SÜDD. HEIMATZEITUNO FÜR KRAICHOAU UND BRUHRAIN
BRtlCHSALER POSI
Kummer 289
Montag, den 11. Dezember 1950
Jahrgang 2
Feuereinstellung am 38. Breitengrad?
China angeblich unter Vorbehalt bereit — Erneut. Waffenstillstand und „Pufferzone“ vorgeschlagen
Lake Success (UP). General Wu, der gruppen und heroische Einheiten chinesischer
Führer der chinesischen UN -Delegation, hat, wie aus diplomatischen Kreisen verlautet, dem indischen Chefdelegierten Rau gegenüber in einer privaten Unterredung erklärt, daß China unter Vorbehalt bereit sei, seinen Vormarsch in Korea am 38. Breitengrad einzu- steilen. Nach dieser Darstellung hat General Wu jedoch betont, daß auf die Note der 13 Mächte vom vergangenen Dienstag (in der Peking zum Einhalten am 38, aufgefordert wurde) keine offizielle Antwort gegeben werde, da hierdurch „die moralische Position Chinas geschwächt werden. könnte“. Die Antwort auf den Appell der 13 Mächte werde auf dem Schlachtfeld gegeben.
Die chinesische Kompromißbereitschaft setze voraus, so verlautet weiter aus Lake Success, daß die Streitkräfte der Vereinten Nationen ebenfalls am 38. Breitengrad stehen bleiben und nicht versuchten, erneut in Nordkorea einzumarschieren. Obwohl hierzu noch keine offizielle Reaktion von seiten der Westmächte vorliegt, wird angenommen, daß diese Bedingung als annehmbar angesehen werde.
Der indische Chefdelegierte Rau führte eine Reihe dringender Besprechungen mit den Delegierten der anderen 12 Staaten, die sich , in dem gemeinsamen Appell an Peking gewandt hatten, um eine Resolution fertigzustellen, die der Generalversammlung zugeleitet werden soll. In dieser Resolution wird ein formeller Waffenstillstand und die Errichtung einer „Pufferzone“ zwischen den Streitkräften. der Vereinten Nationen und den chinesischen Divisionen vorgeschlagen. Durch diese -Maßnahmen, so hofft man in der indischen Delegation, würden Verhandlungen mit Peiping erheblich erleichtert.
Nach bisher unbestätigten Berichten verlangen die Chinesen, daß Verhandlungen über Korea gleichzeitig alle anderen fernöstlichen Probleme miteinschließen, eine Forderung, die die Vereinigten Staaten angeblich äblehnen. Es wird weiter angenommen, daß Peiping jede Regelung von seiner Aufnahme in die Ver einten Nationen und der Unterstellung For- mosas unter seine Oberhoheit abhängig machen wird.
Bereits überschritten?
Im Gegensatz zu der Meldung aus Lake Success sagte der nordkoreanische Ministerpräsident Kim Ir Sen in einer Rede in Pyong- yang: „Hand-in-Hand operierend haben die glorreiche koreanische Volksarmee, Guerilla-
Freiwilliger nahezu das gesamte Gebiet nördlich des 38. Breitengrades befreit, sowie einen Teil des südlich desselben liegenden Gebietes. Sie verfolgen den Gegner, der sich in Verwirrung nach Süden zurückzieht, und liefern ihm große Vernichtungsschlachten.“
Man solle nicht g*8äbfcn, so fuhr Kim Ir Sen fort, daß der Kampf jetzt schon vorüber sei.
werden, in der er neue Verteidigungslinien errichten und seine Truppen reorganisieren könne.
Mao Tse Tung besuchte Moskau Am Sonntag nach Peiping zurückgekehrt?
Hongkong (UP). Der Staatschef des kom munistischen Chinas , Mao Tse Tung , sowie prominente nordkoreanische und mongolische Kommunisten sind, wie hier aus zuverlässiger
i Breitengrad, Gegner ziehe sich zwar in Verwirrung zu- diplomatischer Quelle verlautet, Ende Novem- rück, sei aber noch nicht vernichtet. Der Eüd-’ her zu Besprechungen nach Moskau gereist.' sieg könne nur durch heute Kämpfe und Blut- Mao Tse Tung soll am Sonntag in Begleitung opfer errungen werden. Aus diesem Grunde des nordkoeranischen Ministerpräsidenten Kim dürfe dem Gegner keine Atempause gegönnt II Sung nach Peiping zurückgekehrt sein. •
UN -Transportflotte vor Hamhung
Chinesen suchen Räumung des Brückenkopfes zu verhindern — Durchbruch aus Hagaru-Kessel weiterhin erfolgreich
Tokio (UP). Ungefähr die Hälfte eines 60 Prozent ihres Mannschaftsbestandes und etwa 1000 Lastwagen umfassenden Konvois ihres Materials verloren. Diese Verbände hat-"
amerikanischer Truppen hat das Gebiet von Hamhung erreicht, nachdem bereits am Vortag die Verbindung zwischen den eingeschlossenen Marinetruppen bei Hagaru und Koto und dem Gros der amerikanischen Truppen im Hamhung -Brückenkopf hergestellt werden konnte.
Die letzten der eingeschlossenen Verbände werden wahrscheinlich im Laufe des Montags Hamhung erreichen. Kleine chinesische Kämpf
ten unter Feindbeschuß bei Hagaru ein improvisiertes Flugfeld ausgebaut, von dem aus über 3000 Verwundete aus dem Kessel geflogen wurden.
Wie das Hauptquartier General McArthurs bekanntgab, wurden unter starkem Feuerschutz von Seestreitkräften in einer fünftägigen Operation alle UN-Truppen aus dem südlich von Hamhung gelegenen Hafen Won- s a n evakuiert. Uber der Nordostfront kam es
trupps griffen den Konvoi nördlich der ame- erneuten Luftkämpfen zwischen amerika - rikanischen Hauptstellungen an, ohne den nischen Düsenjägern und sechs Jägern vom Rückzug der noch in dem aufgebrochenen russischen Bautyp MIG 15 , wobei eine MIG Kessel befindlichen Wa-enkette bisher we- -Wahrscheinlich abgeschossen wurde, sentlida aufhalten z V können. - . Von der Nordwestfront werden keme Ver-
Auf den Hauptfeüstenstraßen nördlich und Änderungen der Frontlage gemeldet. Unbest*
südlich von Hamhung operieren verstärkte chinesische Verbände, um den Brückenkopf einzuengen und eine Evakuieru ng der etwa 60 000 Mann zählenden UN-Truppen über See zu verhindern. Starke chinesische Einheiten stehen bereits kurz vor Singhung, 25 km nördlich von Hamhung .
Eine große Armada von Schiffen der UN - Streitkräfte ist vor dem Hafen von Hamhung susammengezogen worden, um — falls erforderlich — die Evakuierung der eingeschlossenen Truppen durchzuführen. Der Verband, bestehend aus Landungsbooten, Frachtdampfern und Transportern, steht unter dem Schutz von Kriegsschiffen.
Die amerikanischen Verluste bei dem Durchbruch aus dgm Kessel nördlich von Hamhung Preisträger aus früheren Jahren an der Feier
/\M n 1 M VAl W AA1M VA Atf ISAfVAl An VA a 4* nA VI A 11f> ■ —u ■ ' . . ■ w . . ■ .
tigten Meldungen .zufolge traf General Walker, der Kommandeur der 8. amerikanischen Armee, mit dem südkoreanischen Staatspräsidenten Syngman Rhee zusammen, um Fragen der Verteidigung der südkoreanischen Hauptstadt Seoul zu besprechen.
Mit dem Nobelpreis ausgezeichnet Feierstunden in Stockholm und Oslo Stockholm (UP). Adit mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Männer der Wissenschaft, der Kunst und des öffentlichen Lebens erhielten aus der Hand König Gustafs VI. von Schweden in einer feierlichen Zeremonie ihre Goldmedaillen und Diplome. Außer den Nobelpreisträgern dieses Jahres nahmen 29
werden als relativ gering bezeichnet mit Ausnahme der der Marinepioniere, die ungefähr
Ottawa (UP). Vor seiner Rückreise nach London wandte sich der britische Ministerpräsident Attlee in einer Rundfunkansprache an das kanadische Volk, um die Ergebnisse seiner Washingtoner Besprechungen mit Präsident Truman zusammenzufassen.
„Ich möchte betonen“, erklärte er, „daß zwischen dem Amerikanern und uns vollkommenes Einverständnis über die Ziele besteht, die wir zu erreichen versuchen. Diese Ziele sind ^leicht zu umreißen: Friede und Freiheit für alle Menschen. Wir stimmen ebenfalls darin überein, daß die Vereinten Nationen das Instrument sind, mit dessen Hilfe diese Ziele erreicht werden müssen.“
Attlee führte weiter aus, daß er mit Präsident Truman auch Fragen des Atlantikpaktes besprochen habe. Er hoffe, so fügte er hinzu, daß bald ein Oberkommandierender für die Streitkräfte der Atlantikpaktstaaten ernannt werden könne. „Diese Organisation des Atlantikpaktes“, so fuhr er fort, „bedroht niemanden. Die Bildung dieser Organisation wurde uns durch diejenigen aufgezwungen, die unsere Lebensart fürchten und ablehnen. Zweck des Paktes ist es, als ein Aoschreckungsmittel gegen eine Aggression zu wirken und damit unsere Lebensart zu verteidigen und den Frieden zu hüten.“
Das größte Problem, so betonte der Ministerpräsident, sei die Drohung des kommuni stischen Imperialismus. Die kommunistische Propaganda falle in Ländern mit großer Armut auf den besten Boden, aus diesem Grunde bube Großbritannien in Zusammenarbeit mit anderen Commonwealth-Shiaten den „Colombo-Plan“ zur Hebung des Lebensstandards rückständiger Gebiete innerhalb des Common wealth ausgearbeitet.
„Wir können damit den Völkern der Welt klarmachen, daß Freiheit und Demokratie, ihnen größere Vorteile bringen, als die Sklaverei, die sich hinter den falschen Versprechungen der Kommunisten verbirgt.“
Attlee schloß seine Rede mit der Versicherung, daß seine Unterredungen in Wa shington und Ottawa ihm die zuversichtliche Gewißheit der Gemeinsamkeit der Ziele und Ansichten gegeben habe.
Schumanplan — „oder sterben“ Frankreichs Außenminister sprach in Brüssel Brüssel (UP). Der französische Außenminister Schuman forderte auf einer öffentlichen Versammlung in Brüssel die schnelle Verwirklichung seines Plans für einen Zusammenschluß der Montanindustrien Westeuro pas und sagte, Europa müsse diesen Schritt wagen „oder sterben“,
im Stockholmer Konzertsaai teil.
Die diesjährigen Preisträger sind der Physiker Professor Powell, die beiden deutschen Chemiker Professor Dr. Diels und Prifessor Dr.| Adler, die Mediziner Hench, Kendall und Reichstein, der amerikanische Dichter Faulk- ner und der britische Schriftsteller Russell.
Nach Abschluß der Feierlichkeiten begaben sich die Preisträger, der König und die Königin, sowie die geladenen Gäste zu einem Bankett, auf dem jeder der Ausgezeichneten eine kurze Ansprache hielt.
In einer Feierstunde der Universität Os>lo wurde dem Träger des diesjährigen Friedensnobelpreises, Dr. Bunche, in Anwesenheit von. Mitgliedern der königlichen Familie, Vertretern der Regierung und den Angehörigen des diplomatischen Korps vom Präsidenten des. norwegischen Parlaments, Gunnar Jahn, die Medaille und das Diplom über den Preis aüs- gehändigt. In einer kurzen Ansprache erklärte Bunche: „Möge es in unserer Zeit eine Welt des Friedens geben, in der wir vollen Gebrauch von den Möglichkeiten machen kön-
heit und Gleichheit unter allen Menschen.*
Belgien , die Niederlande und Luxemburg hat- nen , die in uns ruhen, eine Welt voli Frei
ten zusammen eine Jahresproduktion von 207 - -■ ..
Millionen Tonnen Kohle und 29 Millionen Tonnen Stahl, bei einer Bevölkerung von insgesamt 1§0 Millionen. Diese Zahlen seien um etwa ein Drittel niedriger als die entsprechenden Ziffern der Vereinigten Staaten , die etwa die gleiche Bevölkerung hätten. Eine Überproduktion .habe Westeuropa also gegenwärtig nicht zu befürchten.
„An das Volk von Paris “ Kommunisten rufen zu Demonstrationen auf
Paris (UP). Die französischen Kommunisten wandten sich mit einem „Aufruf an das Volk von Paris “ am Montag nachmittag vor dem Elysee-Palast , dem Amtssitz des Staatspräsidenten Auriol, gegen „die Billigung der Wiederaufrüstung Deutschlands durch die französische Regierung“ zu protestieren.
Von seiten der französischen Polizeibehörden verlautet hierzu, daß die Kommunisten die Genehmigung für die Veranstaltung einer öffentlichen Demonstration weder beantragt noch erhellten hätten. Sollte es zu dieser Demonstration kommen, so würden ihre Teil
„Urlaub auf Ehrenwort“ für Krupp? In
einem Schreiben an den Kommandanten des Landsberger Gefängnisses hat dieVereinigung der Krupp-Pensionäre gebeten. Alfred Kruop und den noch inhaftierten Direktoren der Krupp-Werke zu Weihnachten einen „Urlaub auf Ehrenwort“ zu gewähren.
DGB zum Streik entschlossen. Die Bereitschaft, unter allen Umständen für das Mitbestimmungsrecht zu streiken, unterstrich ein Mitglied im Bundesvorstand des DGB vor Gewerkschaftsfunktionären in Bochum . Wenn es zu einem Streik kommen solle, so werde es sich nicht um eine 24stüftdige Arbeitsniederlegung handeln, sondern um einen sehr harten Kampf.
Theodore Steeg gestorben. Der ehemalige radikalsoziaiistische Ministerpräsident Frank reichs , Theodore Steeg , starb in Paris im Alter von 82 Jahren.
Schweden erhöht Verteidigungsausgaben.
Das .schwedische Parlament billigte einen An
nehmer wegen „Störung der öffentlichen Ord- trag der Regierung, das Verteidigungsbadget nung festgenorr»man und zur Verantwortung um 100 000 000 Kronen (achtzig Millionen gezogen werden. Mark) zu erhöhen
Westeuropa begrüßte die Beschlüsse der Truman-Attlee-Konferenz im allgemeinen als einen vernünftigen und entschlossenen Versuch, die gegenwärtige Weltkrise zu meistern. „Vernünftig“ insofern, als die . Tür für Verhandlungen mit den chinesischen Kommunisten und dem Kreml weit offen gelassen wurde, „entschlossen“, weil sie keine Zweifel über die britisch -amerikanische Absicht offenließen, der Aggression auf keinen Fall mit einer „Beschwichtigungspolitik“ erftgegenzutreten.
Stärkste Beachtung in der europäischen Presse fanden .folgende Punkte des Washing toner Abschluß-Kommuniques:
1. Das Versprechen, daß die Verteidigung Europas schnell ausgebaut und das europäische
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Schicksalhafte Konferenz in Washington Unser Bild zeigt v. I. n. r.: sitzend Präsident Truman und Premierminister Attlee, stehend Außenminister Acheson und Verteidigungsminister Marshall
Problem trotz des Krieges in Asien nicht au« den Augen gelassen werden soll.
2. Trumans Hoffnung, daß man die Atombombe nicht wieder anwenden müsse und sein Versprechen, Attlee über jede Veränderung in dieser Frage zu informieren.
3. Die Versicherung, daß die Vereinigten Staaten nicht von sich aus gegen das kommunistische China vorgehen werden, wie ursprünglich — vor allem in britischen Regie- rungskreisen — befürchtet worden war.
Die Europäer geben sich in viel stärkerem Maße der Erwartung hin, die Sowjetunion werde keinen allumfassenden Krieg vom Zaune brechen. Damit ist auch ihre Hoffnung größer als die der Amerikaner, daß die chinesischen und koreanischen Kommunisten auf das Angebot Trumans und Attlees eingehen und sich bereiterklären könnten, über eine Beilegung des Konfliktes zu verhandeln.
Die Hauptfrage, die allen Europäern in erster Linie am Herzen liegt, wurde durch die Washingtoner Erklärung freilich nicht beantwortet: Kommt es zu einem Kriege größeren Maßstabes mit China ? In diesem Zusammenhang wird zugegeben, daß weder Truman noch Attlee eine befriedigende Antwort geben konnten, ehe nicht feststeht, ob China am 38. Breitengrad haltmachen wird oder nicht. Dagegen äußert man sich in den westlichen Hauptstädten meist außerordentlich „befriedigt“ über die Tatsache, daß jetzt wenigstens alle Befürchtungen in der Richtung zerstreut seien, die Vereinigten Staaten könnten eines Tages ihre gesamte Kriegsmaschine gegen China loslassen, ohne sich vorher mit ihren Verbündeten verständigt zu haben.
„Die Initiative“, so umreißt eine Stimme aus London die augenblickliche Situation, „liegt jetzt bei den Chinesen. Es wurde eine Lösung des Koreakonfliktes angeboten, durch die die Ehre keiner Seite auf das Spiel gesetzt werden würde.“ Aus dem Kommunique scheint hervorzugehen, daß Truman und Attlee gerade in diesem Punkte volle Einigung erzielt haben. Von vielen Seiten wird darauf hingewiesen, daß die beiden Staatsmänner ihre Bereitschaft zum Verhandeln von einem vorherigen Abzug aller chinesischen Truppen in Korea hätten abhängig machen können. Daß sie es nicht taten, wird als ein klarer Beweis für den Willen der USA und Großbritanniens angesehen,