Samstag, 19. Mai 1951

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Nummer 60 — Seite 3

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Die neue Dolchstoßlegende

und die Wahrheit

Der mit unzulänglichen Mitteln aufgenom­mene Abwehrkampf der Bundesregierung ge­gen den Rechtsradikalismus und gegen das Be­streben einiger Generale von Hitlers Gnaden, eine neue Dolchstoßlegende für ihre Propa­ganda zu konstruieren, lenkt die Aufmerksam­keit auf die schon wieder halbvergessenen wirklich Schuldigen am totalen Zusammen­bruch Deutschlands. Der braune General Remer hält offenbar die Zeit für gekommen, wo man wagen darf, die Männer vom 20. Juli zu Lan­desverrätern zu stempeln, die vom Ausland bezahlt wurden, wofür sie eines Tages vor einem deutschen Gericht zur Verantwortung gezogen werden“ — also sprach Remer in einer Rede am Himmelfahrtstag 1951 in einer Ver­sammlung seiner „Sozialistischen Reichspartei “ io Braunschweig .

Solchen Versuchen gleißnerischer Ablenkung von der historischen Wahrheit durch Umbie­gung von Ursache und Wirkung wird man nicht scharf genug entgegentreten können. Wenn auch bei uns in Baden von all‘dem reaktio­nären Spuk zackiger einstiger Militaristen und Nationalsozialisten — sie nennen sich auch wie­der „Sozialisten “, nur hat man das Wort Na­tional durch „Reich“ ersetzt — nicht viel zu spüren ist, so soll man auch in unserem Land die Dinge nichj auf die leichte Schulter nehmen.

Bei dieser Besinnung auf die historische ahrheit dessen, was als Dolchstoßlegende frisiert Wird, ist es gut, auf die heute immer­hin reichlich vorhandenen Quellen zurückzu­greifen. Sie sind aus beiden Lagern vorhanden: in der Literatur, die um die Verhandlungen vor dem Nürnberger Gericht entstanden ist, und in den Memoiren einer ganzen Anzahl von Männern, die entweder zum Kreis des inneren Widerstandes gehörten, oder ihm innerhalb der zum Teil nur äußerlich gleichgeschalteten hohen Bürokratie und der hohen Wehrmacht nahestanden. Von dem selbstverständlichen Widerstand in den Reihen der alten Sozial­demokraten braucht in diesem Zusammenhang nicht gesprochen werden.

Nun ist es nicht jedermanns Sache, die um­fangreichen Protokolle der Nürnberger Ver­handlungen zu studieren; dafür gibt es aber > seit kurzem ein Buch, das diese Welt von I Schuld, Gerechtigkeit und Sühne aus unmittel- I

barer Nähe und doch weder zu der einen oder der anderen Partei gehörend sehr anschaulich, einprägsam und nicht ohne tiefere Einblicke schildert. Es hat einen Mann zum Verfasser, der ein ebenso angesehener und erfahrener Ju­rist wie ein ausgezeichneter Schriftsteller ist: Carl Haensel . Manchem mag der Autor des Buches „Das Gericht vertagt sich — Aus dem Tagebuch eines Nürnberger Verteidigers“ (Claassen Verlag Hannover ) von einer völlig anderen schriftstellerischen Seite her schon seit langem bekannt sein: als der Verfasser vom „Kampf ums Matterhom“. Und man weiß dann, daß es sich in seinem neuesten Werk um keine billige Reportage handeln wird, wie sie in oft ekelhafter Aufmachung in den Sensations­blättern zu lesen war oder noch ist.

Carl Haensel , einst ein bekannter Berliner Rechtsanwalt, lange Jahre der rechtskundige Sprecher der deutschen Schriftsteller, ist heute der Jurist des Südwestfunks in Baden-Baden . Vorher aber war er drei Jahre lang als Ver­teidiger vor dem Internationalen Militär-Tri­bunal in Nürnberg tätig. Der zum Wesentlichen verdichtete Niederschlag dieser Arbeit des Ju­risten, des Menschen und, so darf man sagen, des psychologisch beobachtenden Schriftstellers ist das vorliegende Buch. Haensel gibt nicht einfach eine Schilderung des Prozeßablaufs. Ihn reizt im Grunde die Aufgabe, die rechts­

Der graue, verregnete 1. Mai kann als Sym­bol gelten für die augenblickliche Atmosphäre in der französischen Arbeiterbewegung. Be­zeichnenderweise feierten den 1. Mai öffentlich in Paris nur die beiden Extreme, die kommu­nistische'Gewerkschaft CGT durch einen tradi­tionellen, aber wenig besuchten Umzug in dem volkstümlichen Viertel zwischen der Bastille und der Place de la Nation und am anderen Ende der Stadt de Gaulle im eleganten Bois de Boulogne . Beide Feiern hatten mit dem Sinn des 1. Mai nicht mehr das geringste zu tun. Die Kommunisten warben für die Moskauer Au- > ßenpolitik. Der Führer ihrer Gewerkschaft, I Benoit Frachon , forderte von den versammelten I Arbeitern nicht etwa ein internationales, prole-

philosophische, die politische, die kulturkriti­sche und menschliche Problematik jener großen Abrechnung aufzuzeigen.

Das Bild, das er gibt, ist deshalb mehr als ein Bericht: neben dem Tatsächlichen steht die denkerische Verarbeitung, neben dem Kriti­schen das objektiv zu Fordernde, neben der politischen Schuld die menschliche Unzuläng­lichkeit. Und all das wird ausgesprochen in einer sprachlichen Formung von großer An­schaulichkeit und oft nahezu novellistisch an­mutender Lebensnahe — kurz, es ist das Buch weniger eines Rechtsgelehrten, der Haensel natürlich auch ist, als das eines glänzend ge­staltenden Literaten von großer Begabung. Das gilt nicht zuletzt von den Porträts, die in das Buch eingestreut sind, Bildnisse eines scharf beobachtenden Malers, der die Feder statt den Pinsel führt, Entschleierungen der politischen und menschlichen Gestalten, die Gering, Heß, Ribbentrop , Keitel, Kaltenbrunner, Rosenberg, Frank und Jodl hießen oder noch heißen.

Wer dieses völlig unsentimentale, weder mit Vorurteilen und Ressentiments oder gar mit Haß geladene Buch gelesen hat, wird gefeit sein gegen die mehr als peinlichen Versuche von Parteigängern jener Nürnberger Verur­teilten, gegen den Versuch, sich und jene weiß zu waschen, indem man die Männer des Wider­standes zu Verbrechern stempelt. R. G. Haebler.

tarisches Bekenntnis, sondern einen Schwur, in keinem Falle die Waffen gegen die Sowjetunion zu ergreifen. De Gaulle empfahl dem franzö­ sischen Volk ein auf seine Person aufgebautes autoritäres Regime.

Zwischen diesen beiden Extremen ging in Frankreich der 1. Mai in der Gleichgültigkeit unter. Die anderen Gewerkschaften führten Feiern lediglich in einigen Provinzstädten durch. Die Bevölkerung selbst, einschließlich der Arbeiter, ging mehrheitlich ihren indivi­duellen, persönlichen Weg.

Dieser Zusammenbruch der Arbeiterbewe­gung hat selbstverständlich seine tieferen Gründe. Die französischen Gewerkschaften

lösen sich mehr und mehr in Splittergruppen auf. Augenblicklich gibt es nicht weniger als sechs verschiedene Verbände, deren Daseins­berechtigung um so anfechtbarer ist, als die überwiegende Mehrheit der Arbeiterschaft den Gewerkschaften den Rücken zukehrt. Der Ver­such, eine Einheitsfront der nichtkommunisti­schen Gewerkschaften herzustellen, scheiterte bisher an zweitrangigen Erwägungen und an Personenfragen. Insgesamt gibt es in Frank­ reich , wenn man von der Landwirtschaft ab­sieht, rund 9 Millionen Arbeiter, Angestellte und Beamte. Davon dürfte zur Zeit nur noch ein Drittel gewerkschaftlich organisiert sefn. Nicht ganz die Hälfte dieser kleinen Masse ent­fällt auf die CGT, während sich der Rest auf die anderen Gruppen verteilt. Nach vorsich­tigen Schätzungen fällt der zweite Platz den christlichen Gewerkschaften zu, der dritte der Gewerkschaft „Force Ouvriere“.

Auf der politischen Ebene sind die Verhält­nisse ebenso trostlos. Eine eigentliche Arbeiter­partei ist nicht vorhanden. Die Mehrheit der Arbeiter gab bisher ihre Stimme den Kommu­nisten, jedoch kann man beim besten Willen in der französischen KP keine Arbeiterpartei sehen, wie der oben erwähnte 1.-Mai-Schwur zeigt. Die Sozialisten stützen sich politisch viel stärker auf das Kleinbürgertum und die kaum proletarischen Beamten als auf die Arbeiter­schaft, wenn man von einigen Ausnahmen in Nordfrankreich absieht. Auch die christlichen Gewerkschaften verfügen über kein politisches Gegenstück. Bisher konnten sie selbst in der sie vertretenden Volksrepublikanischen Partei kaum richtig zu Wort kommen.

Bestehen für die Zukunft Hoffnungen auf eine grundlegende Änderung? Zahlreiche Per­sönlichkeiten in verschiedenen Lagern sind sich der Notwendigkeit einer gewerkschaftlichen und politischen Reorganisation sehr wohl be­wußt, es fehlt jedoch die Gewißheit, daß in Zu­kunft ihre Bemühungen größeren Erfolg ver­sprechen als in der Vergangenheit. Das Kern­problem bleibt die Ausschaltung der KP. Eine Lösung wäre wohl nur zu finden, wenn es ge­länge, einen Teil der Arbeiterschaft von dem kommunistischen Block loszulösen, das heißt, die französische KP und ihre Gewerkschafts­filiale zu spalten; bescheidene Anzeichen hier­für sind vorhanden, man sollte sie jedoch nicht» überschätzen, selbst wenn sie augenblicklich in der französischen Presse schon aus propagan­distischen Gründen stark in den Vordergrund gestellt werden.

Frankreich : Arbeiterbewegung in der Krise

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eranlaßt durch eine enorm hohe SteuÄ, ist die Clglffefte heute so teuer, daß nur die wenigsten soviel rauchen können, wie sie wohl rauchen möchten. Die Folge ist, daß sich die meisten Raucher auf Cigaretten stürzen, die mehr oder weniger Virginia «Tabake enthalten« Denn diese schmecken kräftiger und stillen also auch schneller den großen Rauchhunger.

Nun sind wir schon vor dem Kriege die bedeutendsten Hersteller von „American Blend” — und reinen Virginia*Cigaretten gewesen» Kein Wunder also, daß unsere Marken heute bevorzugt verlangt werden?* Um aber auch der milderen Geschmacksrichtung gerecht zu werden, haben wir uns entschlossen, unsere allbekannte „QLD JOE* in zwei verschiedenen Mischungen herauszubringen: Mild und Medium. Die eine ist milder, die andere herzhafter, aber gut sind sie beide.

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