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Männer bekämpfen Aberglauben und Seuchen — Eine UNO -Kommission bereist Südostasien

unterteilt in Famiiienabteile. Allerdings endet hier die Konzession an das Bedürf­nis privater Abgeschlossenheit, denn in den Wänden sind Löcher, so daß man durch die ganze Länge des Hauses und damit auch durch die Intimität des Fa­milienlebens der 200 Bewohner Riams wandern kann.

Als wir „an Bord“ kamen, drängten sich freundliche Männer und lächelnde Frauen mit einer Unmenge von gaffenden, nack­ten Kindern um uns. So also sahen die „wilden Männer von Borneo “, die „Kopf­ jäger “ aus! Sie sind Heiden, unbeeinflußt durch Christen- und Mohammedanertum. Sie leben noch in ängstlicher Abhängig­keit vom Geist des dschungelbedeckten Berges, der ihre Landschaft und ihr Leben beherrscht.

Reis, Bier und Betelnuß

Dieser Geist ist auf Neuankömmlinge sehr eifersüchtig. Bevor wir in Freund­schaft aufgenommen werden konnten, mußten wir seine Billigung erwerben. Die Dyaks waren durchaus nicht sicher, wie er auf alle unsere mysteriösen Apparate rea­gieren würde — auf die Photoapparate, die Blitzlichtlampen und das Schallplat­tenaufnahmegerät. Unsere Ausrüstung hatte auf dem Wege von Europa hierher be­reits zehn Zollschranken passiert, aber diese „Überprüfung“ dauerte Stunden.

Der Palan Gawei („Haupt des Fest­mahls“) saß der Versammlung vor. Er war ein 93 Jahre alter, eingeschrumpfter kleiner Mann, dem der Betelsaft wie Bluttropfen aus dem zahnlosen Munde troff. Er trug einen braunen bomeani- schen Turban und ein Kleid von derselben Farbe. Seine Stammesältesten hatten sich in farbenprächtigere Kostüme geworfen. Sie kauerten auf einer Matte vor der Tür des Häuptlings unter einem Baldachin aus weißem Musselin und begannen einen Gesang, wobei sie von Zeit zu Zeit auf­standen und Reis in der Richtung des Ber­ges warfen. Dann rieben sie Reis wie Shampoon in unsere (Haare und be­

schmierten unsere Stirnen und bloßen Brustkästen mit Safran. Schließlich streu­ten sie Reis über unsere Ausrüstung. Plötzlich ergriffen sie eine Flasche Bier (jawohl: Bier!), ein Glas, einige Hände voll Betelnuß und Kalk, gemischt mit rotem Tabak und Reis, und gaben unsein Zeichen, ihnen zu folgen. Wir wurden von allen Dorfbewohnern begleitet, als wir zum Pangga gebracht wurden, zum Haus der Menschenköpfe, einer großen bananenblatt­bedeckten runden Hütte, die hinter dem Langhaus lag und durch einen TotempfaU behütet war.

Der tote Japaner

In diesem Haus war in halber Höhe eine Galerie. Darüber war an einer Stelle der Altar mit den Menschenköpfen auf­gehängt, ein Überbleibsel der alten Kopf­jägerei — und ein Zeuge jüngerer Ver­gangenheit, denn einer der Köpfe stammte von einem Japaner, der während des letz­ten Krieges von Partisanen getötet wor­den war. Ich schätze, daß der japanische Kopf ausersehen wurde, unser Bote an den Berggott zu sein. Jedenfalls füllte der Palan Gewei ein Glas mit Bier und bot es dem Schädel zum Trinken an. Dann wurde in der Decke ein Loch geöffnet und der Schädel gebeten, sich zum Berggeist zu begeben und mit ihm zu verhandeln. Hierbei machte sich der „Bote“ (der zu­rückbleibende Schädel) symbolisch auf die Reise, wobei er mit Gesang begleitet wurde. Der Palan Gawei warf aus dem Dach Reis hinaus als Wegzehrung für die Reise des Boten. Dann kauerte sich der alte Mann wieder nieder, und in einer trancegleichen Vergessenheit spielte er auf einem dünnen Rohr, das mit vier Löchern versehen war. Einer der Ältesten begann zusammen mit drei broncefarbigen Jun­gen die „Gedangs“ zu schlagen. Das sind Trommeln aus hohlen Palmstämmen, die an einem Ende mit einer Haut bedeckt sind. Andere Dorfbewohner schlugen Gongs, die wie umgekehrte Bratpfannen aussahen.

Das Passieren der Stromschnellen mit all unserer Ausrüstung war ein nervenzer­reißendes Experiment, aus dem wir, durchgeweicht von Wasser und kaltem Angstschweiß, aber voll Bewunderung vor der Schifferkunst der Dyaks hervorgingen.

Wir sind gute Geister und dürfen alles

Borneo (Sarawak ).

Im Dschungel mehrten sich die Zeichen, daß wir uns dem Dorf Land Dyak näher­ten. Unsere Träger waren in einen leich­ten Trab übergegangen, und die Eskorte hatte ihre Gewehre umgehängt. Die Ko­lonne schlängelte sich mit einer Geschwin­digkeit durch das Unterholz, daß wir vor Schwitzen der Auflösung nahe waren. Aber abgesehen von diesen Äußerungen eines Instinkts, der die Nähe des Stalles ahnen ließ, gab es noch eine ganze Reihe anderer Zeichen dafür, daß wir uns unse­rem Ziele näherten: Die Reisfelder des letzten Jahres verfilzten sich bereits wie­der mit dem Dschungel, die Gummi­bäume zeigten frische Anzapfungen, aus denen der weiße Saft in die Gefäße tropfte, und vor allem bekamen wir die heidnischen Zauberschreine zu Gesicht. In kurzen Abständen fanden wir diese fein­gebauten Gegenstände, auf die die Gaben gelegt waren, die dazu dienen sollten, die bösen Geister zu besänftigen. Diese Schreine waren angebracht an Orten, an denen die Dorfbewohner bösen Vorzeichen begegnet waren — so beispielsweise wenn der Spin­nenfängervogel von links nach rechts über den Weg geflogen war oder eine Schlange eine „falsche“ Farbe gezeigt hatte.

Hühnerleiter, nicht Marmortreppe

Glücklicherweise waren heute die Omen des Dschungels für uns günstig. Andern­falls hätten unsere Träger ihre Lasten niedergelegt, oder sie wären zurückg’-

Dann kauerte sich der alte Mann nieder, und in einer trancegleichen Vergessenheit spielte er auf einem dünnen Rohr, das mit vier Löchern versehen war.

(2 Fotos: UNATXONS)

kehrt, bis die Anzeichen besser geworden wären. Bald tauchten wir aus dem Grün des Dschungels hervor und kamen an einen Absturz oberhalb einer Flußenge, durch die das Wasser mit der Geschwindigkeit eines Mühlbachs hindurchquirlte. Der ,b- stieg zum Flüßchen geschah mit Hilfe eines großen Baumes, der gegen den Absturz gestemmt und mit Auskerbungen wie eine Hühnerleiter versehen war. Unsere Trä­ger kletterten mit ihren schwankenden Lasten auf dem Rücken diese Stiege hin­unter, als wenn es sich um eine Marmor­treppe gehandelt hätte. Als sie unten an­gekommen waren, begleiteten sie mein Heruntersteigen mit freundlichem Geläch­ter und Betrachtungen über meine Ab­stammung vom Affen.

Wie eine Tadhometernadel

Als nächstes kam das „Gottesgericht“ durch das Wasser. Das Passieren der Fluß­schnellen mit all unserer Ausrüstung war ein nervenzerreißendes Experiment, aus dem wir durchgeweicht von Wasser und kaltem Angsschweiß, aber voll Bewunde­rung vor der Schifferkunst der Dyaks her­vorgingen. Wie sie die langen Boote hand­habten, die aus Baumstämmen gehauen und ausgebrannt waren, war wirklich ein Glanzstück der Nerven- und Muskelb - herrschung. Der Bootsmann stand am Heck mit einer langen Ruderstange und lenkte das Boot durch den „Mühlbach“, wo es hin und her schwankte wie die Nadel eines Tachometers, und wo es dann wieder schaukelte wie eine Kinderwiege.

Es gibt kein „Privatleben“

Wachtposten hatten das Dorf von unse­rem Kommen unterrichtet. Der Häuptling und die Ältesten waren zur Stelle und hal­fen uns ans Ufer. Wir stiegen mit Hilfe eines weiteren eingekerbten Baumes die Klippe hinauf und kreuzten einen Graben über eine Dyak-Brücke, die aus einem Baumstamm bestand, der über ein Fach­werk aus Bambus gelegt war. Schließlich kamen wir zu einer Dschungel-Rodung und zum Langhaus von Riam. Ein Lang­haus ist tatsächlich ein langes Haus, in dem das ganze Dorf wohnt. Es handelt sich dabei um ein dreistöckiges Gebäude, das «u? massiven Pfählen errichtet ist. In der Längsrichtung ist es mit einer Veranda und einer breiten Plattform aus Bambus versehen. Klettert man mit Hilfe einer „Hühnerleiter“ hm-of so kommt man sich vor wie auf ein'-m S ’ ’ rf dns an der einen Seite die Kabinen hat. Das Langhaus ist

Bericht von Ritchle Calder

Nach längerer Zeit teilte der Palan Ga­wei mit, daß der Bote zurückgekommen sei und der Berggeist unsere Ankunft gebilligt habe. Wir seien gute Geister, die eine hervorragende Reisernte bringen und den Kranken helfen würden. (Der Berg mußte beeindruckt gewesen sein von unse­rem Beglaubigungsschreiben von der UNO , der Emährungs- und Landwirtschafts- Organisation und der Weltgesundheits­ organisation !)

Danach konnten wir tun und lassen, was wir wollten, selbst Blitzlichter abbrennen im Haus der Menschenköpfe und Schall- platten aufnehmen. Leider war aber die Tatsache, daß wir gute Geister waren, keine Sinekure. Nach einem Rat der Älte­sten mußten wir an dem ganzen Ritual und an den Zeremonien teilnehmen. Die Ältesten arangierten ein Festmahl für den Berggeist im Schein von Azetylenlampen. Die Familien brachten Nahrungsmittel, und die Mütter stellten ihre Haushalts­schätze aus (einschließlich unserer weg­geworfenen Blitzlichtbirnen).

Zuerst der Palan Gawei, dann die Älte­sten, hierauf die alten Frauen und Mäd­chen kamen zu uns und banden kleine Glocken um unsere Arme. Wir hatten ihnen „Gute-Gesundheit-Armringe“ anzu­legen.

Tanz und Hühnerblut

- Die Ältesten vollführten anschließend ihre Tänze. Als die Musik wilder und wilder wurde, fiel das Alter von ihnen ab, und mit ihren auf und ab wippenden Federn und mit ihren Sarongs drehten und wendeten sie sich, bis sie erschöpft

zusammenbrachen.

Um Mitternacht war der Höhepunkt er­reicht. Die Dorfbewohner hatten ein Hühn­chen geopfert und sein Blut in einer

Lauter laute Laute in Englisch und Französisch hörte man kürzlich in einem Stockholmer Seuchenkranken­haus. Ein „Femexamen“ bestand dort die 19jährige Stockholmer Stu­dentin Ingrid Olsson, die kurz vor ihrer Lehrerinnenprüfung eingelie­fert wurde und isoliert liegen mußte. Mit Hilfe einer Lautsprecheranlage wurde Ingrid von ihren Professoren, die im Nebenzimmer saßen, auf ihre Kenntnisse in Englisch , Französisch. Geschichte und Chemie geprüft, ohne daß einer der Prüfei mit ihr in einem Raum weilte. Die schriftliche Prüfung hatte Ingrid schon vorher abgelegt.

Ein motorisiertes Baby bekam der motorisierte Polizist George Fencel in Philadelphia (USA ). Mit den Wor. ten „Bei mir im Wagen sitzt ne Trau, die ein Kind kriegt!“ rief ihn ein Taxichauffeur zu Hilfe. George guckte in den Wagen, holte einr ■’ tief Luft — und lotste den Wäger mit seinem Motorrad im Höllen­tempo ins nächste Krankenhaus Eine halbe Stunde später beglück­wünschte ihn der Arzt: seine Frau hatte einen gesunden Jungen zur Welt gebracht.

Bowle gesammelt, die zugleich Kokosnuß­milch enthielt. Nun forderten sie mich auf, den Inhalt des Gefäßes über das Volk zu spritzen. Ich machte Einwände. Sie be­standen darauf. Schließlich unterwarf ich mich. Frauen brachten ihre Kinder, damit das Blut auf ihre Stirn geschmiert würde. Sie brachten kleine Mädchen, deren Ge­sichter gepudert und deren Lippen rot be-

Wie die alten Römer, widmen auch die Caprihunde den größten Teil ihres Tages dem öffentlichen Leben. Die Piazza ist ihr Forum, hier ist es, wo sie ihre Geschichte schreiben. Wenn Don Antonio die Türen seiner Osteria aufschließt und Don Nico- lino Barbier und „Salassatore“ (Aderlasser) aus seinem „Salone" hervortritt, beginnt Capri einen neuen Tag. Von allen Seiten kommen dann die Notabein unter den Ca­prihunden gravitätisch anmarschiert, die beiden Doktorhunde, der des Sekretärs, des Tabakhändlers und noch ein paar an­dere. Man begrüßt sich mit dem von der Natur vorgeschriebenen Zeremoniell und setzt sich auf der Piazza zum Meditieren nieder. Don Antonio stellt ein paar Stühle vor sein Cafe, einige Hunde folgen der Aufforderung, sich davor niederzulassen, während andere die Stufen vorziehen, die zur Kirche hinaufführen, oder den behag­lichen Winkel am Campanile. Seinem Uhr­werk haben viele Generationen mit immer neuer Verwunderung gelauscht, da es un­beirrbar wie die Sonne seinen Weg geht, freilich seinen eigenen — unbekümmert um den Weg der Sonne.

Der Morgen verläuft in ruhigem „dolce far niente“, um für die Mühen des Tages gerüstet zu sein. Selten ist etwas ge­schehen, seit man sich gestern hier traf, selten deutet etwas darauf hin, daß der kommende Tag irgendeine Abwechslung in die unerschütterliche Eintönigkeit ihres „Status quo“ bringen könnte. Arkadischer Frieden liegt über ihrem Dasein, beschau­liche Ruhe steht auf ihren Gesichtern ge­schrieben. Und doch blüht dieser Frieden auf einem Vulkan, ebenso wie der Sommer, dort am fernen Horizont, auf den Hängen des Vesuvs.

Die vierbeinigen Assistenten der beiden rivalisierenden Ärzte strecken einander ver­stohlen die Zungen heraus, während sie rechts und links von der Apothekentür sitzen, und oft genug fallen die Hunde der Barbiere Don Nicolinos und seines neuen Konkurrenten Don Cicillos übereinander her, daß die Haarbüschel fliegen Doch die Aufregung legt sich bald, und ruhig wie die plätschernden Wogen drunten am Badeplatz des alten Kaisers Tiberius glei­ten die Stunden in einförmigem Rhy nus dahin:

Man betrachtet die Mädchen — ein le­bender Parthenonfries Gleich Karyatiden schreiten sie, gewaltige Tuffsteine auf den edel getragenen Könf°n ''Tan si^M aufc-ie Fischer der Mer’na d'e den Fang der Nacht zum Markt bringen, goldglänzende

malt waren. Die Mädchen des Langhauses faßten meine Hand, tauchten sie in das Gefäß und strichen seinen Inhalt auf ihre Wangen.

Zum Dröhnen der Gongs wurde ich her­umgewirbelt. Jünglinge, che sich bisher zynisch zurückgehalten hatten (ein Teil von ihnen hatte die meiste Zeit Karten gespielt), kamen nun in den Vordergrund und wiegten sich in den Hüften, um das Blut zu empfangen. Der ansteigende Lärm und der Ritus hatten ihren Skeptizismus erschüttert. Ihr eingeborener Aberglaube hatte gesiegt.

Kompromisse sind notwendig

Wie weit dies alles von Penicillin und von der Magik des weißen Mannes ent­fernt scheinen mag, so bezieht sich diese seltsame Exkursion in das Heidentum des Dschungels doch auf das Thema „Männer gegen Seuchen“. Aberglaube, der in jeder Gesellschaft steckt, ob nun in einer fort­geschrittenen oder primitiven, kann nicht übersehen werden. Er bildet-den Wider­stand gegen moderne Heilmethoden^ und in manchen Fällen muß selbst.die Wissen^ Schaft mit ihm Kompromisse schließen, um ihr Ziel zu erreichen. So war beispielsweise

Triglie und große Scurmi, schönfarbige Muscheln von einem Riff oder vielleicht eine korallenumsponnene römische Am­phore, die die tiefgreifenden Netze aus ihrem tausendjährigen Versteck vom Mee­resgrund emporgezerrt haben. Darüber er­wacht der Tatendrang, man schlendert langsam über die Piazza bis zur Ecke des Anacapriweges und starrt verträumt auf das tätige Leben vor dem Eselstall, wo Kavalkaden von Fremden ungeduldig war­ten, bis den Eseln Sättel auf die durch­gescheuerten Rücken gelegt und rostige Trensen in die wunden Mäuler geschoben werden. „Aaaaah Aaaaah! Avanti!“ Vor­wärts, zum Monte Solaro — anderthalb Stunden steilen Anstiegs mit den unbe­kümmerten Touristen auf dem Rücken!

Ja, der Weg ist schön, wie er sich an der Flanke des Berges hochwindet zwischen Granitblöcken, Myrten und Ginster. Die Sicht weitet sich immer mehr. Aaaah! Aaaaah! Noch eine Steigung, schon liegen Weinberge und Olivenwälder tief unter euren Füßen, euch zu Häupten ragen kühne Felsen, wild in ihrer gewaltigen Öde, gleich der Via Mala der Alpen ; und dro­ben ragt, an den Felsen geschmiedet, Bar­barossas verwitterte Burg.

Noch vor einem biblischen Menschen­alter bewegten sich schätzungsweise 50 Millionen Büffel über die unendliche Grasebene,' die sich vom Großen Sklaven­see in Kanada bis nach Texas erstreckte. Heute müssen auch die Amerikaner in ihre Zoos oder in die Naturschutzgebiete des Westens gehen, wenn sie diese klobi­gen, zottigen Tiere mit einer Schulterhöhe von zwei Metern und einer Länge von drei Metern sehen wollen.

Die Wiederaufzucht der Bisonherden geht natürlich langsamer vor sich als ihre Ausrottung von 1850 bis zur Jahrhundert­wende, als man nur noch 800 Tiere zählte In jener Zeitspanne wurden alljährlich durchschnittlich zwei Millionen Büffel er­legt. Siedler schossen die Tiere zu Tau­senden ab, weil sie ihre Pflanzungen ver­nichteten, Fleischjäger für die Arbeiter­massen der neuen Pazifikbahnen — der sagenumwobene „Buffalo Bill “ war einer von ihnen — lichteten ihre Reihen, und für die damals noch zahlreich umher­schweifenden Indianerstämme waren sie

im Langhaus ein Junge, dem beim Spal­ten von Bambus ein ganzer Speer durch die Schulter gegangen war. Das verur­sachte eine häßliche Wunde, die um so schlimmer wurde, als sie mit Kaffee, Chile -Pfeffer und Betelsaft beschmiert worden war. Mit der Autorität des Berg­geistes hinter uns, überzeugten wir ihn, er müsse mit uns zum Juchin-Kranken- haus kommen. Als wir das Dorf ver­lassen und ihn mitnehmen wollten, war der Junge jedoch im Dschungel ver­schwunden, da seine Mütter ihn beredet hatte, nicht mit uns zu gehen.

Weshalb? Obwohl sie nicht an eine Auf­erstehung nach dem Tode glauben, fürch­ten sich die Dyaks davor, allein zu ster­ben. Im Todeskampf müssen sie ihre ganze Familie um sich haben. Leider war aber das Krankenhaus eine Tagereise ent­fernt und nahm zu den Kranken auch nicht noch deren Anverwandte auf. Und wenn der Junge tatsächlich mitgekommen wäre, hätten- wir einige moderne Medi­kamente mit Kaffee, Chile -Pfeffer und Betel mischen, also ein Kompromiß schlie­ßen müssen. 7 1

(Wird fortgesetzt)

(Aus dem Englischen von O. H. Pietsche)

Ringsum leuchtet der Golf in seinem un - , vergänglichen Zauber, und am pinien­gekrönten Posilip taucht Eiland auf Eiland aus des Mittelmeeres blauen Fernen. „Wunderbar!“ Unter dem Sattel brennt es wie Feuer, das Maul schmerzt vom ewigen Zerren an der schweren Trense. Aber munter, munter, kleiner Esel! Droben auf der Höhe des Monte Solaro erwartet euch Padre Anselmo in seiner Einsiedelei, mit gutem Capri Bianco für durstige Kehlen!

Doch bald steigt der Mond über Sorren- tos Bergen empor. Der Schleier der flüch­tigen Dämmerung löst sich sanft von der stolzen Felswand des Solaro, gleitet über die Hänge mit schimmernden Olivenwäl­dern, Orangenhainen und Myrten und ver­geht im Silberlicht draußen über den Was­sern des Golfs. Die Nacht träumt einen schönen Traum. Märchenhaft und mond- beglänzt hebt sich die Sireneninsel aus dem Meer. Linder Südwind streicht über das Wasser, umsäuselt leise die kaum er­wachten Wogen des Strandes, weht duf­tend über blühende Orangenbäume und schaukelt spielerisch die zarten Wein­ranken.

(Aus den in der billigen Reihe der List- Bücher erschienenen Kurzgeschichten „Selt­same Freunde“ von Axel Muntha.)

ebenfalls eine willkommene Beute. Man muß es den Rothäuten lassen, daß sie an ihrer lebenden Fleischreserve keinen Raub­bau trieben. Zwar metzelten auch sie Tausende Büffel auf einmal ab, aber sie verwerteten jeden Teil des Tieres: Das Fell gab Zeltdeeken und Winterbeklei­dung. Die Sehnen wurden als Bogenbe­spannung verwendet. Aus Knochen wur­den Pfeile gefertigt. Das Fleisch trock­neten sie und füllten es gerieben und mit Büffeltalg und Wildbeeren vermischt in Därme, um es auf ihren Wanderzügen zu verwenden. Das Verdauungsprodukt der Büffel diente auf der waldlosen Prärie als Heizmaterial.

Die Todesstunde der Bisonherden' brach an, als weiße „Zui.genjäger“ die Herden dezimierten und den gefallenen Tieren ofl nur die Zungen herausschnitten, die sie in den Städten für 25 Cents (1 Mark) das Stück absetzen konnten Ein einziger die­ser „Jäger“ lieferte an den Ratskeller in St. Louis in einem Monat 2533 Zungen!

Karl H. Meyer.

Hunde und £&eC auf ^apti

Axel Munthe erzählt von „seltsamen Freunden“

Die lefcten „donnernden Hetden“

EINST GAB ES IN AMERIKA 50 MILLIONEN BÜFFEL

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