Mittwoch. 17. Dezember 1952
Kummer 293 / Seite I
Vermischtes
/i)iniezspczt - wissenschaftlich bettachtet
Tatsachen, di« der Anfänger wissen muß - Skiflug bereits an der Leistungsgrenze ?
Mitten auf den Atlantik ...
. - ist der französische Wissenschaftler Dr. Alain Bombard , der vor fast zwei Monaten, am 19. Oktober, auf einem Floß die Fahrt über den Atlantik an trat, von einem britischen Schiff gesichtet worden. Nach einem Funkbericht vom Kapitän des Schiffes ist Dr. Bombard bei bester Gesundheit Der fran zösische Wissenschaftler lebt lediglich von den Flechen, die er unterwegs fängt und dem Wasser, das er aus ihnen herauspreßt Er will beweisen, daß es möglich ist, weite Ozeanreisen ohne irgendwelche Vorräte zu unternehmen.
Von Volkspolizisten verfolgt . . ,
. . . floh ein früherer Flugzeugkonstrukteur aus dem Berliner Sowjetsektor nach Westberlin . Die Flucht war der Schlußstrich unter eine lange 'Leidenszeit, der der Flüchtling unter der Sowjet. Besatzungsmacht ausgesetzt war, weil er sich weigerte, in seinem Fach in der Sowjetunion zu arbeiten. Er wurde u, a. in Karlshorst so schwer mißhandelt, daß er ein Auge verlor, einen mehrfachen Bruch des Unterkiefers davontrug und sämtliche Zähne des Unterkiefers einbüßte.
Dm Leben in der Flasche . . .
... ist verboten. So haben die Stadtbehörden von Wien entschieden. Der österreichische Fakir Rayo wollte sich in eine große Flasche einschließen lassen und darin ein Jahr lang leben. Die Flasche sollte bis auf eine kleine Oeffnung zur Einführung von Nahrung und Getränk und zur Hinausbeförderung von Abfällen versiegelt werden. Die Wiener Behörden vertraten den Standpunkt, daß dies gegen die öffentlichen Gesundheitsvorschriften verstoße
Die Lübecker Steuerfahndung . , .
, . . hat Devisengeschäfte und Steuervergehen aufgedeckt, bei denen Gewinne zwischen zwanzig und fünfzig Millionen Mark erzielt worden sind. Nach den bisherigen Ermittlungen haben Ausländer mit gefälschten Einfuhrlizenzen illegal Baumwollwaren und 400 000 Paar Nylonstrümpfe eingeführt, deren unverzollter Warenwert mehrere Millionen Mark betragen soll. In Lagern lebende Ausländer, die Verbindung mit bereits Ausgewanderten aufnahmen, sollen von Angestellten der inzwischen aufgelösten JEIA in Frankfurt Blanko-Einfuhrlizenzen mit echten Stempeln und Nummern, aber gefälschten Unterschriften gekauft haben.
Erst durch Gerüchte ...
. . . wurden die Behörden darauf aufmerksam, daß eine 71 Jahre alte Witwe Ende Juni dieses Jahres einem Jagdunfall zum Opfer fiel und nicht, wie die Leichenschauärzte annahmen, einem Herzschlag erlag. Die Frau ist beim Beerensuchen während einer Treibjagd durch zwei Schrotschüsse getötet worden. Der 34 Jahre alte Gastwirt Alfons Pinsel, der einen Schuß abgab, hatte den Jagdunfall bemerkt, sich jedoch nicht um die Tote gekümmert und auch nicht Anzeige erstattet. Er wurde vom Bamberger Schöffengericht wegen fahrlässiger Tötung und Anstiftung! zur unerlaubten Jagdausübung zu sechzehn Monaten Gefängnis verurteilt.
Eia G5jähriger Sonderling ...
. . . der sich oft von den Polizisten von Long Island einige Cents erbettelte, wurde in seinem schäbigen Zimmerchen tot aufgefunden. Außer einem zerfetzten Anzug besaß er nur einen zerbeulten Koffer. Dieser aber enthielt Bargeld und Wertpapiere in Höhe von 230 000 Dollar. Mit seinem Nachlaß soll seinem Testament gemäß an der Brooklyner St. Johns-Universität! ein „Stewart-Stipendium“ begründet werden.
„In Westdeutschland , . .
. . . herrscht ein wahrer Dschungel von Spionage“, berichtete der 33jährige Jugoslawe Wosislaw Memen- dovic in München . Er selbst ist, wie er vor einem amerikanischen Gericht nur widerwillig zugab, früher russischer Agent gewesen und arbeitet jetzt im ame rikanischen Geheimdienst. Bei dieser Tätigkeit hat er auch seinen 42jährigen Landsmann Darko Cireowicz angezeigt, der sich nun wegen Spionage für die Sowjets vor dem Gericht verantworten muß. Cireowicz soll dem sowjetischen Geheimdienst wichtige Informationen über den amerikanischen Geheimdienst und Kasemenpläne zugeleitet haben.
Mit dem ersten Schnee sind auch die Skier wieder aus ihrem „Sommerschlaf“ geweckt. Zahllose Wintersportier bevölkern die Hänge, um sich in sausender Schlußfahrt dem Rausch der Geschwindigkeit hinzugeben. Sie fühlen sich frei und von aller Erdenschwere gelöst und fragen nicht nach den Naturgesetzen, die ihrem Tim und ihrer Leistung Grenzen ziehen.
Auf vergrößerten Füßen
Die Freuden werden aber gelegentlich durch Unfälle getrübt. Nach Aussagen der Statistik kommen auf tausend Skifahrer etwas sechs bis acht schwere Verletzungen, so daß im Endergebnis an jedem Wintertag Hunderte von Unfällen fällig sind. Die Ursache der Stürze ist meist in den Brettern selbst zu suchen. Das feingliederige Knochen-, Bänder- und Muskelsystem der Bane gewöhnt sich nämlich nur schwer an die neuen Bedingungen, die durch die plötzlich auf etwa zwei Meter angewachsenen „Füße“ geschaffen werden. Der Neuling vor allem fühlt sich einem fremden Willen, einer ganz neuartigen Dynamik ausgeliefert. Er rutscht und stolpert immer in die falsche Richtung und tritt sich eins ums andere Mal auf die Füße. Das Stehen selbst wird ihm eine fast unbezwingbare Aufgabe! Mit Ausdauer und
Es ist heute nur noch schwer vorstellbar, aber doch historisch verbrieft, daß die bayerische „Kriegs- und Domänenkammer “ im Jahre 1808 mit „allerhöchster Entschließung“ eine Fehde beenden mußte, die in Nürnberg zwischen den Lebküchnern und Zuckerbäkkern ausgebrodien war. Die wackeren Meister de» weißen Teiges, die Zuckerbäcker, stützten sich in einer Eingabe — den „Lebküchnern und Pfefferleins- küchleinsbäckem“ möge die Herstellung und der Verkauf der weißen Lebkuchen untersagt werden — auf eine reichsstädtische Entscheidung aus dem Jahre 1797. Sie begründeten ihren Antrag mit der sachlichen Feststellung, die weißen Lebkuchen würden aus Mehl und Zudcer, also aus „ihrem“ Hauptmaterial hergestellt, während die Hauptzutaten der braunen Lebkuchen Honig und Syrup seien. Gewerbefreiheit vor 159 Jahren Nachdem sich die Ansbacher Regierung auf die Seite der beschwerdeführenöen Zuckerbäcker gestellt hatte, lud der allgewaltige Nürnberger Polizeidirektor sämtliche Meister des weißen und braunen Teiges der Stadt vor, um den Lebküchnern — bei Meldung einer Geldbuße bis zu zehn Reichstalern — das Verbot, weiße Lebkuchen zu backen und zu verkaufen, zu eröffnen. Die Lebküchner aber gaben sich mit dieser Entscheidung noch lange nicht zufrieden und hatten auch tatsächlich mit einer direkten Eingabe an den bayerischen König in München Erfolg. Die Handwerksordnung der Lebküchner, in der auch der Gebrauch von Zucker vorgesehen und erlaubt war, wurde anerkannt und das Verbot als gegen die Gewerbefreiheit gerichtet verworfen. Der „Kriegsund Domänenkammer“ wurde die Weisung zuteil, die „ungeeignete Gewerbeschränkung“, die zu Geschäftsschließungen führe, aufzuheben. Die Bekanntgabe der „allerhöchsten Entschließung“ durch die Polizeidirektionen setzte den Schlußstrich unter den heute längst vergessenen Nürnberger „Lebkuchenkrieg.“
Lebkuchen erstmals in Klöstern erwähnt Die ersten Auszeichnungen über Lebkuchen wurden im 13. Jahrhundert in Klöstern vorgenommen, die auch mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit als eigentliche Geburtsstätten dieses besonderen Backwerks betrachtet werden. In der Mitte des 14. Jahrhunderts schließlich wurden in Nürnberg Lebkuchen erstmals in handwerklichen Betrieben hergestelK. Es ist heute nur noch wenig bekannt, daß vor 200 Jahren Zuk- ker eine seltene Kostbarkeit war und als wesentliches Mittel zum Bereiten von Backwerk, süßer Speisen und Getränke Honig benutzt wurde. Es ist kein
Zähigkeit vermag aber jeder gesunde Mensch die Bretter beherrschen zu lernen, so daß er schon bald die Freuden des Wintersports voll auskosten kann.
Andere Technik — andere Verletzungen Die zahlreichen Unfälle sind seit langem Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Denn die Zahl der Verletzungen nimmt in geradezu erschrek- kendem Maße zu. Diese Tatsache ausschließlich der modernen Lauftechnik zur Last zu legen, ist jedoch ein sehr voreiliges Urteil Denn die Schwere der Unfälle ist in Wirklichkeit auf eine Wandlung zu- rückzuführen, die der Sport allgemein und somit auch das Skilaufen durchgemacht hat Sein Inhalt ist nämlich — mehr oder weniger — die Geschwindigkeitssteigerung geworden, wodurch die Lauftechnik vergangener Jahre schnell überholt wurde. Zu Zeiten des seligen Telemark-Stils, der heute nur noch in der Erinnerung weiterlebt, waren die Verletzungen ganz anderer Art Es gab meist Brüche am Oberschenkel. Mit dem Stemmbogenstil, der vor rund einem Vierteljahrhundert als neueste Errungenschaft in aller Welt Eingang fand, schnellte dann die Zähl der Fuß- und Kniegelenk-Verletzungen in die Höhe. Und die kombinierten Stemm- und Schwungformen der letzten Jahre schließlich ließen
Zufall, daß gerade in Nürnberg das süße Gewerbe sehr zeitig schon zu einer hohen Blüte kam, da es im Nürnberger Wald, der auch deg „Reiches Bienengarten“ genannt wurde, mehr Honig gab als in anderen Gebieten des Heiligen Rötnischen Reiches deutscher Nation. Hinzu kommt, daß in Nürnberg , der Metropole des damals schon weitgespannten Handels, vielerlei südländische Früchte, Nüsse und Gewürze vorhanden waren, die für das Zubereiten der süßen Spezialitäten benötigt wurden. Aus den umfangreichen Bestellungen zahlreicher deutscher Fürstenhäuser ist ersichtlich, welch großer Beliebtheit sich die Lebkuchen schon zu der damaligen Zeit erfreuten. So war z. B. Herzog Albrecht von Preußen durch seine oftmaligen Nachbestellungen bei den Lebküchnern besonders bekannt. Im Jahre 1697 schrieb Professor Wagenseil von der damaligen Uni versität Altdorf bei Nürnberg: „Die rechten guten Nürnberger Lebküchlern oder Pfefferkuchen, welche angenehm im Geschmäck und eine rechte Magenstärkung, auch angenehm beim Trunk sein, haben noch niemals, wie man sich auch darum mühet, anderwärts können nachgemacht werden, ob man gleich Nürnberger Lebküchner und all ihre Zutat und Werkzeug darzu gebrauchen und verschrieben hat.“
Heute ein gewichtiger „Industriezweig“
Die industrielle Entwicklung des vorigen Jahrhunderts, noch besonders gefördert durch die Gewerbefreiheit und den Fortschritt der Maschinenindustrie, veranlaßten zahlreiche unternehmungsfreudige Lebküchner, die bisherige handwerkliche Herstellung ihrer Lebkuchen unter Ausnutzung aller technischen Neuheiten in größeren Betrieben vorzunehmen. Es gibt heute in Nürnberg etwa zehn große und ipitllere Lebkuchenfabriken, die in den Saisonmonaten bis zu zweitausend Personen beschäftigen. Anstelle des Honigs ist im allgemeinen längst der Zucker getreten, wie sich zu dem Zuckerguß später auch der Scho- koladenüberzug gesellte. Trotzdem wird bei speziellen Sorten auch heute noch Honig mitverwendet. Die beste Qualität der Nürnberger Lebkuchensorten wird dem „Elisenlebkuchen“ zugesprochen, der als eines der feinsten Erzeugnisse der gesamten Süßwarenindustrie angesprochen wird. Neben Oblatenleb- kuchea — in der Stadt sind zwei Oblatenfabriken al» ausschlaggebende Zubringer für die einschlägige Industrie beheimatet — werden, auch braune Lebkuchen sowie glasierte Lebkuchen nach Basler Art und vielerlei lebkuchenähnliche Kleingebäckstücke hergestellt. Hierzu gehört noch eine andere Spezialität, das sogenannte „Nürnberger Allerlei“.
die Verletzungen noch häufiger und vielgestaltiger werden.
Die „Tempo-Paraliei-Steilung“
Die Jagd nach den Sekunden begann etwa vor fünfzehn Jahren mit der Einführung der reinen Schwungtechnik. Diese gipfelt heute in dem Zauberwort „Tempo-Parellel-Stellung“, welche die Zahl der Unfälle wieder stark zurückfallen ließ. Das liegt in erster Linie allerdings an der Schwierigkeit des neuen Stils, den tatsächlich nur Meister beherrschen. Sein großer Vorteil ist die Parallelhaltung der Bretter. Die gefährlichen Winkelstellungen der Skier werden auf diese Weise ausgeschaltet, ebenfalls das Gleiten und Rutschen über die ganze Breite des künstlichen Fußes
Manunntschanzen ohne sportlichen wert
Mit der Temposteigerung des Skilaufs hat sich auch das Springen von der Schanze weitgehend geändert. Fast in jedem Jahr werden neue Skitürme errichtet, die alle Vorgänger übertreffen; die Sprünge selbst werden demzufolge immer gewaltiger- Sie sind hauptsächlich nur noch mit einem motorlosen Segelflug zu vergleichen. Als der Schweizer Fritz Tschannen im März 1948 mit rund 108 Kilometern Geschwindigkeit vom Schanzentisch der jugoslawischen Planica-Schanze absprang und nach vier Flugsekunden mit einer Geschwindigkeit von etwa 135 Kilometer bei „120“ aufsetzte, war man der festen Ueberzeugung, daß 200-Meter-Sprünge in greifbare Nähe gerückt seien.
Der bedeutendste Schweizer Wissenschaftler Richard Straumann hat jedoch bereits vor über zwei Jahrzehnten nach eingehenden Untersuchungen im Windkanal festgestellt, daß die höchstmöglich« Sprungweite bei etwa 150 Metern liegt. Selbst wenn man die' Schanzen der Zukunft auf Entfernungen von 200 Metern berechnete, wären derartige Versuche zum Mißlingen verurteilt, da der Leistungsfähigkeit des menschlichen Körpers Grenzen gesetzt sind. Selbst wenn alle technischen und physikalischen Probleme, die dabei auftauchen, gemeistert würden, — es gibt keinen Springer, der den entstehenden Luftwiderstand und die Fallgeschwindigkeit durchstehen könnte.
Die neuen, großen Mammutschanzen haben daher nur geringen sportlichen Wert, da sie doch nur von einer Handvoll Meister zu springen sind.
Massendeportation in Kenya
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Mehrere Tausend Kikuyu-Neger mußten ihre Siedlungen verlassen und wurden hinter Stacheldraht gesteckt, weil von ihnen keine Angaben über einen Mau-Mau -Ansthlag zu erhalten waren. Das von dieser Kollektivstrafe betroffene Gebiet befindet sich in der Nähe des Kenya -Berges. Unsere Karte zeigt das Reservat des Kikuyu-Stammes, das jetzt Schauplatz des Feldzuges gegen die Mau-Mau Organisation ist.
Zuckerbäcker und Nürnberger Lebkudhenkrieg
Die söBen Spezialitäten wurden erstmals im 15. Jahrhundert erwähnt
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Pogge van Ranken:
„DIE UNVOLLKOMMENE WANDLUNG“
Ein entzückender Roman vom Verlag Christian Wolff , Flensburg (Preis DM 8.88). — Das Buch erzählt von einem jungen Herrn unserer Tage und von seinen Abenteuern, die seltsam genug sind. Gelingt es ihm doch, sich aus der heutigen Zeit auf höchst sonderbare Weise zu entfernen, um zu seiner unvergleichlich Geliebten zu gelangen. Ein Liebesroman also? Natürlich, auch ein Liebesroman, aber es steckt mehr dahnter. Der Held des Buches, der das Glück sucht und dabei schlimme Enttäuschungen erlebt, hat etwas von uns allen an sich, die wir teils im Gestern, teils im Morgen leben und darüber das Heute vergessen. Es ist, dies kann man wohl sagen, ein sehr ernst zu nehmendes Buch — und zugleich eine so erfrischende Satire, wie man sie selten in der deutschen Literatur findet. In Pogge van Ranken begegnen wir einem Autor, den wir mit ruhigem Gewissen zu unseren famosesten Erzählern rechnen können. Das un- gemein spannend geschriebene Buch schlägt nicht nur seine Leser wegen der zarten Liebesgeschichte in seinen Bann, sondern es ruft uns auch ein Stück englische Geschichte in die Erinnerung zurück, in dem am englischen Hofe neben Glanz und Reichtum auch die Köpfe manchmal recht locker auf den Hälsen saßen, wenn es den Despoten so gefieL
Robert I. Alexander:
Dieses im Verlag der Frankfurter Hefte, Frankfurt a. M„ erschienene Buch erregt mit Recht einiges Aufsehen auf dem Büchermarkt, denn es berichtet uns erschöpfend von einem unerschöpflichen Stoff der letzten Monate von Evita Peron , die heute und sogar schon zu Lebenszeiten bei weiten Kreisen des argentinischen Volkes wie eine Heilige verehrt wurde Das Leben und Wirken dieser Frau bot schon zu ihren Lebzeiten einen unerschöpflichen Stoff für die Zeitungen und Illustrierten der ganzen Welt Der Verfasser ist ein genauer Kenner der argentinischen Verhältnisse, sein Buch bietet die erste zusammenfassende Darstellung der Aera Peron, er schildert den Aufstieg eines Militärs auf den Schultern der Arbeiterschaft zu Macht, das politische und soziale Klima von der Revolution 1943, den dramatischen Konflikt 1946 und den Triumpf von Perons Präsidentschaft. Ganz besonders berichtet es aber über die Rolle Evitas als erste Lady des Landes, als Massenfetisch und Mitregentin, über die Außenpolitik, besonders über die Stellung gegen die USA und Perons Bestrebungen auf eine einheitliche Front von Militärdiktaturen in ganz Lateinamerika . Der Verfasser erläutert jn sei-
Weihnachtstisch
nem Buch Wesen und Wirkungen des Peronismus und gibt uns erschöpfenden Einblick in die besondere Eigenart der Regierung, der letzten Vergangenheit und Gegenwart Argentiniens .
Horst Fänger
„WIR SELBER SIND DAS RAD“
Der Dichter hat diesem in der neuen Darmstädter Verlagsanstalt in Darmstadt erschienenen Roman (Preis DM 8.80) ein recht zeitnahes Thema zugrunde gelegt. Es ist ein Roman, in dem die Probleme unserer Tage, wie die Kriegsfolgen, Gefangenschaft, Berlin , die Ostzone und andere zur Sprache kommen. Es sind Probleme, die uns aus unserer Ruhe und Geborgenheit aufschrecken, und auch den Riß durch Deutschland deutlich machen. Es ist ein spannendes und erregendes Buch von diesem bisher unbekannten Schriftsteller. Ein Buch mit erregenden Höhepunkten, geschrieben in einer erfrischenden, einfachen, klaren Sprache, die uns gefangen nimmt von der ersten Seite bis zum Schluß. Prächtige Gestalten, wahre, echte deutsche Menschen mit einem kompromißlosen Gerechtigkeitssinn in einer zeitnahen Handlung eingebettet, und den typischen Handlangem des ostzonalen Machtstaates gegenübergestellt. Trotz dieses Stoffes ist dieser Roman aber doch kein politisches Buch. Die zarte Liebesgeschichte, die sich aus dem Besuch des Rächers in der Ostzone entspinnt, zeigt, wie die Liebe über die Zonengrenze ein festes, unverbrüchliches Band um zwei Herzen schlingt, das unzertrennlich allen Widerständen zu trotzen bereit ist.
F. R. Franke:
„MEIN INSELPARADIES“
Ein Buch von Tieren und nicht von Menschen. 181 Seiten Text mit 34 Fotos. (Preis DM 12.80.) R. Piper & Co„ Verlag, München . — Wirklich die Tiere spielen die Hauptrolle in diesen paradiesischen Szenen auf der großen Insel im Patagonischen See Nahuel Huapi. Dort leben die sanfte Hirschkuh Misehimumu zusammen mit dem kleinen Teufel Jakuay, einem Marder, Bambi, dem Damhirsch, dem dummschlauen Guanacos, Katzen, Pferden, wilden Ochsen und unendlich vielen verschiedenen Vögeln — alle unter der Obhut der Dogge Adda , der Seele des Ganzen. Aber trotz aller liebenswürdigen Bescheidenheit kann der Autor nicht hindern, daß alle seine Tierbrüder, exotische wie einheimische, unser Herz für ihn, ihren Pfleger, verständnisvollen Freund und aufgeschlossenen Beobachter gewinnen. Frankes „Inselparadies“ ist der erfüllte Wunschtraum aller, die in sich die Sehnsucht nach der Arche Noah bewahrt haben. — Dieses Buch enthält eine Fülle so wunderbarer klei
ner Schicksale und Erlebnisse aus der Tierwelt, zeugt von einem herzlichen Binfühlen in die Seele der Tiere, von einer seltenen Beobachtungsgabe der Tierbewohner des Inselparadieses, daß dem Tierfreund das Herz aufgeht, wenn er dieses herrliche Buch liest, wenn er die Abbildungen betrachtet und das ganze Milieu in sich aufnimmt. Man spürt aus der Schilderung des Verfassers, daß er dort unten bei seinen Tieren ein großes Glück gefunden hat, das er uns hier in seinem Buch vermittelt und uns daran teilhaben läßt.
Traugott v. Stackeiberg:
„MANON DE CARMIGNAC“
Ein Roman aus dem alten Europa im Verlag Günther Neske, Pfullingen . — Der Autor, der selber Balte von Geburt ist, erzählt hier die Geschichte eines Deutschrussen, der von seinem elterlichen Gute am Peipus-See nach Berlin kommt und dort Monon de Carmigriac kennen und lieben lernt, die sein Lebensschicksal wird, ohne daß der Lebenssinn der beiden erfüllt werden könnte. Es gelingt dem Autor, im Spannungsbereich dieser Schicksale das Lebensbild einer vergangenen Epoche einzufangen. Er führt dem Leser die friedliche Atmosphäre des alten Berlin , die fast orientalische Farbenpracht des zaristischen Mos kau , das Leben auf alten Herrensitzen mit Jagden und Festen inmitten von Wäldern und Seen vor Augen. Ebenso eindrucksvoll aber sind die Bilder der Nachkriegszeit, die hungernde Großstadt, das verarmte Land, dessen Kräfte im Verfall begriffen sind. Man spürt die tragische Unauswekhltehkeit, mit der hier eine Epoche Europas in der Auflösung endet. Dies alles ist mehr als Kulisse, und selten werden Fragwürdigkeit und Gebrechlichkeit menschlicher Handlungen aus ihrer Zeit heraus so begreiflich gemacht wie in diesem Buch.
Nilo Graf Steinbode
„MÄRCHENSCHATZ DER BRÜDER GRIMM “ Dieses im Christian Wolff-Verlag, Flensburg , erschienene Märchenbuch ist ein Prachtstück unter den vielen Erscheinungen in der Reihe der Bilderbücher. (Preis bei 224 Seiten DIN A 4-Foimat mit vielen bunten Bildtafeln DM 9.80.) — Die schönsten Märchen der Brüder Grimm sind hier; vereinigt und die Bilder entführen jeden jungen Beschauer in das heitere Reich der Fabel Die Aufmachung des Buches und besonders auch die bildliche Darstellung der Märchen sind von so einprägsamer Kraft, daß das Herz jeden jungen Lesers höher schlägt. Mit roten Backen und leuchtenden Augen werden die mit diesem Buch Beschenkten all die vielen Gestalten der Brüder Grimm in sich aufnehmen. Sei es nun der „Froschkönig“, „Der böse Wolf“, „Hänsel und Gre- tel“, „Rotkäppchen“, „Der gestiefelte Kater“. „Dornröschen“, „Schneewittchen “, „Hans im Glück“, „Der zertanzte Schuh“, „Der starke Hans “, „Schneeweiß chen und Rosenrot “ oder sonst eine der vielen wun
derbaren Geschichten, die uns diese unsterblichen Meister der deutschen Märchenwelt hinterlassen haben, immer wird das herrliche Buch Glück und Freude in das Menschenherz bringen. Ein selten gutes Kinderbuch, das die Kleinen in ein Zauberreich führt, in die Welt der Könige und Königskinder, in dem es treue Diener, ehrliche Handwerker, Fischer, Müller, Köhler, Hirten und viele andere prächtige, der Natur verbundene Gestalten gibt. Ein prachtvolles Buch, aus dem eine gute Frucht entspringt.
Harry Macfie:
Ein Abenteuer-Roman aus dem Verlag Christian Wolff , Flensburg (Preis DM 9.80). — Der Autor führt den Leser in diesem Roman wieder in den Norden Kanadas . Es ist das einfache Leben, das er meisterhaft zu schildern weiß. Ein Buch, das die grandiose Natur besingt und die Abenteuer in den unendlichen Wäldern, wo jeder Mann auf sich allein gestellt ist Zugleich aber berichtet er eine zarte Liebesgeschichte aus jenen Tagen, da die weißen Siedler von Ka nada Besitz ergriffen. Macfie fabuliert nicht am Schreibtisch. Er hat sich in der Welt umgesehen. So ist auch dieses Buch wieder die rechte Lektüre für alle „Fernsüchtigen“. Heute, wo auch au6 Deutsch land viele junge Maischen ihr Glück in Kanada versuchen wollen, dürfte dieses Buch schon aus diesem Grunde viele Freunde finden.
F. G. Erich Lorenz:
„DAS INDISCHE ABENTEUER DES IBN BATUTA “
Ein Jugendbuch der Franckh sehen Verlagsbuchhandlung, Stuttgart . (Preis DM 5.80.) — Ibn Batuta , der Araber, hat im Herbst des Jahres 1333 seine Heimat verlassen und 14 Jahre lang in Reisen voller Abenteuer die Wunder Indiens und des Fernen Ostens gesehen. Er hat wie Marco Polo , Roderieh von Portenach und Nicolo de Conti der abendländischen Weit, der christlichen und der mohammedanischen, Kunde von den unsagbaren Reichtümern In diens und Chinas gebracht, er hat für Handel und Wandel die Tore zu unbekannten Reichen aufgesto- ßen. Er berichtet von Wüsten und Dschungeln, vom Elend der Hindus, und er tritt in Delhi vor den reichsten und mächtigsten Herrscher des Ostens. Was er gesehen und erlebt hat, davon hat er ausführliche Aufzeichnungen hinterlassen. Sie sind Zeugnisse eines Lebens von ungewöhnlicher Unternehmungslust und Tatkraft; sie geben ein einzigartiges Bild von dem zauberhaften Eindruck, den die Weite und der Eindruck Indiens auf die Welt des sehen Mittelalters ■. . a tnuüte. E. G. Erich Lorenz hat die weitschweifigen Schilderungen Ibn Batutas zu einer spannenden E zählung verdichtet, die dem Leser über Jahrhund : - und über Tausende von Meilen hinweg die F nurücke lebendig macht, die Ibn Batuta gewonnen hat.