Das letzte Sternchen fehlte

Kriminalttovaiie von Binar af HJdrdisson

zimmer, nichts, — keine Spur blieb zurück. Vollkommen ruhig zog er den Reiseanzug an, den seine Frau über den Stuhl gehängt hatte. Die Uhr schlug halb acht, als er den Wagen startete ...

Sehern vom Schiff aus schrieb er den ersten Brief an Freunde und Bekannte. Bs war ein Glück, daß seine Frau immer mit der Schreib­maschine geschrieben hatte; denn Schrift nach­zuahmen war sehr schwierig; so konnte er sich mit ihrer Unterschrift begnügen. Frau Aases kurzer, etwas trockener Stil war gut ge­troffen; niemand würde etwas merken.

In Buenos Aires fühlte er sich endlich frei. Frei von der Frau, die er zwar nicht gehaßt, die ihn aber grenzenlos gereizt hatte. Nie wieder würde er nach Norwegen zurückkeh­ren! Er hatte das „vollkommene“ Verbrechen begangen! Keiner würde merken, daß Frau Aase nicht mehr lebte; die Briefe würden nach und nach aufhören, die alten Verbindungen Einschlafen. In einem Jahre wollte er das Haus

Der Fall Dr. Martisson ereignete sich 1928 in Oslo ; er füllte tagelang die Spalten der Zei­tungen, und als das Todesurteil gesprochen wurde, schüttelten viele Leute nachdenklich den Kopf und sagten: „Das vollkommene Ver­brechen gibt es also nicht, — es fehlt immer das letzte Sternchen . . . .“

Es begann damit, daß Dr. Rutger Martisson, einer der bekanntesten Frauenärzte Norwegens , von einem südamerikanischen Ärztekollegium aufgefordert wurde,. in Argentinien eine Reihe von Vorträgen zu halten. Dr. Martisson sagte v ja“ und es wurde beschlossen, daß er zusam­men mit seiner Frau Aase von Bergen aus mit dem Schiff nach Buenos Aires fahren sollte.

Es war am Vorabend der Abreise, besser ge­sagt, es war gegen fünf Uhr nachmittags; das Doktorehepaar wollte mit dem Auto die Nacht durchfahren, um das Schiff in Bergen am näch­sten Tage zu erreichen. Doktor Martisson liebte es, nachts zu fahren. Man stand in der Halle des großen Hauses und nahm Abschied. „Ihr seid aber Weihnachten wieder zurück, nicht wahr?“ „Ja“, sagte Frau Aase, „auf mich könnt ihr euch verlassen!“ Noch einmal Händedrücken, hoch einmal Winken, — dann war das Ehe­paar allein.

„Es ist alles fertig gepackt, Rutger, Du brauchst Dich um nichts zu kümmern.“ Frau Aase sah ihren Mann mit mütterlichem Blick an. Er war so unselbständig; sie hatte immer alles machen müssen; er lebte nur seiner Wis­senschaft. Er würde wohl nie richtig nach Süd­ amerika kommen, wenn sie nicht für alles sor­gen würde. „Geh jetzt hinauf, Rutger, und zieh dich um für die Fahrt. Der Reiseanzug hängt über dem Bügel im Badezimmer.“

Dr. Martisson sagte nichts, sondern ging die Treppe hinauf. Wenige Minuten später rief er aus dem Badezimmer: „Aase, komm doch bitte mal herauf, mir ist ein Malheur passiert.“

Als Frau Aase ins Badezimmer kam, stand ihr Mann über den Rand der Badewanne ge­beugt. Er hatte sich ausgezogen, Anzug und Unterzeug lagen unordentlich über einem Stuhl;

Dr. Martisson hatte einen alten Bademantel an, der an den Ärmeln schon ausgefranst war.

„Aber Rutger, was machst du denn? Wo hast du denn den alten Bademantel plötzlich Oer? Ich dachte, den hättest du schon lange einem Lumpensammler gegeben.“ Frau Aase lachte, aber Dr. Martisson sagte nichts. Er deu­tete nur aufgeregt auf das Abflußrohr der Badewanne: „Mein Trauring ist mir vom Fin­ger gerutscht und in das Rohr gefallen. Ich . __ . _ . .• . .. „ . . . _ ,

bann ihn sehen, er liegt ganz oben? aber meine £erner Ernst Deutsch sowie die Österreicher Paul Finger sind zu dick; ich kann ihn nicht heraus­holen. Probier du es doch einmal!“

Aase Martisson bückte sich tief über die Wanne; sie konnte nicht sehen, wie ihr Mann ein kurzes dickes Bleirohr aus der Tasche des Bademantels zog. Er schlug zu, dreimal, hart and exakt. Sie war sofort tot . . .

Dr. Martisson handelte ruhig und beherrscht, als stände er kn Operationssaal. Er legte ein paar Lagen Zeitungspapier auf den Kachel­boden, packte eine Tasche mit chirurgischen Instrumenten aus und begann die Leiche der Frau mit ärztlicher Genauigkeit zu sezieren.

,.. E ? ^ areQ . künf verschiedene Pakete, sorg­fältig in Zeitungspapier eingeschlagen, die Dr.

Martisson kl den Keller hinabtrug. Er mußte dreimal gehen, ehe er alles beisammen hatte.

Im KeHer hatte er schon alles vorbereitet.

Handwerkszeug stand bereit, eine Hacke, ein Spaten und ein Eimer. In den letzten Wochen war «r öfter im Keller gewesen. Er hatte sei- ner Frau gesagt, daß er die Absicht habe, npbea de» Gemüsekeller noch extra einen Weinkeöer auszubauen; und es mache ihm ^odsn selbst auszuschachten. Auf ffiese Weise motivierte er das Vorhandensein vön Schaufel und Öacke.

Ales ging wie vorausberechnet. Dr. Mar- ß^ohgrub die Pakete in den vorbereiteten Kellerboden, glättete die Erde aus und streute Kohlenstaub darüber. Er sah sich sorgfältig Skn, sein, er hatte keine Spur hinterlassen.

Dann verbrannte er den Bademantel, der ein paar Blutflecken abbekommen hatte, und das Zeitungspapier im Ofen der Zentralheizung.

Br wusch sorgfältig die Kacheln im Bade­

verkauf an, ki einem Jahre; dann fand man keine Spur mehr im Keller . . .

Am zweiten Tage seiner Ankunft in Buenos Aires erhielt er einen Brief, d. h. der Brief war an gerne Frau adressiert. Er kam von einer Baufirma in Oslo , datiert vom 10. August, also drei Tage nach seiner Abreise von Bergen. Der Brief lautete:

„Sehr geehrte Frau Dr. Martisson! Wunsch­gemäß haben wir heute den Schlüssel zu ihrer Villa in Empfang genommen, um morgen mit den vorbereitenden Arbeiten beginnen zu kön­nen. Sie können gewiß sein, daß wir alles wunschgemäß ausführen werden, so daß der Weinkeller so rechtzeitig fertig sein wird, daß Sie ihn Ihrem Herrn Gemahl als Weihnachts­geschenk übergeben können. Für Ausschach­tung und Zementierung des Kellerraumes ver­anschlagen wir die Summe von 140 Kronen. Wir beginnen mit dem Kellerboden neben dem Gemüsekeller . . .“ Dann folgten Name und Adresse der Baufirma.

.wir beginnen mit dem Kellerboden ne­ben dem Gemüsekeller!“ Es gab kein Ent­rinnen; das letzte Sternchen im Mosaik des „vollkommenen Verbrechens“ fehlte!

Berechtigte Übersetzung aus dem Norwegischen .

Kulturelles aus aller Welt

Das Ausland ehrt'Goethe

In einem fleuyorker Verlag erschien zum Goethe­jahr ein von Thomas Mann eingeleiteter Auswahl­band aus Goethes Werken in englischer Übertragung unter dem Titel „The Permanent Goethe“. — Die englische Goethe-Gesellschaft hat ein umfangreiches Programm für die Feiern zu Goethes 200. Geburtstag festgelegt. Neben Aufführungen goethescher Werke und zahlreichen Konzerten in London und anderen Städten wird im August in der Landeshauptstadt" ein internationaler Goetheforscherkongreß stattflnden.

Nene Konzertreisen Walter Giesekings

Der Pianist Walter Gieseking begann eine Konzert­reise durch Frankreich und die USA . Der Vertrag ist vorläufig auf 100 Tage begrenzt.

Aus dem Theaterleben

El Darmstadt wurde die Tragikomödie „Klage sö­gen Unbekannt“ von George Neveux erstaufgelührt, deren Uraufführung in Paris zu den bedeutendsten Theaterereignissen der letzten Jahre gehörte.

Am 31. Januar wird das Junge Theater in Stuttgart seine Pforten schließen, nachdem die Verhandlungen mit einer Auffang-Gesellschaft gescheitert sind.

In Koblenz wurde die Volksbühne Rheinland-Pfalz gegründet; in der Gründungsversammlung wurde auch eine Besucherorganisation für die Volksbühne vorgeschlagen.

Im Rahmen des,, Exports von Kunstleistungen*, wird der deutsche Schauspieler Erich P o n t o Ende Januar nach London fliegen, um dort an den Atelieraufnah­men für den FUm „Der dritte Mann “ mitzuwirken. Ponto wird in dem Film, der eine internationale Besetzung aufweist, einen englischsprechenden deut­schen Arzt darstellen. Neben ihm wirken u. a. die Italienerin Allda Vaili, der Amerikaner Orson Wells ,

Hörbiger, Fritz Imhoff und Anni Rosar mit.

Aus der Welt dfeg Films

Bis Ende 1948 wurden insgesamt 38 deutsche Nach- kriegsfllme fertiggestellt; 13 Spielfilme sind zur Zeit in Arbeit. Seit Kriegsende wurden im ganzen 70 deutsche Filmgesellschaften lizenziert, davon durch dl* britische Militärregierung 33, die amerikanische 25, die französische 10 und die sowjetische zwei Ge­sellschaften.

Helmut K ä u t n e r, der eigenwilligste deutsche Filmregisseur, hat jetzt eine eigene Produktions- gesellschaft gebildet, die seinen Namen trägt und sich auf die Produktion von ihm selbst inszenierter Filme beschränkt. Die „Camera-Filmproduktion", von der Käutner sich im freundschaftlichen Einvernehmen getrennt hat, wird von seinen bisherigen Teilhabern Helmut Beck und Joachim Matthes unter neuer Li­zenz weitergeführt.

Einen außergewöhnlichen Publikumserfolg hatte der DEFA-Film „Affäre Blu m“, der einen Justizskandal aus den zwanziger Jahren dieses Jahr­hunderts in Magdeburg behandelt. Bereits nach zehntägiger Laufzeit in einem einzigen Berliner Kino hatten 30 000 Besucher den Film gesehen. — Ebenso fand der DEFA-Film .und wie­

der 4 8“ das Interesse, das sein zeitnahes Thema verdient.

Richard Eichberg , der vor einer Reihe von Jahren den „Tiger von Eschnapur“ und „Das in­dische Grabmal“ (mit La Jana ) inszenierte, ist jetzt aus Neuyork in München eingetroffen, wo er im Frühjahr einen großen musikalischen Farbfilm drehen wird, während die Außenaufnahmen in Frankreich , der Schweiz und Italien gemacht wer­den sollen.

Else Heims , die Witwe Max Reinhardts , wirtet in einem Film über das Leben ihres Mannes mit. Der Hollywooder Produzent des Films ist ihr Sohn Gottfried Reinhardt .

Der italienische Film „F a h r r a d d i e b e“, der ausschließlich mit Laien hergestellt wurde, hatte dank seiner außerordentlichen Echtheit einen sen­sationellen Erfolg.

Maurice Chevalier wurde für die Hauptrolle des Films „Der König“ nach einem Bühnenstück verpflichtet.

Nobelpreise für deutsche Forscher

Die deutschen Forscher Prof. Dr. Adolf Butenandt , Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Biochemie in Tübingen , Prof. Dr. Richard Kuhn , Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Chemie in Heidelberg , werden auf Grund ihrer Arbeiten auf dem Gebiete der Hormon- und Vitaminforschung den Nobelpreis für Chemie erhalten.

Hoffentlich schlägt sie die rechte Stunde!

Die auf dem Gebiet der Atomforschung arbeitenden Dienststellen der amerikanischen Regierung können einen ersten Erfolg ihrer Bestrebungen nach einer Verwendung der Atomenergie für friedliche Zwecke verbuchen; sie haben eine „Atomuhr“ konstruiert, die in 24 Stunden nur eine Hundertstel Sekunde vor- oder nachgeht.

Eine uralte Uhr

Die groß* Uhr des Mainzer Domes wurde jetzt 200 Jahre alt; sie wird seit vielen Jahren täglich von einem Mainzer Uhrmacher aufgezogen, da sich eine 1927 eingebaute elektrische Anlage nicht bewährt hat.

Protest gegen Furtwänglers Amerikatournee

Gegen das von Wilhelm Furtwöngler geplante Gast­spiel in den USA hat neben anderen Künstlern auch die Sopranistin der Metropolitan Opera , Lilli Pons, unter Hinweis auf Furtwäbglers Verhalten während des Krieges protestiert.

Blick in die Welt

Dreieinhalb Hektoliter Blut abgegeben

In Frankfurt am Main wohnt ein Ifann, dar einen Weltrekord ganz ungewöhnlic her. Art hält; denn niemand kann, wie Herr wwheim Klein, von sich behaupten, für andere Men­schen die unglaublich große Menge von 330 Liter Blut abgegeben zu haben. Der Achtung- vierzigjährige hat bei nicht weniger ochs. Transfusionen als Blutspender mitgewirkt. Als Träger der Blutgruppe „0“, die für jede Blutart verwendbar ist, ist er hauptberuflich als Blutspender tätig. Monat für Monat Stern sich Wilhelm Klein für zehn Übertragung«» zur Verfügung

Der wandelnde Turm

Der größte Mensch, der jemals gelebt bak der Isländer Johan Peturssön, ist aus seine« Heimatstadt Reykjavik soeben in London em- getroffen, wo er eine Varietetournee durch EU- ropa beginnen will. Peturssön ist 2.72 Metef groß und übertrifft damit noch den bisherigen Rekord des Amerikaners Robert Pershing au« Manistee im Staate Michigan , der es „nur auf 2.70 Meter gebracht hat. Bei seiner unerreich­ten „Gipfelhöhe“ ist Johan Peturssön 160 Kilo­gramm schwer. Er hat Hutnummer 72, Schuh» große 63 und benötigt zu einem Anzug genafc sieben Meter Stoff. Auf Reisen schläft der „wandelnde Turm“, wie er in seiner Heimast genannt wird, stets in zwei hintereinander» stehenden Betten. Die Beschaffung dieser un­gewöhnlichen Schlafmöglichkeit iist ihm ver­traglich zugesichert. Der größte Riese aller Zeiten ist 22 Jahre alt und trägt sich mit Hei­ratsabsichten. Seine Braut soH von normalen# Wuchs sein.

Die schlimmsten Ruhestörer

In einem von der britischen Regierung vew. anlaßten Bericht über Ruhestörungen werde» Kleinkinder, Wasserhähne und äas Radio atz die schlimmsten Ruhestörer bezeichnet. Dar Bericht stützt sich auf Untersuchungen, dttz 49 Engländerinnen ln 50 englischen Städten in über 2000 Wohnungen und Häusern vorgenom­men haben. Es wurde festgestellt, daß die Babies als Lärmquelle vor allem zwischen Mit­ternacht bis zur fünften Morgenstunde in Frage kämen. Von 5 bis 8 Uhr morgens seien die Wasserhähne an der Reihe. Den größten Teil des Tages aber, etwa von 8 bis 22 Uhr, wirke das Radio als Ruhestörer.

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AJlgäuer Sieg ten Gauvergleichs-Springen

In Oberstdorf kam ein Gauvergleichsspringen zum Austrag, an dem sich die Skigaue Chiemgau, München , Oberland, Werdenfels und Allgäu betei­ligten. Der Veranstaltung wohnten über 10 000 Zu­schauer bei, die trotz heftigen Schneetreibens guten Sport geboten bekamen, von fünf beteiligten Springern jeden Gaues wurden vier als Mannschaft gewertet. Es siegte der Gau Allgäu mit der Note 810 vor Werdenfels mit 743, Chiemgau . M ü n c he n und Oberland. Mit Sepp Weiltr (59 und 67 Meter, Note 220,5) und Heini Klopfer, beide Oberstdorf , stellte der Allgäu auch die beiden Ersten in der Einzelwertung.

Aufstieg zur Oberliga in zwei Gruppen

An den Spielen um den Aufstieg zur Süd­deutschen Oberliga nehmen die beiden Ersten jeder Landesliga (Baden, Württemberg , Bayern und Hessen ) in zwei Gruppen teil. Die erste Gruppe umfaßt: Bayern I , Hessen I, Baden H, Württemberg H. In der zweiten Gruppe spielen: Baden I, Württemberg I, Hes­sen II und Bayern II. Die beiden Gruppenmeister steigen auf. Der Beginn der Spiele ist für den 15. Mai vorgesehen

FC Turin Halbzeitmeister in Italien

Am vergangenen Donnerstag (Dreikönig) wurde die Vorrunde der italienischen Fußballmei­sterschaft abgeschlossen. Dabei büßte der Spitzenreiter FC TurininPalermo einen Punkt ein, so daß sein Vorsprung nun auf einen Punkt zu­sammengeschmolzen ist. L u c c a , das seine Krise überwunden zu haben scheint, nimmt nun wieder die zweite Stelle ein, gefolgt von Internationale Mailand und Sampdoria. Erst im Mittelfeld istJuventusTurinzu finden, das in der letzten Meisterschaft der große Widersacher des Lokalrivalen war, auch Bologna ist in seiner Gesellschaft, während Lazio Rom sogar im letzten Viertel der Tabelle steht.

Nach den ersten Spielen der Rückrunde hat sich das Bild vom zweiten Tabellenplatz an geändert. Genua , das in Padua 0:0 spielte, nimmt nun den zweiten Rang hinter dem gegen Pro Patria erfolg­reichen FC Turin ein. L u cc a ist um mehrere

ta Triest beide

Die Zensur erhebt ihre Häupter

Einige groteske Fälle aus aller Herren Ländern

In politischen Dingen läßt man eine Zensur poch hingehen, — aber in moralischen? Pfui, das riecht nach Prüderie und Zeigefinger und far nicht nach Fortschritt. Trotzdem drängt |ie sich an hundert Stellen eifernd hervor, mal keck, mal in einer einzelnen Person, mal in jemandem, hinter dem eine Organisation steht, in deren Namen er mit entrüstetem Augenauf- schlag spricht. Häufig, gefährlich häufig hat sie Erfolg. Machen wir einen kleinen Spaziergang durch die letzten Monate; er lohnt sich, er ist Sogar komisch, sofern einem das Lächeln nicht .«ergeht.

In München , das allmählich die Haupt­stadt der deutschen Unduldsamkeit zu werden Verspricht, galt die Fehde Karl Schönherrs altem „Weibsteufel“. Da die Theatertruppe das flicht eben unerotische Stüde auch noch im Kolpinghaus spielen wollte, trat nicht nur der Bischof Johannes Neuhäusler , Experte im Mo- talkrieg seit seinem Kreuzzug gegen den Film »Der Apfel ist ab“, zürnend auf den Plan, iondem' zugleich der katholische-Kolpingverein A$S Hausbesitzer. Es wurde ein glorreicher Sieg.

ln der österreichischen Stadt Linz ging es Dem Schriftsteller Robert Gruen an den Kra­gen, und zwar wegen seines Buches mit dem Vielversprechenden Titel „Madonnen, Hexen, Göttinnen“. Der Einzelrichter warf ihm grobe Verletzung der Sittlichkeit und Erregung öffentlichen Ärgernisses — das man so leicht fifganisieren kann! — vor, verdonnerte ihn zu fgrti Monaten Arrest «nA — verbot Aas Bucht

Erstaunlich, was in Österreich ein Einzelrichter vermag!

In der Schweiz hatte eine nicht genannt sein wollende Dame den Roman „Tropique du Capricome“ des tatsächlich recht frei schrei­benden Amerikaners Henry Miller nicht nur aufmerksam durchgelesen, sondern auch an­stößig gefunden. Deshalb war sie zum nächsten Polizeiposten gelaufen, um ihm das zu sagen. So einfach ist das in der Schweiz . Wenn die Nachricht stimmt, wurde daraus ein Verbot der Werke Millers und eine peinliche Durch­suchung der Buchhandlungen, die sie verkauf­ten. Die Buchhandlungen erhielten kurzerhand den Befehl, Millers Werke nicht mehr nachzu­bestellen.

In Holland , so heißt es, sei die Auffüh­rung von Ibsens „Dreieck“-Dramen undenkbar. Auch dort darf Karl Schönherrs „Weibsteufel“ nicht auf die Bühne, und politische Stücke mit Selbstmord sind ganz ausgeschlossen.

Italien geht noch einen Schritt weiter und liefert den besten Anschauungsunterricht, wo­hin die Engherzigkeit der Zensur führen kann, nämlich ins Absurde, ins Gigantisch-Lächer­liche. Nicht nur, daß von der Regierung Bücher verboten worden sind, die anerkanntermaßen zur Weltliteratur gehören, z. B. Flauberts „Madame Bovary “, sondern es machen sich superpuritanische Tendenzen gegenüber alten Meisterwerken der bildenden Künste bemerk­bar: Alle der Öffentlichkeit zugänglichen Dar­stellungen nackter Körper sollen — es ist kaum glaublich — bekleidet werden — ohhe Rücksicht darauf, wer sie geschaffen hat und in welchem Geiste sie geschaffen wurden. Auch die berühmtesten Gemälde sollen übermalt rerds». Hofteotkeh scheitert die Aktion an der

zu erwartenden Uneinigkeit darüber, welcher Mode jeweils der Vorzug zu geben sei. Apollo als Bersagliere oder Venus mit New Look — warum nicht?

In den USA will Leo McCarey seit zwei Jahren einen Adam- und Eva-Film drehen. Ebensolange verhandelt er nun schon mit der „Sittlichkeitsliga“ über das schwerwiegende Problem, wie man die ersten Menschen kleiden solle. Feigenblätter, selbst in übernatürlicher Ausdehnung, wurden radikal abgelehnt, und auch eine — wie uns dünkt, etwas unhistorische — Negerschürze stieß auf Widerspruch. Wie leicht hatten es seinerzeit die paradiesischen Originale! Sie bestimmten selbst, was Sittlich­keit war; allerdings ist ihnen das Fehlen einer Zensur recht schlecht bekommen; sie wurden sozusagen die ersten Heimatvertriebenen.

Auch Argentinien hat es mit der Moral. Die Stadtverwaltung von Buenos Aires verbot eine lange Reihe ausländischer Bücher, die, ins Spanische übersetzt, gute Erfolge gehabt hatten. Unter den unerwünschten Autoren befinden sich immerhin Balzac , James Joyce , Octave Mirabeau und Kathleen Winsor . Man erwägt den Gedanken, ob die beschlagnahmten Be­stände einen fröhlich lodernden Scheiterhaufen abgeben könnten.

Aber ob Scheiterhaufen oder nicht: ein Ver­bot hat dieselbe Wurzel, nämlich die der In­toleranz. Die Bevormundung erwachsener Men­schen aus politischen oder gar moralischen Gründen ist in jedem Falle eine Einengung; sie erschwert die geistige Auseinandersetzung und schlägt dem Axiom der großen Freiheit ins Gesicht, die ja doch das wertvolle Ergebnis des Krieges wesdnn soüfce, ms.

Plätze abgerutsdit, nachdem es Punkte ließ.

Internationaler Erfolg von Annemirl Büchner-Fischer

Auf einer zwei Kilometer langen Strecke wurde am vergangenen Sonntag das internationale „W e s te n - Pokal-Rennen“ bei Arlberg, Lech , aus­getragen. Bei den Männern wurde der Österreicher Chrisl Prawda Kombinationssieger und Ge­winner des Pokals. Er gewann den Torlauf und be­legte im Abfahrtslauf hinter Rudi Mall den zweiten Platz. Bei den Frauen belegte Annemirf Büchner-Fischer (Garmisch ) den ersten Platz in der Kombination, konnte aber den Pokal nicht überreicht bekommen, da sie nur in der Gästeklasse startberechtigt war. Die Deutsche hatte im Torlauf den ersten Platz belegt und wurde m der Abfahrt hinter Resi Hammerer (Österreich ), der Ge­winnerin des Pokals, Zweite.

Ten Hoff will seinen Titel nicht kampflos abgeben

Wie der deutsche Schwergewichtsmeister Hein ten Hoff in einem Interview erklärte, will er trotz seiner Verpflichtungen in den USA versuchen, seinen deutschen Titel zu verteidi­gen. Durch die Bestimmung, nach der er zwei Monate Zeit habe, eine Herausforderung anzu­nehmen, und dann drei weitere Monate, bis der Kampf ausgetragen sein müsse, könne er es so ein* richten, daß er bis zu einem evtl. Kampf aus den USA zurück wäre. Auch hofft Hein, daß bis zu diesem Zeitpunkt der Fall seines Schwiegervater« Emil Jung geklärt sei.

Ein Schwerathletik-Vergleichskampf

Mit der Landesligamannschaft G e r m a n-i.g Karlsruhe stellte sich ein kampfstarker Verein aus der amerikanischen Zone zum erstenmal nach dem Kriege in Freiburg vor. Nahezu 600 Zu* schauer waren begeistert von den spannenden Kämp­fen, die am Samstagabend in der FesthaUe in St. Georgen unter Leitung von Abteilungsleiter Sta­delbacher und Kampfrichter R i e b e r , Vilttn» gen, ausgetragen wurden. Die Gäste konnten atD Grund der besseren Kondition ihren, bereits vöj einigen Wochen in Karlsruhe erzielten 6;2-Sieg S gleicher Höhe wiederholen.

Ergebnisse:

Fliegengewicht: J. Kiefer, St. Georgen — A. Schäfer. Karlsruhe . Obwohl Kiefer ein guter Angreifer war, konnte er in der 7. Minute eineH Nachenhebel von A. Schäfer nicht entgehen um mußte die erste Niederlage für seinen Verein ein­stecken.

Bantamgewicht: K. S c h n a 11 e r , St. Georgen —- A. Kling, Karlsruhe . Mit Kling stellte KarlsruÄ einen guten Ringer und konnte nach 3Vi Minuten den zweiten Punkt für sich buchen.

Federgewicht: Fr. Kost, St. Georgen — ?. Schäfer, Karlsruhe . Trotz tapferer Gegenwehr mußte sich Kost nach 2 % Minuten durch Hüftzug von Schäfer geschlagen geben.

Leichtgewicht: Fr. Schüler, St. Georgen — K. Hagendorn, Karlsruhe . Der bekannte Nach* wuchsringer Schüler, St. Gg„ konnte nur 6% Minute» gegen den einwandfrei kämpfenden Hagendorn ausr halten und mußte dann durch Nackenhebel den Sieg dem Gast überlassen.

Weltergewicht: A. Herbstritt, St. Georgen ^ E. Scfaiehle, Karlsruhe . Der frühere Deutsch» Meister Schiehle siegte mit einem ausgezeichnetem Griff bereits in der 3. Minute gegen den gut kämp­fenden Herbstritt, St. Georgen .

Mittelgewicht: Kurt Rau, St. Georgen -R. Kai­ser Karlsruhe. Der technisch sehr gute Rau verlw diesen Kampf nicht ganz überzeugend nach Punkten.;

Halbschwergewicht: W. Kirehmaier, St. Geafr gen — K. Köhler, Karlsruhe . Beide Ringer liefert, ten einen flotten Kampf. Der technisch besser« Kirehmaier wurde nach Ablauf der normalen Kampf, zeit als Sieger ausgerufen.

Schwergewicht: Heinz DUffner , St. Georgen «- K. Fränkle, Karlsruhe . Gegen den in gut» Form antretenden Duffner konnte auch der erfah­rene Fränkle aus Karlsruhe nicht viel ausrichten und mußte nach 12^4 Minuten eine Niederlage hinnehmen.

Freistilschaukampf: E. Schäfer, Karlsruhe *»■ A. Kling, Karlsruhe . Der 4. Deutsche Meister Im Freistilringen. Eugen Schäfer, überraschte durrt seine Wendigkeit und gute Technik Nach 4 Minute* wurde er verdienter Sieger.

Die innerhalb dieser Sportveranstaltung gezett* ten Leistungen der Kirchmaie r-A k r o b a t e * Truppe sowie der Drei Angrids dürften b» Oberbaden bisher unerreicht sein und verdienen ein« besondere Erwähnung.