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Samstag, den 5. April 1947

Nummer 27

2. Jahrgang

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Ersdieinungstage Mittwoch uv^ Samstag - kiazet-

preis 20 Pf./ Monatsbezugspreis KM 1.60 einschließ­lich Trägerlohn, durch die Post bezogen RM 1 84. Anzeigen laut Tarif gegen Kennkartenausweis.

Herausgegeben vom Sozialistischen Verlag Freiburg G.m.b.H., Freiburg im Breisgau, Kaiser-Josepb-Straße 229, Fern­ruf Nr. 2816. Bankverbindungen: Deotsdie Bank, Filiale Freiburg ; Freiburger Gewerbebank e.G.m.b.H., Freiburg im Breisgau; Postscheck-Konto Ludwigshafen (Rhein ) Nr 29460 — Gerichtsstand für beide Teile Freiburg im Breisgau

und Ver­keilung: Bre.sgau

Die Christenheit der Welt feiert das Fest der Auferstehung. Jesus , Gottes Sohn, von den fana­tischen Gegnern seiner christlichen und sittlichen Lehren verspottet, gehaßt und an das Kreuz ge­schlagen, ist dem Grabe entstiegen und trium­phiert siegreich über seine Peiniger und die Ver­ächter seiner Glaubenslehre. Und diese Glaubens­lehre des großen Nazareners läßt sich in dem Worte: Menschentum! zusammenfassen.

Das Osterfest symbolisiert also den Sieg der hohen christlichen und sittlichen Grundsätze der Wahrheit und Menschenliebe. Vorüber ist die Karfreitagstrauer. Die Christenheit ver­leiht dem Osterfeste in freudigem Gebet und triumphalem Gesang dem Geiste Ausdruck, der die Seele bewegt und der das „Eis des Winters“ zum Schmelzen brachte ....

Das Fest der Auferstehung fällt in die Zeit, in der die erwachende Natur mit den Überresten des Winters kämpft Hin und her wogt der Kampf, und schließlich wird es doch wieder Frühling, Frühling in der Natur.

Zweitausend Jahre sind vergangen seit Chri­stus’ Kreuzes-Tod. Er hat den furchtbaren Mär­tyrertod für die Menschheit erlitten, für deren Erlösung aus materieller, geistiger und seelischer Not. Und das Ergebnis der zweitau­send Jahre? Nie ist die Entwicklung wirt­schaftlich, politisch und geistig stillgestanden. Fortlaufend und unerhört haben sich die Welten­bilder abgelöst. Aber immer noch warten gut­gesinnte kämpfende Menschen auf den Sieg der großen Menschheitsgedanken, von denen das Leben des großen Menschen- und Gottessohnes erfüllt war. Auch die Pharisäer, die Jesus aus dem Tempel, den sie entheiligten, hinaustrieb, sind in den zweitausend Jahren Menschheitsgeschichte nicht weniger geworden. Im Gegenteil! Zahlreicher sind die Menschen ge­worden, die nicht inneres seelisches Bedürfnis, - sondern- m at e r ie lle und politische Spekulation ' in die Tempel führt, die der seelischen Erbauung dienen. Und leider ist es in den zweitausend Jahren auch noch nicht gelungen, die geistlichen Träger der großen römisch-katholischen Kirche davon zu überzeugen, daß das Gotteshaus Scha­den leidet und an Ansehen verliert, wenn es in den Dienst einer wesensfremden, einer politisch - weltlichen Aufgabe gestellt wird. Es hat nie und wird nie eine berechtigte Begründung geben für den Gebrauch kirchlicher Autorität im Dienst einer einzigen Partei. Und zwar deshalb nicht, weil die Pflege und Freiheit religiöser Gedanken und Be-irfnisse nicht abhängig sind von dem Bestehen und der Stärke einer bestimmten politischen Partei, son­dern von der Erkenntnis, die in allen Par­teien mehr oder weniger stark Heimat hat, daß das Seelengut des Menschen in einem Kulturstaat unverletzlich sein muß und ist.

Jedes Jahr bringt uns Menschen einen neuen Frühling, den Frühling der Natur, der das Auge ergötzt und sättigt und Geist und Herz aus den Niederungen des Alltags zur aktiven Lebendigkeit erhebt. An die ziel bewußte aktive Lebendigkeit aller gutgesinnten Menschen im Kampf gegen die Fin­sternis der furchtbaren Vergangen­heit und um den Sieg einer lichtvol­len Zukunft appellieren wir. Unser Kampf gilt dem Sieg des

Völkerfrühlings des Sozialismus.

Das furchtbare Verbrechen des Nationalsozia­lismus und Militarismus hat Deutschland, Europa und der Welt die größte Katastrophe der Mensch­heitsgeschichte gebracht. Der Geist dieses Ver­brechertums ist, wie verschiedene charakteristi­sche Vorgänge zeigen, leider noch nicht tot. Aber er muß aussrerottet werden, wenn eine neue Ord­nung der Wahrheit, der Gerechtigkeit und des Friedens erfolgreich aufgebaut werden soll. Dazu muß jeder gutgesinnte Deutsche seinen bestmög­lichen Beitrag leisten. Es gibt nur einen e i n- z i g e n Weg, der aus den materiellen, geistigen und seelischen Trümmern führt und einen zwar sehr schwierigen, aber zuverlässigen Aufstieg ge­währleistet:

Es ist der Weg, den die Sozialdemokratie zeigt.

Diesen Weg haben bereits Millionen geistig und körperlich schaffender Menschen beschriften. Weitere Millionen müssen und werden folgen. Links von uns ist die Echtheit des Fundaments der Demokratie angesichts der Vorgänge im Osten angezweifelt. Rechts von uns haben alle Ele­mente, die sich politisch betätigen. Unterschlupf gesucht und gefunden, die unter Mißbrauch des Wortes „Sozialismus“ sich krampfhaft be­mühen. einer dem Untergang geweihten Staats­und Wirtschaftsordnung ein „soziales“ Mäntel­chen zu schneidern. Voller Unklarheiten und Widersnrüche ist die Politik der Badisch- Christlich-Sozialen Volkspartei und der Demo­kratischen Partei. Man weiß, daß die tiefsten Ursachen der Katastrophenpolitik der 12 Jahre in der kapitalistischen Wirtschaftsord­nung liegen. Aber weil man sich mehr oder welliger »1» ein Glied dieser Wirtschaftsord­

nung fühlt, findet man bestenfalls den Mut und die Kraft zu Halbheiten, die das Grundübel nicht beseitigen. Es werden mit vielen Worten, die dem harmlosen und zu wenig denkenden Menschen wie eine Zauberformel klingen, mit „wenn“ und „aber“ und Vorbehalten Mittel und Wege besprochen, die dem todkranken kapitalisti­ schen Wirtschaftskörper die Giftzähne neh­men sollen, um ihn wieder erträglich zu machen.

Für uns Sozial! sten ist die Sprache das Mittel, unseren Gedanken, die Geist und Herz bewegen, Ausdruck zu verleihen. Für viele maß­gebende Männer in den anderen Parteien scheint die Sprache das Mittel zu sein, die wahren Gedanken zu verbergen! ....

Ostern — Auferstehung!

Wir Sozialisten werden alle geistigen und seelischen Kräfte aufwenden, im Volke einen gut gesinnten kritischen und positiv fortschrittlichen Geist zu wecken. Wir werden dem Volk die volle Wahrheit sagen. Denn nur auf dem Boden der Wahrheit gedeiht der Samen, der die erlösende Frucht einer lebenswerten und friedlichen Zukunft zur Reife bringt. Und deshalb sind wir Sozialisten Feind eines jeden Versuches, mit unzulänglichen, untauglichen und unwahr­

haftigen Mitteln einen Gesellschaftszustand zu restaurieren, der Europa und die Welt im 19. und 20. Jahrhundert wiederholt in Katastrophen stürzte, denen viele Millionen der besten Deut­schen zum Opfer fielen und die jeden Kultur­aufstieg in Blut, Tränen und unerhörtem Elend erstickten. Die schwerste dieser Katastrophen soll und muß von der lebenden Generation und künftigen Generationen saniert werden. Eine un­erhörte Aufgabe, die nur mit grundlegend neuem Wollen und Geist gelöst werden kann. In diesem Kampf wollen wir Sozialisten Vorbild sein. So wie wir unseren Idealen in schwerster Stunde die Treue Welten.

„Wir deutschen Sozialdemokraten bekennen uns in dieser geschichtlichen Stunde feierlich zu den Grundsätzen der Menschlichkeit und der Gerechtigkeit, der Freiheit und des So­zialismus. Kein Ermächtigungsgesetz gibt ihnen die Macht, Ideen, die ewig und unzer­störbar sind, zu vernichten.“

So heißt es in der Erklärung der sozialdemokra­tischen Reichstagsfraktion, die der Abgeordnete Wels in der Sitzung vom 23. März 1933 zu Hitlers Ermächtigungsgesetz abgab. (Das Gesetz wurde bekanntlich gegen die Stimmen der sozial­demokratischen Reichstagsfraktion — die Kom-

Um Deutschlands politische Gestaltung

Das Problem der Ostgebiete zum ersten Mat angeschnitten — Geheimsitzung in Moskau

In der Sitzung des Viererrates vom 31. März, über die wir bereits in der letzten Nummer kurz berichteten, stand das Problem der deutschen Wirtschaftseinheit, die Frage der Reparationen UWi die des Industrieniveans zur Diskus­

sion.

General Marshall ging aus seiner bis jetzt gewahrten Reserve heraus und trat ganz klar für die Verwirklichung der deutschen Wirtschaftseinheit ent­sprechend den Potsdamer Beschlüssen und ohne andere Vorbedingungen ein. Er lehnte die von der UdSSR gestellte Vorbedingung bezüglich der Entnahme der Reparationen aus der laufenden Produktion kategorisch ab, ebenso die von Frank­ reich gestellte Bedingung bezüglich der aus­drücklichen Verpflichtung Deutschlands, in regelmäßigen Monatsraten Kohle zu liefern. Er erklärte im übrigen, daß er bereit sei, jede ver­nünftige Forderung zu prüfen, sofern man der Verwirklichung der Wirtschaftseinheit kein Hin­dernis in den Weg lege.

Er warf bei dieser Gelegenheit für die ge­samte deutsche Wirtschaft die Frage nach den landwirtschaftlichen Hilfsquellen, in den zur Zeit von Polen verwalteten Gebieten auf. Die Frage der Westgrenze Polens ist damit zum erstenmal offiziell auf der der­zeitigen Konferenz zur Sprache gekommen.

Anschließend ergriff B i d a u 11 das Wort. Ohne General Marshall direkt zu antworten, stellte er fest, daß wenn Frankreich die Frage der deut­schen Kohlenlieferungen mit der des Industrie­niveaus verbinde, es keineswegs zu feilschen suche: Es stelle lediglich fest, daß die beiden Pro­bleme unlösbar miteinander verbunden seien, da die Heraufsetzung des deutschen Produktions­niveaus notwendigerweise auch eine Steigerung seines Kohlenverbrauchs und demzufolge eine Verminderung der Lieferungsmöglichkeilen auf Reparationskonto bedeute.

Bevin seinerseits entwickelte die wirtschaft­lichen Grundsätze, die Großbritannen in der gegenwärigen Phase in Deutschland anzu­wenden für notwendig erachtet. Seine Rede war nichts weiter als eine erneute Betonung der be­reits bekannten Grundsätze, und ein Kommentar zu dem Memorandum, das er im Anschluß ver­teilen ließ. Bevin stellte für die Wirtschaftsein­heit vier Grundsätze auf:

1. Bewegungsfreiheit für Personen und Waren und Gedankenfreiheit.

2. Ausgleich der Ein- und Ausfuhren.

3. Aufteilung der Besatzungunkosten auf die vier Besatzungsmächte.

4 . Schaffung von zentralen Verwaltungsbehör­den mit Exekutivvollmachten.

Der britische Minister sprach sich erneut gegen die Viererkontrolle des Ruhrgebiets und gegen die Annullierung des Fusions­abkommens der britischen und amerikani­ schen Zone ans.

Er brachte nochmals seine Zustimmung zu der wirtschaftlichen Angliederung des Saargebiets an Frankreich zum Ausdruck, machte jedoch iedoch einen Vorbehalt bezüglich der Grenzen des Saargebiets. Er blieb bei seiner Ablehnung jeder formellen Verpflichtung Deutschlands, Kohlen liefern zu müssen, selbst wenn solche Verpflichtungen nicht vertraglich auferlegt seien- Er versicherte Frankreich im übrigen seines gu­ten Willens und gab der Hoffnung Ausdruck, daß man zu einer Regelung zwischen Frankreich und England gelangen werde, so daß Frankreich

seine Bedingung in bezug auf die Festsetzung des Industrieniveaus für Deutschland fallen lassen könne.

Außenminister M ol o t o w sprach als letzter. Molotow wandte sich gegen die englisch­amerikanischen Argumentationen hinsichtlich der sowjetischen Reparationsentnahmen aus der laufenden Produktion

Molotow erklärte, die Sowjetunion sei bereit, an der Ausarbeitung eines vernünftigen Im- und Erportplanes teilzunehmen, der eine Erhöhung de r Produktion in sich trage, die Entnahmen für Reparationszwecke ermögliche, abgesehen von der Erweiterung der Exporte, die einen Konten­ausgleich herbeiführen sollen. Darüber hinaus soll in einem solchen Plan die Erhöhung der Importe berücksichtigt werden, um der deut­schen Bevölkerung einen vernünftigen und menschlichen Lebensstandard zu gewährleisten. Er versicherte, die Sowjetunion sei bereit, mit allen erdenklichen Mitteln die Bemühungen um Erhöhung der deutschen Lebensmittelsätze zu unterstützen.

Molotow seinerseits trat entschlossen gegen die Anregung General Marshalls, in die deutsche Wirtschaftseinheit auch die östlich der Oder gelegenen und von Polen annek­tierten Gebiete einznbeziehen, ein: „Das Ist“, sagte er, „eine endgültig geregelte Frage, die nichts mit der Wirtschaftseinheit Deusch- lands zu tun hat."

Die Sitzung war, insgesamt gesehen, eine ein­fache Wiederholung der bereits bekannten The­sen, ohne daß man von einer wesentlichen An­näherung der jeweiligen Standpunkte hätte spre­chen können.

Gerade diese Tatsache, daß man in entschei­denden Punkten zu keiner Einigung kommen konnte, erklärt die vertrauliche Sitzung der vier Außenminister vom 1. April. Uber diese Sitzung wurde der Presse lediglich ein lakonisches Kom­munique übergeben, das besagt, es sei lediglich die Frage der Steigerung des deutschen Indu- strieniveaus und die der Reparationen geprüft worden und das mit den Worten schließt: „Es wurde kein Beschluß gefaßt." In Delegations­kreisen wurde die Lage nach dieser Sitzung im ganzen pessimistisch beurteilt.

In der Sitzung vom 2. April befaßte sich der Viererrat mit der Frage der zukünftigen politischen Gestaltung Deutsch­lands. Bevin legte einen detaillierten Plan für einen etappenweisen Aufbau des neuen deut­schen Staatswesens vor. Er sieht die Errichtung einheitlicher Verwaltungsstellen vor, die Schaf­fung eines deutschen politischen Beirats, die Wahl eines vorläufigen Reichsparlamentes und die Einsetzung einer vorläufigen Reichsregierung. Georges B i d au 11 erklärte sich in manchen Punkten mit dem englischen Vorschlag einver­standen, betonte jedoch noch einmal, daß ent­sprechend den früheren deutschen Vorschlägen zuerst die wirtschaftliche Einheit Deutschlands herzustellen und die Frage der deutschen Gren­zen zu klären sei, bevor die politische Verfas­sung in einer so weitgeheden Form gereoelt wer­den könne, wie es der englische Vorschlag vor­sehe. Marshall sprach den Wunsch aus, daß bei der Errichtung eines deutschen Beirats dessen Beschlüsse vom Kontrollrat nicht mehr mit Ein- stimmiokeit bestätigt werden sollten, sondern daß dafür die Mehrheit aenügen müsse, ein Vor­schlag, der von Molotow scharf widerspro­chen wurde. Auch auf dieser Sitzung wurde kein Beschluß gefaßt

munisten waren durch einen Gewaltakt Hitlers bereits vom Reichstag ausgeschlossen — angenom­men.)

Nein! Sie haben uns verfolgt, gehetzt, gefoltert, dem Hunger preisgegeben, sie haben viele Tau­sende unserer Besten in den Gefängnissen, Zucht­häusern und KZ-Lagern ermordet, aber sie haben uns nicht den Glauben an die Wahrheit und Sieghaftigkeit unse­rer Ideen nehmen können. Und die an­dern? Nicht alle haben die gleiche klare Haltung eingenommen und bewahrt wie die Sozialisten. Die Tatsache der erbärmlichen Verlo­genheit der offiziellen Nazi Politik konnte keinem Wachen und Aufmerksamen verborgen bleiben. Ebensowenig die Katastrophen­politik, die bewußt zum zweiten Welt­krieg steuerte. Weshalb konnten und wollten die weltlichen und kirchlichen Vertreter eines großen Teiles des deutschen Volkes diese Tat­sache nicht sehen? Wir werden auf die Frage kaum eine befriedigende Antwort erhaben.

Aber ein solches Spiel der politischen Unwahrhaftigkeit darf sich nicht wieder­holen. Diese Wege führen, wie die jüngste Ge­schichte unseres unglücklichen Landes beweist, in den Abgrund.

Wir rufen daher am Auferstehungsfeste alle ehr­lichen und gutgesinnten Frauen und Männer der Wissenschaft, der öffentlichen Verwaltung, der Wirtschaft, des Handwerks, der Landwirtschaft, alle geistig und körperlich arbeitenden Menschen auf, der Sozialdemokratischen Partei beizutreten und damit die Kraft des Kampfes für ein neues Vaterland demokratischer Gerechtigkeit und Freiheit zu verstärken und zu ver­vielfachen. Wir rufen die Jugend, die Hoffnung unserer Zukunft. Kommt zu uns! In unseren Reihen findet ihr die sorgsame Pflege eines Glaubens und Ideals, die als geistiges und seelisches Rüstzeug unentbehrlich sind für die schwer«, Lebenskämpfe. In unseren Reihen findet ihr den ehrlichen Willen und die notwendige Energie zur politischen und sittlichen Wahrhaftig­keit. Es sind die hohen christlichen und sittlichen Menschheitsgrundsätze der größten Männer des 18. und 19. Jahrhunderts, die in dem Gedanken der Sozialdemokratie ihren lebendigen Ausdruck finden.

Christentum und Sozialismus sind keine Gegensätze. Christus, dessen Sieg über seine weltlichen Widersacher das Osterfest symbolisiert, war der Anwalt der Armen und Be­dürftigen. Die Sozialdemokratie ist seit vielen Jahrzehnten der Anwalt der Schaffenden in Stadt und Land. Die Katastrophe des Nazi-Regimes hat den Kampf der Sozialdemokratie in ein ent­scheidendes Stadium gerückt. Diesen Kampf wird jedermann mitkämpfen, der politisch denkt und in dessen Brust ein menschliches Gewissen schlägt.

Ergreift Partei, Frauen und Männer des Geistes und der Faust! Für oder wider! Ent­scheidet euch! Wir Sozialisten wissen, daß der Sieg des

Völkerfrühlings

nur das Ergebnis eines mit großer geistiger und seelischer Kraft geführten Kampfes auf bewußt politischer Grundlage sein kann.

F. Geiler.

Letzte Meldungen

Eine gemischte amerikanisch-englische Kom­mission wird in den nächsten Wochen die Er­nährungslage im Ruhrgebiet untersuchen.

In England wird nach Ostern mit der Umbil­dung der Regierung gerechnet. Der bisherige Außenminister Bevin soll das Wirtschafts­ministerium übernehmen, während Sir Stafford C r i p p s Bevins Nachfolger im Außenministe­rium werden soll.

In München wurden sämtliche Fenster­scheiben der israelitischen Hilfsstelle eingewor­fen.

Der sowjetische Botschafter in Athen , Alexander Rodianow, wird die griechische Hauptstadt mit dem gesamten Personal der Bot­schaft verlassen. Rodianow, der am 28. Januar nach fünfmonatiger Abwesenheit auf seinen Po­sten zurückgekehrt war, hat den griechischen Außenminister am Mittwoch um Gewährung der Ausreisevisa gebeten.

Eine 24stündige Arbeitsniederlegung im Ruhr­ gebiet als Protest gegen die Ernährungslage im Ruhrgebiet wurde am Mittwoch einstimmig auf der Revierkonferenz des Verbandes Bergbau beschlossen. Die Gewerkschaftskonferenz nahm ebenfalls einstimmig eine Entschließung an, in der es u. a. heißt, daß entgegen allen Zusiche­rungen, die in den vergangenen Wochen und Mo­naten gemacht wurden, sich die Emährungslaga der arbeitenden Bevölkerung des Ruhrgebietes von Tag zu Tag verschlechtert und sich zur Er­nährungskatastrophe ausgewirkt habe. Zu dem schon seit Monaten andauernden Brotmangel sei nun noch das vollständige Fehlen von Kartoffeln, Nährmitteln und Fett hinzugekommen.