im Jahre zuvor. Die Geburtenziffer sank von 28,5 auf 27,1 pro 1000 Einwohner.
Bo« der Volksschule. Ostern 1914 wurden 803 Schulanfänger ausgenommen, und zivar 155 Knaben und 148 Mädchen. Ostern 1913 waren es 348 Kinder, mithin besteht ein Rückgang um 45 Änfänger.
sch. Eine Brockensammlung wie solche schon in vielen Städten besteht, soll nun auch in Offenbnrg zur Einführung kommen. Die etwas kuriose Bezeichnung hat bekanntlich die Bedeutung, daß jedermann Gelegenheit erhält, „Brocken " d. h. abgelegte Kleider, Schuhe, Bettzeug, Leibwäsche, oder was irgend sonst in einer Haushaltung entbehrlich ist oder in der Rumpelkammer zu Grunde ginge, an einen bestimmten Ort abzuliefern. In der Regel ist dies ein städtisches Äokal. Hier werden die Sachen ordnungsmäßig aufgestellt und auf Verlangen an Bedürftige, entweder umsonst oder gegen ganz geringe Vergütung, abgegeben. Es hat sich diese Einrichtung, wo sie recht geleitet wird, sehr nützlich erwiesen. Manche bedürftige Familie kam so wieder zu etwas Inventar und sonst Nötigem. Möge das Projekt auch hier seine segensreiche Wirkung üben.
Der Sammelort für die Brockeusammlung war im Pfründner- hanS vorgesehen. Da der Platz aber anderweitig gebraucht wird und der Burgerhof aus zwingenden Gründen nicht in Betracht kommen kann, muß ein anderes geeignetes städtisches Lokal gesucht werden. Vielleicht läßt sich im Feuerwehrhaus ein Platz schaffen? Es ist auch wünschenswert, daß sich dieser Raum abgesondert von für Wohnzwecke benützten Räumen befindet.
h. Verbotene Wege. — Automo bile dürfen den Weg nach Ortenberg entlang der Schwarzwaldbahn nicht benützen. Nun ist -aber ganz zweckwidrig die Verbottafel erst dort angebracht, wo der Abhang nach Süden beginnt, statt oben an der Ecke des Pbilosophen- weges und der Neuen Wilhelmstraße. Fremde Automobilisten fahren 4>aher meist bis zum Abhang, sehen wohl die Warnungstafel, können .aber dort nicht mehr umkebren und riskieren dann notgedrungen die Fabrt auf dem verbotenen Wege. Es sollte deshalb zum Schutze dieses sonst staubfreien Spazierweges die Verbottafel alsbald an den richtigen Platz versetzt werden.
Eine Erhöhung der Hundesteuer fordert der Gesetzentwurf, welcher am Donnerstag von der Justiz komm ission der 2. Kammer beraten worden ist. Es soll die jährliche Steuer in Gemeinden mit 4000 und weniger Einlvohnern von 8 auf 10 M, in den andern Gemeinden von 16 auf 20 M. erhöht werden. Dagegen sollen folgende Vergünstigungen eintreten. Die Anmeldefrist für das Steuerjahr vom 1. Juni ab bezieht sich künftig auf Hunde, die schon 3 Monate alt sind (bisher 6 Wochen); Hunde, welche erst zum Januar anmeldepflichtig werden, sind bis zum Schluß des Steuerjahres nur der h alben Steuer unterworfen. Ferner soll nur eine halbe Jahressteuer für jene Hunde entrichtet werden, welche „ausschließlich zur Bewachung eines abgelegenen Hofgutes oder eines ähnlich abgelegenen Gebäudes in einer Gemeinde von mehr als 4000 Einwohnern gehalten werden." Die Ermäßigung kann nur für einen Hund beansprucht werden. Steuerfrei sollen die Hunde bleiben, welche von Personen im Dienste des Staates oder der Gemeinden zu dienstlichen Zwecken Verwendung finden.
Der Berichterstatter, Abgeordneter Geck, welcher diese Vergünstigungen befürwortete und sie auch ausgedehnt wissen will auf Hunde, die zur gewerblichen Verwendung notwendig sind, beantragte die Ablehnung der Steuererhöhung. Mit 10 gegen 5 Stimmen beschloß deshalb die Kommission, die Regierung zu beauftragen, für die weitere Behandlung des Gesetzentwurfes statistisches Material darüber vorzulegen, welchen Einfluß diese Steuererleichterungen auf den Steuerausfall ausüben würden.
Offenburg als Kongrehort. Der Kreisfeuerwehrverband hält vier am Sonntag, den 26. April, nachmittags 2 l h Uhr, im Bürgersaal eine Delegiertenversammlung mit Neuwahl eines Kreisvor- sitzenden und dessen Stellvertreters, sowie geschäftlichen Mitteilungen als Gegenstände der Tagesordnung ab.
Einen seltenenHochgenutz bot der Kaufm. Verein einer zahlreichen Hörerschaft durch einen öffentlichen Bortrag des Großh. Hofschauspielers Wassermann, der in künstlerisch hochvollendeter Art das vom deutschen Kronprinzen beanstandete „Jahrhrmdertsestspiel" Gerhart Hauptmann's rezitierte. Das Werk, eine große Apotheose auf den Frieden ist eine meisterhaft dargestellte Schau jenes Zeitgeistes, der das „große Jahr" gebar. — Ein solcher Vortragskünstler wie Wassermann zog die Zuhörer ganz in den Bann der Dichtung und er begeisterte alle. Stürmischer Beifall besonderer Art galt wohl in erster Reihe dem Interpreten, nicht weniger aber dem Verfasser des Werkes. Nur Reaktionäre konnten nicht ganz befriedigt sein.
Eine interessante Straskammersitzung behandelte den Fall des Anstreichers Anton Bieser von Zell-Weierbach, der dem Goldarbeiter Heinrich lltilie, jetzt Privatier, von hier, nach und nach über 19 000 M. abgepreßt hatte, um sie mit seiner Geliebten — der ledigen Anna Falk aus Zell-Weierbach zu verjubeln und mit ihr gegen Amerika zu ziehen. — Auf Betreiben hiesiger Behörden wurde das Paar dort zurückgelviesen und Bieser lvurde in der teilweise geschlossen geführten Verhandlung — es handelte sich auch um weibliche Angelegenheiten — zu 2 Jahren Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt. Das Sprichwort utile cum dulci bewährte sich diesmal nicht.
Die Offenburger Jügdler. Seit 1. Februar l. Js. wurden u. a. nachstehenden Personen Jagdpässe ausgestellt:
1. Grundeigentümer, Jagdpächter und Jagdhüter: Georg Sammeth, Bierbrauereibesitzer, Josef Georg Behle, Elektrotechniker, Heinrich Krauth, Hoflieferant, Karl Held. Oberleutnant. Franz Dengler, Privat, Emil Huber, Stadtrat, Paul Schell, Fabrikant, Fritz Voelker, Prokurist, Heinrich Grafmüller, Prokurist, Hermann Krautinger, Forstmeister, Josef Netzer . Gipsermeister.
2. Gastschützen: Eduard Zix, Werkführer, Martin von Lueders- dorff, Major, Max Frank, Kaufmann, Gustav Naudascher, Lokomotivführer, Maximilian Echle, Zugmeister, Anton Schaub, Oberpostassistent,
Dr. Karl Jordan , Amtsrichter, Jakob Roß, Lokomotivführer, Kart Pfitzmayer, Wirt, Georg Jockers, Lokomotivführer, Josef Huschle, Blechnermeister, Karl Stegmaier, Bauwerkmeister, Gustav Florian, Hauptmann, Bruno Ewert, Major, Julius Heres, Hauptmann a. D., Xaver Otter, Automobilhändler. Josef Wacker, Privatier, Georg Elble, Lokomotivführer.
Ans der Umgebung. Dem „Offbr. Tageblatt" wird mitgeteilt, daß das Kalkwerk zu Niederschopfheim für 53000 M. an einen Freiburger Architekten überging. Der frühere Besitzer, Herr Frohwein, ist in Pforzheim ansäßig. — In Oberschopfheim brannten die Häuser des Karl Reifenschweiler und der Rufine Jäger Witwe vollständig nieder. Außerdem verbrannte noch die Scheune des ersteren, 2 Schweine kamen um.
Personalien. Versetzt: Landgerichtsrat B. Mornhinweg nach Karlsruhe ; Geometerkandidat R. Berlinghof zum hiesigen Bezirksgeometerbüro; Hilfslehrer Guido Werkmeister an die hiesige Handelsschule; Emil Ebner, Hilfslehrer an der Landw. Kreiswinterschule in Rastatt , als Unterlehrer nach Offenburg ; Josef Gaßmann. Unterlehrer in Offenburg als Hilfslehrer nach Paimar A. Tauberbischofsheim. — Zugewiesen: Handelslehrer Kandidat Karl Glatt der Mannheimer Handelsschule. — Ernannt: Herm. Mod er y zum Lokomotivführer. — Etatmäßig angestellt: Lokomotivheizer O. Herz und E. Haas.
Zum Professor der Oberrealschule Offenburg ist der bisherige Lehramtspraktikant Dr. M. Mäher aus Schwenningen ernannt worden.
Gerichtsassessor Theod. Schmidt ist für die Zeit vom 6. April bis mit 8. Mai zum Dienstverweser beim Amtsgericht Offenburg mit den Befugnissen eines Amtsrichters bestellt.
Hochbauamtsgebilfe Karl Kalfa ß wurde unterm 25. März zum Feuerschauer des 1. Feuerschaudistrikts des Amtsbezirks Offenburg, umfassend die Stadt Offenburg , ernannt und als solcher vorschriftsmäßig verpflichtet.
Verliehen: der Charakter als „Postsekretär" dem Oberpostassistenten Reinbold in Offenburg ; der Charakter als „Telegraphensekretär" dem Obertelegraphenasststenten Stöber in Offenburg ; der Titel „Oberpostassistent" den Postassistenten Göhringer und Harter in Offenburg . — Übertragen: die Verwaltung von Bürobeamtenstellen I. Klasse dem Postsekretär Emmenecker in Offenburg .
Rechtsanwalt Dr. David Günzbnrger, der in den Ruhestand trat, ist in der Liste der Rechtsanwälte gestrichen.
Baurat a. D. Gustav Dunzinger ist nach langem Leiden am Sonntag dahier gestorben. Als Leiter der Großh. Wasser- und Straßenbau-Inspektion verbrachte Herr Dunzinger eine lange Zeit seiner technischen Beamtung in unserer Stadt, von deren Bürgerschaft ihm die Stadtratswürde verliehen wurde. Für das Zustandekommen der städtischen Wasserleitung erwarb sich dieser technische Berater der Stadtverwaltung gebührende Anerkennung, wie er auch durch seinen freundlichen Verkehr mit jedermann eine Achtung und dauerndes Angedenken verdient.
Agnes Körner, Priorin des Zoffinger Klosters und Lehrinstituts starb dort am 18. April. Frau Agnes wurde am 4. September 1841 in Offenburg geboren und trat im 16. Lebensjahre in das Kloster ein.
Eheaufgebote.
Kübler Emil Börsig mit Paulina Doll, beide wohnhaft in Griesbach.
Taglöhner Josef Mai in Zell-Weierbach mit Annastasia Schnurr in Lauteubach.
Jngloffenes Schriewes.
Lieber Alter!
Die Umfassungsmauer des ehemals Heinrich Pfähler'schen Parkes befindet sich jetzt in einem solchen Stadium des Ruins, daß man glauben sollte, es bestehe keine Verwaltung des Vermächtnisses, aber auch keinerlei Schutz des Eigentums. Seit Monaten werden in boshafter, brutaler, übermütiger Art die Mauerplatten abgerissen, zur Erde geworfen oder gar entwendet. Dieser schändliche Anblick der ruinenhaften, 100 Meter langen Mauer soll aber noch jahrelang bis zum endlichen Bau des Landgerichtes die Ockenstraße verschandeln. Wahrlich, die Stiftung Pfählers zu Gunsten der Armen bildet in staatlicher Verwaltung so ein großes Abschreckungsmittel für Leute, die dem Staate eine milde Stiftung testieren wollen. Heinrich, wie unklug bist Du gewesen! kl.
Literatur.
Mein Heimatland. Badische Blätter für Volkskunde und ländliche Wohlfahrtspflege, Heimat- und Denkmalschutz. Im Aufträge des „Vereins Badische Heimat" herausgegeben von Dr. H. Flamm. Jährlich 6 Hefte mit zahlreichen Abbildungen. Bezugspreis 3 M. fürs Jahr, Einzelhefte 0,60 M. Verlag der G. Braunschen Hofbuchdruckerei in Karlsruhe i. B.
Inhalt des zweiten Heftes: Donaueichingen nach dem Brande von 1908, von Joseph Graf, Donaueschingen (17 Abb.j. Ausbildung und Fortbildung der badischen Bäuerin, von Nellie Mombert, Frei burg i. Br. — Zwei Volkslieder aus Aasen, von Ernst Fehrle , Heidel berg . — Vorspannen und andere Bolksbräuche, von Eugen Fehrle , Heidelberg <2 Abb.) — Stadtpfarrer Maximilian Wetzel fi, von I. Ebner- Bietingen. — Bücherbesprechungen. — Eingesandte Schriften.