Nr. 49

BADENER TAGBLATT

Freitag, den 25. Juni 1848

Der Sport am die Deutsdie Mark

Die Währungsreform hat sowohl die Sportvereine als auch die Anhänger vor große Sorgen gestellt. Der be­geisterte Sportanhänger fürchtet, daß er, zumindest in der nächsten Zeit, nicht mehr seinen Fußballplatz oder die anderen Sportarenen aufsuchen kann. Die Leidtragenden dieser Tatsache sind die Sportvereine. Am schnellsten dürfte sich der Fußballsport von der neugeschaffenen Situation erholen, denn die ge­tingen Eintrittsgelder werden die zahlreichen Anhän­ger wohl aufbringen können. Zahlreiche Fußballvereine haben sich bereits auf die neue Lage eingestellt und die Eintrittspreise auf ein Viertel der bisherigen Be­träge herabgesetzt, so daß man in Zukunft schon für 60 Pfennige den großen Spielen beiwohnen kann.

Ungelöst ist noch das Problem der bisher sehr ho-

Oer Sport vom Sonntag

Spiele um die Zonenmeisterschaft. 1. FC Kaiserslau­tern—SV Rastatt; Spvgg Neuendorf—Offenburger spgg-

Aufstiegsspiele zur Südbadischen Landesliga. Blau- Weiß Freiburg—SV Kuppenheim; SV Zunsweier—SV Weil a. Rhein : SV Werbungen-St. Georgen i. Schw.

Süddeutsche Oberliga. Stuttgarter Kickers—Schwaben Augsburg; SV Waldhof —Sportfr. Stuttgart ; Rot-Weiß Frankfurt—VfB Mannheim ; Eintr. Frankfurt —Bayern München ; VfB Stuttgart —Schweinfurt 05; 1. FC Nürn­berg-Viktoria Aschaffenburg; VfL Neckarau—Spvgg. Fürth ; Kickers Offenbach —1860 München ; Wacker München, TSG Ulm 46, FSV Frankfurt und VfB Mühl­burg sind spielfrei.

Freundschaftsspiele. SC Baden-Baden—VfB Knielin­gen; ASV Durlach —Hamburger SV ; Sportfest in Varn­halt. Teilnehmende Vereine: Bühl , Lichtenau , Scherz­ heim , Varnhalt, Vimbuch, Weitenung. Stollhofen, Lei­berstung.

hen Spesen. Hier fragt es sich zunächst, ob die Sport­ler genügend Idealismus besitzen, um auch für wenig Spesen strapaziöse Reisen zu unternehmen. Einen Be­weis für diesen Idealismus lieferten bereits die Mo­torsportler. Wie aus Karlsruhe verlautet, wird das Karlsruher Dreieckrennen am 11. Juli trotz aller Schwierigkeiten durchgeführt. Wie der Karlsruher Motorsportklub dieses Unternehmen finanzieren will, ist noch nicht bekannt. Er wird jedoch bei den vorgese­henen geringen Eintrittspreisen auf erhebliche Kredite angewiesen sein. Überhaupt scheint der Motorsport der größte Leidtragende der Währungsreform zu sein. Denn auf Grund der stark abzuwertenden Spesen wird es dem Motorsportler sehr schwer fallen, für das teure Material die notwendigen Gelder aufzubringen, zumal dann, wenn ihm die Unterstützung der Industrie fehlt.

Auch im Pferdesport wird man in Zukunft mit erheblich geringeren Summen rechnen müssen, wenn man den Wettbetrieb in der bisherigen Form aufrecht erhalten will. Es besteht die Absicht, neben einer fühl­baren Verminderung der Eintrittspreise die Wetten um 10 Prozent herabzusetzen. Allerdings besteht bei den Rennvereinen die Hoffnung, daß für die klassischen Rennen die bisherigen Einsätze bestehen bleiben kön­nen. Die deutschen Rennvereine wollen nach den nächsten Rennen zu Beginn des Monats Juli eine ein­heitliche Regelung treffen. Dazu wird aus Köln ge­meldet, daß die ersten Pferderennen auf der Köln- Merheimer Bahn nach der Währungsreform am 4. Juli durchgeführt werden. Die neuen Eintrittspreise betra­gen; Loge 3 Mark, Stehplatz */s Deutsche Mark. Das Kassenschild am Totalisator soll von 20 Mark auf 2,50 Deutsche Mark abgeändert werden.

Der Box- und Radsport wird zunächst einmal die zahlreichen Veranstaltungen auf wenige zugkräftige Kämpfe reduzieren müssen. Die Boxer haben mit einer starken Verminderung ihrer Börse zu rechnen, denn

Eintrittspreise von 50 bis 100 DM wird man kaum mehr verlangen können.

Die übrigen Sportarten, wie Leichtathletik, Turnen, Schwimmen usw., sind im allgemeinen abhängig von der finanziellen Entwicklung des Fußballsportes, da diese Sportarten vorwiegend einem Fußballverein an­geschlossen sind. .

Zusammenfassend ist zu sagen, daß der Sport keine wesentliche Einbuße durch die Währungsreform erlei­den wird. Einmal deshalb, weil die Eintrittspreise nie­drig gehalten werden und zum anderen, weil es sich kein Sportanhänger auf die Dauer nehmen läßt, Sonn­tag für Sonntag „auf den Platz“ zu gehen.

Olympische Spiele ohne Rußland

Der Meldetermin zur Teilnahme an den olympischen Spielen ist abgelaufen. Rußland hat bis zu dieser Frist kein olympisches Komitee gebildet und kann daher an den Londoner Spielen nicht teilnehmen Irland und Britisch Guayana haben ebenfalls der Einladung nicht Folge geleistet. Belgien und Italien haben als letzte Nationen ihre Teilnahme zugesagt. Aus Tel Aviv traf in letzter Minute noch ein Telegramm in London ein, in dem Palästina den Wunsch aussprach, an folgenden Disziplinen teilzunehmen; Leichtathletik, Basketball, Fußball, Hockey und Schwimmen.

Piofesfversammlang mit Laadlagsabgeordneten

In einem Freundschaftsspiel verlor am Dienstag eine Fußballelf des früheren Berliner Vereins Hertha BSC gegen den VfB Mühlburg mit 1:3 (0:2) Toren.

Vor dem Spiel protestierten rund 4 000 Zuschauer auf dem Mühlburger Sportplatz und forderten daß die Spvgg. Fürth den Antrag auf Ausschluß des VfB Mühlburg aus der süddeutschen Oberliga sowie die An­schuldigungen gegen Mühlburg zurücknfehme. Land­tagsabgeordneter Moeller erklärte im Verlauf der Ver­sammlung, daß er das Spiel am 13. Juni (Mühlburg ge­wann damals 3:2) selbst gesehen habe und es daher besser beurteilen könne als der Fürther Oberbürger­

meister. Nach einer Verlesung der Meldungen aus Fürth und Mühlburg sagte Moeller weiter, der Karls­ ruher Oberbürgermeister habe ihn zu der Erklärung ermächtigt, daß sich mit dem Streitfall zwischen bei­den Mannschaften weder der Oberbürgermeister von Fürth noch der von Karlsruhe zu befassen hätten. Der VfB Mühlburg sei in 36 Spielen der Oberliga stets fair gewesen und habe gezeigt, daß er nicht nur gewinnen, sondern gegebenenfalls auch anständig verlieren könne.

Keine Sommetsperre !

Der Leiter des württembergischen Fußballverbandes, Fritz Strobel (Stuttgart ) gab bekannt, daß die Som­mersperre im Fußball aufgehoben worden sei, um den Vereinen die Möglichkeit zu geben, neues Geld einzu­nehmen. Die vom l. Juli bis 15. August in Nordrhein- Westfalen vorgesehene Spielpause ist wieder aufge­hoben worden. Der Verband Niederrhein wird von ei­ner Fußballpause ebenfalls absehen.

*

Wieder Rudersport auf dem Bodensee . Auf der Ge­neralversammlung der Sportgemeinde Friedrichshafen wurde bekannt gegeben, daß mit Unterstützung der Militärregierung nunmehr auch der aktive Ruder- und Faltbootsport auf dem Bodensee wieder aufgenommen werden könne.

Wettervorhersage

Aussichten bis Wochenende: Meist heiter oder nur leicht bewölkt, überwiegend trocken, langsam fort­schreitende Erwärmung.

Verlag und Chefredaktion: Karl Heinz Lembke. Stell­vertretender Chefredakteur: Hermann Leopold Mayer. Politik und Wirtschaft: Erich Peter Feuilleton: Albert Wallat Sport u. Lokalteil Baden-Baden : Theo Kemper. Anschrift der Redaktion: Baden-Baden . Stefan!enstr 1. Telef. 6 2120 Druck: E. Koelblin K G Baden-Baden

AMTLICHE BEKANNTMACHUNGEN

Leb cnsmittel-Aufruf

1. Fleisch: (2. u. 3. Dekade) 11.—30. 6. 48. Karte E = 200 g auf Abschn. 14,

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Jgd. 2 - 275 g auf Abschn. 14, 15, 16, 17; 114, 115, 116, 117; 214; 215, 216, 217;

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2. Kaffee-Ersatz. (Monat Juni, 38. Zuteilung) Für Normalverbraucher. Karte E, Jgd. 2, Jgd. 1 — 100 g auf Abschn. 38. Schwerarbeiter Gruppe III — 100 g auf Abschn. I.

3. Eier: (Inhaber von Eierkarten 1948, sämtlicher Altersgruppen) 3 stück auf Abschn. 19, 20, 21 = je 1 Ei. Die Abgabe erfolgt auf Grund des Vorbe­stellabschnittes B.

4. Hülsenfrüchte: (Monat Juni) Für Normalverbraucher. Karte E, Jgd. 2, Jgd. 1 --- 800 g auf Abschn. 31; K2 — 550 g auf Abschn. 31. Schwerarbeiter­barte: Gruppe I — 250 g auf Abschn. „Sonderabschn. a“.

GOTTESDIENSTE

Stiftskirche: Sonntag, den 27. Juni 48. Hl. Messen: 6, 7, ! /<8, 10, 11 (Klo­sterkirche) 19.30 Andacht: 20.00. Peterund Paul: 6, 7, 8, ’/tlO, ‘/:12, 19.30. Andacht: 20.00.

Kloster v. hl. Grab. Sonntag: 8.30 Singmesse.

Evangelische Landeskirche. 5. Sonntag nach Trinitas, den 27. Juni 1948. Kollekte für allgemeine kirchliche Bedürfnisse und Gefangenenseelsorge. Altstadt. 9.30 Gottesdienst, Brandt; 11.00 Jugendgottesdienst; 15.00 Bi­belgemeinschaft. Lichtental : 9.30 Gottesdienst, Gussmann: 10.45 Ju­gendgottesdienst; 20 00 Bibelgemeinschaft. Weststadt: 8.00 Frühgottes­dienst, Boeckh, 10.00 Gottesdienst, Boeckh; 11.00 Jugendgottesdienst. Oos: 10.00 Gottesdienst. Keller: 11.00 Jugendgottesdienst. Sinzheim : 15.00 Gottesdienst, Keller. - Dienstag, den 29. Juni 1948, Weststadt: 20.10 Männerabend. - Mittwoch, den 30. Juni 1948, Altstadt : 20.00 Bibelstunde. Weststadt: 20.15 Bibelstunde. - Donnerstag, den 1. Juli 1948, Oos: 20 00 Bibelstunde. .

Evang. Gemeinschaft, Lichtentalerstr. 64. Sonntag, 27. 6. 19.30 Predigt- Gottesdienst, Pred. K Theurer.

Russische Kirche, Lichtentalerstr. 76. Samstag Abendgottesdienst um 18 Uhr. Sonntag Liturgie 10 Uhr.

Christuskapelle (Evangelische Stadtmission). Sonntag, den 27. Juni 10.00 Gottesdienst mit Predigt, Stadtmissionspfarrer Ippach, 11.00 Kindergottesd Lutherische Gemeinde. Sonntag 10.00 Gottesdienst i. d. Spitalkirche (Pf. Owsianowski).

Altkathol. Kirche, Gernsbacherstr. Sonntag 20.00 Abendmesse mit Pre-

Städtische Schlachthofdirektion. Am Samstag, den 26. 6. 1948, von 8 Uhr ab wird auf der Städtischen Freibank für die noch nicht belieferten Buch­staben A—M (neue Haushaltskarte) Fleisch ausgehauen. Bereits abgestem­pelte Haushaltskarten werden nicht beliefert und zurückgewiesen. Auf.digt und Austeilung der hl. Kommunion. „ ..

Anordnung des Ernährungsamtes müssen für 1 kg Fleisch 500 g Marken! Christi. Wissenschaft!. Vereinigung (Christian Science Society) Albrechl abgegeben werden. I Dürerstr. 4, Sonntag 10 Uhr, Gottesdienst, außerd jed Mittwoch abds 8 Uhr.

- 1 Adventsgemeinde, Langestr 55 Mittwoch — 20 00 Uhr Vortrag Frei

Das Wirtschaftsamt setzt am Montag, den 28. 6. 1948 die Ausgabe von ta g 20 Uhr: Gebetsstunde. Samstag 9 Uhr: Bibelschule: 10 Uhr: Predigt.

Textilpunkten fort. Aufgerufen sind Normalverbraucher über 20 Jahre. _I_____:-

Ausgegeben werden: 15 Textilpunkte abzüglich der 1947/48 bezogenen Waren.

Der Buchstabenaufruf wird wie folgt fortgesetzt: Montag, 28. 6. Buchstabe? FAMILIEN-ANZEIGEN Kom—Kz; Mittwoch, 30. 6. Buchst. L; Freitag, den 2. 7. Buchst. Maier, Meier Müller; Montag, 5. 7. Buchst. Ma—Mi; Mittwoch, 7. 7. Buchst. Mo—O; Frei- . Verlobungen: tag, 9. 7. Buchst. P—Q; Montag, 12. 7. Buchst. Ra—Ri; Mittwoch, 14. 7. Buchst.

Erstklassige Kräfte sofort gesucht: 1 Kellner, der fließ, franz. spricht: 1 Kellner (ohne fremdl. Sprache) Bedingung: gute Garderobe, ge­wandtes Auftreten, gute Umgangs­formen. langj. Erfahrung. - 2 Buf­fet-Damen (perfekt), l Zimmermäd­chen (erfahrenes), 2 weibl. Küehen- Helferinnen. Es wollen sich nur her­vorragende Kräfte melden. Hotel - j Restaurant - Konzert-Kaffee - Bier­keller. Hebeleck Lörrach/Baden an ! der Schweizergrenze. 25b-6-A

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Ro—Se; Freitag, 16. 7. Buchst. Si—Scha. Es wird noch einmal darauf auf- Elfriede Ferner — Helmuth Ernst. Ba- merksam gemacht, daß andere Antragsteller nicht bedient werden können. ? den-Baden , Jagdhausstr. 12, Rhein - Der aufgerufene Personenkreis wird gebeten, durch diszipliniertes Ver- Straße 232. 27. 6. 48. 5-124-s

halten zur raschen Abwicklung der Punktausgabe beizutragen. Anträge auf -

Schuhe können augenblicklich nicht entgegengenommen werden. ; Vermahlungen:

. Da s_Wirtschaftsamt_; k ui j Kreutz — Gerda Kreutz geh.

Baden-Baden , den 25. 6. 1948.

Rasierseifen-Aufruf. Das Wirtschaftsamt ruft ab Dienstag, den 29. Juni 1948 für jeden Bezugsberechtigten 1 Stück Rasierseife auf. Die Verkaufs-; stellen werden besonders darauf hingewiesen, daß Rasierseife nur gegen \ Vorlage der grünen Rasierseifenkarte abgegeben werden darf. Alte Rasier-1 seifenkarten 1347/43 (rosarot) sind verfallen und können nicht mehr zur Einlösung kommen. Nachzügler, die den Vorbestellabschnitt noch nicht ab­gegeben haben, können die Rasierseife nur in den nachstehend genannten Geschäften erhalten: Billmann C„ Lichtentalerstr. 17; Brillmayer N., Rhein­straße 11; Firnkeä Heb., Sinzheimerstr. 2; Friedmann H., Eichstr. 10; Küst- ner Jos., Lichtentalerstr. 32; Seifen-Knopf, Büttenstr. 1; Wengenmayr K., Langestr. 26. Die* Einzelhandgisgeschäfte haben die Rasierseifenkarten ge­bündelt zu je 100 Stück dem Wirtschaftsamt bis zum 31. August 1948 ab- zuliefern. - B,- Baden, den 29. Juni 1948. _Das Wirtschaftsamt

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Städt. Straßenbahn Baden-Baden . Mit dem Ablauf des 26. Juni 1948 verlieren die Vierfahrtenkarten, Schülerhefte und Fahrscheinhefte zu 12 Fahrten, die vor dem 20. Juni ds. Js. gelöst wurden, ferner die Monatskar­ten mit Ablauf des 30. Juni ihre Gültigkeit.

Ab 27. Juni 1943 gelten nur Fahrscheinhefte der Serie G, abgestempelte Schülerhefte und Vierfahrtenkarten ln grüner Ausführung. Fahrscheinhefte zu je 12 Fahrten und Vierfahrtenkarten sind bei den Schaffnern, Monats­karten und Fahrscheinhefte bei den bekannten Verkaufsstellen erhältlich.

. Stadtwerke Baden-Baden .

Veranstaltungen der Bäder- und Kurverwaltung Baden - Baden

Sonntag, den 27. Juni - „DAS VERSCHLOSSENE HAUS“ - Komödie ln drei Akten von Michael Harward. Kl. Theater (20—22 Uhr; 1—4.50 DM). Außer Miete.

Mittwoch, den 30. Juni - Klavierabend NICOLE HENRIOT, Solistin der Pa­riser Konservatoriumskonzerte. Werke von Brahms , Faurä, Chopin , Ravel Kl. Theater (21—23 Uhr).

Freitag*, den 2. Juli - „DAS VERSCHLOSSENE HAUS“ - Komödie in drei Akten von Michael Harward. Kl. Theater (20—22 Uhr; 1—4.50 DM). 14. Vor­stellung der Mietgruppe A und Freiverkaqf.

Samstag, den 3. Juli - „EINE FRAU AUS HEITREM HIMMEL“ - Lustspiel Operette in drei Akten von Werner E. Hintz. Kl. Theater (20—22.30 Uhr;

1—4.50 DM). Außer Miete!

Sonntag, den 4. Juli - „DAS VERSCHLOSSENE HAUS“ - Komödie in drei Akten von Michael Harward. Kl. Theater (20—22 Uhr: 1—1.50 DM). Außer Miete.

SINFONIE-KONZERT des Großen Orchesters des Südwestfunks Baden- Baden . Leitung: Rudolf Albert. Solist: Ulrich Grehling , Violine, Freiburg . Werke von Bartok , Bach und Barodine. Kurhaus, Gr. Bühnensaal (20.15 bis 22 Uhr; Für dieses Konzert beträgt der Eintrittspreis auf allen Plätzen 1 DM 1— zuzüglich Steuer).

Der Vorverkauf für den 27. Juni hat begonnen; Vorverkauf für den 30. Juni bis 4. Juli ab 27. Juni an der Kurhauskasse und der Kasse des Klei­nen Theaters.

August Schmidt

Arbeitsvermittler i. R. gestorben im Alter von 74 Jah­ren. Marta Schmidt geh. Fried­rich und Angehörige. Beerdi­gung Samstag, 26. 6. 48 11 Uhr auf dem Stadtfriedhof. 18-352-S

Nach einem arbeitsreichen Le­ben verschied nach langem schweren Leiden im Alter von 61 Jahren unsere liebe, gute Mütter

Berta Vogel, Wwe.

geh. Jung

Für die liebevolle Pflege den Ärzten und Schwestern des Städt. Krankenhauses ein herz­liches Vergelts Gott . In tiefem Leid: Alfred Vogel , Familie Reinheimer. Beerdigung: 26. 6. 48 vormittags 10.30 Uhr von der Friedhofkapelle aus. B.-Baden, 24. 6. 48, Herftiannstr. 5. 22-84-8

Der Herr über Leben und Tod hat in seiner Güte am 13. 6. 48 meinen treuen Lebenskamerad

Wilhelm Hartwie

von allem Erdenleid erlöst. In stiller Trauer: Käthe Hartwig. B.-Baden, Rheinstr. 25. 8-410-S

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Grauen und Glück

Roman von Max Uebelhör

3. Fortsetzung (Alle Rechte Vorbehalten)

Auf einmal aber schlugen sie einen von der Rich­tung nach Pantin sehr abweichenden Bogen und hingen und schoben jetzt einem schwachen, noch recht weit liegenden Schimmer zu. Wieder der Schrei eines Käuzchens, der Schimmer wurde stär­ker, in wenigen Minuten waren sie vor einem ein­sam hegenden Haus mit einer niederen, es umgür­tenden Backsteinmauer; es war jenes Haus, in dem Gestevide verschwunden war.

Man hörte das Winseln eines Hundes, das einzige Tor öffnete sich, der „Professor“ stand da; weit vorgebeugt stand die große, hagere Gestalt, und mit blinzelnden Augen.

„Ist’s der richtige?“ frug der „Professor“. „Natürlich ist’s der richtige. Der kleine Ca- loub . ..“

„Tragt ihn ins Laboratorium.“

„Wir denken nicht daran, Professor, oder haltet Ihr uns für Grünschnäbel? Erst Pinke, Pinke, oder wir fahren gleich wieder ab.“

„Pinke, Pinke! Pinke, Pinke!“ zischte die hagere Gestalt Wenn Ihr Halunken und Ungeziefer nur eine Ahnung hättet, Um was es sich hier handelt, umsonst würdet Ihr mir Nacht für Nacht die ganze Leichenhalle herbeischleppen, trotz Eurer Dumm- und Faulheit. Hier ist das Geld, möge es Euch spä­ter einmal den verdienten Strick bringen. Und punkt fünf Uhr seid Ihr mir wieder hier.“

„Schon gut, schon gut, Professor“, meinte Bebert, ■o höflich wie zuvor. „Leben und leben lassen —

oder wollt Ihr nicht auch so was mit Euren Ver­suchen? Nun, alles Glück!“

Während dieser Worte hatte Bebert sorgfältig die Geldscheine geprüft, jetzt pfiff er munter vor sich hin.

„Es stimmt, los, Jojo. Laden wir ab.“

Sie trugen das lange und schwere Paket in das einsame Haus. Sie trugen es in einen nach außen sehr dicht abgeblendeten und halb dunklen Raum, um es dort auf einen hohen und großen Tisch nie­derzulegen.

Neugierig musterten sie hierbei die Einrichtung des Raumes, um auf einmal zusammenzufahren — sie hatten einen unheimlichen Laut gehört, es war wie das Seufzen eines träumenden Kindes gewesen. Eilig verließen sie den Raum und das Haus, ver­folgt von dem spöttischen Gelächter des „Profes­sors.“

Man nannte Luc Horlak, der hier in diesem ein­samen Haus eine Klinifif für leichtere Verletzungen inne hatte, ganz allgemein nur den „Professor“; es war dies eine teils familiäre, teils etwas spöttische Bezeichnung, und hätte man gewußt, daß Luc Hor­lak einst nicht nur ein regelmäßiger Professor, son­dern auch das Mntglied berühmter gelehrter Ge­sellschaften und ein „Hoffnung“ der chirurgischen Welt Frankreichs gewesen war, dann hätte man gestaunt und gezweifelt.

Horlak hatte nun auch den großen Raum betreten. Der Arbeitsraum eines Chirurgen. Vor allem ausgerüstet für ein besonderes Fach, denn hier wa­ren alle Instrumente und Vorrichtungen, die zur Überführung des Blutes von einem in den anderen Körper dienen. Doch da waren noch Pumpen und kleine Motore, da war vor allem ein seltsames, um

den langen Tisch herum angebrachtes und mit blin­kenden Schienen funkelndes Gestänge, und wohl nur ein spezialisierter Fachmann oder auch ein Heilgymnastiker hätte den Zweck dieses seltsamen Gestänges erraten können: dem scheintoten Kör­per zur künstlichen und wieder dem Leben zufüh­renden Atmung zu verhelfen.

Neben dem langen Tisch aber stand noch ein nie­deres Gestell und auf diesem lag eine mit einem dunkeln Tuch bedeckte Masse. Unter diesem Tuch war der klagende Ton hervorgedrungen, der Bebert und seinen Helfershelfer in die Flucht gejagt hatte.

Horlak löste sorgfältig die Schnüre des Paketes, schlug das Wachstuch zurück und seufzte befrie­digt auf.

Es war ein kleiner Leichnam, der hier lag. Es war die kleine Josette des Schusters Simon, die vor we­nigen Stunden verstorben und nach der Leichen­halle überführt worden war.

Ein kläglicher, armseliger Kinderleichnam lag da, ein richtiger Armeleutleichnam mit dürren Ärm­chen und mageren Beinehen, ein von Unterernäh­rung und Vernachlässigung deutlich sprechender Leichnam, auf dessen ausgemergeltem Rumpf man auch deutlich die Spuren der Hundepeitsche sehen konnte, mit der dar Pflegevater der Josette, der Schuster Simon von den Lilas drüben, das Kind zu schlagen pflegte.

Ein hastig weggeworfenes Stückchen Mensch lag da, und derart eilig hatte man es gehabt, daß man nicht einmal die Augen der kleinen Toten geschlos­sen hatte; sie schien zu blinzeln.

Hier konnte Horlak in aller Ruhe arbeiten.

Niemand würde sich die Mühe geben, dies elende, tote Stückchen Mensch vor der Massenbeerdigung

noch zu untersuchen, am frühen Morgen würde es wieder in der Leichenhalle liegen, eine verlorene Nummer zwischen den anderen, unbeachteter und Unbesorgter denn je.

Oder sollte es diesmal doch anders kommen?

In den graugrünen Augen Horlaks glimmte es, es waren die Augen eines Fanatikers, eines Irren, oder beider Augen.

Ja, es sollte, es konnte auch anders kommen - . .

Vielleicht würde es diesmal doch gelingen, viel­leicht würde es mit dieser neuen Lösung gelingen, ach, wenn es nur endlich gelingen wollte!

Wenn er, hier in dieser trostlosen Gegend der verlachte „Professor“ und das kaum sein Leben fri­stende „Sägebein“, wenn er. den sie früher bewun­dert, dann bestaunt, verspottet und schließlich mit Schimpf und Schande aus ihren Kreisen gestoßen und ihm damit ein freies, ruhiges Forschen verun­möglicht hatten, wenn er über diese eingebildete Bande den Sieg davontragen würde, er, der seiner Forschungen wegen schon im Gefängnis gesessen war und der hier draußen ein so kümmerliches Le­ben führen mußte!

Wenn ihm gelingen würde, was ja doch einmal gelingen mußte, nämlich der erste, wenn auch nur teilweise Sieg über den Tod, über Freund Hein, nämlich die Wiederbelebung Toter!

Doch Horlak richtete sich auf, er hatte Schritte gehört, seine Nichte kam herunter. Es war in der Tat Zeit, es durfte nicht gezaudert werden, nur we­nige Stunden standen zur Verfügung, zur Wieder­belebung aber konnte es vieler bedürfen.

Die Türe ging auf, Marion trat ein, ein Mädchen von großer und beklemmender Schönheit.

(Fortsetzung folgt)

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