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der doch bei der Demobilmachung in so ausgezeichneter Weise sich im Volksinteresse betätigt hatte.

Das Rätemitglied Jakob Hetze! in Bodersweier, ein Wagnermeister, der zwei Söhne im Krieg verlor, wurde zur Nachtzeit hinwegtransportiert. Auf Anordnung eines Obersten ließen zwei französische Reiter den kränklichen Mann zwischen ihren Rossen den Weg auf der Landstraße zweistündig bis Freistett abschreiten, wo dann Hetze! nach Mitternacht hilf­los über die Grenze in das Neutrale abgeschubt wurde. Von solchen Transporten erzählen uns die Alten aus der Jagd der Preußen auf Freischärler unserer Umgegend anno 1849.

Eine tröstende Nachricht überbrachte auch der Gast aus Bodersweier, woselbst die Blattern bisher im Hause einer Familie ihre Opfer forderten und von vier erkrankten Brüdern zwei dem Tode weihten, während aus Honau, Eckartsweier und Kehl ebenfalls Pockenerkrankungen gemeldet worden seien. Es haben nämlich die Franzosen mit großer Energie die Bekämpfung der drohenden Gefahr ausgenommen. Die Erkrankten wurden in Spitälern isoliert, die Häuser gründ­lich gereinigt. In Kehl dürfen zunächst nur zwei Gasthöfe dem Verkehr geöffnet sein. Die anderen werden gereinigt. Am 24. Februar werden dafür andere geöffnet. Der Verkehr auf der Straße ist zur Nachtzeit dort verboten. So will man der Verbreitung der Pocken, deren Ursache unbekannt ! blieb, wirkungsvoll begegnen.

Im Themistempel des Offenburger Ritterhauses hat die Not der Zeit in die alte Ordnung eingegriffen. Die Schwurgerichtssitzungen spielten sich nicht im Saale des hohen Hauses ab, der als Thingstätte der Volksrichter erbaut wurde. Wegen Ersparnis ,am Heizmaterial ist das Zimmer der Strafkammer zum Tagungsraum des großen Gerichts­hofes bestimmt worden. Hart im engen Raume stießen sich Menschen und Sachen. Bis nur die Zwölferjury unter­gebracht war neben den Herren des grünen Tisches, an welchem der Gerichtsschreiber und Staatsanwalt keinen Platz mehr fanden. Fast hätte man die Angeklagten mit ihren Schützern im Hausgange unterbringen müssen, wenn die Vertreter der Öffentlichkeit, die zumeist auch ein notwendiger Bestandteil des Schwurgerichtes bildet, nicht bescheiden zurück­getreten wären. Die „ungezogenen'' Herren Geschworenen füllten allein schon den Zuhörerraum aus. Wo wollte noch ein Dutzend abgefertigter Zeugen sich seßhaft niederlassen? — Item, unser Justizpalast hat standgehalten; es ging sogar ohne die Maschinengewehre des Nationalrates Emil Maier secundum legem et ordinem. Nur die Pocken in Eckarts­weier machten spartakistisch einen Strich durch die Tages­ordnung! Der Eckartsweierer Mordfall muß später ver­handelt werden.

Aus Frankreich traf die Botschaft ein. daß Leutnant der Reserve Paul Haueisen sich in der Gefangenschaft zu Richelieu im Flußgebiet der Loire wohlbefindet. Er gehört dem einzigen unter amerikanischer Aufsicht stehenden Offiziers­gefangenenlager an, woselbst sich auch der Griesheimer Nach­bar Franz Knapp , ebenfalls Reserveoffizier, in guter Behandlung befindet. Ein früherer Schüler unseres Gym­nasiums. der 24jährige Philologiestudent Franz Wilhelm Herp aus Waltersweier, ist am 21. August als Offizicrs- aspirant in der Schlacht gefallen. Herp war ein sehr talent­voller Schüler.

Offenburger Allerlei.

Kommunulverband Offbg.-Stadt. Die Fortsetzung des Verkaufs der billigen Socken an minderbemittelte Einwohner findet in den Geschäften am Montag und Dienstag statt. Am Montag werden noch Bezugsscheine abgegeben: es kann auch das Verzeichnis der Verkaufsstellen eingesehen werden.

Die Firrstenbilder. Der Arbeiterrat beantragte, daß aus den amtlichen Räumen der staatlichen und städtischen Verwaltungsgebäude die Bildnisse und Büsten der weiland regierenden Fürstlichkeiten ent­fernt werden sollen. Der Vorstand des Bezirksamts erklärte, daß er dazu der Ermächtigung der Regierung bedürfe, deren Eigentum die von ihr angebrachten Ausstattungen sind. Der Sladtrat Offenbnrg lehnte den Antrag rundweg ab. Indessen ist aber das große Bild des letzten Großherzoges, das auch unter dem alten System in dem gemütlichen „Zopf"-Zimmer des Rathanssaales recht stilwidrig sich spreizte, anläßlich der Sitzung des Arbeiterrats am Donnerstag aus dem Rahmen heraus- gcnommen worden. Des anderen Tages war es wieder am alten Platze.

Bezirksamt. An den Samstagnachmittagen bleiben die Dienst­räume des Bezirksamts Offenbnrg sowie des Kommunalverbandes Offenburg -Land für das Publikum geschloffen.

Der Arbeiterrat gibt am Sonntag in einer öffentlichen Ver­sammlung Rechenschaft über seine vierteljährige Tätigkeit. Hier können die Gegner der so viel verlästerten Institution ihre Kritik anbringen, insbesondere der Verfasser des Schimpfaitikels im .Ortenauer Tagblatt". Also, herunter mit dem Visier!

100 Mark Belohnung mindestens find von der hiesigen Staatsanwaltschaft ausgesetzt auf die Ermittlung der Verüber eines Totschlagsversuchs. Am 31. Januclb 1916, nachmittags etwa halb 6 Uhr, wurde in der Nähe der Straße Schutterwald—Hofweier, ungefähr 100 Meter von der Bahnlinie, der Oberjäger Fuchs von Höfen von vier Wilderern durch Gewehrschüsse schwer verletzt. Drei von den Tätern waren mit Militärmänteln und Hüten bekleidet, trugen Jnfanteriegewehre oder Karabiner, der andere, ein kleinerer, jüngerer Mann, hatte vermutlich ein Jagdgewehr bei sich. Dieser wurde von Fuchs durch einen Schrotschuß anscheinend stark augeschossen; er fiel mehrmals, rief um Hilfe und scheint nach Eintritt der Dunkelheit von den drei anderen fortgetragen worden zu sein.

Die Kriegsküche erstattete ihrer Kommisstou den Rechenschafts­bericht über Soll und Haben vom 1. Dezember 1917 bis 31. Dezem­ber 1918. Es ist ein befriedigendes Ergebnis zu verzeichnen. Trotz hoher Anschaffungskosten und teilweiser Übernahme einer Schuld aus alter Regie usw. beträgt die Unzulänglichkeit nur etwa 1000 M- für die Betriebszeit. In der Folge kann wahrscheinlich mit einem positiven Ergebnis gerechnet werden. Oberbürgermeister Hermann zollte der umsichtigen Leitung durch die Schwestern hohe Anerkennung. In den letzten Wochen war Sonntags kein Essen ausgegeben worden, um den Schwestern und dem Personal die nach schwerer Wochenarbeit dringend notwendige Sonntagsruhe zu gewähren. Man hoff«, daß durch Auf­hebung der Lazarette weiteres Personal frei werde, um dadurch die Ämntagsarbeit verteilen zu können. Durch die Speisung der elsäßischen Flüchtlinge ist z. Zt. die Essenausgabe auch Sonntags dringend nötig. Es soll nun, mit Ausnahme des ersten Sonntags im Monat, eine Sonntagsspeisung erfolgen, wie es in Lahr einge>ührt ist. Am Sonntag Abend wird kein Essen ausgegeben, über Menge und Güte des Gebotenen werden keinerlei Klagen laut. Die Verhältnisse drängen jedoch zu einer angemessenen Preiserhöhung. Das volle Mittagessen kostet 60 Pf., das Abendessen 50 Pf., halbe Portionen werden dementsprechend berechnet.

Die Verhandlungen des Schwurgerichtes sind wesentlich abgekürzt worden und verloren an Interesse durch die unmittelbare Schuld der Franzosen , welche einen großen Teil des Hanauerlandes besetzt haben. Am Mittwoch sollte der große Mordprozeß von Eckarts­weier zur -Aburteilung kommen. Nun ist die Znreise der von dort vor­geladenen Zeugen durch den Feind verhindert, so daß alle Strafandrohung wegen Nichterscheinens binsällig ist. Das angeklagte Ehepaar Walter, das schon fünf Monate in Untersuchungshaft sich befindet, muß nun seine Geduld bis zur Friedenszeit verlängern.

Ein Mjähriger Eisendreher, der nach kurzer Ausbildung im Heeresdienste in die hiesige Betriebswerkstätte beordert worden war, ist wegen versuchten Straßenraubs zu 18 Monaten Gefängnis ver­urteilt worden. Dieser Gustav Adolf Bührmann aus Derenburg (Harz ) versuchte am Abend des l0. November 1918 vahier bei der protestantischen Kirche dem Dienstmädchen Ehrler die Handtasche zu entreißen, wurde aber durch einen herbeieilenden Soldaten daran gehindert. Ec trug einen mit Platzpatronen geladenen Revolver bei sich. B. hatte seine Arbeitsstätte hier freiwillig verlassen und trieb sich in den letzten Tagen vor der Tat mittellos hier herum; er besaß bei Ausübung des Angriffs noch einige Pfennige.

Ihm folgte auf die Sünderbank die Pauline Matt, ein Dienst­mädchen aus Mühlenbach , die ihr uneheliches Kind gleich nach der Geburt im November vorigen Jahres tötete. Mit 26 Monaten Gefäng­nis ist die böse Mutter gebüßt worden.

Für beide Verhandlungen, die am Montag stattfanden, ist eine gemeinsame Geschworenenbank gebildet worden; Verteidiger waren die Rechtsanwälte Leonhard und Kornmayer.

Am Dienstag schloß die Tagesordnung ab mit der Verurteilung des 30jährigen Verwaltungssekretärs Jos. Hefner aus Weizen, der als Rechner des Furtwanger Landesgewerbeamtes eine Menge Geld mehr für sich verbrauchte, als sein Einkommen bemessen war. Er unter­schlug über 11000 Mark und fälschte die Bücher. Urteil: 20 Monate Gefängnis.

Vom Stadttheater. Unter den vielen Obdachsuchenden, welche die blinde Gewalt zur Waffenruhezeit aus ihren Sitzen aufscheuchte und über den Rheinstrom vertrieb, betraten die Jünger der dramatischen Kunst unter den ersten das rettende badische Ufer. Der Thespiskarren hielt zu Offenburg und Lahr an, recht geringe Habe ist den Schausvieleru auf der Flucht verblieben. Sie haben es gewagt, eine Bühne zu gründen auf den entweihten Brettern hier und an der Schütter. Das alte Heim ThaliaS im Dreikönigsaale, das jahrelang einem rauhen Heerlager diente, öffnete seine entweihten Pforten wieder der Pflege menschenfreundlicher Kunst. Bretter und Pfosten blieben aufgeschlagen, daS Volk erwartete ein Fest. Da hapert es noch mit der szenischen Ausstattung, eine Garderobe erhält der Schauspieler nicht auf Bezugs­scheine, großen Kassenvorrat birgt die gerettete Schatulle nicht, die Stücke der dramatischen Auslese können nur vorsichtig beschafft werden. Es fehlt und widerstrebt, wohin man sich nur wendet. Auch die mimi­schen Fächer rollengerecht zu besetzen, ist für eine auf der Flucht ber­einigte Notgemeinschaft nur lückenhaftes Zufallswerk. Doch die ihre» rechtsrheinischen Kontrakten gewaltsam entfremdeten Mimen entschlossen sich für eine waghalsige SchicksalSgenossenschast zu gleichgroßen Pflichten und Rechten. Stadttheater Offenburg —Lahr ist die Firma, die von den Schauspielern Barten und Schumann gezeichnet wird. Nun liegen Wochen der Einführung hinter uns. Die Wechselwirkung zwischen denen auf den Brettern und ihrem Gegenüber auf den Stühlen setzte gut ein, wennschon an anderen Kunstgenüssen hier es nicht mangelte, sogar ein zweites Theater und eine Spezialitätentruvpe magnetisch einsetzte. Was dem Stadttheater nützte, war der Besuch soldatischer