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Montag, 15. Dezember 1982
Kirchliche Besorgnisse um den Schulartikel
Staatiministenum in Stuttgart veröffentlicht Schriftwechsel mit dem Vatikan
Wirth auf dem kommunistischen „VölkerkongrelT
WIEN . Der ehemalige Reichskanzler Dr. Wirth forderte am Sonnabend auf dem von kommunistischer Seite organisierten „Völkerkongreß für den Frieden“ in Wien die Wiedervereinigung Deutsch lands auf der Grundlage der Beschlüsse von Pots dam . Der hessischen Kirchenpräsident Niemöller richtete eine Botschaft an den Kongreß, in der er an alle Völker appelliert, Haß- und Verleumdungskampagnen einzustellen und nach einer allgemeinen Verständigung zu trachten.
Kriegsverurteilte brachen Ihr Versprechen
OSLO . Die beiden in Norwegen wegen Kriegsverbrechen zu lebenslänglicher Haft verurteilten Deut schen Karl-Erwin Morie'und Karl Seuifert flüchteten am Donnerstag auf schwedisches Gebiet. Sie gehörten zu einer Gruppe von vierzehn deutschen Gefangenen, die alle das Versprechen abgegeben hatten, nicht zu fliehen, und deswegen sehr frei leben konnten. Die zwölf restlichen deutschen Gefangenen werden jetzt wieder in das Gefängnis von Kongg- vinger eingeliefert, wo sie das Weihnachtsfest hinter Gittern feiern werden.
Eddy interveniert bei Tschuikow
BERLIN. Der amerikanische Befehlshaber in Eu ropa , General Eddy , hat den sowjetischen Oberbefehlshaber in Deutschland , General Tschuikow, aufgefordert, den amerikanischen Leutnant Sincore freizulassen, der am 24. November offenbar versehentlich auf sowjetisches Besatzungsgebiet geriet. Der amerikanische Stadtkommandant in Berlin , Ma- thewson, hat seine Freilassung bereits zweimal vergeblich gefordert.
Im Nebel verlaufen und halb erfroren
CLAUSTHAL-ZELLERFELD . Auf einer Höhe im Harz, in der Nähe des Torfhauses entdeckte der Zoligrenzdienst dieser Tage im Schnee den 63jähri- gen Pfarrer Klein aus Hildesheim -Marienburg in völlig erstarrtem Zustand. Er trug mehrere Geschenkpakete, gab kaum noch Lebenszeichen von sich und wäre wenig später vom Schnee gänzlich zugeweht gewesen. Auf einem Schlitten wurde er ins Krankenhaus gebracht. Der Pfarrer hatte sich offenbar im dichten Nebel verirrt. Er schwebt noch in Lebensgefahr.
Polizei sucht ungetreuen „Weihnachtsmann "
HAMBURG . Mit Weihnachtspaketen im Wert von 10 000 Dollar von der amerikanischen Luftwaffe für deutsche Kinderheime gestiftet, soll sich der 32jährige Kraftfahrer Anton Hartlmüller aus Erding in Bayern aus dem Staub gemacht haben. Wie die Hamburger Kriminalpolizei am Sonnabend mitteilte, wird Hartlmüller im ganzen Bundesgebiet gesucht, Er sollte die Pakete mit einem Lastzug der ameri kanischen Luftwaffe (Trecker mit Anhänger) am Mittwoch nach Heidelberg bringen und wurde zuletzt am Donnerstag mit Reifenschaden auf der Autobahn in der Nähe von Karlsruhe gesehen. Der Anhänger trägt die Aufschrift „Operations Christmas“ und auf dem Dach das Zeichen des Roten Kreuzes.
Mädchen wurde zum Jungen
DELMENHORST . Der aufsehenerregende Fall des ehemaligen amerikanischen Soldaten George Jörgensen, der durch Operationen zur Frau wurde, hat «ich in dem Städtchen Delmenhorst bei Bremen — wenn auch in umgekehrter Weise — wiederholt Aus dem 17jährigen hochgeschossenen Mädchen Helga Corde« ist jetzt auch durch Berichtigung der Standesamtsunterlagen ein junger Mann geworden. ‘Trotz vertraulichster Behandlung der tragischen .Angelegenheit war es nicht zu vermeiden, daß sich das Ereignis in der Nachbarschaft und damit auch in der breiteren Oeffentlichkeit herumsprach. Der junge Mann zog mit unbekannter Adresse in eine Großstadt, um sich in das Leben eines Mannes einzugewöhnen. Die Mutter wurde durch den Fall schwermütig und nahm sich vor einigen Tagen das (Leben,
Badehosen für den Wintersport
BERLIN . In den Wintersportgebietdn der Sowjetzone werden gegenwärtig nach einem Bericht der sowjetisch lizenzierten „Berliner Zeitung “ anstelle von Wintersportausrüstungen Badehosen und Bademäntel angeboten. Das Blatt nennt unter den Artikeln, die der Bevölkerung der Sowjetzone bei den Weihnachtseinkäufen fehlen werden, ferner vor allem Fahrradbereifungen, Bratpfannen und kleinere Haushaltsgeräte.
Nikolaus kam mit dem Fallschirm
LONDON . Der St. Nikolaus von Newcastle erschien am Sonnabend im Fallschirm über der Stadt.. Mit flatterdem weißem Bart und rotem Mantel schwebte er auf eine Kinderschar hernieder. Er war ein Hauptmann des Fallschirmjäger-Regiments von Bradford .
STUTTGART . Der Schulartikel im Verfassungsentwurf für das Land Baden-Württemberg , der die christliche Gemeinschaftsschule vorsieht, ist von der apostolischen Nuntiatur in Deutschland beanstandet worden, da er nicht den Bestimmungen des Reichskonkordats von 1933 entspreche. Das Staatsministe- rium von Baden-Württemberg veröffentlichte am Sonnabend einen Schriftwechsel, der in dieser Frage über das Auswärtige Amt in Bonn mit dem Vatikan geführt worden ist.
Die apostolische Nuntiatur in Deutschland hat am 15. September in einer Note erklärt, der Schulartikel sehe die Einführung der christlichen Gemeinschaftsschule vor, gewährleiste aber nicht die Beibehaltung bestehender oder die Einrichtung neuer, auf Grund des Elternrechts gewünschter Bekenntnisschulen. Dies sei jedoch im Artikel 23 des Reichskonko^dats ausdrücklich vereinbart
Die Landesregierung hat am 29. Oktober geantwortet, die christliche Gemeinschaftsschule werde in drei von den vier Landestedien von der Bevölkerung gutgeheißen und solle beibehalten werden. Was in dem Landesteil Südwürttemberg-Hohenzollem, in dem die Konfessionsschule eingeführt sei, geschehen solle, müsse nach Annahme der Verfassung durch ein besonderes Schulgesetz geregelt werden. Der Verfassungsentwurf der Stuttgarter Regierungsparteien sehe im übrigen nur die Anerkennung der für das Gebiet des Landes selbst abgeschlossenen Konkordate und Kirchenverträge vor, wie das auch anderwärts der Fall sei. In keiner Verfassung eines deut schen Bundeslandes werde etwas über das Reichskonkordat ausgesagt. Es sei aber nicht bekannt geworden, daß die Katholische Kirche bei den Verfas- sungaberatungen der anderen Länder eine Anerkennung dieses Vertrags gefordert habe. Auch der Artikel 123 des Grundgesetzes gebe keine Auskunft darüber, ob oder in welchem Umfang das Reichskonkordat die Länder verpflichtet.
Kultusminister für höhere Lehrergehälter
BONN . Die Kultusminister der Bundesländer forderten am Wochenende in Bonn erneut, daß die Besoldung der Lehrerschaft vordringlich verbessert wird. Den Junglehrern müsse geholfen werden. Die Ortsklassen müßten verringert werden, um die Lebens bedingungen in ländlichen Gebieten und in kleinen Städten zu verbessern. Die Schulräte, denen die Schulaufsicht in den Stadt- und Landkreisen anvertraut sei, sollten eine höhere Besoldung erhalten.
LONDON . Der Titel der englischen Königin soll abgeändert und mit den bestehenden verfassungsmäßigen Beziehungen innerhalb des britischen Com monwealth in Einklang gebracht werden. Im Titel der Königin soll künftig der Name des jeweiligen Com monwealth -Landes besonders erwähnt werden. Das Wort Dominion wird durch das Wort „Common wealth “ ersetzt. Die Neufassung des Königintitels wurde am Donnerstag auf einer Vollsitzung der Delegation der Commonwealth -Wirtschaftskonferenz unter Vorsitz Premierminister Churchills beschlossen. Die Königin hat der Neuregelung bereits zugestimmt. Die Neuformulierung des Titels — es ist die erste seit der Streichung des Titels „Kaiser von Indien“ im Jahre 1947 — bedarf noch der Zustimmung durch die Parlamente der Commonwealth-Länder und soll dann durch eine Proklamation der Königin rechtskräftig werden. Eine Sonderformulierung wurde für Paki stan vereinbart. Es ist das einzige Mitglied des Com monwealth , dessen Name in der neuen Titelform der englischen Königin nicht erscheint.
Die Bekanntgabe der Titeländerungen der briti schen Königin hat erneut den Widerstand nationalistischer schottischer Kreise gegen die Bezeichnung Elisabeth II. auf den Plan gerufen. Diese. Kreise erkennen Elisabeth I. , die zur Zeit der getrennten Königreiche die Schottenkönigin Maria Stuart hinrichten ließ, nicht an. Sie fordern deshalb, daß die jetzige Königin Elisabeth I. genannt wird, weil sie die erste Monarchin dieses Namens ist, die über England und Schottland gleichzeitig regiert.
Eisenhower wild heute „gewählt"
WASHINGTON . Heute geben die am 4. November vom amerikanischen Volk gewählten „Wahlmänner“ offiziell ihre Stimme für die endgültige Wahl des neuen Präsidenten des USA ab und vollziehen damit die eigentliche Präsidentschaftswahl. Nach Beglaubigung der Entscheidung der Wahlmänner werden die Stimmen versiegelt nach Washington ge-
Das gleiche Seite für die bisher zu gering besoldeten Berufsschullehrer. Die Kultusminister vertraten die Meinung, daß diese Verbesserungen angesichts der Bedeutung des Erziehungswesens für das Volksganze schon vor einer allgemeinen Besoldungsneuordnung durchgesetzt werden müßten.
Das Tauziehen um die 44 Prozent
BONN . Das Bundesfinanzministerium lehnte am Sonnabend den Beschluß der Länderfinanzminister, dem Bundasrat eine Ablehnung des Wunsches der Bundesregierung nach Erhöhung des Bundesanteils bei Einkommen- und Körperschaftssteuer von 37 auf 44 Prozent für 1953/54 zu empfehlen, als „unrealistisch“ ab. Der Bundesratsfinanzausschuß habe anerkannt, daß größere Streichungen bei den Bundesausgaben unmöglich seien. Es sei deshalb Aufgabe des Bundesrats, bei der Finanzierung dieser anerkannten Bundesausgaben mitzuhelfen.
Gnadenakt für Erzberger -fittentäter
STUTTGART . Den beiden Erzberger -Attentätern Heinrich TUlessen und Heinrich Schulz ist durch einen Gnadenakt der Landesregierung von Baden- Württemberg für den noch zu verbüßenden Rest ihrer Strafe bedingte Strafaussetzung mit Bewährungsfrist bewilligt worden. Tillessen ist schon seit Mai dieses Jahres auf freiem Fuß. Damals gewährte ihm die badische Landesregierung nach sechseinhalbjähriger Haft einstweilige Strafunterbrechung und stellte eine Begnadigung in Aussicht, Schulz, der erst später verurteilt wurde, soll zu Weihnachten aus der Landesstrafanstalt Freiburg entlassen werden. Das Attentat auf den ehemaligen Reichsfinanzminister Mat thias Erzberger wurde 1921 verübt. Nach 1946 wurden Tillessen und Schulz dafür zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt. Ihre Gnadengesuche wurden von der Witwe Erzbergers unterstützt.
Polizei löste BDJ-Tagung auf
FRANKFUR . Eine Bundesdelegiertentagung des antikornmunistischen Bundes Deutscher Jugend (BDJ) in der Frankfurter Stadionsgaststätte wurde am Sonntag vormittag polizeilich aufgelöst. Fünf der etwa 70 Teilnehmer sind vorläufig festgenommen worden. Wie die Frankfurter Polizei mitteilte, konnten bei einem überraschenden Zugriff geladene Gaspistolen, Totschläger, ein Schlagring und ein Dolchmesser sichergestellt werden. Die Delegierten zogen daraufhin nach Mainz um und wählten dort am Sonntagabend Herbert Römer aus Hamburg zum neuen ersten Vorsitzenden.
schickt, wo der Vorsitzende des Senats in einer gemeinsamen Sitzung beider Häuser des Kongresses am 3. Januar mit der Auszählung der Stimmen beginnen wird. Am 6. Januar endlich wird das Wahlergebnis offiziell verkündet, und dann erfährt die Welt, was sie schon seit dem 5. November weiß — daß der neue amerikanische Präsident Eisenhower heißen wird und daß 442 Wahimännerstimmen für hin und L 89 Wahlmännerstimmen für seinen demokratischen Rivalen Adlai Stevenson abgegeben worden sind. Eisenhower heißt im amtlichen Sprachgebrauch von 5. November bis zum 6. Januar der „designierte“ Präsident, vom 6. Januar an der „ger wählte“ Präsident und erst vom 20. Januar, dem Tage seines Amtsübernahme an, Präsident der USA .
Die ersten Hinrichtungen in Kenia
NAIROBI . Vier Afrikaner wurden am Sonnabend in Kenia bei den Thomson-Fällen gehenkt. Sie ^gehörten der Mau-Mau -Geheimbewegung an und Hatten Mordtaten an Eingeborenen in Kenia verübt. Es sind die ersten Hinrichtungen seit dem Aufflackem des Mau-M&u-Terrors im Herbst.
Churchill ließ sich Jim Sonnabend von Sir Evelyn Baring, dem Generalgouvemeur von Kenia , Bericht über die Mau-Mau-Bewegung erstatten.
In fünf Tagen um die Welt
PARIS . In vier Tagen, 22 Stunden und 25 Minuten ist' der französische Journalist Jeait Marie Audi- bert um die Welt gereist und hat damit den bestehenden Rekord um über 30 Minuten unterboten. Am Sonntag landete er in Paris von seiner letzten Etappe, die in New York begann. Am Dienstag nachmittag war er vom Pariser Flugplatz Orly zu seiner Weltreise aufgebrochen, die ihn über Beirut , Karat schi , Bangkok , Manila, . Guam , Wake, Honolulu , San Franzisko und New York führte. Er benutzte nur planmäßige Maschinen der Luftverkehrslinien.
Neues kurz gesagt:
* Das Scfaneefernerhaus auf der Zugspitze , das nach jahrelanger Beschlagnahme im September freigegeben wurde, ist am Samstag nach gründlicher Renovierung und Modernisierung feierlich wieder eröffnet worden.
* Ministerpräsident Lfibke kündigte am Sonnabend für das kommende Frühjahr „überraschende“ Schritte in der Grenzlandpolitik Schleswig-Holsteins an, die zu einer Entspannung des deutsch -dänischen Verhältnisses im Sinne einer europäischen Grenzpolitik führen sollen.
* Der SPD - Vorstand lehnte am Samstag auf einer Routinesitzung in Bonn erneut eine Verstärkung des Bundesgrenzschutzes ab und wandte sich gegen die beabsichtigte Organisationsform des Technischen Hilfswerkes .
* Ein mit 10 Fahrgästen besetzter Omnibus wurde am Sonntagfrüh in Gelsenkirchen an einem Bahnübergang von der Lokomotive eines Güterzuges erfaßt; einer der Omnibusinsassen wurde getötet. Fünf wurden schwer und vier leicht verletzt.
* Das Bundeskabinett ernannte am Freitag den Rechtsanwalt Dr. Karl Römer (Kreuznach) zum deut schen Generalanwalt der Montanunion in Luxem burg .
* Deutsche und nichtdeutsche Angestellte der ame rikanischen Streitkräfte in Europa mit Ausnahme der Befehlsbereiche Rheinland-Pfalz und Berlin sollen eine Lohnangleichszahlung erhalten.
* Der ehemalige Generalfeldmarschall Kesselring sprach sich am Sonnabend für einen organisatorischen Zusammenschluß aller deutschen Soldatenbünde und für eine Verständigung und Freundschaft mit den Soldatenbünden der anderen europäischen Länder aus.
* Scotland-Yard-Beamte zogen am Sonnabendabend in der Westminster-Abtei auf Wache, nachdem ein Unbekannter telefonisch mitgeteilt hatte, der schottische Krönungsstein sei in Gefahr.
* Ein drohender Aufstand am Kaiber-Paß, der Verbindungsstraße zwischen Pakistan und Afghani stan , ist durch den Einsatz der Luftstreitkräfte Paki stans zerschlagen worden.
* Der ägyptische Ministerpräsident Nagib hatte am Sonnabend zwei ausgedehnte Zusammenkünfte mit dem stellvertretenden Ministerpräsidenten und dem Generalstabschef Syriens , Oberst Schischakli.
* Die amerikanischen Sicherheitsbehörden haben Nikolai Skwortsow, einem sowjetischen Mitglied des UNO -Sekretariats, die Wiedereinreisegenehmigung nach den USA verweigert, weil er versucht haben soll, in Amerika Spionage zu treiben.
* Präsident Truman beauftragte am Sonnabendabend den Leiter des Amtes für wirtschaftliche Stabilisierung Roger Putnam mit der Leitung der Lohnstabilisierungsbehörde.
* Die Flugzeugproduktion für die amerikanischen Luftstreitkräfte hat im November mit 666 abgelieferten Maschinen ihren monatlichen Höchststand seit Ende des zweiten Weltkrieges erreicht.
* Die Acht-Millionen-Stadt New York erlebte am Sonnabend seine größte Luftschutzübung seit dem Ende des zweiten Weltkrieges. Zweck der Uebung war, die Verhaltungsmaßregeln für den Fall eines Atombombenangriffs zu erproben.
Interessengemeinschaft deutscher Fachmessen
ESSEN . Zu einer Interessengemeinschaft deutscher Fachmessen und Ausstellungsstädte haben sich die Ausstellungsgesellschaften der Städte Düsseldorf , Essen, Hamburg , München und Stuttgart zusammen- geschlossen. Auf der Grundlage langjähriger Ausstellungserfahrung und des erforderlichen Ausstellungsraums will die Interessengemeinschaft den Gedanken wirklich qualitativer Fachmessen und Ausstellungen im Zusammenwirken mit den interessierten Wirtschaftskreisen pflegen. Insbesondere sollen Fachmessen und Ausstellungen, die sieh auf das ganze Bundesgebiet und darüber hinaus erstrecken, gegenseitig gefördert und regionale Veranstaltungen im Bereich der einzelnen Wirtschaftsräume sinnvoll aufeinander abgestimmt werden. Zusammenwirken und Erfahrungsaustausch sollen die Leistungen der beteiligten Ausstellungsgesellschaften steigern. Maßgebend soll bei allen Planungen die volkswirtschaftliche Zweckmäßigkeit und das Streben sein, ein Uebermaß von Ausstellungen, vor allem kleiner und kleinster Art, zu verhindern.
Selbstmordversuch Gisela Uhlens
BERLIN . Die Filmschauspielerin Gisela Uhlen verübte in ihrer Berliner Wohnung einen Selbstmordversuch. Das Motiv ist nach polizeilichen Feststellungen in Ehezerwürfnissen zu suchen. Sie nahm eine Ueberdosis Schlaftabletten ein und drehte den Gashahn auf. Nach erfolgreichen Wiederbelebungsversuchen der Feuerwehr und nach kurzer Behandlung in einem Krankenhaus wurde die Schauspielerin noch am gleichen Tage wieder entlassen.
Elisabeth I. oder Elisabeth II. ?
Titeländerung der britischen Königin - Schottische Nationalisten gegen Elisabeth II.
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37.) Nachdruck verboten
„Nein, danke. Bedienen Sie sich, bitte, Herr Doktor.“
Der Kellner machte an der Tür seine devote Verbeugung, wie sie den Gästen dieses Appartements zukam, und verließ das Zimmer. Er hörte noch das Lachen Wendlands.
„Wenn Sie meine Nichte so gut kennen würden wie ich, wären Sie gar nicht verwundert gewesen, daß eie gestern abend einfach fortgelaufen ist. Das ist eine ihrer Eigenheiten.“
„Ich weiß“, erwiderte Stefan und dachte an die Nacht in Gandria und an das schmerzliche Erwachen am Morgen.
Sie tranken den Kaffee und rauchten. Wendland erzählte: „Als Michi neunzehn Jahre alt war — sie hatte mit achtzehn ihr Abitur gemacht und ich überlegte ernsthaft, was sie nun beginnen solle, denn einen Beruf mußte sie aftf alle Fälle ergreifen —. war sie eines Tages verschwunden. Mit dem üblichen Abschiedsbrief, daß sie sich allein durchsetzen wolle. Heimlich hatte sie alles eingefädelt. Sie war nach Berlin gefahren, und als ich sie dort aufsuchte, war sie Schülerin einer Schauspielerschule.“ Er griff nach der Tasse und stellte sie wieder hin. „Damals schlossen Mich! und ich einen Pakt. Ich versprach, sie in keiner Weise zu unterstützen und unsere verwandtschaftlichen Beziehungen zu verheimlichen.“
Angeregt sprach er weiter. Garrian gefiel ihm von Minute zu Minute besser. Die einfache Natürlichkeit dieses Mannes, die ein Ausdruck seiner starken Persönlichkeit war, schien ihm ein wundervoller Ausgleich zu Michaelas Romantik. „Wie kamen Sie denn zur Kriminalpolizei?“ unterbrach er sich selbst.
„Ich war Assessor in Hamburg . Aber das rein Aktenmäßige befriedigte mich nicht. Als sich mir eine Chance bot griff ich zu, und so bin ich nach Berlin gekommen.“
„Ein interessanter Beruf. Haben Sie ein besonderes Spezialgebiet?“
„Ja, die Münzfälschungen gehen durch meine Hand, Ich habe auf der Universität auch Kunstgeschichte studiert.“
Eine Uhr schlug. Wendland sah auf. „Verzeihen Sie, Herr Doktor, aber ich muß jetzt zu meiner Konferenz.“
Sie erhoben sich und schüttelten sich kräftig die Hände. „Ich würde mich freuen, Sie noch öfters zu sehen“, sagte Wendland gewinnend. „Wir sind übermorgen in Hoppegarten beim Rennen.“
„Ich werde auch dort sein, Herr Wendland , ich habe allerdings dienstlich dort zu tun.“
„Nun vielleicht treffen wir uns. Zufällig, Herr Doktor, zufällig!“ Verständnisinnig lächelten sie sich an.
Dann ging'Garrian hinaus.
*
Von iEern kam ein Klingelzeichen. „Start zum dritten Rennen“, wußte Johnny Kandelmanm. Er hockte auf der Futterkiste und betrachtete seine Bluse. Es war die gleiche, die er vor Jahren ausgezogen hatte, sie war frisch gewaschen und geplättet. Weiße Seide mit blauem Stern auf Brust und Rücken. Die orangenfarbene Kappe hielt Johnny in der Hand. Sein Mund war nicht froh.
Er spähte zu dem Trainer van der Loer hinüber, der eben hereinkam. „Das dritte Rennen gewinnt Akelei“, rief der Trainer. „Punki liegt schon hinten 1 im Feld, dann hat er im Rennen nichts mehr zu suchen, ich weiß das!“ Er stakte mit seinen gebogenen Beinen hin und her und schlug sich mit einer dünnen Gerte an die Gamaschen.
Johnny erwiderte nichts. Er drehte die Kappe nach rechts und links. Seine Gedanken wunderten. Scho- ‘nes Wetter sollte es sein, so hoffte ich, und jetzt ist der Himmel grau. Wenn es das Pech will, Tänet es kurz vor dem fünften Rennen an zu regnen. Gibt es eitlen Wolkeribruch, wird das Geläuf weich. Das kann Madagaskar rächt vertragen. Er hat kleine Hufe. Pferde mit kleinen Hufen lieben harten Boden.
Von draußen hörte man die Geräusche der Bahn Das Sunimen der erregten Masse, helle Aufschreie, wenn ein Pferd sich plötzlich an die Spitze schob,
dazwischen die Anpreisungen der Zeitungsverkäufer, die noch ihre Blätter los werden wollten. „Die letzten Tips! Herostrat Favorit im Großen Ausgleich."
„Hörst du das?“ knurrte van der Loer. Er war vor der Box stehengeblieben und kratzte mit dem Fingernagel das Holz. „Herostrat ist Favorit!“ In seinem braun gegerbten Gesicht war nicht zu erkennen, was er dachte.
Johnny erhob sich langsam von der Futterkiste und ging zu Madagaskar in die Box. Der Hengst war schon aufgezäumt und gesattelt. Er scharrte einmal mit dem linken Vorderhuf.
Liebevoll fuhr ihm Johnny über das spiegelnde, nachtschwarze Fell. Er selbst hatte ihn gestriegelt, heute früh, als noch die Sonne schien.
„Das war großer Dreck mit dem Schlußgalopp“, sagte van der Loer und machte einen Gang durch den Stall; „ist deine Hand wirklich in Ordnung, Johnny? Der Hengst braucht /ne harte Faust. Der Schlußgalopp war Larifari!“
„Hmm“, machte Johnny, und strählte Madagaskar nochmals die Mähne. Er hatte ein blaues Bändchen hineingeflochten; das seidene Bändchen hatte vor vielen Jahren Juscha im Haar getragen. Sie hätte es verloren, und Johnny hatte es mitgenommen. Die Farbe war verblaßt und schimmerte fast weiß.
Das Summen, das durch die offene Stalltür hereindrang, steigerte sich. Das Feld näherte sich dem Endlauf. Van der Loer machte rechtsum und lief hinaus, um zu beobachten, wie Punki abschneiden würde.
Eine dicke, schillernde Sommerfliege summte ge- ‘gen das Stallfenster. „Wir werden es schon schaffen“. ermunterte Johnny sich und den Hengst. „Nicht wahr, Madagaskar ?“
Der Hengst schnupperte, als wolle er saufen, aber vor dem Rennen gab es nichts mehr. Johnny legte seinen Arm um Madagaskars Hals. „Du — und ich — verstehst du — und Juscha! Darum geht's. Der Trainer und der Patron — natürlich — er hat mich reiten lassen und sicher hat er ‘ne große Wette auf dich gelegt — und viele andere auch-- wir dür
fen sie nicht enttäuschen.“ Er horchte plötzlich, Juschas schnelle, leichte Schritte klapperten auf der steinernen Stallgang. Ihre helle Knabenstimme triumphierte. „Punki ist doch noch Dritter geworden. Kam am Anberg an wie die Feuerwehr. Juli ist zu spät mit ihm gegangen. Ich habe ihm den Tip gege
ben, früher loszureiten, dann hätte er es geschafft.“ Ihre graugrünen Augen strahlten Johnny an. „Na du, wie ist dir denn?“
Röte stieg in seine Wangen. „Weiß nicht recht, Ju- scha. Komisches Gefühl. Es glaubt keiner an mich. Dein Vater nicht und der Patron nicht, und . . er schluckte ein paarmal, „glaubst du an mich?“
„Ich glaube an dich, Johnny. Madagaskar ist der Geheimtip. Weißt du das schon? Die Wetter vom dritten Platz schwören auf dich “ Amüsiert lachte sie. „In der Rennleitung ist kein Schild mehr von dir da. Jetzt schreiben sie deinen Namen mit Kreide auf, Johnny Kandelmann — fünfundzwanzigmal müssen sie das für alle Tafeln aufschreiben.“ Johnny hatte jäh ein freies Herz. „Ist das bestimmt, daß Madagaskar Geheimtip ist?“
„Nee, nicht Madagaskar — du — du Johnny Kandelmann. Wenn der Johnny im Sattel sitzt, sagen sie, dann reicht es für den Hengst. Ich habe es wohl ein Dutzendmal gehört.“
„Aber dein Vater hat keine Hoffnungen, weil der Schlußgalopp gestern so schlecht war.“
„Ach was, Vater! Vater schwört, du verlierst, und wenn du mit fünf Längen vom liegst. Und dabei hopst sein Herz vor Verlangen, daß du gewinnen sollst. Du kennst ihn doch, Johnny.“
Die Augen Johnnys verengten sich. „Ich werde auf Warten reiten, Juscha.“ Er schüttelte heftig den Kopf, als sie etwas entgegnen wollte. „Ist schon richtig, ich weiß etwas von Madagaskar , was ihr alle nicht wissen könnt. Du wirst schön Augen machen.“ Ihr pikantes Gesichtchen färbte sich vor Erregung, die Sommersprossen flammten wie goldene Pünktchen. „Bist wohl nicht gescheit, Johnny. Dann wird er dir sauer. Vom Fleck weg mußt du mit ihm gehen, was das Zeug hält. Niemand darf ihm an die Gurte kommen, sonst steckt er es auf.“
„Laß mich nur machen, Juscha!“ Er gab dem Hengst einen leichten Schlag auf die Hinterhand. „Komm, Madagaskar !“ In einem jähen Entschluß drehte er sich nach Juscha um. „Du, wenn ich nun gewinne . . Wirst du dann . . .?“
Sie hörte nicht weiter zu, sondern lief einfach davon. An der Tür blieb sie aber stehen und rief zurück: Hrü=- und Beinbruch, Johnny! Ich drücke beide Daumen für dich.“
(Fortsetzung folgt)