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BADISCHES TAGBLATT

Freitag, den 31. Dezember 1913

Fidelitas!

„Ich schwöre dem deutschen Vaterland und dem Lande Baden Treue*

De# Kampf um die Seele des badischen Volkes ftir den neuen Südweststaat „Rheinschwaben“ oder so, wird z. Zt. erst homöopathisch, kleinkalibrig ge­führt, aber es wird bereits gekämpft. Unser Volk selbst verhält sich souverän ablehnend. Man glaubt, trotzdem uns angestammten. Badenern — andere sind überhaupt nicht legitimiert hier zu votieren — Zutrauen zu sollen, daß wir stammesvergessen genug Sind, an unser badisches Heimatland selbst Hand zu legen, das doch so kerngesund, lebenstüchtig und festverwurzelt in der Geschichte auf eigenen Füßen Stand, steht und stehen wird, — wir sollen es in die Vergangenheit d. h. in die Vergessenheit und damit ins Wesenlose stoßen. Man glaubt, uns betören zu können zur Selbstaufgabe; wir sollen hörig werden auf der eigenen Scholle, wo wir Herr sind und, wo Os alle badischen Geschlechter vor uns waren, poli­tische Gelegenheitsmacher wollen Baden in eine Ehe mit Württemberg verführen — sie nennen es Zwar selbst nur eine „Vemunftehe“. Besser aber Würde sich die so warm angepriesene Gemeinschaft mit einer G.m.b.H. vergleichen lassen. Wer die mei­st«! Geschäftsanteile einbringt, verfügt auch über die des anderen und so wird der schwäbische Teil­haber Gebieter über das eingebrachte Land Baden werden, und dies von rechtswegen. Das erkennen hat mit Minderwertigkeitskomplexen gar nichts zu tun, sondern heißt logische Auswirkungen als solche voraussehen.

Das Wappen unserer badischen Landeshauptstadt trägt zwischen roten Feldern auf goldenem Grund die Devise der Badener: „Fidelitas“ — „Treue“. Ist dies nicht ein beschwörender Anruf in die reform­lüsterne Gegenwart? Sollte er nicht gerade jene, die einst im hohen oder höchsten Begierungsamt feier­lich ihre Treuepflicht zu Badens Land, Volk und Geschichte beschworen haben, mahnen und warnen: „Werdet nicht meineidig“! Mag sein, daß dieser Hinweis als romantische Vernebelung politischer Tatbestände abgetan werden möchte. Baden ist für den echten Badener aber durchaus kein romanti- •eher Begriff, sondern im Gegenteil eine Realität, und zwar eine absolute; es ist aber vor allem der Inbegriff all dessen, was die Menschen Heimat nen­nen und all unserer Pietät wert Deshalb stemmen Wir Badener uns aus Wirklichkeitssinn so entschlos­sen dagegen, daß unser Heimatland in einem poli­tischen Spiel gefährdet werde. Natürlich werden Be­fürworter eines „wirtschaftlich ausgelasteten Süd­weststaates“, zumal, wenn sie in unverfälscht rheini­schem Tonfall, also unbeschwert durch ein badi­sches Heimatbewußtsein, von der Warte einer Han­delskammer aus plädieren, sich durch solche Pietäts­rücksichten in ihren scharfsinnigen Deduktionen nicht beirren lassen. A propos, was heißt schon „ausgelasteter Südweststaat“ und welche überra­gende Bedeutung im- Lebenskampf des badischen oder des deutschen Volkes kommt denn diesem wirtschaftlichen Idealzustand praktisch überhaupt zu? Soll der neue Südweststaat etwa autark wer­den, Krieg, Wirtschaftskrieg führen, vielleicht gegen Bayern oder gegen die preußischen Traditionsstaa­ten? Ich denke, alles was von Deutschland übrig blieb, ist aufeinander angewiesen, eine wirtschaftli­che Einheit zu sein und dazu beizutragen, daß diese große Einheit „Deutschland " aus­gelastet ist; dies allein ist entscheidend.

Nun, immerhin, es klingt nach Sachkenntnis und Fachwissen, wenn im Rundfunk der erste Experte einer badischen Handelskammer den schwäbisch­badischen Bundesstaat als wirtschaftlich ausgela­stete Einheit empfiehlt. Uns machen solche wich­tigtuenden Fachmeinungen nicht irre, denn für uns unentwegte Badener ist Baden viel mehr, als ein Statistischer oder wirtschaftlicher oder politischer oder geographischer Einsatzwert, für uns ist dieses Baden ein ethischer Hochwert, es ist die Heimat, der nicht nur wir, die wir in der Zonenwirrnis leben, verschrieben sind, sondern die wir für die Badener in aller Welt in treuen Händen halten. Mag Roman­tik für den ■ Politiker und Staatsmann kein Agens sein, so wird Pietät ihm dies um so mehr sein müs­se», auf alle Fälle, wenn es um Heimat und Hei­matliche geht. Kein erfolgreicher Staatspolitiker, ja, kein kaltwägender Stratege hat je in seinen Er­folgsberechnungen die innere Verwurzelung der Menschen mit der Heimatscholle außer Acht gelas­sen, nicht aus Hang zur Romantik oder aus Pietäts­duselei, sondern in richtiger Einschätzung der Be­deutung jener Imponderabilien, die wir Ehre, Treue, Heimatliebe nennen. Immer erwiesen sich diese zuletzt stärker und sie werden sich auch künf­tig nachhaltiger erweisen als alle nüchternen Kal­kulationen sogenannter vorausschauender Köpfe. Die Devise der Badener ist kurz und klar und läßt keine Konzessionen zu: „Fidelitas“ — „Treue“! Wir werden weder badische Schwaben, noch schwäbi­sche Badener, noch Rheinschwaben, ' noch Grenz- Schwaben, sondern wir bleiben badisch, gelb und $ot und gelb mit dem Kampfruf: Fidelitas! Treue! Wir bleiben es im Herzen auch dann, wenn irgend «ine auf politischen Schleichwegen herbeigeführte «der erzwungene Konstellation uns zu Mußschwa­ben vergewaltigen würde. In einer Irredenta Bade- aiae Würde das alte Baden weiterleben und weiter­kämpfen um seine Erlösung und Freiheit!

Damit ist die wichtigste, die psychologische Sei­te des staatsreformerischen Verschmelzungsversuchs «ufgezeigt. Er könnte nur dann gelingen, wenn Ba­den und Schwaben sich in echter Fraternität zu- eammenschließen und zu einer Übereinstimmung des Charakters, der Sitten und der Gebräuche ge­langen könnten. Wer aber glaubt an dieses Wun­der? Gibt es so etwas wie stammeseigene Blutgrup­pen, so sind Badener und Schwaben ganz gewiß ag­glutinierend, wie der medizinische Ausdruck heißt, d. h. das Blut der einen würde das der anderen zum Gerinnen bringen, anstatt es zu erneuern. Ergebnis: der badische Stamm müßte an der schwäbischen Blutspende zu Grunde gehen.

Außerdem aber, wie könnte denn, dem Neubau Deutschlands gedient sein, wenn ausgerechnet der Gliedstaat verschwindet, von dem der ehern. Badi­sche Staatspräsident Dr. Willy Hellwach sagt: „Ba­den ist ein Jahrhundert lang eines der am besten regierten Kleinstaatsgebilde in Europa gewesen. Es hat einen Ruf weit über die deutschen Grenzen hin­aus als „Musterländle“ genossen, wie er Württem­ berg nie zuteil geworden ist.“

Die Reform Deutscnlands aber kann grundsätz­

lich nur in der Vorschau auf «ine europäische Neuordnung vollzogen werden. Dann aber geht es nicht mehr um größere öder kleinere innerdeutsche Staatsgebilde, sondern dann geht es nur noch um den Bund der Deutschen innerhalb der „Vereinig­ ten Staaten von Europa “.

Sicherlich mag der Zusammenschluß mit Würt­ temberg, . das parteipolitisch und konfessionell an­ders gegliedert ist als Baden, auch in badischen Kreisen Hoffnungen auf erwünschte Kräfteverschie­bungen wecken — die Sozialdemokraten Z. B. könn­ten in einem Gesamtstaat vielleicht die Vor­hand gegenüber der CDU. erwarten, die badischen Protestanten vielleicht eine Stärkung gegen­über dem katholischen Bevölkerungsteil. Ich beto­ne „vielleicht“, denn niemand kann künftige Ent­wicklungen voraussehen und so muß die Erfüllung von Hoffnungen stets zweifelhaft bleiben. Nicht zweifelhaft aber wäre, daß die Schwaben entspre­chend einer ihrer Wesenseigenschaften, weder ob der parteipolitischen Lebensanschauung noch ob konfessioneller Gebundenheit vergessen würden, daß sie Vor allem und Zwar 1., 2. und 3. Schwaben sind und deshalb zu politischer und konfessioneller Selbstverleugnung entschlossen, sobald es um schwäbische Interessen geht. Dieses Faktum müßte jede badisch-württembergiSche Gemeinschaftsarbeit zu Gunsten des schwäbischen Volksteils gegen den badischen auslasten. Dies hat die Praxis allenthalben bereits erwiesen.

Immer würden, wenn auch Keine stichhaltigen, so doch bestechende Argumente gefunden werden, um eine Verlagerung des Schwergewichtes, politisch,

kulturell, wissenschaftlieh, wirtschaftlich oder wie auch immer, mehr und mehr in die Schwabenmetro­pole Stuttgart oder in deren Einzugsgebiet zu for­dern. So könnten z. B. bessere verkehrspolitische Erschlossenheit oder die Nähe Badens an der fran­ zösischen Grenze willkommene Argumente hierfür abgeben; außerdem aber würde auch hier das Gesetz von der Anziehung der Massen zu Gunsten Schwa­ bens mit der Unerbittlichkeit eines Naturgesetzes gelten.

Unter dem Vorwand, einer rascheren Verschmel­zung der Stämme zu dienen, könnte durch geeignete Personalauslese der Tendenz „pro Schwaben “ Vor­schub geleistet, und zwar gerne Vorschub geleistet werden. Das reizvolle badische Musterländle wäre dann der schwäbischen Auslese, die zivilisatorisch noch jungfräulichen Gebiete der rauhen Alb und des hinterschwäbischen Granzlands aber wären den Badenern Vorbehalten.

Oh diese armen Irren, die da glauben, sich unge- krähkt an den größeren schwäbiscnen Tisch setzen zu können, die da glauben, es gehe für Württemberg bei dem neuen Staat Um etwas anderes, als aus­schließlich um die Chance über den Vorwand einer sog. staatspolitischen Notwendigkeit, sich das reiche, fleißige, reizvolle badische Ländle billig einverlei­ben zu können.

..Vor Gott und auf die heiligen Evangelien schwö- i re und verspreche ich, so wie es einem Bischof ge­ziemt, dem deutschen Vaterland und dem Lande Baden Treue“. So schwor der neue Erzbischof in feierlichem Eid. Badens Volk wird unbeirrt von allen parteipolitischen, konfessionellen, wirtschaftli­chen oder sonstigen Vorspiegelungen bei diesem Ver­sprechen Eidesheifer sein.

„Fidelitas“! — „Treue“!

Denn es geht um die Heimat, es geht um Baden.

Ein Bauländer

folgreichen Erziehungsstätte des Volkes machen wird. Die Schulreform darf nicht einseitig von der höheren Schule aus gesehen werden und muß den für die höhere Schule nicht Tauglichen einen ihrer Begabung entsprechenden Weg zeigen. Hierfür sol­len die Fachoberschulen ln Gestalt der Wirtschafts- Gewerbe- und Bauernoberschulen geschaffen wer­den, die ohne irgend eine Entwertung des Abiturs den entsprechenden Begabten von det Pike auf über die akademische Berufsausbildung zu leitenden Stellungen innerhalb seines Standes gelangen las­sen. In Baden besteht bereits die Wirtschaftsober­schule.

Auf der Grundlage der dreifachen sozialen, hu­manistischen und kulturellen Forderung ist ein Schulaufbau zu errichten, der möglichst einfach und durchsichtig bleiben soll. Eine sog. differenzier­te Einheitsschule ist als ein Widerspruch in sich abzulehnen; sie würde in den Schulaufbau eine grundsätzliche Unklarheit bringen und daher le­diglich ein Ungenügen vertuschen. Wenn ich eine

Schule zur Einheitsschule machen will, kann ich sie nicht zugleich differenzieren, d. h. wieder Unter­schiede machen, und zwar gerade an dem Gelenk- Stück (Ende der Grundschule), das den Angelpunkt der Einheitsschule bilden soll. Nur eine saubere Trennung nach Schulgattung entspricht den ver­schiedenartigen Anforderungen der Schulausbildung auf Grund der naturgegebenen Mannigfaltigkeit der Veranlagungen, Neigungen und Zielsetzungen, zu­gleich aus pädagogischen Gründen der Eigengesetz­lichkeit einer Schule nach Begabung.

Auch in einem scheinbar starren Schulsystem lassen sich alle Erfordernisse der Demokratisierung und Pädagogik verwirklichen. Zumal die einem ge­meinsamen Stamm entwachsenden Verästelungen und Verzweigungen dienen dem Zweck, der persön­lichen Begabung und Neigung in dem Maß gerecht zu werden, wie sich die Fähigkeiten eines Jugend­lichen offenbaren, entwickeln und daher zunehmend spezialisiere«. Diese Aufspaltung geschieht daher unter keinen Umständen nach sozialen Kategorien* nur nach den verschiedenen Fähigkeiten und Ent­wicklungsstufen. Beim Schulaufbau muß demnach in Rücksicht auf die allmählich einsetzende und mit der Zeit an Sicherheit gewinnende Orientierung zu­gleich die Möglichkeit einer Korrektur durch Über­gänge geschaffen werden; lediglich die Bewährung des Schülers nach Begabung und Fleiß ist Kriterium der Auslese. Auf diese Weise erfüllt sich der Sinn der Schulreform, jedem Kind die seiner Begabung entsprechende höchstmögliche Ausbildung zu ge­ben.

Zum gleichen Thema der Schulreform, äußert sich der Amerikaner Fred M. Hechinger im Hin­blick auf die im Besatzungsstatut enthaltenen Er­ziehungsgrundsätze, daß die Erziehungsabteilungen der alliierten Militärregierungen dann nur noch das „Recht“ haben, „helfend, beratend und anregend“ auf den Prozeß der Umerziehung der Deutschen einzuwirken. Es scheine möglich zu sein/ den demo­kratischen Deutschen bei der Erziehung einer neu­en Generation zu helfen, um die Instrumente der Demokratie zum Schutze freier Männer und Frauen einzusetzen. Das deutsche Schulwesen dürfe nicht „amerikanisiert“ oder auf Hgs Niveau der Schulen von „Kolonialvölkeon“ herabgedrückt werden. Aber es sei Recht und Pflicht, die demokratischen Deut­ schen vom Gift nazistischer und nationalistischer Unterdrückung, Legende und Unterricht zu be­freien.

Es mag scheinen, als ob Sie Darlegungen «es ame­rikanischen Journalisten Hechinger keine Beziehung zu der Denkschrift des badischen Kultusministeriums habe oder gar im Gegensatz zu ihr stände. In Wirk­lichkeit aber geht auch Hechinger an das Problem der Schulreform von derselben Ebene heran, von der aus die Freiburger Schulbehörde ihre Forderung nach der, heuen Schule erhebt. Wie das Freiburger Ministerium die Schule sozial neu gestaltet wissen will, so verlangt der Amerikaner Hechinger die Erneuerung des Schul­wesens in einer echten demokratischen Form, daß nicht wieder Haß, Neid und Rowdytum die Jugend vergifte, sondern daß die Ideale der Mensch­lichkeit in erster Linie in der Schule gepflegt werden müssen, wenn wir ernsthaft von einer Demokratisie­rung des Schulwesens sprechen wollen.

In diesem Sinne bedeutet die Denkschrift der badi­schen Schulbehörde eine von hohem Ernst getragene Diskussionsgrundlage für die geforderte Schulreform.

D. Redaktion

in den Ländern der britischen Zone insbesondere auf die künstlichen neugeschaffenen Länder- grenzen zurückzuführen, die durch die militä­rische Besetzung und ihre Zoneneinteilung ent­standen sind.

Diese klare und unmißverständliche Auslegung gerät nun aber bei Herrn Kaufmann in ein merkwürdiges Zwielicht, denn bekanntlich zählt dieser Politiker zu den Befürwortern eines Süd­weststaates, also eines Gebildes, das in keinem • Falle für sich in Anspruch nehmen könnte, na­türliche Greftzen zu besitzen oder gar innerhalb seiner Bevölkerung über ein lebendiges Zusam­mengehörigkeitsgefühl zu verfügen. In einer An­frage wurde Herr Kaufmann nicht cur auf diesen seltsamen Widerspruch hingewiesen, sondern aufgefordert, zu erklären, warum er zwar ener­gisch den föderalistischen Gedanken verfechte, aber gerade in der Frage der Vereinigung Würt­ temberg-Baden seinen Standpunkt verlasse und Anhänger des Stuttgarter , insbesondere von der SPD genährten Zentralismus sei.

Wer erwartet hatte, in der Antwort Herrn Kaufmanns die Quadratur dieses Zirkels vorge­führt zu bekommen, wurde enttäuscht. Dr. Kauf­mann zog es vor zu erklären, diese Frage Im Au­genblick nicht behandeln zu können und stürzte sich dafür umso heftiger auf andere in diesem Zusammenhang allerdings nicht interessierende Fragen. Keine Antwort ist auch eine Antwort — nur welche? Konnte Herr Kaufmann als Braut­werber über seine tiefsten Herzensgeheimnisse keine Auskunft geben oder hielt er seine zentra­listisch-föderalistische ■ Mixtur für zu schwach, um die ob der Stuttgarter Methoden zu Berge stehenden Haare festzukleben? Da er kurz zuvor bei einer scharfen Kritik der SPD sehr über­zeugend davon sprach, Männer müsse man mit Argumenten überzeugen, Hampelmänner könn­ten durch eine Schnur zur gewünschten Bewe­gung gebracht werden, kann man sein Schwel­gen wohl nur so deuten, daß er angesichts der Dürftigkeit der Argumente die für eine Vereini­gung der beiden Länder sprechen, sein Bonmot auch' für die Karlsruher Versammlung gelten heß und seine Zuhörer nicht mit abgegriffenen Schnüren in Bewegung zu setzen versuchte.

Freilich wäre auch bei aller Reverenz vor den Männern im jBonifatius-Saal in Karlsruhe ein­mal interessant gewesen, zu sehen, wie Herr Kaufmann Hampelmänner bewegt. Bis zur Stun­de nämlich hat man hier wenig Neues gesehen. Hat Herr Kaufmann einen besseren Mechanismus in der Tasche, wenn er ' für die württemberg­badische Hochzeit wirbt? Wir wären darauf ge­spannt, denn nach wie vor sind wir davon über­zeugt, daß die Argumente, die für die Wieder­herstellung des alten Landes Baden spreche«, besser ziehen, als alle Fäden, die die Stuttgarter Großraumpolitiker gesponnen haben und noch j spinnen werden. Daß das vielsagende Schweigen I Herrn Kaufmanns uns von dieser Überzeugung abgebracht hat, wird er selbst nicht glauben, pt.

Gleiche Chance für alle

Eine Denkschrift zur Schulreform and eine amerikanische Stellungnahme

FREIBURG — Das badische Kultusministerium hat als Grundlage für Sine Diskussion eine Denk­schrift über die vielerörtert« Schulreform hsraus- gegeben.

Die Demokratisierung des Schulwesens verlangt gleiche Chancen für alle, was aber nicht bedeuten kann, daß alle die gleiche Schulgattung durchlau­fen, sondern nur daß jeder ohne Rücksicht auf sei­ne soziale Lage die seiner Begabung entsprechende Schule besuchen kann. Dazu muß den Eltern durch Erziehungsbeihilfen aller derart geholfen werden, daß ihnen keine Auslagen für den Schulbesuch er­wachsen. Die Auswahl für die einzelnen Schulgat- tungen muß sich durch eine unparteiliche Prüfung vollziehen.

Das Bildungsgut unserer Schule entstammt dem Altertum, dem Christentum und dem Deutschtum. Der junge Deutsche soll durch dieses Bildungsgut dazu erzogen werden, vom Boden seiner Heimat aus ln die europäische Völkerfamilie hineinzuwach­sen. Unser gesamter Bildungsgehalt Ist in der Uni­versität lebendig, die nicht in ein Spezialistentum verfallen darf. Die Hochschulreife ist für die Be­sucher der höheren Schulen gesichert. Fraglich ist sie bei den Besuchern der Fachschulen, weil diese der beruflichen Sondergusbildung dienen. Sie müs­sen also ein ausreichendes Mindestmaß von Allge­meinwissen ‘vermitteln, zum Kernproblems wird der Ausbau der Volksschule, damit auch von ihr aus der Aufstieg zur Universität ermöglicht wird.

Alle Erziehung im Elternhaus und in der Schule Ist ln erster Linie Charakterbildung. Das Vermit­teln von Kenntnissen darf nicht Wie bisher die er­zieherische Aufgabe überwuchern. Es ist unmöglich, die Kinder zü selbständigem Denken zu erziehen, wenn die Klassen überfüllt sind. Eine Zahl von 70 Schülern auf 1 Lehrer, wie jetzt in der Volks­schule, ist eine Versündigung an der Jugend. Die Zahl muß auf 50 Schüler verringert werden.

Das Ministerium ist überzeugt, daß schon die Schaffung der materiellen Voraussetzungen für ei­nen gedeihlichen Unterricht an der Volksschule diese vom Ruf eines Sammelbeckens der sogenann­ten „Übriggebliebenen“ befreien und sie in Ver­bindung mit den Berufs- und Fachschulen zur er-

Im Rahmen eines sehr instruktiven Referates über aktuelle Verfassungsfragen beim Parlamen­tarischen Rat in Bonn bekannte sich der CDU - Abgeordnete Kaufmann vor einer Mitgliederver­sammlung der Karlsruher CDU Im Bonifatius- Saal energisch zu dem Prinzip des föderativen Bundesstaates. Er bezeichnete dabei die födera­listische Gestaltung des zukünftigen westdeut­schen Bundesstaates als die schlechthin entschei­dende Aufgabe, die den Abgeordneten des Par­lamentarischen Rates in Bonn gestellt ist. Dabei betonte er, daß interessanterweise in den Län­dern der britischen Zone kaum ein Landes­bewußtsein anzutreffen sei und daß die dortige CDU aus diesem Grund für die ihrer Grenzen und Ihrer Zugehörigkeit bewußten Abgeordneten der süddeutschen Länder nicht immer "das rechte Verständnis aufbringe. Nach Ansicht Herrn Kaufmanns ist das mangelnde Landesbewußtsein

Basisch» Chronik

Eberbach gründet eine Baugenossenschaft

MANNHEIM — Um neuen WohnraUm Zu schaffen, hat die Stadt Eberbach eine Baugenossenschaft mit Anteilen in Höhe von je 50 DM auf gemeinnütziger Grundlage gaschaffen. Durch Evakuierte, Ostvertrie­bene und sonstige Zugezogene hat sich die Einwohner­zahl seit 1939 auf 12 900 Einwohner verdoppelt.

Lederwerke Freudenberg wollen siedeln

WEINHEIM — Auf Initiative der Lederwerke Freu­denberg soll eine Siedlung für Werkangehörige und später auch für Bürger der Stadt Weinheim nach der in Mannheim bereits mit Erfolg angewendeten Schütt­betonbauweise errichtet werden. Die Firma wird sich mit größeren Darlehen an der raschen Durchführung des Siedlungsprojektes beteiligen.

Neue Omnibuslinie der MEG.

RASTATT — Am Donnerstag, den 30. 12. wurde eine neue Omnibuslinie der MEG., die von Rastatt Hbf. über MEG., Sandweier, Hügelsheim Und Iffezheim führt, feierlich eingeweiht.

Frau verbrannt

BÜHL — Eine 76 Jahre alte Frau kam in ihrer Woh­nung dem geheizten Ofen zu nahe. Dabei fingen ihre Kleider Feuer. Die Frau erlitt dabei so schwere Ver­letzungen, daß sie kurz nach Einlieferung ins BUhler Krankenhaus verstarb.

Einbrecherbande gefaßt

BÜHL Der BUhler Gendarmerie ist es gelungen, eine Einbrecherbande zu ermitteln, die in den letzten Wochen ln Baden-Baden , Sinzheim , Bühl , Ottersweier und Aohem 30—40 Kellereinbrüche ausführte. Bel den Dieben handelt es sich um Männer aus Karlsruhe , die den größten Teil der gestohlenen Sachen auf dem Schwarzen Markt absetzten

Wasserrohrbruch verursacht Verkehrsstockung

OFFENBURG — Ein Wasserrohrbruch am stadtbuk- kel bei der Kunstmühle verursachte eine größere Ver­kehrsstockung. Die Wassermassen hatten die Straßen unterspült, sodaß ein LKW, der die Straße befuhr, bis zu dem Aüfbau einbrach.

Freiet Geldverkehr

FRÜIBURO — Das Badische Ministerium für Finanzen weist auf die offenbar noch nicht allgemein bekannte Tatsache hin, daß die Beschränkungen des Geldverkehrs zwischen der französischen uhd der britisch-amerika­nischen Besatzungszone Deutschlands aufgehoben sind. Reisende deutscher Abstammung dürfen also heim Übertritt von der französischen in die Bizone oder um­gekehrt Banknoten und Kleingeld in jeder Menge mit sich führen.

Sonderbriefmarken der Stadt Freiburg FREIBURG

— Die Stadt Freiburg wird Sonderbrief- marken als Wohlfahrtszusatzmarken in den Werten von 1, I, 10 Und 20 Pfennigen herausbringen. Die Mar­ken zeigen Motive aus dem Stadtbild Freiburgs und sind von Professor Dietrich entworfen. Der Ertrag soll im wesentlichen für zusätzliche Wohlfahrtsausgaben und für den Siedlungsbau Verwendung finden.

Verstärkte Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche

FREIBÜRG — Das erzbischöfliche Ordinariat in Freiburg hat die staatlichen Maßnahmen zur Bekämp­fung der Maul- und Klauenseuche ln Baden durch die Anordnung ergänzt, daß in allen Pfarreien mit Filialen an Sonn- und Feiertagen der Gottesdienst in der Filialkirche abzuhalten ist, um eine weitere Verschlep­pung der Tierseuche zu verhindern. Wo diese Mög­lichkeit nicht gegeben ist, sollen die Gläubigen für die Dauer der Schutzmaßnahmen sich mit einer gemein­samen Andacht begnügen.

Berufsumschulung von Schwerbeschädigten

FREIBURG — Eine Arbeitstagung im Landesarbeits­amt Baden in Freiburg galt der BertlfsfUrsorge für Schwerbeschädigte. Günstige Ergebnisse wurden bis­her durch die Berufsumschulung von Schwerbeschä­digten erzielt, so haben blinde Stenotypisten und Te­lephonisten sich als voll leistungsfähig erwiesen. Die gemeinsamen Bemühungen der Behörden und betei­ligten Organisationen sind auf die Erweiterung dieser Berufsumschuiung gerichtet, bei der die schweizer Umschulungswerkstätten in Rheinfelden sowie der Handwerker-Umschulungslehrgang in Freiburg eine be­sondere Rolle spielen. Aus dem vorgetragenen Zahlen­material ist bemerkenswert, daß seit Kriegsende rund 10 000 Schwerbeschädigte einer Beschäftigung zugeführt werden konnten. Ein Rest von etwa' 800 Versehrten ' muß noch in den Arbeitsprozeß eingeschaltet werden.

Dreimal erfolglos gewählt

VILLINGEN — Der bisherige Bürgermeister vok Vil- lingen, Edwin Hagele, wurde nach dreimaliger erfolg- i loser Bürgermeisterwahl vom südbadischen Innenmini­sterium aüf zwei Jahre bis zum 31. Dezember 1950 zum kommissarischen Bürgermeister ernannt.

Eisenbahn will Friedrichshafener Zeppelinhaile erwerben

FRIEDRICHSHAFEN — Die Eisenbahn führt gegen­wärtig Verhandlungen wegen Ankaufs der ihr miet­weise überlassenen Zeppelinhaile, in der zur Zeit . Kleinlokomotiven aus der französischen Zone und der Bizone repariert Werden.

Theophil Kaufmann schweigt vielsagend . .