwasserkatastrophe in Sudwestdeutschland
Ueberscb wemmungsscliäden aas allen Teilen Badens gemeldet
Keine Dreierbesprechnng
LONDON — Dem „Evening Standard“ zufolge zirkulieren in London nach wie vor Gerüchte, wonach sich Bevin, Bidault und Marshall im Januar in Washington treffen werden. In amtlichen Lon doner Kreisen dementiert man diese Gerüchte. Man erklärt, daß Bevin die Hoffnung nicht aufgegeben hat, doch noch zu einer Einigung der vier Mächte über das deutsche Problem zu gelangen.
WASHINGTON — Die Dienststellen der ameri kanischen Luftwaffe teilen mit, daß die Stärke der amerikanischen Luftstreitkräfte im Laufe der nächsten sechs Monate von zur Zeit 335 000 Mann auf 401 000 Mann erhöht werden. Die Kurse für Flugschüler werden verdreifacht werden.
Marshall Letter der Soforthilfe
WASHINGTON — Präsident Truman Unterzeichnete einen Erlaß, der Staatssekretär Marshall mit der Leitung des Soforthilfeprogramms für Europa beauftragt.
Schnman empfangt General Koenlg
PARIS — Ministerpräsident Robert SchumaB empfing am Samstag den Oberkommandierenden der französischen Besatzungstruppen in Deutsch land , General Koenlg und den Staatssekretär für deutsche Angelegenheiten, Schneiter.
BADEN-BADEN — Der plötzliche Temperaturanstieg innerhalb der letzten 48 Stunden, die damit verbundene Schneeschmelze im Schwarzwald sowie die von orkanartigem Sturm begleiteten starken Regenfälle haben ein plötzliches Ansteigen des Rheins und seiner Nebenflüsse verursacht.
Am Montag früh lagen bereits Meldungen über Überschwemmungsschäden vor. In Bühl ist die Büllot über die Ufer getreten. Ein Einwohner, der am Sonntag in die hochgehenden Fluten fiel, ist ertrunken.
In Baden-Baden wurde die Feuerwehr am Sonntag Mitternacht erstmalig zum Großeinsatz alarmiert. Die Lage hatte sich hier im Laufe der Nacht
Schweres Eisenbahnunglück^ bei $euwied
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so zugespitzt, daß der Straßenbahnverkehr völlig eingestellt werden mußte. Im oberen Teil des Oostals mußten kleinere Brücken wegen Einsturzgefahr abgerissen werden. Tiefergelegene' Plätze und Straßen sind bereits überflutet, so daß der Durchgangsverkehr entweder lahmgelegt ist oder nur mit Hilfe von französischen Armeefahrzeugen aufrechterhalten werden kann. Eine Anzahl Wohnungen mußten geräumt werden, zahlreiche Keller stehen unter Wasser. Der Zugverkehr in Richtung Rastatt mußte eingestellt werden, da die dortige Behelfsbrücke einsturzgefährdet war. Die Reisenden werden im Pendelverkehr mit Lastwagen befördert. Eine telefonische Verbindung mit Rastatt war am Montag morgen nicht mehr zu erreichen.
Auch aus dem Murgtal liegen alarmierende Meldungen vor. In Gernsbach ist der Fluß ebenfalls über die Ufer getreten, Brücken sind gefährdet und die Hauptverkehrsstraße nach Freudenstadt ist
NEUWIED — Am 22. Dezember, abends 18.32 Uhr, ereignete sich auf der Strecke Niederlahnstein— Köln ein schweres Eisenbahnunglück. Der D-Zug 48 Dortmund—München fuhr in der Nähe des Bahnhofs Fahr-Irlich bei einer Gleisverschlingung dem vollbesetzten D-Zug 269 Freiburg—Dortmund in die Flanke. Dabei wurden zwei Wagen völlig zertrümmert, mehrere andere sowie beide Lokomotiven entgleisten. Es wird angenommen, daß 2 Wagen in den Rhein gestürzt sind. Nach den letzten Meldungen wurden bisher 41 Tote sowie 80 Schwer- und Leichtverletzte gezählt.
Die Wucht des Zusammenpralls war so groß, daß der überbesetzte Freiburger D-Zug größtenteils aus den Schienen geworfen wurde. Die Lokomotive und der Packwagen sowie die nachfolgenden D- Zug-Wagen stürzten den Abhang des Bahndammes hinunter auf die Straße. Der dritte Wagen wurde völlig zertrümmert. Aus ihm wurden auch die meisten Toten geborgen. Vom D 48 Dortmund—München entgleisten die Lokomotive, die schwer beschädigt wurde, und ein D-Zugwagen. Ein Lokomotivführer befindet sich unter den Todesopfern, der andere konnte bisher noch nicht aufgefunden werden.
Die Unfallstelle wurde von Besatzungstruppen und deutscher Polizei abgesperrt. In kurzer Zeit trafen die Feuerwehren, Sanitätskolonnen, die Bediensteten der Eisenbahn und sonstige Hilfsbereite aus der näheren Umgebung am Platz der Katastrophe ein. Die Eisenbahn setzte drei Hilfszüge für die Aufräumungsarbeiten ein, die unverzüglich mit den Bergungsarbeiten und der Trümmerbeseitigung begannen. Der durchgehende Eisenbahnverkehr konn-
„Dnrch höhere Gewalt behindert"
BERLIN — Jakob Kaiser , der Vorsitzende der CDU , der von den Russen seiner Funktion enthoben wurde, erklärte auf einer Pressekonferenz in Berlin : „Wir fühlen uns nach wie vor als Vorsitzende der Ostzonen-CDU . Wir sind lediglich in unseren Funktionen durch höhere Gewalt behirt- dert.“
„Die SMA hat einen Eingriff in das Satzungsrecht und die demokratische Organisation der Union vorgenommen, fügte Kaiser hinzu. Daraus müssen wir zu unserem Bedauern folgern, daß die Selbständigkeit und der eigene Weg der Union keine Respektierung finden. Diese Einsicht und das Wissen um die unablässigen Beeinflussungsversuche, denen unsere Menschen ausgesetzt sind, sobald sie der von der SED verfolgten Politik widerstreben, zwingt uns leider die ernste Erkenntnis auf, daß in der Ostzone die Möglichkeit in aufrechter Haltung den demokratischen Weg selbständiger Unionspolitik zu gehen, praktisch nicht mehr gegeben erscheint.“
Auf die Frage eines Journalisten, ob die CDU - Vorsitzenden sich auch in Berlin behindert fühlten, erklärte Jakob Kaiser : „Nein. Die CDU der Ostzone und der Landesverband Berlin sind zwar ein einheitliches Ganzes, aber die Ausschaltung unserer Autorität ist praktisch nur in der Ostzone wirksam. Wie sich die Lage in Berlin gestalten soll, darüber wäre es angebracht, daß sich die alliierte^ Besatzungsmächte unter sich unterhielten“.
te inzwischen auf einem Gleis wieder auf genommen . werden. Das zweite Gleis wird voraussichtlich erst in einigen Tagen dem Verkehr freigegeben werden. Die Verletzten wurden in die Krankenhäuser von Neuwied und Koblenz eingeliefert. Sämtliche verfügbaren Kraftfahrzeuge wurden für diesen Schnelleinsatz herangezogen. Eine größere Anzahl von Ärzten begann zum Teil an Ort und Stelle mit der Betreuung der Verletzten und mit Operationen in einem nahegelegenen Haus.
Die Schuldfrage des schweren Unglücks ist noch nicht restlos geklärt. Wahrscheinlich hat der Lokomotivführer des einen D-Zuges das auf Halt stehende Einfahrtssignal in Bahnhof -Irlich überfahren. Es besteht aber auch die Möglichkeit, daß aus noch nicht geklärten Gründen das Signallicht zerbrochen oder ausgelöscht war. Bei den Opfern handelt es sich vielfach um junge Studentinnen und Studenten, die in den Weihnachtsferien zu ihren Verwandten reisen wollten.
Seitens der Landesregierung wurden umfangreiche Hilfeleistungen angeordnet. An der Unfallstelle fanden sich Ministerpräsident Altmeier, Verkehrsminister Neumeier, Innenminister Steffan, Wohlfahrtsminister Junglas, Justizminister Suesterhenn und der Präsident der Eisenbahndirektion Mainz, Kleinschmidt, ein. Auf Anweisung der Landesregierung wurden den Verletzten in den Krankenhäusern Lebensmittel, Wein und Tabakwaren zur Verfügung gestellt.
Der Generalgouverneur von Rheinland-Pfalz , de Boislambert, hat an den Ministerpräsidenten Altmeier einen Brief gerichtet, in dem er sein schmerzliches und aufrichtiges Beileid zu der schrecklichen Katastrophe ausdrückt. Weiter heißt es in dem Brief: „Der französische Oberbefehlshaber in Deutschland , Armee-General Koenig , hat mich telefonisch gebeten, Ihnen mitzuteilen, daß er an der Trauer des Landes Rheinland-Pfalz größten Anteil nimmt. Ich möchte Sie bitten, im Namen des Generals Koenig und in meinem Namen den betroffenen Familien die Teilnahme der französi schen Militärregierung zu übermitteln.“
Im Renchtal ist der gesamte Verkehr infolge, des Ausfalles der Renchbrücke bei Oberkirch gesperrt. Die Umleitung erfolgt über Appenweier , Renchen , Oberkirch . Der Telefonverkehr ab Oppenau ist unterbrochen. Größer sind die Schäden im Kinzigtal. Verschiedene Brücken sind stark bedroht und von der Polizei gesperrt. Die Reichsstraße 294 Wolfach— Schiltach—Schenkenzell ist nicht - mehr befahrbar, da das Wasser bis zu 80 cm über der Fahrbahn steht. Der gesamte Verkehr im Kinzigtal ist lahmgelegt. Aus dem Harmersbachtal sind keine Mel
dungen zu erhalten, da der Telefonverkehr unterbrochen Ist. Die Eisenbahnbrücken können vorläufig noch im 10-km-Tempo befahren werden.
Der Rhein bei Marlen ist um 1,50 m, bei Breisach um 2,60 ry und bei Waldshut um 2 m gestiegen. Es besteht die Gefahr, daß einzelne Dämme brechen.
In Freiburg kletterte das Thermometer 14 Grad in die Höhe und erreichte eine Temperatur von 19,6 Grad über Null.
DÜSSELDORF — Die andauernden Regenfälle der letzten Tage haben auch im Ruhrgebiet und in der Eifel zu größeren Überschwemmungen geführt. In Essen stehen drei Ruhrbrücken unter Wasser. In mehreren Vorstädten sind die Keller überschwemmt und der Verkehr lahmgelegt.
PARIS — Ein Wolkenbruch, der seit 48 Stunden über die Vogesen niedergeht, hat alle Wasserläufe zu raschem Ansteigen ogesen stehen die Straßen rgenter Was
ser. Mosel und Maas M^^gqbatten O^r. Ns 'ISti'*' gg tfEfd BT ~rfr*-vffltel steht der FlStZ Rathaus mehr als 1,50 m unter Wasser. Auch in Epihai hat die Mosel die Straße überflutet.
Nach Wettermeldungen hat mit dem Vordringer kühlerer Luftmassen von den britischen Inseln die Zufuhr der milden Atlantikluft ihren Abschluß gefunden.
(Infolge der nachhaltigen Verkehrsstörungen bedauert das „Badener Tagblatt“ seine Leser in Offenburg , Lahr und im Kinzigtal nicht mit der vorgesehener Neujahrsausgabe beliefern zu können. D. Red.)
An der Schwelle des Jahres
Die Sonnenuhr beim „Großen Tor“ am Forum, dem Mittelpunkt des öffentlichen Geschehens, war für die alten Römer die Stätte, wo sie sich, Jung und Alt, besonders gerne trafen. Da konnte man nicht nur des andern und die eigene Pünktlichkeit kontrollieren. Man war auch gleich bei der Hauptkultstätte des Beschützers aller Anfänge und Eingänge und konnte so bequem dessen Beistand erbitten, gleichviel ob es sich um ein neues Geschäft, um eine Liebesangelegenheit oder ein politisches Unternehmen handelte. Das „Große Tor“ war dem Hüter von Schwelle und Tür — Ianus — geweiht, dem großen Janus, der mit seinem Doppelgesicht gleichzeitig, räumlich und zeitlich, nach rückwärts und nach vorn zu blicken vermochte. So gingen die großen Römer, ebenso wie die kleinen, mit besonderer Vorliebe beim Beginn irgend eines neuen Vorhabens zum „Großen Tor“, dessen breite Schwelle mit dem in Marmor übersetzten Palindrom-Antlitz des Gottes geschmückt war, nach dem noch heute der erste Tag und Monat des Jahres Januarius heißt. Jede Türe, durch die wir schreiten, jede Schwelle, über die wir in einen anderen Raum, in einen anderen Abschnitt unseres Lebens gehen, ist wie das gleichzeitig in Vergangenheit und Zukunft blickende Gesicht des Janus , ein Symbol des panta rhei, der unaufhörlich aus der Zukunft über die Gegenwart, die ewige Schwelle, in die Vergangen
FRANKFURT.— 80 deutsche Männer der Kirche, der Wissenschaft und des Rechtslebens, haben zu Weihnachten einen Aufruf an die Welt gerichtet, in dem es u. a. heißt: „Gebt unserem Volk und damit der Welt einen dauerhaften Frieden, aus dem die Gesundung der Völker und die Heilung Europas erwachsen kann. Auch wenn der Besiegte das Recht gebeugt hat, so bleibt dennoch der Sieger an die Gerechtigkeit und das Gebot Gottes gebunden. Laßt es darum nicht einen Frieden der Vergeltung sein, aus dem nur neuer Haß erwachsen kann, sondern einen Frieden der Gerechtigkeit. Gebt uns zugleich einen Frieden der wirtschaftlichen und politischen Vernunft. Blejbt die deutsche Wirtschaft zerstört, wird dem deutschen Menschen die Möglichkeit auch in Zukunft versagt, durch redliche Arbeit sein Leben zu erhalten, kommt unser Volk nicht durch eine lebensfähige, einheitliche politische Ordnung zur Ruhe, so bleibt es ein Herd des Un
friedens für Europa und die Welt. Vor allem aber nehmt dem deutschen Volk die Furcht und die Verzweiflung. Nehmt ihm die Angst, es sei zum politischen Zerfall und zur wirtschaftlichen Vernichtung verurteilt.“
Milderung der indirekten Kontrolle
PARIS — Vor der außenpolitischen Kommission des Rates der französischen Republik , behandelte der Staatssekretär für deutsche Angelegenheiten, Pierre Schneiter, die Frage der Verwaltungsreform der französischen Zone, Er betonte, den Wunsch der französischen Regierung, die indirekte Verwaltung immer mehr durch eine allgemeine Kontrolle zu ersetzen. Über die umlaufenden Gerüchte über eine angebliche Separatistenbewegung in der Pfalz erklärte der Staatssekretär, daß die französische Regierung mit Kundgebungen solcher Art nicht das geringste zu tun habe.
heit flutenden Zeit und Ewigkeit. So gibt jede Schwelle, um so mehr die Schwelle von einem zum anderen Jahr Anlaß, gleich dem alten römischen Stadtgott, dem Beschützer alles Beginnens, zurückzuschäuen und gleichzeitig einen Blick der Zukunft entgegen zu tun, dafür Vorhaben und Vorsätze zu erwägen.
1947 _ i n der Weltpolitik begann das Jahr mit dem Wechsel im Außenministerium der United States of America . James F. Byrnes wurde von Ge neral George C. Marshall abgelöst, dessen Name dem Jahr in gewissem Sinne das Gepräge gab. Die Sonderbevollmächtigten der Außenminister trafen sich in London . Bevin und Bidault schlossen das französisch - englische Bündnis. Am gleichen Tag, an dem in Rußland die Wahlen zum Obersten Sowjet der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken stattfanden, wurden die Friedensverträge mit den ehemaligen Satellitenstaaten Hitler-Deutschlands unterzeichnet. Im März begann dann die von aller Welt mit großer Spannung erwartete Moskauer Konferenz der großen Vier. Marshall nahm zum ersten Male Fühlung mit seinen Kollegen der anderen Großmächte. Nach einer Dauer von etwa sechs Wochen wurden die Besprechungen an der Moskwa beendet. Das Ergebnis ließ alle Möglichkeiten offen. Dann trat das Palästina-Problem in den Vordergrund, es wurde vor der UN aufgerollt. In den östlichen Ländern Europas entwickelte sich eine lebhafte politische Tätigkeit. Kabinettsumbildungen, Demissionen, wie etwa jene des ungarischen Ministerpräsidenten Nagys, zogen die Aufmerksamkeit auf sich. Und gleichzeitig tritt Amerikas Außenminister mit einem umfassende* Hilfsplan für Europa an die Öffentlichkeit, der seinen Namen zu dem meistgenannten des ganzen Jahres macht. Zur Erörterung des Marshall - Plans treffen sich Bevin, Bidault und Molotow in Paris . Daß der russiche Außenminister der Einladung Folge geleistet hatte, weckte Erwartungen: sie werden rasch zu nichte, Molotow reist ab, ohne daß es zu einer Einigung gekommen wäre. Es folgt eine neue Konferenz in Paris , an der 16 europäische Staaten teilnehmen. Die östlichen Länder Eropas, einschließlich der Tschechoslowakei halten sich fern. Es wird von einem Molotow-Plan gesprochen, in Paris wird andererseits die Frage einer europäischen Zollunion erörtert.
In dieser Zeit wird auch das Problem der indischen Unabhängigkeit gelöst. Indien wird innerhalb des britischen Commonwealth in zwei Do- . minien, Hindustan und Pakistan : geteilt. Bei der zweiten Vollversammlung- der United Na-