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BRÜCHSALER POST
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Nummer 296
Freitag, 21. Dezember 1951
Einzelpreis 20 Pfennig
Der — wievielte — zur Zeit aussichtsreichste Kandidat für den verwaisten Posten des Bundespressechefs
soll Ministerialrat Dr. Nahm vom Hessischen Innenministerium sein ?
Der einzige Widersacher Gesamtdeutschlands
DÜSSELDORF . Der Vorstand des antikommunisti- 6Chen Bundes der Verfolgten des Naziregimes (BVN) erinnert zum 72. Geburtstag Stalins in einer Erklärung an die „Kette von Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die das Zwangsregime der Sowjets umschließt“. Der Raub von Ostpreußen , die Sanktionierung der Oder—Neiße-Linie, die Verschleppung von unzähligen deutschen Männern, Frauen und Kindern, die Zurückhaltung von Hunderttausenden Kriegsgefangenen, die Errichtung von Konzentrationslagern in der sowjetischen Zone und damit die Aechtung und Knechtung von mehr als 20 000 Deut schen seien die Meilensteine der Entwicklung eines Nihilismus, „der schon bis ins Herz Europas vorgestoßen ist und der die freien Völker der ganzen Welt bedroht“.
Der BVN erblickt in der Sowjetunion den „einzigen Widersacher eines geeinten, freien, friedfertigen und demokratischen Gesamtdeutschlands“ und warnt die Bevölkerung der Bundesrepublik vor den „Sehd- boten Stalins im Schafskleid der „Ohne-mich-Bewe- gung“. Die-Völker Europas und der freien Welt sollten den Sirenenklängen de9 Beherrschers Asiens nicht glauben. Die einzige Sicherung des Friedens bestehe im Zusammenschluß aller freien Völker und in der gesetzmäßigen Verankerung einer Politik, die nicht nur die politische, sondern auch die soziale Freiheit garantiert.
Luftbrücke für UNO -Kriegsgefangene geplant
TOKIO . UNO -Verbindungsoffiziere haben den Kommunisten am Donnerstag mitgeteilt, daß sie bereit sind, die Besprechungen im Kriegsgefangenenunterausschuß in Pan Mun-jon wieder aufzunehmen, sobald die von den kommunistischen Delegierten vor zwei Tagen übergebenen Listen mit Namensangaben der UNO -Kriegsgefangenen überprüft sind. Die Kommunisten haben Pan Mun-jon zum Austauschplatz für die Kriegsgefangenen beider Seiten vorgeschlagen. .
Die amerikanische 8. Armee gab am Donnerstag bekannt, daß sie eine Luftbrücke einrichten will; um entlassene UNO -Gefangene nach Japan zu transportieren. Die Engländer wollen eine gesonderte Luft- brücke für ihre Gefangenen einrichten.
Die Donnerstagsitzung des Unterausschusses für die Ueberwachung des Waffenstillstandes verlief in Pan Mun-jon wiederum erfolglos. Die UNO -Unter- händler wiesen den kommunistischen Vorschlag zurück, daß während des Waffenstillstandes der Ausbau vön Flugplätzen gestattet werden solle. Der Widerstand gegen diese Forderung gründet sich, wie ein UNO -Sprecher sagte, „auf die Tatsache, daß die Kommunisten gegenwärtig über keine wirklich brauchbaren Flugplätze verfügen.“
Die erste Bunde gewonnen
Vollversammlung billigt Deutschland -Kommission - Aussprache und Abstimmung im Blitztempo
PARIS . Im Blitztempo hat die UNO -Vollversammlung am Donnerstagnachmittag den Entschluß des - weiten Politischen Ausschusses bestätigt, sofort einen unabhängigen internationalen Untersuchungsaus- huß zu bilden, der in beiden Teilen Deutschlands prüfen soll, ob dort die Voraussetzungen zur Durch- ihrung freier und geheimer Wahlen vorhanden sind oder nicht. Die Bildung des Untersuchungsauschusses für Deutschland wurde in der UNO -Vollversammlung mit 45 gegen 6 Stimmen bei 8 Ent- )altungen angenommen.
Gegen die Bildung eines unabhängigen internationalen Untersuchungsausschusses stimmten außer den fünf Ländern des Sowjetblocks nur noch Israel . Der Stimme enthielten sich Indien , Indonesien , Schweden , Jemen , Jugoslawien , Afghanistan , Argentinien und Burma .
Die Annahme des Beschlusses des zweiten Politi schen Ausschusses vom Vortage hat in UNO -Kreisen keinerlei Erstaunen hervorgerufen. Die einzige Tatsache, die überrascht hat, ist die, daß bereits einen Tag später das Ergebnis dieser Beratungen zum gültigen Beschluß der Vollversammlung der Vereinten Nationen erhoben wurde. In diesem Blitztempo wird der Wille der Mehrheit der Vereinten Nationen gesehen, das Deutschlandproblem so rasch wie möglich einer Regelung zuzuführen.
Aus der Tatsache, daß acht Länder sich der Stimme enthalten haben, wird keineswegs geschlossen, daß diese Länder gegen eine Wiedervereinigung Deutschlands wären.
Vor der Abstimmung gaben die Vertreter der So wjetunion , Polens und der Tschechoslowakei noch einmal kurze Erklärungen ab, in denen sie betonten,
daß dem Untersuchungsausschuß jede legale Basis fehle. Während Malik als Vertreter der Sowjetunion sachlich sprach, griffen die Vertreter Polens und der Tschechoslowakei in schärfster Weise die Bonner Regierung an.
Die gesamte Aussprache und die Abstimmung, die namentlich stattfand, dauerte insgesamt 34 Minuten. Die Vollversammlung faßte anschließend den Beschluß, dem Deutschlandausschuß die nötigen finanziellen Mittel zur Durchführung seiner Tätigkeit zur Verfügung zu stellen.
Der Berliner Bürgermeister Professor Reuter, der der deutschen Delegation angehörte, stellte fest: Die erste Runde ist gewonnen. Jetzt müsse der psychologische und politische Kampf verstärkt werden, um eine akzeptable Basis für freie gesamtdeutsche Wahlen zu gewinnen. Die „andere Seite“ müsse unter Druck gesetzt werden. Ihre Situation sei schwieriger als . je zuvor.
Bundesminister Kaiser erklärte: „Wir sind um einen guten Schritt weitergekommen, und die weiteren Schritte werden folgen.“
Kein moralisches Recht zur Anklage
USA weisen Sowjetprotesl wegeil Auslandshilfe-Gesetz energisch zurück
WASHINGTON . Die Regierung der Vereinigten | als ihr Interessengebiet betrachtet. Die Aufzeichnun- Staaten hat den Protest dter Sowjetunion gegen die im Gesetz über die Auslandshilfe vorgesehene finan'
zielle Unterstützung für Flüchtlinge aus den Ländern hinter dem Eisernen Vorhang energisch zurückgewie- sen.
In einer Note des amerikanischen Außenministeriums an die Sowjetregierung, die am Donnerstag in Washington veröffentlicht wurde, wird der sowjetischen Behauptung entgegengetreten, daß h>ses Gesetz eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Sowjetunion darstelle. Diese Beschuldigungen seien umSo weniger am Platz, heißt es in der am Mittwoch in Moskau überreichten Note, als sie von einer Regierung ausgingen, die viele Jahre hindurch eine umstürzlprische Tätigkeit gegen die Regierung der Vereinigten Staaten unterstützt habe. k In der sowjetischen Protestnote, die am 21. November überreicht worden war, hieß es, daß das Gesetz über die Auslandshilfe das amerikanisch -sowjetische Abkommen von 1933 verletze, in dem sich die beiden Länder verpflichteten, nicht in die inneren Angelegenheiten des anderen Landes einzugreifen.
Die Delegierten der Ostblockstaaten setzten am Donnerstag im Politischen Ausschuß der UNO -Vollversammlung ihre Angriffe gegen die USA fort und beschuldigten sie, mit Hilfe des Gesetzes über die gegenseitige Sicherheit“ eine Fünfte Kolonne in den Kominformländem zu finanzieren. Der brasilianische Delegierte Brandao entgegnete, die Einmischung der Sowjetunion in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten sei viel zu sehr bekannt, als daß die Sowjets das moralische Recht hätten, andere Länder anzuklagen. Der Delegierte der USA , Mansfleld, erwiderte auf die Anklagen der Ostblockvertreter, sie verfolgten den offensichtlichen Zweck, erneut gegen die Atlantikpaktorganisation und die Verteidigungsantengungen der freien Welt Stimmung zu machen. Die Ausrüstung des in Ungarn festgehaltenen amerika nischen Flugzeuges sei die Standardausrüstung jedes Transportflugzeuges der USA und habe mit Spionagezwecken, wie von Wyschinski behauptet wurde, nicht das geringste zu tun.
LONDON . Aus einem Geheimprotokoll aus dem Jahre 1940 schließt der „Manchester Guardian “ am Donnerstag, daß die Sowjetunion den Nahen Osten
gen über die Gespräche zwischen Hitler und Molo- tow im November 1940 enthalten den Satz: „Die So wjetunion erklärt, daß sich ihre territoriale'n Bestrebungen auf das Gebiet südlich der Sowjetunion in der Richtung auf den Indischen Ozean konzentrieren.“ Kurze Zeit nach diesen Verhandlungen habe, so schreibt der „Manchester Guardian “, der deutsche Botschafter in Moskau das sowjetische Angebot übermittelt, einen Viermächtepakt Deutschland — Sowjet union — Japan — Italien abzuschließen, in dem das Gebiet südlich Batum und Baku in der Richtung auf den Persischen Golf den sowjetischen Aspirationen Vorbehalten bleiben sollte. Die Dokumente ftammen aus dem" deutschen Auswärtigen Amt und sind von den USA veröffentlicht worden.
Griechenland in den Sicherheitsrat gewählt
PARIS . Nach neunzehn Wahlgängen an drei verschiedenen Sitzungstagen wählte die UNO -Vollversammlung am Donnerstag Griechenland zum neuen nichtständigen Mitglied des Sicherheitsrates. Die Wahl Griechenlands , das an die Stelle des satzungsgemäß ausscheidenden jugoslawischen Vertreters tritt, erfolgte mit 39 Stimmen — zwei Stimmen mehr als der notwendigen Zweidrittelmehrheit. Weißruß land , der Kandidat des Ostblocks für den nach den bisherigen Gepflogenheiten-von einem osteuropäischen Land zu besetzenden Sitz, vermochte sich trotz anfänglicher Gleichheit mit Griechenland bei den ersten Wahlgängen nicht durchzusetzen und erhielt bei der entscheidenden Abstimmung nur 16 Stimmen. Vier Delegationen enthielten sich der Stimme.
53 Milliarden Mark kriegsbedingte Schäden
Noch ohne Währungsschäden und Vermögenslose, die eine Stellung verloren haben
BONN . Der Vorsitzende des Lastenausgleichsausschusses des Bundestages, Johannes Kunze (CDU / CSU ), bezifferte am Donnerstag vor der Presse in Born das voraussichtliche jährliche Gesamtaufkom- m* aus dem Lastenausgleich auf 2,2 bis 2,3 Milliarden Mark. Die zweite Ausschußlesung des Lasteri- ausgleichsentwurfes wurde am Donnerstag beendet.
Die Opposition habe sich dagegen ausgesprochen, Mittel der öffentlichen Hand in den Lastenausgleich einzubeziehen, fügte Kunze hinzu. Die Mehrheit der Ausschußmitglieder vertrete dagegen die Auffassung, daß der Lastenausgleich nicht dazu da sei, die öffentliche Hand zu entlasten. 'Abg. Kriedemann (SPD ) sagte dazu, daß bei einer Heranziehung der öffentliche* Hand praktisch ein Teil des Lastenausgleiches dem Steuerzahler auferlegt werde.
Die kriegsbedingten Schäden einschließlich den der juristischen Personen würden — ohne Währungsschäden _ auf 53 Milliarden Mark geschätzt, sagte
Kunze. Dabei seien noch nicht diejenigen berücksichtigt, die kein Vermögen, aber eine Stellung verloren hätten und die jetzt als alte Menschen aus dem Lastepausgleich versorgt werden müßten. Kunze wandte sich gegen eine sofortige Fälligkeit der Abgabe», weil dann 99 Prozent der Abgabepflichtigen einen Stundungsantrag einreichen würden und kein Personal für die Bearbeitung dieser Anträge vorhanden sei. Man überlege noch, vielleicht durch einen Bonus oder ein Disagio einen Anreiz zur sofortigen Zahlung zu geben.
Kunze teilte schließlich mit, daß die Abgabepflicht bei 5000 Mark Vermögen beginnen und in Prozentsätzen bis zu einem Vermögen von 35000 Mark gestaffelt werden soll. Von 35 000 Mark Vermögen an soll sie 50 Prozent betragen. Falls das Feststellungsgesetz vom Bundesrat abgelehnt werden sollte, werde die Feststellung in das Lastenausgleichgesetz selbst eingebaut werden müssen.
Vertrauensspritze
Es klingt-nur ungereimt, ist aber bei Licht besehen durchaus einleuchtend: Großbritannien weigert sich hartnäckig, in die Europa -Armee hineinzugehen, aber es hat mit dem Besuch Churchills und Edens in Paris eben diesem Unternehmen einen durchaus bewußten und gewollten Dienst erwiesen. Die Franzosen waren in den letzten Wochen über die distanzierte Haltung der konservativen Regierung gegenüber allem, was mit Straßburg zusammenhing, verschnupft und machten aus ihrem enttäuschten und beunruhigten Herzen keine Mördergrube. Mit Bitternis erinnerten sie sich der früheren kühnen und eindeutig formulierte^ Vorschläge Churchills für die Einheit Europas , deren Tragweite die englische Presse jetzt plötzlich nicht mehr wahrhaben wollte. Der einstige Ministerpräsident Reynaud malte das Gespenst eines völligen Zusammenbruchs des Plevenplans an die Wand, wenn England nicht doch noch anderen Sinnes werde. Was dieser Reaktion der Franzosen zugrunde lag, war die Sorge, daß die Engländer sie mit den Deutschen allein lassen könnten, eine Perspektive, die ihnen schon seit Jahr und Tag Kopfzerbrechen macht. Gerade deshalb hat ja Churchill auch immer wieder in seinen Europa - Reden ein enges britisch -französisches Zusammengehen als Voraussetzung eines fruchtbaren Verhältnisses zwischen den beiden Nachbarvölkern am Rhein bezeichnet. Daß die Deutschen selbst als Bundesgenossen eines Tages sehr unbequem werden können, war ein Ueberlegung, die auch in England angestellt worden ist Und noch heute angestellt wird. Aber die Notwendigkeit deutscher Divisionen wurde ebenfalls erkannt. Die Verzwicktheit des Problems hat schließlich die Labour-Regierung in diesem,Sommer veranlaßt, die Europa -Armee doch als die einzig mögliche Lösung anzusehen, da sie eine gleichberechtigte deutsche Beteiligung ohne eine deutsche National-Armee gestattet, obwohl man in England diesem neuartigen Versuch auch heute noch skeptisch gegenüber steht. Selber will man nicht mitmachen, aber für das Gelingen des Plevenplans setzt sich auch London nunmehr rückhaltlos ein, und Churchill hat ' den Franzosen nun mit seinem Besuch eine Ver- träuensspritze geben wollen, indem er die Entente cordiale wieder etwas aufputzte und unter Hinweis auf die Zusammenfassung aller Streitkräfte in der Atlantikarmee versicherte, daß Frankreich den Schritt wagen könne, der zur Wiederbewaffnung der Deutschen führt. A. Z. ^
Berliner Streik in letzter Stunde vermieden
BERLIN . Ein Abkommen' zwischen dem Senat und der Gewerkschaft Oeffentliche Dienste, Transport und Verkehr in der Nacht zum Donnerstag verhinderte kurz vor Beginn den Streik in Westberlin . Das Abkommen sieht vor, daß den Arbeitern und Angestellten der OeTV 30 bezw. 40 DM Ausgleichszulagen gezahlt * werden. Außerdem hat sich der Senat verpflichtet, dem Abgeordnetenhaus im Januar eine Vorlage zu unterbreiten, wonach pro Kopf noch einmal 10 Mark zusätzlich bewilligt werden. Die OeTV widerrief daraufhin ihren' Streikbeschluß, den sie am Vormittag gefaßt hatte.
Die Ostberliner Presse begrüßte am Donnerstagmorgen den ursprünglichen Streikbeschluß der Gewerkschaft. da sie entweder nicht davon unterrichtet war, daß der Streik in der Nacht abgeblasen wurde, oder diese Tatsache verschwieg. Sie war schon in den letzten Tagen propagandistisch stark für den Streik eingetreten, obwohl Streiks in ‘der Sowjetzone selbst verboten sind.
Rekordsitzung des Bundesrates
Zustimmung zur Investitionshilfe - Verfassungsänderung abgelehnt
BONN . In vier Stunden verabschiedete der Bundesrat am Donnerstag in seiner letzten Sitzung dieses Jahres 36 Gesetze, Verordnungen und Anträge. Ursprünglich waren wegen der Fülle des Stoffes zwei Sitzungstage vorgesehen. Unter dem Vorsitz des Hamburger Bürgermeisters Brauer konnte aber durchschnittlich alle sieben Minuten ein Tagesordnungspunkt erledigt werden. Das ist, wie Bundesratsmitglieder nach der Sitzung betonten, ein Rekord in der zweijährigen Geschichte dieses Bundesorgans.
Gegen die Stimmen Hessens stimmte der Bundesrat dem bereits vom Bundestag verabschiedeten Investitionshilfegesetz zu. Auch das vom Bundestag verabschiedete Mutterschutzgesetz und der Regierungsentwurf eines Gesetzes über die politische Treuepflicht der Angehörigen des öffentlichen Dienstes wurden gebilligt. Außerdem bestätigte der Bundesrat das Einfuhr-Reuegeldgesetz, das die. unbegründete Nichtausnutzung von Einfuhrgenehmigungen mit einem Reugeld belegt. Ferner wurde das Gesetz zur Aenderung des Gewerbesteuerrechts in seiner neuen Fassung endgültig gebilligt. Das Gesetz
Neue Spannung Holland—Indonesien
Den Haag beiürditet „Kalte Annexion" von Neu Guinea durch Indonesien
AMSTERDAM . Ein neuer Zwischenfall hat zu einer anscheinend ernsthaften Störung der holländisch-indonesischen Beziehungen geführt. In dem indonesischen Hafen Tandjong Priok bei Djakarta wurden kürzlich Waffen auf einem holländischen Schiff beschlagnahmt. (Waffen dürfen nur mit ausdrücklicher Genehmigung des zuständigen Militärbefehlshaber in Indonesien eingeführt werden.) Der Protest des holländischen Hohen Kommissars in Dja karta und sein Hinweis darauf, daß die Waffen für Holländisch-Neu-Guinea bestimmt seien, daß sie also nicht als Einfuhrgut, sondern nur als Transitgut gelten könnten, wurde mit der Begründung zurückgewiesen, daß West-Neu-Guinea von der indonesischen Regierung als indonesisches Gebiet angesehen werde und es sich daher nicht um eine Durchfuhr, sondern um eine Einfuhr der W-affen handele.
Diese Auffassung wird von der holländischen Regierung, wie am Donnerstag im Haag verlautet, als „sehr ernst“ angesehen. Man fürchtet, so heißt es in holländischen Regierungskreisen, daß sich diese „kalte Annexion von Neu-Guinea “ in sehr ungünstiger Weise auf die bevorstehenden Besprechungen im Haag über die Revision des holländisch-indonesischen Unionsstatuts auswirken werde.
Inzwischen traf ein weiteres holländisches Schiff mit 150 Tonnen Waffen und Munition für Neu-Gui nea in demselben indonesischen Hafen ein. Der holländische Hohe Kommissar in Djakarta gab der in donesischen Regierung schon im voraus zu verstehen, daß sich die holländische Regierung mit einer Beschlagnahme auch dieser Waffen nicht abfinden werde.
über die finanzielle Gleichstellung Berlins mit den Bundesländern kann ebenfalls verkündet werden, nachdem es jetzt vom Bundesrat angenommen worden ist.
Das vom Bundestag verabschiedete Feststellungsgesetz, das die Feststellung von Kriegs- und Kriegsfolgeschäden regelt, ging an den Vermittlungsausschuß von Bundestag und Bundesrat. Der Bundesrat wünscht, daß dieses Gesetz tfuch auf Sowjetzonenflüchtlinge ausgedehnt wird. Der Rechts- und Finanzausschuß des Bundestages vertrat die Ansicht, daß eine gesonderte Feststellung den Lastenausgleich, präjudiziert. Den gleichen Weg nahm das Gesetz über die Errichtung eines Bundesgesundheitsamtes, in dem nach Auffassung des Bundesrates ausdrücklich vermerkt werden muß, daß es nur nach förmlicher Zustimmung des Bundesrates wirksam werden kann.
Die vom Bundestag beschlossene Aenderung des Grundgesetzes, die dem Bund auch in den Ländern Vollmachten für die Verwaltung des Lastenausgleiches geben sollte, wurde abgelehnt.
In einer Entschließung ersuchte der Bundesrat dep Bund, 36 Millionen Mark für den Bergarbeiter-Woh- * nungsbau bereitzustellen. Eine Stellungnahme zu der württembergisch-badischen Verfassungsklage gegen den Länderflnanzausgleich 1950 lehnte der Bundesrat ab, da er sich als Organ aller Länder nicht zu der Klage eines Landes äußern könne.
Bundespräsiden! leg! Grofikreuz an
BONN . Der Bitte des Bundeskabinetts entsprechend, wird Bundespräsident Professor Heuß bei dem Neujahrsempfang für das Diplomatische Korps das Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik anlegen. Nach Mitteilung des Bundespräsidialamtes wird der Bundespräsident diese höchste Auszeichnung der Bundesrepublik nur auf dem Diplomatenempfang und nicht bei den anderen Neujahrsempfängen tragen.
BONN . Ein Kurzfilm über die Notwendigkeit des Schu- manplanes wurde am Donnerstag Bundespräsident Prof.
Heuß und Bundeskanzler Dr. Adenauer in Bonn vorgeführt.
An der Erstaufführung nahmen auch die Staatssekretäre Prof. Hallstein und Dr. Lenz und als Vertreter des Deut schen Gewerkschaftsbundes Hans vom Hoff teÄ,