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Seite 6 — Nummer 34

Samstag, 23. Februar 1952

OLYMPISCHE SPIELE

Olympia-Sonderdienst , ,DAS VOLK,,- Olympia-Sonderdienst,,DAS VOLK,,- Olympia-Sonderdienst,,DAS VOLK,,- Olympia

Die schwersten Jungs auch die schnellsten

Anderl Ostler holt mit seinem Viererbob die zweite Goldmedaille für Deutschland

Die mit Spannung erwarteten Rennen der Viererbobs endeten am Freitagmittag mit einem Sieg der deutschen Mannschaft unter Führung von Anderl Ostler . Die deutsche Mannschaft, die aus den beiden Mannschaften zusammengestellt worden war, um die schwersten Ma-n., aut einem Bob zu vereinigen, gewann vor Bob USA I und Schweiz I, obwohl sie ohne Training an den Start ging.

Anderl Ostler hat recht behalten. Als er am Mittwoch seine Bobkameraden zusammenrief und den Vorschlag machte, nur einen Bob star­ten zu lassen, gab es zunächst einen Sturm der Entrüstung. Man konnte sich aber schließlich den Argumenten Ostlers nicht widersetzen und entschloß sich, die vier schwersten Männer,, auf einem Bob starten zu lassen. Kemser, der Steuermann des zweiten Bobs, fuhr als Bremser.

Die beiden Viererbobläufe am Donnerstag bewiesen, daß, zumindest auf der Olympiabahn in Frognerseteren, das Gewicht einer Bobmann- »cfaaft mehr zählt als Fahrkunst, ln der alten

Amerikas ganzer Stolz

Mit ehter Goldmedaille war Andrea Lanrence-Mead nicht zufrieden, sie holte sich gleich noch eine zweite. Trotzdem ist unsere Annemirl Buchner- Fiscfcer mit drei Medaillen die erfolgreichste Tel- nehmerin an den Winterspielen.

Wie erwartet, holte pich die Engländerin Jeanette Altwegg im Eiskunstläufen der Da­men die Goldmedaille. Kurz nach Bekanntgabe ihres Sieges äußerte sie, daß sie sich vom inter­nationalen Wettkampfsport zurückziehen will und schon bei den Anfang März in Paris statt­findenden Weltmeisterschaften ihren Titel nicht mehr verteidigen will. Eine Überraschung gab es durch die junge Amerikanerin Tenley Al­bright, eine kommende Sonja Hennie . Sie sicherte sich durch eine ausgeglichene Leistung bei den Pflichtfiguren den zweiten Platz. Die Bronzemedadlle errang die Französin Jacqueline du Bief, die bei den Pflichtfiguren wertvolle Punkte einbüßte und mit ihrer ausgezeichneten Kür nicht mehr genug Boden gutmachen konnte.

Bei den deutschen Eiskunstläuferinnen ging nicht alles nach Wunsch. Die Deutsche Mei­sterin Erika Kraft, die in der Pflicht als beste Deutsche placiert war, begann vielversprechend und erhielt bei einer rückwärts geneigten Standpirouette schon in der ersten Minute leb­haften Beifall der 30 000 Zuschauer. Als sie bei einem Rittberger stürzte, wurde sie nervös und fand sich erst gegen Schluß wieder in ihrem vorgesehenen Programmablauf. Gundi Busch hingegen begann vorsichtig und mutete sich während des ganzen Vortrages nicht so viel zu. Sie lief fehlerfrei, doch wirkte ihre Kür für deutsche Augen langsamer als sonst. Ihre Tak­tik erwies sich aber als richtig, da sie die höchste Kürpunktzahl der deutschen Läuferin­nen erreichte. Am besten hätte wahrscheinlich Helga Dudzinski abgeschnitten, die wie immer kraftvoll mit Schwung und Tempo lief. Da sie bei einem Sprung in eine tiefe Pirouette stürzte, war ihr Vorsprung, den sie sich ihren Lands­männinnen gegenüber herausgearbeitet hatte, wieder dahin.

Sehr eindrucksvoll lief die ganz in Schwarz gekleidete Französin Jacqueline du Bief, die mit drei hohen Spreizsprüngen begann und schnell das Publikum auf ihrer Seite hatte. Sie brachte einen neuen Sprung in die Pirouette

Zusammensetzung war Ostlers Mannschaft im Training nie über den fünften Platz hinaus­gekommen. Nach dem schweren Entschluß, die

seit Jahren aufeinander eingespielten deutschen Mannschaften auseinanderzureißen, die schwer­sten Fahrer auf Ostlers Bob zu setzen und den zweiten deutschen Schlitten zu streichen, zeigte sich der Erfolg sofort Ostler fuhr mit seiner 950 Pfund schweren Besatzung in jedem Lauf die schnellste Zeit, und der Schlitten des Ame-

t

Dick Button (USA ) gewann am Donnerstag­abend erneut die Goldmedaille im Eiskunstlauf der Herren. Damit glückte dem hohen Favoriten, was Heikki Hasu in der Nordischen Kombina­tion und Nils Karlsson im 50-Kilometer-Ski­langlauf mißlang: die Wiederholung des Olympia­sieges von St. Moritz . Der 22 Jahre alte Student galt schon vor den Spielen als der sicherste An­wärter auf eine Goldmedaille und hatte sich bereits nach den fünf Pflichtübungen am Diens­tag den entscheidenden Vorsprung gesichert.

Goldmedaille: Dick Button (USA ), Platz­ziffer 9, 192,256 Punkte. Silbermedaille: Helmut Seiht (Österreich ), Piz. 23, 180.144 Pkt. Bronze­medaille: James Grogan (USA ), Piz. 24, 180.822 Pkt 4 . Alan Jenkins (USA ),. Piz. 40, 174.589 Pkt.

Dick Button holte sich seinen zweiten Olympia­sieg in überwältigender Manier. Obwohl es nicht erforderlich war, schenkte er sich in der Kür nichts. Die größten Schwierigkeiten, Doppel­sprünge, darunter als Höhepunkt ein doppelter Axel, schaffte er mit größter Sicherheit. Das wieder ausverkaufte Bislett-Stadion hätte keine

und als größte Schwierigkeit einen doppelten Lutz. Gegen sie wirkte die Gesamtsiegerin Jeanette Altwegg zwar exakt, aber unpersönlich.

Außer den drei Medaillenträgerinnen ergab sieh folgender End stand: 4 . Sonya Klopfer (USA ), 5. Virginia Baxter (USA ), 6. Zusanne Morrow (Kanada ), 8. Gundi Busch (Deutsch­land), 11. Erika Kraft (Deutschland), 12. Helga Dudzinski (Deutschland).

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England trat sich Hier dl» Goldmedaille von Jeanette Altwegg ganz besonders, da es wahr­scheinlich die einzige Medaille sein wird, die für die Insel ln Frage kommt. - Unser Bild: Jeanette Altwegg wUuend Huer Klk,

rikaners Stan Benham lag im Gesamtergebnis zeitlich und gewichtsmäßig (898 Pfund) an zweiter Stelle.

Daß es aber nicht allein auf das Gewicht an­kommt, bewies der Schweizer Altmeister Fritz Feierabend im zweiten Lauf, vor dem er zu Ost­ ler sagte: „Anderl, nun können wir mal zei­gen, daß wir auch fahren können.“ Feierabend kam mit seiner zwar umgestellten, aber leich­teren Mannschaft hinter Ostler auf die dritt­

beste Zeit. Die dauernd weicher werdende Bahn stand nun der Theorie der „schweren Jungen“ entgegen, denn die Kufen dringen bei höherem Gewicht stärker in das Eis ein. Der Schweizer Endrich wechselte daher seine Zehn-mm-Kufen gegen Zwölf-mm-Kufen aus, um das Gewicht besser zu verteilen.-.

Kampfrichter gebraucht, um den Sieger dieses Wettbewerbs zu ermitteln. Button lief mit Ab­stand die beste Kür vor seinen Landsleuten Grogan und Jenkins. Etwa der gleiche Unter­schied bestand zwischen Jenkins und Europa­meister Seibt, der sogar noch von dem Ka­nadier Firstbrook übertroffen wurde. Der freie Vortrag des zwölfjährigen Alain Giletti (Frank­ reich ) wurde fast so hoch wie der Seibts be­wertet

Die übrigen Plätze: 5. Peter Firstbrook (Ka­ nada ), Piz. 43, 173.122 Pkt. 6. Carlo Fass! (Italien ), Piz. 50, 169.822 Pkt. 7. Alain Giletti (Frankreich ), Piz. 63, 163.233 Pkt. 8. Freimuth Stein (Deutschland), Piz. 72, 155.956 Pkt — 14 Läufer nahmen teil.

Die kleine deutsche Kolonie erlebte am sieb­ten Tag der VI. Olympischen Winterspiele in Oslo eine neue große Freude. Im Spezial-Sla­lom der Damen erkämpften Ossi Reichert (Sil­ber) und Annemirl Büchner-Fischer (Bronze) erneut zwei Medaillen und bestätigten die Tat­sache, daß unsere alpinen Läuferinnen wieder zu den besten der Welt zählen, nachdem sie 1936 in Garmisch-Partenkirchen bereits die Mehrzahl der Erfolge einheimsten. Die Gold­medaille fiel an die Amerikanerin Andy Law­rence-Mead, die bereits den Riesentorlauf ge­wonnen hatte. Mir! Büchner hat in allen drei Wettbewerben Medaillen errungen: Silber in der Abfahrt und je eine Bronzene im Riesen- und Spezialslalom. Wenn es wie früher eine „Alpine Kombination “ gegeben hätte, dann wäre wohl Mirl Büchner erste Anwärterin ge­wesen...

1MM erlebten Finnensieg Im Skimarathon

Die Skandinavier räumen den großen nor­dischen Skiprüfungen den ersten Rang ein. Beim Ski-Marathon über 50 Kilometer sah man das einzigartige Bild, daß zu diesem Rennen der Ski-Koryphäen an die 100 000 Zuschauer die Strecke umsäumten. Der gigantische Drei­kampf Schweden—Finnland—Norwegen endete nach einem mörderischen Rennen mit einem Doppelerfolg der zähen Finnen, die Schwedens Hegemonie in dieser schwierigsten Disziplin seit 1936 brachen und auch die Norweger stopp­ten. Die Norweger hatten sich in den Kopf ge­setzt, möglichst alle nordischen Skiwettkämpfe zu gewinnen. Der Sieg fiel aber nach einer Zeit von 3.33.33 Stunden an Veikko Hakulinen vor Eero Kolehmainen 3.38.11 und den beiden Nor­wegern Magnar Estenstadt (3.38.28) und Olav ökem 3.38.45. Auch der Finne Manonen ver­mochte, sich noch vor dem großen Favoriten, dem schwedischen Ski-König Nüs Karlsson zu placieren. Als bester Mitteleuropäer belegte der Franzose Benolt Carrara einen achtbaren 11. Rang, noch vor dem schwedischen Weltmeister Eriksson.

Ergebnis des 50-km-Dauerlaufes: 1. Veikko Hakulinen, Finnland , 3.33.33 Stunden (Gold), 2. Eero Kolehmainen, Finnland , 3.38.11 (Silber),

3. Magnar Estenstad, Nor w egen, 3.38.28 (Bronze),

4. Olav Oekem, Nor w e g en, 3.38.45, 5. Lalevi Manonen, Finnland , 3.39.21. 6. Nils Karlsson, Schweden , 3.39.38, 11. Benolt Carrara, Frank­ reich , 3.59.16 (bester Mitteleuropäer).

Die charmante FranzSsin Jacqueline An Bief elf beim Eiskunstläufen der Damen ausgesprochener Publikumsliebling. Sie hatte das Pecb, in den Pflichtfiguren soweit zurückzufallen, das sie mit ihrer meisterhaften Kür nur noch die Bronie- medaUle erringen konnte.

Bringen die Geschwister Konnedy (USA ) die Überraschung im Paarlauf?

Andys halsbrecherische Fahrt

Im Spezial-Slalom der Damen fuhr über­raschend Ossi Reichert im ersten Durchgang die schnellste Zeit mit 1.06,0 vor Celina Seghi , Madelain Berthod und der Amerikanerin Andy Lawrence-Mead. Mirl Büchner belegte den achten Platz. Im zweiten Durchgang wagte die Amerikanerin alles, und mit einer Zeit von 1.03,4 war sie noch schneller als die verbesserte Ossi Reichert (1.05,4) und, ihren Rückstand aufho­lend, fiel ihr nach dem Riesenslalom auch die Goldmedaille im Spezialslalom zu.

Ergebnis des Spezial-Slaloms für Damen: 1. Andrea Lawrence-Mead (USA ) 2.10,6 — 1.07,2 und 1.03,4 (Gold), 2. Ossi Reichert (Deutschland) 2.11,4 = 1.06,0 und 1.05,4 (Silber), 3. Mirl Büch­ner-Fischer (Deutschland) 2.13,3 — 1.07,6 und 1.05,7 (Bronze), 4. Celina Seghi (Italien ) 2.13,8 = 1.06,5 und 1.07,3, 5. Madelaine Berthod (Schweiz ) 2.14,9 = 1.06,7 und 1,08,2, 6. Trude Jochurp-Beiser (Österreich ) und Giuliana Mi- nuzzo (Italien ) je 2.15,9 Minuten.

Ossi Reichert , ein Allgäuer Kind

Die Sonthofenerin, die Silbermedaillen­trägerin im Spezial­slalom, stand bisher immer ein wenig im Schatten der robusten Mirl Büchner. Aber im Spezialslalom der Olympischen Spiel« in Oslo wurde ihr sehnlichster Wunsch erfüllt Es hätte nicht viel gefehlt und sie wäre sogar Siegerin geworden. Ossi, die an Weihnachten des Jahres 1925 geboren wurde, erntete den großen Lohn für ihren unermüdlichen Fleiß. In den letzten Jahren gehörte sie stets zum Stamm der- alpinen deutschen Läuferinnen und hat schon viele Ehrenpreise nach Hause gebracht In ihrem Vater, dem Besitzer der Alpe Eck bei Sonthofen , hat dieses hübsche Allgäuer Kind den besten Betreuer. Vater Reichert ließ seiner Tochter jede Unterstützung angedeihen. Im Hörner-Gebiet ist Ossi zu Hause. Ihre Vorliebe ist der Slalom. Mit der Silbermedaille hinter der berühmten Amerikanerin Andrea Law­rence-Mead und vor Mirl Büchner hat Ossi Reichert ihren bisher größten Erfolg errungen.

Jeanette Altwegg hat genug

Die Olympia-Siegerin im Eiskunstlauf zieht sich vom Sport zurück Deutsche Läuferinnen hatten kein Glück

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Die sicherste Medaille der Spiele

Button wiederholte Olympiasieg — Stein auf dem achten Platz

Deutsche alpine Läuferinnen sind Klasse

Silber für Ossi Reichert und wieder Bronce für Mirl Büchner

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