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Nr. SJ

BADENER TAOBLATT

Dienstag, den 27. April 194»

Erkannte Gefahr

Gewaltige Fortschritte hat die ältere Generation unserer Zeit in dieser 2 U Ende gehenden ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlebt. Wir haben et fast vergessen, daß wir noch die Abende im mil­den Licht der Petroleumlampe kennen, daß wir uns noch der Gasglühstrümpfe, der ersten Automobile erinnern, der kratzenden Walzer-Phonographen, der flirrenden Filme der Kinematographentheater auf den Meßplätzen, der ersten Telefongespräche, der mit Begeisterung aufgenommenen Flugversuche über einige hundert Meter. Heute sind die Aus­nützung der Elektrizität in tausenderlei Hinsieht, der Luftverkehr um die ganze Erde, Rundfunk und vieles andere mehr Dinge, die der aufwachsende Mensch alt selbstverständlich gegeben hinnimmt. Es geht im Augenblick um Rakete und Atomkraft — imd morgen?

Wir sprechen von der schnellebigen Zeit und denken kaum daran, wie rasch wir vergessen, Un­glück und Gefahren vielleicht noch schneller als das Angenehme. Wer könnte sonst, es sei denn, er hätte sich völlig dem bösen Dämon der Macht, der Gewalt, des organisierten Massenmordes verschrie­ben, heute schon wieder von Krieg sprechen, wenn er sich allein nur der grausigen Stunden erinnert, da Hunderte von dröhnenden Bombern durch die sternklaren Nächte oder auch im hellen Sonnen­schein glänzend und schimmernd tod- und verder­benbringend ßber uns dahin brausten. Was bedeu­ten dagegen alle eben aus dem Kriege resultieren r den Nöte und Mißhelligkeilen des Augenblicks.

So wird die Frage um Krieg und Frieden wohl zuineist eben aus der Furcht vor der Möglichkeit gestellt, daß es neuerdings zu einer Auseinanderset­zung der Völker unter Anwendung von Waffenge­walt kommen könnte und die Tatsache, daß dieses furchtbare und unfruchtbare Thema vielfach zum Tagesgespräch geworden ist, läßt bei vielen den Eindruck entstehen, als ob ein Krieg mit Sowjet­rußland im Bereich gewissermaßen der nächsten Möglichkeit liege. „Tatsächlich ist nichts unwahrscheinliche r“, sagt kein Geringerer als der bekannte englische Rußlandkenner Paul Winterton in einem Brief, den er an die „News Chronicle“ richtete. In dem Schreiben heißt es u. a. weiter:

„Die russische Politik hat sich nicht plötzlich ge­ändert, ist nicht plötzlich gefährlicher geworden. Alles, was geschehen ist, ist, daß die öffentliche Meinung im Westen sich nicht mehr täuscht. Be­reits vor Ende des zweiten Weltkrieges hat die So­ wjetunion ein Ziel hartnäckig verfolgt: die sowje­tische Macht und die kommunistische Doktrin da weiter vorzuschieben, wo es ungefährlich war. Rußland hat hauptsächlich deshalb so riesen­hafte Fortschritte gemacht, weil wir es gewähren ließen und sogar dazu ermutigten. Wir haben nur unser* eigene Blindheit zu ta­deln.

Zu denken fedoch, daß Rußland jemals beab­sichtigt hat, seine Ansprüche selbst auf die Gefahr eines Weltkrieges hin durchzusetzen oder dies jetzt beabsichtigt, heißt einen ebenso großen Fehler machen. Die Quintessenz der russischen Politik be­steht darin, ihren Weg ohne Krieg zu machen, aus den Schwäche n und der Uneinigkeit des Westens Nutzen zu ziehen. Es ist im höchsten Grade un­wahrscheinlich, daß Irgend jemand im Kreml nur einen einzigen Augenblick einen Angriffskrieg ge­gen den Westen oder die Tatsache ins Auge gefaßt hat, mit dem Westen in einen Krieg verwickelt zu werden.

Die wirkliche Gefahr von Rußland besteht immer darin, daß es durch die Methode der Einsickerung und der Zersetzung innerhalb der westlichen Län­der genügend unblutige Siege erringen könnte, um die Waagschale der Weltmacht zu seinen Gunsten ausschlagen zu lassen. Dann wäre ein Krieg wahr­scheinlich gewesen, aber in den vergangenen Wochen ist diese Gefahr in den Hintergrund getre­ten, einfach weil wir uns dieser bewußt geworden lind und Schritt« gegen sie eingeleitet haben,

Sie wird völlig verschwinden, wenn die Demo­kratien der alten Welt und der Neuen Einigkeit und Wiedergesundung erzielen können. Dies ist nicht die Zeit, etwas Besseres aufzubauen als die Kommunisten können, in der sicheren Erkenntnis, daß im Falle unseres Gelingens der Frieden ge­sichert ist; es ist die Zeit für wohlbegründete Hoff­nungen."

Der Brief Wintertons vermittelt eine erstaunlich einfache Erkenntnis, eben daß das Erkennen einer Gefahr schon in sich schließt, daß man ihr mit Er­folg begegnen kann. Die Ereignisse in der Tschecho­ slowakei waren wohl in gewissem Sinne das Signal für diese heilsame Reaktion. Der Brüsseler Pakt, die Zollunion zwischen Frankreich und Italien , das

rüstige Vorwärtsschreiten der Arbeiten der Pariser Konferenz, die außerordentlich bedeutungsvolle Schaffung einer internationalem Wirtschafts-Charta, die Besprechungen in London , sind untrügliche Be­weise für die Entschlossenheit, mit Energie, Ernst und der gebotenen Eile auf die Gründung einer westeuropäischen Föderation zuzuschreiten. Diese Union, deren Tore nach allen Seiten offen stehen, schließt durchaus die Möglichkeit eines späteren Zusammenschlusses aller Nationen zu einem Welt­staat und damit zur Sicherung des dauernden Frie­dens auf der ganzen Erde in sich.

Dieses letzte erhabene Ideal aber, dem wir damit näher zu kommen scheinen, darf nie außer Acht ge­lassen oder gar vergessen werden. Es muß stets und immer wieder zugleich Ansporn und endliches Ziel bleiben. Erinnern wir uns deshalb immer wieder der bangen Stunden, der Schrecken\ des diktatorischen Krieges und führen wir darum alle ohne Unter­schied der Rasse, der Religion, der Nation nur einen Kampf, den Kampf um das wahrhaft höch­ste Ziel aller menschlichen Vernunft und Näch­stenliebe, den 'Weltfrieden!

K. H. Lembke

Fehlende Jahrgänge

7m Rahmen von politischen Vorträgen, die der frühere deutsche Reichskanzler Dr. Brüning in Chi- kago gehalten hat, kam er auch auf das Problem der politischen Generationen zu sprechen. Brüning sieht in der Tatsache, daß die Weimarer Republik es versäumt hat, -fähige junge Männer für ihre politischen Aufgaben zu gewinnen und insbesondere die Elite der Kriegsteilnehmer an der politischen Verantwortung zu beteiligen, eine der Hauptursa­chen für die nachherige politische Aufspaltung des deutschen Volkes in die extremistischen Lager des Kommunismus und des Nationalsozialismus.

Die Bemerkungen Brünings erinnern in der Tat an die geradezu planmäßige Ausschaltung der da­mals in den dreißiger Jahren stehenden politischen Nachwuchskräfte. Sie war zum Kennzeichen der Personalpolitik der meisten damaligen Parteien ge­worden. Es schien für die in die Parteiführung ein­gerückten Parlamentarier eine' ausgemachte Sache *u sein, daß das junge Gebilde der Weimarer Re­ publik mit Erfahrung und wieder mit Erfahrung an­gefüllt werden müsse. Wer sich damals von jünge­ren Kräften innerhalb der Parteien mit Anschauun­gen zu Worte meldete, aus denen die einzig gültige Erfahrung des unmittelbaren Kriegserlebens und der damit errungenen Einsicht in die Notwendigkeiten eines völligen Neubeginnens sprach, der wurde bestenfalls mit überlegenem Lächeln angehört, aber mit absoluter Sicherheit in den engeren, be­schließenden Parteigremien unter stillschweigender Übereinkunft der „erfahrenen Praktiker “ abgetan.

Die Folgerungen, die Brüning in Chikago zieht, treffen zwar geschichtlich zu, besitzen jedoch für ünser gegenwärtiges politisches Leben keinen ak- tuellen-Wert. Denn wir stehen heute der schwer­wiegenden Tatsache gegenüber, daß uns die politi­schen Jahresklassen der heute SO- bis 60jährigen so gut wie völlig fehlen. Ohne auf die Frage einzu­gehen, ob die seinerzeitige Überbetonung der Er­fahrung und jene Ausschaltung neuen Geistes (wie wir uns einmal ganz unverbindlich ausdrücken wol­len) nicht in bedenklichem Maße im gegenwärtigen politisch-parlamentarischen Leben . wiederkehrt, muß doch jede unvoreingenommene Umschau in Politik und Verwaltung feststellen, daß die heutigen Fünfziger — in der Zeit der Weimarer Politik auf die Seite gestellt, nachher unter dem Hitlerregime gänzlich mundtot gemacht — an allen Ecken fehlen. Wenn man auch noch so sehr bereit ist anzuerken­nen, daß die älteren Jahrgänge sich bemühen, das empfindliche Manko auszugleichen, wird dort nicht zu übersehen sein, daß die bedenkliche Situation auch noch schwierige Folgen für den generations­mäßigen Kontakt mit sich bringt. Von den Alten, längst Arririerten, führt nur eine recht dünne Brücke hinüber zu den heute als Nachwuchs an­zusprechenden politischen Jahrgängen. Vor allem kommt hier die Verbindung mit der bekannten „verlorenen Generation“ der heutigen Dreißiger in Betracht, die, im formalistischen Gehorsam und Be­fehlsempfang gedrillt, heute weithin orientierungs­los ist und, der alten Scheuklappen beraubt, im all­gemeinen nur wenig Mut zu eigener politischer Initiative aufzubringen im Stande ist. Dieser ver­lorenen Generation — und noch viel mehr der jüng­sten Generation — erscheint die politische Aktivität der alten Arririerten zwangsläufig historisch, wo nicht sogar bis zu einem gewissen Grade in ihrer Betulichkeit innerhalb abgestandener Formen leicht komisch. Hier fehlt als lebendiges Bindeglied die lange Jahre zur Interesselosigkeit und zum Schweigen verurteilte Zwischengeneration der heu­tigen Fünfziger, die im ersten Weltkrieg, also in einem ähnlichen Erlebnis greift, die Geburts­jahre eines neuen politischen Werdens durch­gemacht hat. Gewiß ist das Kriegserlebnis dieser Zwischengeneration nicht mit dem Maßstab des zweiten Weltkriegsschicksals zu messen; dafür ha­ben diese Jahrgänge die schwere und oft genug existenzbedrohende und -vernichtende Prüfung der zwölf Hitlerjahre zu überstehen gehabt. Und ge­rade in dieser Prüfung berührte sich, wenn auch unter ganz verschiedenen geistigen und seelischen Voraussetzungen die Zwischengeneration mit jener, .verlorenen Generation“ der Dreißiger. Gerade sie ist, wenn nicht alles täuscht, berufen, die scheue Ratlosigkeit der Dreißiger lösen zu helfen und ih­nen den Weg zu positiver politischer Mitarbeit zu ebnen. Das ist eine Aufgabe mehr für die Zwi­

schengeneration, die man in etwa als die „politisch zu kurz gekommene " bezeichnen könnte und auf deren Aktivierung und Heranziehung sich die po­litischen Parteien besinnen sollten. —y—

Schwarzhandel - amtlich!

Was wird die Öffentlichkeit dazu sägen,, daß der Leiter des lnterzonenamtes in Koblenz so schwer gefehlt hat? Was zu der Feststellung des Justiz­ministeriums des Landes Rheinland-Pf alz, daß durch diese betrügerischen Manipulationen wertvol­les Volksvermögen zum Nachteil der Bevölkerung vergeudet worden ist? Wir können die Antwort ge­ben: nicht viel. Vielleicht ein Achselzucken und die resignierende Geste, es sei ohnehin alles faul. Nun sind aber zwei Millionen Zigaretten und schwarze Gewinne von mehreren hunderttausend Mark keine Kleinigkeit, und daß das Schachergel d ausgerechnet in die Tasche des höchsten Beamten des Inter - zonenhandels floß, ist eine bis dato noch unbekannte Version in der bunten Märchensammlung des Schwarzmarktes.

Das Justizministerium Rheinland-Pfalz hat an­gekündigt. daß es den schwarzen Interzonenhändler einer alsbaldigen gerechten Bestrafung zuführen werde. Damit wird zwar der Schuld die Sühne fol­gen, {wobei noch offensteht, ob es tatsächlich ge­lingt die weitverzweigten direkten Kanäle zu säu­bern) die Bevölkerung aber bleibt betrogen und mit ihr alle gleichen und ähnlichen Institutionen wie das Interzonenamt in Koblenz , die das ihnen ent­gegengebrachte, durch ähnliche Vorfälle schon schmal gewordene Vertrauen noch mehr geschmä­lert sehen. Das mag für die Bemühungen der sich der Ehrlichkeit befleißigenden Ämter bedauerlich sein. Niemand kann indessen einem gebrannten Kind die Angst vor dem Feuer verübeln. Schließ lieh hat wohl auch das Interzonenamt in Koblenz einmal ein gutes Ansehen genossen Sem Leiter, der heute als Verbrecher entlarvt ist. war dies aber schon, als man ihm noch Respekt entgegenbrachte. Die Entschuldigung, man habe es eben mit Men­schen in all ihrer Anfälligkeit zu tun und die Gren­ze zwischen Versuchung und Standfestigkeit sei gerade aut einem solchen Posten auf eine schwere Probe gestellt, ist zwar richtig, kann aber nicht gel­ten. Man braucht zum Beweis dieser Behauptung nur an die tn der Bizane verschwundenen 40 Mil­lionen Yards Baumwolle zu erinnern, nach deren Verbleib die Militärregierung übrigens gerade die­ser Tage gefragt hat und an die Tatsache, daß die in Kürze anrollenden Lieferungen des Marshall- Planes eben auch durch deutsche Hände gehen werden. Niemand wird bereit sein zuzugeben, daß man möglicherweise soundsoviel Prozent Verlust, von vornherein an die mangelnde Charakterfestig­keit der die Verteilung steuernden Beamten abzu­schreiben gezwungen ist. Nein, gerade weil bekannt ist, daß an allen Stellen, die mit der Bewirtschaf­tung von Mangelware betraut sind die Versuchung sich zu bereichern die moralisch!?» Widerstands­kräfte übersteigen kann, wäre es klug sich dieses Postens von vornherein in der Rechnung zu verge­genwärtigen. Wir wissen nicht, wieviel Augen den Leiter des lnterzonenamtes bei seiner Arbeit be­aufsichtigt haben, zweifellos waren es — wenn sie überhaupt die Geschäfte kontrollierten — nicht ge­nug. Die Empörung der Regierungsstellen tn Koblenz mag jetzt noch so groß sein, sie ist nicht gerechtfertigt, wenn es in der Zukunft nicht zu­mindest gelingt, derart katastrophale Verfehlungen zu vermeiden. Die Handlungsfreiheit der in Frage kommenden Beamten einer möglichst offenen Kon­trolle zu unterwerfen, bedeutet nach solchen Ereig­nissen wahrhaftig nicht mehr dem ehrlichen Sach­walter ein unbegründetes Mißtrauen entgegenzu­bringen. Im Gegenteil, jeder Beamte, dem daran ge­legen ist. die Verteilung von Mangelware im In­teresse der Bevölkerung vorzunehmen, wird froh sein, die Verantwortung auch von anderen Schul­tern getragen zu sehen und glücklich darüber, der Öffentlichkeit jederzeit sein reines Brusttuch ver­weisen zu können. Daß der Wunsch, seine Kräfte zum Wohle aller einzusetzen mit Ausnahme der schwarzen Interzonenhändlers anderwärts vorhanden ist, kann doch wohl nicht angezweifelt werden, pt

Vergleich im Prozeß von Blomberg

HAMBURG — In dem Prozeß Frau von B!omb»rg gegen den Verlag Classen und Goverts in Hamburg , in dem sich die Frau des ehemaligen Reichskriegg- ministers dagegen verwahrte, daß ihr in dem Buch von Dr, Gisevius „Bis zum bitteren Ende“ ein un­moralischer Lebenswandel vor ihrer Heirat vorge- worten wurde, kam es zu einem Vergleich. In jedem Exemplar des Buches muß eine Vorbemerkung auf­genommen werden, daß das Buch politischen Zwek- ken dient und der Verlag an den erwähnten Privat- dingen kein Interesse hat.

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Der ungekrönte König von Hollywood

Er ist 82 Jahre alt, nicht sehr groß, trägt eine Brille und führt als offiziellen Titel lediglich die Bezeichnung „Leiter der Produktion“. Er gilt als der ungekrönte König von Hollywood, und das wird sogar von seinen Rivalen zugegeben. Niemand weiß eigentlich genau, wie dieser kleine, ener­gievolle Mann zu dieser allgemein anerkannten Stellung gekommen ist.

Louis B. Mayer , der Produktions-Chef der großen amerikanischen Filmgesellschaft Met r o - Goldwyn-Mayer ist der erste Filmmagnat, der ins Weiße Haus eingeladen wurde; ja, als lang­jährigem Freund von Herbert Hoover ist ihm sogar einmal der Botschafterposten in der Türkei ange- boten worden. Louis B. Mayer genießt überall großes Vertrauen. Ob es sich um die Frage der Löhne oder die der Länge der Kleider handelt, immer kommt man zu ihm. Und wenn Könige, Herzoge oder Senatoren Hollywood besuchen, dann ist es wiederum Mayer, der die repräsentativen Pflichten er­füllen muß. Dafür hat er aber auch mehrere Jahre lang den Ruhm für sich in Anspruch nehmen kön­nen, der am besten bezahlte Mensch in den Vereinigten Staaten zu sein.- Eingeweihte wissen zu berichten, daß sein Jahresgehalt augenblicklich etwa eine halbe Million Dollar beträgt.

„L. B. u , wie man ihn kurz in Hollywood nennt, ist von Anfang an beim Film gewesen una war die entscheidende Triebkraft, welche die Metro-Goldwyn-Mayer -Gesellschaft von einem unbedeutenden, kleinen und alten Studio zu ihrem jetzigen Ruhm und zu einem Stüdio-Grundbesltz von 280 Morgen geführt hat.

Louis B. Mayer fängt um sechs Uhr morgens an; eine seiner Lieblingsbeschäftigungen ist es, Rumba tu tanzen. \ Di» Fahrgeschwindigkeiten mit seinem Wagen sind von allen, die mitfahren müs- sen, gefürchtet. Was er alles zuwege bringen kann, hat er im Jahre 19H gezeigt.

Damals war der bekannte Schriftsteller Upton Sinclair von der Demokratischen Partei als Kan­didat für die Wahl des Gouverneurs von Kalifornien aufgeslellt worden. Wenn Sinclair gewonnen hätte, hätte das für alle Filmleute eine drastische Erhöhung der Steuern und viele andere Schwierig­keiten bedeutet. Louis B. Mayer wurde zu Rate gezogen und begann für den Gegenkandidaten der Republikanischen Partei eine Wahlpropaganda zu starten, die selbst für amerikanische Verhältnisse einzigartig war. Die Lautsprecherwagen und Kameras der Metro-Goldwyn-Mayer waren ununter­brochen auf der Achse. Er ließ alle Leute, die für den Republikanischen Kandidaten stimmten auf­nehmen und sie sagen, warum sie gerade diesen eis Gouverneur wählen wollten. Kurz vor der Wahl ließ er in sämtlichen Kalifornischen Kinos die Aufnahmen ablaufen; er hatte sich die besten Ge­sichter herausgesucht, vertrauenerweckende Geschäftsleute, offenherzige Bauern, intelligente Steno­typistinnen und alle Arten von überzeugenden Hausfrauen. Diese alle erschienen auf den Bildern und erzählten von der Leinwand, was für ein anständiger und brauchbarer Amerikaner der republika­nische Kandidat sei. Und dann hatte er gleichzeitig Leute auf genommen, die für Upton Sinclair , den Demokraten , sich entschieden hatten. Und diese Leute sahen alle müde oder arrogant oder unrasiert aus und konnten nie richtige Gründe Vorbringen, warum sie ihn wählen wollten. Upton Sinclairs po­litische Karriere war damit zu Ende, Louis B. Mayer aber hatte seinem Titel „König von Holly­wood“ erneut alle Ehre gemacht.

KULTURSPIEGEL

Buddha in Deutschland

Seit letzter Woche weilt der burmesische buddhi­stische Großabt U Thu Nanda in Düsseldorf , dem Sitz des Sekretariats der buddhistischen Gemeinde in Deutschland , um durch persönliche Unterrich­tung Eindrücke und Unterlagen für eine künftige Missionsarbeit burmesisch-buddhistischer Mönche zu sammeln.

Die Buddhisten in Deutschland hoffen, noch in diesem Jahr für ihre Gemeinden die Anerkennung eis Körperschaften des öffentlichen Rechts durch- »usetzen; die Gründung eines eigenen Verlages und die Wiedererrichtung eines Klosters sollen dann die weiteren Schritte zur Ausbreitung des Buddhismus in Deutschland werden.

Realitäten vön 1948

Die Tagung des Deutschen Bühnenvereins

Auf der Stuttgarter Tagung des deutschen Büh­nenvereins wurde mannigfaltige Selbstkritik geübt. Man erkannte aber auch, daß die gegenwärtige 81- tution der deutschen Theater nicht nur aus ihrer künstlerischen Qualität heraus beurteilt werden kann; man hat ebenso mit anderen Faktoren zu rechnen, als deren wesentlichster sich zur Zeit die Währungsreform abhebt. Dr. Benecke vom deut­schen Städtetag hob hervor, daß die jetzige Pro­sperität der deutschen Theater nur 'eine Schein­blüte darstelle. Die augenblicklichen Zuschüsse der Rechtsträger und das Interesse der Öffentlichkeit dürften nicht darüber hinwegtäuschen, daß die ei­gentliche Bewährungsprobe erst nach der Wäh­

rungsreform komme. Die Bühnen müßten daher gut und sparsam verwaltet werden und künstlerisch hohe Leistungen vollbringen. Der württembergisch- badische Kultusminister Beuerle bezeichnte in die­sem Zusammenhang das Theater als einen augen­blicklichen Nutznießer des Warenmangels. Auch Generalintendant Gründgens ist der Ansicht, daß die Theater große Anstrengungen zu vollbringen haben. „Unsere Theater müssen, wie unsere Städte, zuerst einmal enttrümmert werden. Das sollten sich vor al­lem die Leute mit den „absoluten Forderungen“ vor Augen halten, die immer von Kunst sprechen, wo ich noch dabei bin, über Leinwand, Leim, Nägel und Glühbirnen nachzudenken.“ An anderer Stelle seiner klaren und eindeutigen Ausführungen sagte Gründgens : „Es kann und darf heute den Begriff der „Prominenz“ in keinem einzigen Falle mehr ge­ben. Ich würde die Zusammenarbeit mit meinen prominentesten Kollegen ablehnen, wenn sie nicht bereit wären, sich in den Prozeß der Ensemble­bildung einzuordnen.“

„Ich wage zu behaupten“, hatte Gründgens be­gonnen, „daß vielen von uns die große Zäsur des Jahres 1945 noch gar nicht genug ins Bewußtsein gedrungen ist. Unsere Kunst, die sich eng an die Realität von 1948 zu halten hat, wird in ihrer inne­ren Haltung und ihrer äußeren Gestaltung kaum lieblich sein können. Darum sollten wir sehr tole­rant und behutsam sein, wenn ein neuer junger Dichter uns nicht gleich wegweisend und aufbauend beglücken kann, sondern die Qual seiner Generation klagend und scheinbar ziel- und planlos auf die Bühne schleudert .... Wäre es aber andererseits nicht schrecklich, wenn die Tragödien der letzten Jahre schon wieder in drei Akten gemeistert wä­ren?^

(Der Präsident des Schweizer BühnenVerbandes, Dr. Oprecht, vertrat die Meinung, die Kunst müsse vor allen Dingen wieder europäisch werden).

In einem Schreiben an Oberdirektor Dr. Pünder brachte Kardinal Dr. Frings seine Ansicht zum deutschen Theater der Gegenwart zum Ausdruck. Die deutschen Theater hätten sich stets dadurch ausgezeichnet, daß sie das Gewissen des deutschen Volkes wachriefen. Heute aber verstünden viele Theater diese Mission nicht mehr. Die deutschen Bühnen sollten nur wesentliche Werke aufführen. Auf die Inszenierung rein unterhaltender Stücke solle man verzichten. Anklagen und Zweifel und der Sieg des Pessimismus durften auf der Bühne nicht zur Diskussion gestellt werden,

„Rückkehr zur einer wahrhaft diristlidien Lebensauffassung “

Auf der „Woche der katholischen Intellektuellen“ ln Paris (11.—18. April) führte der Tübinger Uni­ versitäts -Professor und Theologe Romano Guardini u. a. aus, daß der heute in der ganzen Welt beste­hende latente Kriegszustand, der Krieg aller gegen alle, nur durch ein neues Verantwortungsgefühl, durch Selbstbesinnung und Rückkehrzuelner wahrhaft christlichen Lebensauf­fassung überwunden werden könne.

Prof. Guardini war der erste deutsche Gelehrte, der hier in Paris nach dem Kriege in einer großen öffentlichen Versammlung das Wort ergriff.

*

„Wir sehen, wie die Jugend wiederum vorbereitet wird, auf den Schlaohtplats geführt zu werden, wie sich das Verbrechen erneut groß macht, die Welt in einen neuen Krieg zu stürzen, und sagen kompromiß­los „N ein“ zu diesen Agitationen", heißt es in einer

Erklärung, die von 52 Mitgliedern des Stuttgarter Neuei Theaters "unterschrieben wurde,

Wolfgang Borcherts „Draußen vor derTör' wurde mit großem Erfolg im Hebbeltheater für Berlin erstaufgeführt. Die Presse bezeichnet die Aufführung als das interessanteste Theaterereignis nach Sartree „Fliegen“.

Jean-Paul Sartre » „Die schmutzigen Hände“ wird, in England verfilmt.

Für den Konstanzer Intendantenposten haben sich bis letzt 70 Bewerber gemeldet. 7# Teilnehmer haben sich zu dem vom Amt für Volkskunst des Ber­liner Magistrats eingerichteten Kursus für Orchester­dirigenten, 129 für den Kursus der Chorfüirer ge meldet.

Die 1941 aufgelöste Astrologische Zentral­stelle, Düsseldorf , wird in Kürze Ihre Arbeit Wie­der aufnehmen. Gleichzeitig soll auch ihre Fachzeit­schrift „Zenit“ wieder erscheinen.

Für den 4. Internationalen Mu\ikwett b e w‘e r b, der vom 20. 9 bis 8. 10 ih Genf stattfindet, können bis 15. Juli Bewerbungen eingereicht werden Kostenlose Prospekte durch das Conservatoire Musi- que, Genf .

Anläßlich des 9*. Geburtstages des im Vorjahr ver­storbenen großen Physikers Max Planck fand eine Gedenkfeier statt.

Der Dichter Leo Welsmantel, der nicht bloß als Poet, sondern auch als Pädagoge zu den bedeu­tendsten Erziehern unseres Volkes zählt, begeht dem­nächst seinen 60. Geburtstag Sein Verleger, Albert Nauck & Co., Berlin-Charlottenburg 2, Gutenberg­straße 9, gibt aus diesem Anlaß ein Bueh des Dankes heraus und bittet alle Freunde Weismantels, die zu dieser Veröffentlichung Wesentliches beizutragen ha­ben, um Einsendung von Manuskripten, Briefen, Bil­dern.

Die Strawlnsky-Woehe, die für Jult ds. Js. in Bayreuth geplant war, Ist abgesagt

Der Architekt und Maler Karlaugust Linden, Haslach hat ein Mappenwerk „Schwarzwald-Land- schäften“ gezeichnet, in denen die berühmte deut­sche Landschaft in allen Jahreszeiten und Perspek­tiven vertraut und charakteristisch mit der Feder ge­schildert ist