Samstag, den 25. Oktober 1952

Kirchweih in Bayern

Oktoberheiliije am «hrisllidien Sternhimmel

Viele Bräuche begleiten den Ablauf des bäuerlichen Jahres. Ihnen allen ist gemeinsam das gläubige Ver­trauen in die göttliche Allmacht und der unbedingte Glaube an die Abhängigkeit des Menschen von einer göttlichen Vorsehung. Was nützt alle sorgende Arbeit, wenn die Natur dem Bauern ihre Gunst versagt, ist doch kein Berufsstand so mit ihr auf Gedeih und Ver­derb verbunden wie er. So ist es zu verstehen, daß besonders die Ernte im Mittelpunkt uralten Brauch­tums steht. Um die „Letzte Garbe“, den „Letzten Halm“ ranken sich in ganz Deutschland mannigfaltige Bräuche, die von wahrer Bauemfrömmigkeit und in­niger Gottverbundenheit Zeugnis abiegen. Das ge­meinsame Erntedankfest aber ist die “Kerwe “, die besonders in Bayern als das größte Fest im Jahres­lauf gefeiert wird. Ich hätte Gelegenheit, in einer Amtsstadt von etwa 10 000 Einwohnern in Mittel­ franken eine „Kerwe “ mitzuerleben. In den Spätnach­mittagsstunden des Samstag nimmt das Fest seinen Anfang. Der Bürgermeister wird vor dem Rathaus von Gambrinus zum Feste eingeladen. Zwei Herolde in alter Tracht geleiten die hohen Herren in einem offenen vierspännigen Landauer zum Festplatz, wo ein großes Bierzelt den Hauptanziehungspunkt bildet. In geschmückten Autos folgen die Stadträte und Ehrengäste. Festwagen und Trachtengruppen schlie­ßen sich an. -Im Festzelt eröffnet Gambrinus die Kerwe mit einer Bierprobe. Neben den vielen Buden, Berg- und Tal-Bahnen usw. fällt auf dem Festplatz besondere der „Glückshafen“ auf, der ständig um­lagert ist. Ein großer Gabentempel von der einfachen Kinderflasche bis zum modernsten Fahrrad lockt die Besucher immer wieder, in die von Rote-Kreuz- Schwestern dargebotenen Glücksurnen mit den Losen zu greifen. Die Gewinne, mehrere Hundert, wurden in den einheimischen Geschäften eingekauft. Der Er­lös wird für charitative Zwecke, Kinderschule usw. verwendet. Dieser Glückshafen ist also kein Unter­nehmen eines Schaustellers, sondern dient der All­gemeinheit; er soll schon oft viele Hundert Mark Ueberschuß gebracht haben.

Am Sonntag ist in allen Gaststätten nach dem Got­tesdienst zuerst Frühschoppen, nachmittags sportliche Veranstaltungen und natürlich großer Trubel auf dem Festplatz. Auch der Montag, bietet wieder mancher­lei: Um 10 Uhr findet der traditionelle Festzug der Schützengesellschaft statt, anschließend wird ein gro­

ßes Festschießen durchgeführt, das bis zum Abend dauert. Der Dienstag ist den Kindern Vorbehalten, und am Mittwoch wird abends ein Bürgerball ver­anstaltet.

Die Nachkirchweih am folgenden Sonntag bringt neben sportlichen Veranstaltungen, wie Vorführungen des Reit- und Fahrvereins, Kurzstreckenrennen des Radsportvereins, Handballspiel des Turnvereins, den herkömmlichen Jahrmarkt. Wie man sieht, ist die bayerische Kerwe sehr reichhaltig und bietet „jedem etwas“, ganz besonders auch der Stadtkasse, da (wie ich erfahren habe) das Bierzelt neben der Bier- und Umsatzsteuer allein 1300.— DM Platzmiete einbringt. Und daß dem Gerstensaft, den Bratwürsten und den Heringen auf dem Rost usw. stärk zugesprochen wird, weiß jecjer, der einmal eine solche Kerwe miterlebt hat. Gog.

Tag der Landfrau in Graben

Die Landwirtschaftsschule Graben lädt alle Land­frauen des Schulbezirks zum „Tag der Landfrau“ am Dienstag, 28. Okt., nach Graben ein.

Tagesfolge: 13.30 Uhr Beginn im Vortragssaal der Landwirtschaftsschule. Begrüßung durch Herrn Reg.-Landw.-Rat Hampe. „Erfahrungen im eigenen Betrieb“ von Frau Bachmayer, Oftersheim ; „Was ist Wirtschaftsberatung?“ von Frl. Hueck. 15 Uhr Vor­führung praktischer Arbeitskleidung; 15.15 Uhr Be­sichtigung der Ausstellung. Es wird gezeigt: „Die neuzeitliche Küche“, „Die Vorratshaltung heute“, „Eine gute Wäscheaussteuer“, „Maschinen und Ge­räte zur Wäschebehandlung“, „Modelle für zweckmä­ßige Hühnerhaltung“, „Vorführung einer Strickma­schine“, „Beispiele für gute Gartenbewirtschaftung“. Ende gegen 17 Uhr. Ausstellung und Vorführungen sind so vielseitig, daß jede Landfrau Anregung und neues Wissen mit nach Hause nehmen wird.

Die Mädchenabteilung der Landwirtscfaaftsschule ist die Fachschule für das Landmädel

Graben. In die Mädchenabteilung werden Mäd­chen im Alter zwischen 17 und 27 Jahren auf genom­men. Der Unterricht soll den Mädchen eine umfas-

Während eines Jahres stürmt die Erde mit 30 km Sekundengeschwindigkeit um die Sonne, indem sie Monat für Monat an je einem der zwölf Tierkreiszei­chen vorbeieilt. So zeigt der Sternhimmel jeden Mo­nat eine wunderbare Abwechslung. Die Alten glaub­ten sogar, daß Heroen, Halbgötter und Helden an den Himmel zum ewigen Andenken versetzt worden sei­en. der Dichter Aratos aus Soloi in Cicilien schrieb ein ganzes Buch Katasterismoi = Verstirnungen. So sehen wir heute Perseus , Hercules, den Jäger Orion, Cepheus, die Andromeda , Cassiopeia, die Locke der Berenike, die Zwillinge Castor und Pollux am Him­mel stehen. Die Heiligen zieren den christlichen Sternhimmel. Paulus vergleicht die Auferstandenen mit Sternen von verschiedenem Glanz (1. Kor. 15,40). Im Alten Testament werden die heiligen Lehrer mit Sternen verglichen, die in die ewigen Ewigkeiten

sende Ausbildung für ihre späteren Aufgaben als Hausfrau und Landfrau geben. Die Hauptfächer sind Kochen, Nähen und Hausarbeit; außerdem wird Un­terricht erteilt in Haushaltführung, Gesundheits­pflege, Säuglingspflege, Familienpflege, Garten- und Obstbau, Geflügelhaltung, Tierhaltung und Betriebs­lehre.

Die neuausgebaute Mädchenklasse ist nach neuzeit­lichen Erkenntnissen eingerichtet. Es werden nicht mehr als 24 Schülerinnen aufgenommen, um wirklich jeder einzelnen im praktischen Unterricht gerecht zu werden.

Anmeldungen werden noch an der Landwirtschafts­schule entgegen genommen. Der Unterricht beginnt am 6. November um 9 Uhr in der Landwirtschafts­schule.

131 Oechsle-Grade gemessen Sulzfeld . In Sulzfeld will man auch den letzen Sonnenstrahl noch nützen. Erst in diesen Tagen wur­de mit der Spätlese begonnen. Daß man nicht früher schon geherbstet hat, findet jetzt seinen Niederschlag in den gemessenen Oechsle-Graden, die bis zu 131 betragen und sich bestimmt noch erhöhen lassen.

leuchten werden.

Im Oktober wäre am 3. die hl. Theresia vom Kin­ de Jesu zu nennen, eine Karmeliterin, die im fran­ zösischen Lisieux 24jährig starb (1873—1897). 1925

wurde sie bereits heilig gesprochen. Noch zu Leb­zeiten hatte sie gesagt, „Nach meinem Tode werde ich Rosen vom Himmel herabregnen lassen“, d. h. werde ich euch die erflehten Gnaden erbitten. Sie ahmte Jesus in seiner Kindheit nach und sagte, die Vollkommenheit bestehe nicht im Großen, sondern in der Treue im Kleinsten. Am 4. Oktober ist der Tag des hl. Franz von Assisi , der, obgleich ein rei­cher Kaufmannssohn die Armut sich zur Braut wähl­te, von Stadt zu Stadt zog und sich mit 11 Jüngern neben Portiuncula, der Marienkirche in Assisi , in eine arme Hütte zurückzog. Er gründete den Fran­ziskanerorden, seine geistliche Freundin, St. Klara , den Orden der Klarissinnen. Er wurde der Wundma­ le Christi an seinem Leibe gewürdigt. Ein sechsflüg- liger Cherub auf dem Berge Alverno prägte ihm mit seinen Strahlen die fünf Wunden ein. Er ist der er­ste stigmatisierte Heilige, von dem wir wissen. Am 8. feiert die hl. Brigitta von Schweden , die als My­stikerin bekannnt ist. Am 15. Oktober ist der Tag der hl. Theresia von Avila in Spanien , die den weib­lichen Karmeliterorden reformierte. Sie beschrieb ihre Visionen in der „Seelenburg“. Ihr Wahlspruch war: Solos dios basta = Gott allein genügt. Am 17. wird der hl. Margareta Maria Alacoque gedacht, die durch ihre Visionen Anlaß zur Herz Jesuverehrung gab. Von Paray-le-Monial in Frankreich , vom Orden der Heimsuchung aus, verbreitete sich die Andacht in der ganzen Welt. Noch viele andere Heilige leuch­ten am christlichen Oktoberhimmel, der hl. Lukas, Simon und Judas , die Apostel, der hl. Wolfgang, der einst in Sprantal eine Pfründe besaß. Es möge aber genug sein. Es genügt ja nicht, etwas von den Hei­ligen zu wissen, man muß sie auch nachahmen.

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