Dienstag, 23. Dezember 1952

SÜDWESTDEUTSCHER SPIEGEL

Nummer 293 / Seite S

Leichtes Ansteigen der Preise

Die Preisentwicklung in der Zeit von Mitte Okto­ber bis Mitte November 1952 verlief nach Ermittlun gen des württembergischen Statistischen Landesam­tes uneinheitlich. 72 Prozent (Vormonat 69) der be obachteten Erzeuger- und Großhandelspreise blieben unverändert. 13 Prozent (20) gingen zurück, und 15 Prozent (11) stiegen an. Die Preisindexziffer für die Lebenshaltung einer Arbeiterfamilie (mittlere Ver­brauchergruppe mit Lebenshaltungsausgaben von monatlich rund 300 Mark) erhöhte sich gegenüber Oktober um 0,3 Prozent. In den einzelnen Ausgaben­gruppen wurden folgende Preiserhöhungen festge­stellt: Ernährung 0,3 Prozent, Kleidung 0,1 Prozent, Heizung und Beleuchtung 0,2 Prozent, Wohnung 1,2 Prozent. Lediglich die Ausgabengruppe Hausrat weist ein Sinken der Preise um 0,1 Prozent auf.

Protest gegen Gelände-Beschlagnahme

Schärfsten Protest gegen die geplante Beschlag­nahme von weiteren 17 Hektar wertvollen Acker­gebietes für militärische Zwecke auf der Gemarkung Bernhausen im Kreis Esslingen , erhob der Esslinger Kreistag in einer öffentlichen Sitzung. In einer Ent­schließung an die Landesregierung bittet der Kreis­tag darum, „die Ansprüche der Besatzungsmacht im Flughafengebiet Echterdingen — Bemhausen einer entdgültigen Lösung zuzuführen.“

Das Hauptquartier der amerikanischen Besatzungs­streitkräfte ist zur völligen Freigabe des Flugplatzes Echterdingen bereit, wenn ihm südlich des Flugha­fengeländes 43 ha unct daran anschließend weitere 17 ha Bodenfläche für die Einrichtung eines Feld­flughafens mit militärischer Startbahn zur Verfügung gestellt werden. Der Esslinger Oberbürgermeister Dr. Dieter Roser vertrat im Kreistag die Ansicht, daß die Freigabe des Flughafens für den zivilen Luftverkehr nicht nur im Interesse der Stadt Stutt­ gart , sondern des ganzen Landes liegen müsse. Es sei aber kurzsichtig, wenn etwa die Stadt Stuttgart am Rande des freigegebenen Zivüflughafens eine müitärische Anlage der vorgesehenen Art begünsti­gen würde.

Sperrzone für Segelflug verkleinert

Der Bundesverkehrsminister hat eine gute Nach­richt für die Freunde des Segelflugsportes: die für den Segelflug verbotene 30-Meilen-Sperrzone ent­lang der Ostgrenze Hessens und Bayerns ist auf 15 Meilen verringert ■ worden. In dem freigegebenen Teil ist der Segelflug künftig an Wochenende und Feiertagen mit bestimmten Einschränkungen zugelas­sen. Auch in der noch verbleibenden jetzt 15-Meilen- Sperrzone soll der Segelflug, wenn bestimmte Vor­aussetzungen festgelegt worden sind, wieder erlaubt werden. Damit können nach Angaben des Bundes­verkehrsministeriums mehr als hundert Flugsport­vereinigungen im Zonengrenzgebiet wieder an den Start gehen. Einzelheiten werden noch bekannt­gegeben.

Gemeinsame Werbung für den Schwarzwald

Der Gebietsausschuß Schwarzwald des Fremden­verkehrsverbandes Württemberg beschloß dieser Tage in Rottweil , die Werbung für den Schwarzwald über das Gebiet des württembergischen Schwarz­waldes hinaus auszudehnen. Die Lokalwerbung soll zunächst zurückgestellt werden. Dem Gebietsaus­schuß gehören die Kreise Calw, Freudenstadt , Horb und Rottwedl an.

Zuchthausstrafen für Nickel und Stauss

Urteil im ProzeB gegen die geständigen Mannheimer Ausbrecher gefällt

Die beiden Ausbrecher Hans-Joachim Nickel und Rudolf Stauss wurden gestern nachmittag von der 2. Großen Strafkammer Mannheim zu Je sechs Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. Sie wurden der schweren Gefangenenmeuterei in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung und Frei­heitsberaubung, des schweren Raubes und des zweifachen Einbruchsdiebstahls im Rückfall für schuldig befunden.

Der Staatsanwalt hatte für Stauss siebeneinhalb Jahre und für Nickel sieben Jahre Zuchthaus bean­tragt. In seinem Plädoyer erklärte er, daß das so heftig kritisierte Waffenreinigen der Gefangenen mit dem Ausbruch nichts zu tun habe. Die Angeklagten hätten ihre Absicht auch auf andere Weise verwirk­lichen können. Trotzdem würden die verantwortli­chen Gefängnisbeamten zur Rechenschaft gezogen. Landgerichtsdirektor Huber stellte demgegenüber fest, daß die Ueberlassung von Waffen den Entschluß der beiden zum Ausbruch unter Umständen begün­stigt habe.

Nickel und Stauß geständig

In der Hauptverhandlung gegen die Ausbrecher Hans-Joachim Nickel und Rudolf Stauß legten die beiden Angeklagten am Montagvormittag ein lücken­loses Geständnis ab. Nickel hatte zur Zeit der Tat noch eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten, Stauß noch eine Gefängnisstrafe von zwei­einhalb Jahren zu verbüßen. Anfang September hat­ten sie den Plan gefaßt, auszubrechen., Nach einem am 1. November unternommenen Versuch, der je­doch keinen Erfolg hatte, nützten sie am 8. November eine günstige Gelegenheit aus. Die beiden reinigten neun Karabiner, drei amerikanische Colts und eine deutsche 08-Pistole. Als Oberwachtmeister Rieß ge­gen 16.45 Uhr den Raum betrat, in dem die beiden arbeiteten, schlug Stauß ihn von hinten mit einem Gewehrkolben nieder. Nickel sprang den Beamten von vorne an. Dann wurde der Wachtmeister gefes­selt und mit einem Putzlappen geknebelt. Nickel holte aus dem Nebenraum Munition. Mit einer Leiter überstiegen die Häftlinge dann die Gefängnismauer. Sie wollten über die Schweiz nach Südfrankreich fliehen.

In der Großgarage Islinger in Ludwigshafen , die sie nach dem Ueberschreiten einer gesperrten Not­brücke über den Rhein gegen 23.00 Uhr erreichten, stahlen sie Zivilkleider und zwangen den Tankwart mit vorgehaltener Pistole, sich in einen Kellerraum zu* begeben. Der Tankwart mußte ihnen auch noch sagen, wie der Benzinbrunnen bedient wird. Dann holte Stauß einen Volkswagen, versah ihn an der Vorderseite mit der Kenn-Nummer eines anderen Wagens und füllte den Tank. Nickel entnahm der Kasse über 200 Mark. Gegen 4 Uhr morgens traten die beiden Sträflinge die Fahrt nach Freiburg an. Im Schwarzwald wurde der Wagen nach tagelangen Hin- und Herfahrten defekt. Sie ließen ihn stehen, brachen am Morgen des 13. November in eine Scheu­ne und in ein Bauernhaus ein, stahlen Kleidung, Le­bensmittel und zwei Fahrräder. Stauß wurde am Vormittag des 13. November, Nickel am Abend des gleichen Tages auf Schweizer Boden festgenommen.

Nächtlicher Einbruch in Uhrengeschäft

Die Schweizer Polizei warnte am Montag vor dem Ankauf wertvoller Markenuhren, die am Wochenende bei einem nächtlichen Einbruch in einem bekannten Fachgeschäft in Fratteln (Basel Land ) gestohlen wur-

Dieses Jahr voraussichtlich grüne Weihnachten

Was die Wetterpropheten für das Fest Voraussagen - In Süddeutschland keine Schneefälle

In Südwestdeutschland wird es in diesem Jahr voraussichtlich grüne Weihnachten geben. Nach den vorliegenden Unterlagen ist das Wetteramt Freiburg der Ansicht, daß bis etwa zum 24. Dezember mit ziemlicher Sicherheit mit leicht unbeständigem aber recht mildem Wetter gerechnet werden kann. Nieder' schlage werden in tieferen Lagen als Regen und erst von der 1000 m-Grenze an als Schnee fallen. Für die Festtagd selbst ist eine Wetterberuhigung zu erwar­ten, in deren Verlauf die Temperatur aber nicht stark Absinken dürfte. In den letzten 80 Jahren waren in Südwestdeutschland etwa 70 Prozent aller Weihnach­ten grün.

In diesem Jahr ist es nach einer Erklärung des Wetteramtes Freiburg besonders schwierig das Weih­nachtswetter schon einige Tage vorher vorauszusa­gen, da die Groß-Wetterlage keine einheitliche Ent­wicklung aufweist. Vom Stuttgarter Wetteramt wur­de am Montag abend mitgeteilt, die Wetterlage sei im Augenblick so undurchsichtig, daß sich noch keine Vorhersage für die Weihnachtsfeiertage daraus ab­leiten lasse. Auch das Wetteramt Karlsruhe lehnte die Veröffentlichung einer Wettervorhersage ab.

Wieder gute Schneeverhältnisee

Im Schwarzwald herrschen bei Frostwetter seit Sonntag wieder gute Schneeverhältnisse. Die ge­schlossene Schneedecke beginnt bei 500 bis 600 Meter und beträgt in Höhenlagen von 800 bis 900 Meter schon 30 bis 50 Zentimeter. Sie steigt dann bis in die Gipfellagen des Nordschwarzwaldes auf etwa 1 Meter, im Feldberggebiet auf eineinhalb Meter an. Der Schnee ist allerdings etwas verharscht und in hohen Lagen zum Teil verweht. Am Dienstag ist wieder mit etwas änsteigenden Temperaturen und leichten Nie­derschlägen zu rechnen, die nur in den höchsten La­gen als Schnee niedergehen dürften. Die Wintersport­verhältnisse werden zumindest in den hohen Lagen gut bleiben:

Feldberg : 160 cm, 30 cm neu, gut, minus 7. Scfaau- insland: 100 cm, verharscht, minus 3. Hinterzarten : 35 cm Altschnee, minus 3. Brend-Rohrhardsberg: 110 cm, verharscht, minus 4. Hornisgrinde: 90 cm, verharscht, minus 4. Schliffkopf: 70 cm, verharscht, minus 3. Ruhestem: 70 cm, verharscht, minus 3. Freudenstadt : 30 cm, verharscht, minus 1 Grad.

Suchaktion auf der Zugspitze eingestellt

Die Suche nach den fünf Lawinenverschütteten, die seit Samstag nachmittag auf der Zugspitze vermißt werden, ist am Montag nachmittag wegen des außer­gewöhnlich schlechten Wetters zunächst eingestellt worden. Dichtes Schneetreiben nimmt jegliche Sicht. Sobald es das Wetter zuläßt, soll die Suche wieder aufgenommen werden. Die Bergungsmannschaften fahren zu Tal. Ihren Gesichtern sind die fast über­menschlichen Anstrengungen anzusehen. Einer der Grenzpolizisten, der von der Zugspitze kam, berich­tete einem dpa -Korrespondenten, wie mühsam die Suche in der Nacht zum Sonntag war. Die Pechfak-

keln brannten zu schnell weg. Im Laufe einer halben Nacht wurden hundert Fackeln verbraucht. Am schlimmsten war jedoch der sich ständig steigernde Schneesturm. Die Finger drohten den Rettungsmann­schaften an den Geräten festzufrieren. Die Gesichter waren mit einer fingerdicken Eisschicht überzogen. Bei der Rückkehr zum Schneefemerhaus klammerten sie sich an die Sitzbügel des Zugspitz-Skilifts. Der Sturm riß die Männer fast von den Bügeln.

40-Millionen-Projekt für Reutlingen

Dem Reutlinger Gemeinderat wurden in seiner letzten öffentlichen Sitzung ein Modell und detail­lierte Pläne für die Gestaltung des durch den Krieg stark zerstörten Gebietes in der Nähe des Haupt­bahnhofs vorgelegt. In diesem Stadtteil ist ein mo­dernes Viertel im Entstehen und zum Teil schon fertiggestellt. Die Hauptausfallstraße nach Stuttgart , die Karlstraße, soll mit einer vierspurigen Fahrbahn, mit Grünstreifen, Fußgänger- und Radfahrwegen auf 28 Meter verbreitert werden. An der Straße werden drei- bis vierstöckige Geschäfte- und Wohn­gebäude errichtet. Ein Omnibusbahnhof, Parkplätze für über 100 Fahrzeuge, eine moderne Großgarage Hotels, Grünanlagen und Tankstellen sollen das Bild dieses Stadtteils vervollständigen. Dadurch wird sich der Hauptverkehr aus der Innenstadt voraussichtlich in diese neuen, geräumigen Bezirke verlagern. Die Gesamtkosten für diese Visitenkarte der Stadt Reut­ lingen werden auf zunächst 35 bis 40 Millionen Mark geschätzt.

Das neue Jahr wird mit Flaggen begrüßt

Das Staatsministerium von Baden-Württemberg in Stuttgart hat einer Anregung der Bundesregie­rung folgend verfügt, daß alle Dienstgebäude des Landes am Neujahrstag Flaggenscbmuck tragen. Die Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öf­fentlichen Rechts wurden van der Regierung gebeten, auch die Flaggen zu hissen.

den. Es handelt sich in der Hauptsache um 250 Gold­uhren mit einem Verkaufswert von rund 50 000 Fran­ken. Die Täter gingen sehr kaltblütig vor. Sie bra­chen zunächst einen Rolladen auf, zerschnitten eine Scheibe und stiegen dann in das Ladeninnere ein, nachdem sie ein Fenster lautlos ausgehoben hatten. Die Einbrecher waren vermutlich „Fachleute“, die mit großer Sachkenntnis und in aller Ruhe unter den Vorgefundenen Uhrenvorräten ihre Auswahl trafen. Bevor die Einbrecher verschwanden, nahmen sie aus dem Geschäft noch Kartons mit, in die sie die Uhren dreihundert Meter vom Tatort entfernt, in einem Garten verpackten. Dort wurden der Rest des Ver­packungsmaterials und eine der gestohlenen Uhren von der Polizei gefunden. Nach Ansicht der Fahn­dungsbehörden handelt es sich um die gleichen „Spe­zialisten“, die vor zwei Wochen in Basel unter ähn­lichen Umständen ein anderes Uhrengeschäft ausge­plündert hatten.

Besatzungsschmuggel in Nordbaden

In Nordbaden wurden in der Zeit vom 6. Oktober bis zum 19. Dezember rund 400 Personen wegen Besatzungsschmuggels angezeigt. Der Wert der in dieser Zeit beschlagnahmten Waren beträgt nach Mitteilung der Zollfahndungsstelle Karlsruhe 34 550 Mark. 133 500 Mark beträgt die Höhe der in dieser Zeit hinterzogenen Abgaben, soweit sie von der Zoll­fahndungsstelle festgestellt werden konnte. Unter anderem wurden 133170 Zigaretten geschmuggelt, davon sind 101 000 Stüde beschlagnahmt wordene

Bewaffneter Ueberiall au! Sparkasse

Bei einem verwegenen Ueberfall auf die Sparkasse der elsässischen Gemeinde Gertweiler erbeuteten drei noch unbekannte Täter einen Betrag von 450 000 Francs. Zwei der maskierten Banditen, die mit Re­volvern und Maschinenpistolen bewaffnet waren, hielten die Kassenangestellten mit den Waffen in Schach , während der dritte vor dem Gebäude die Straße sicherte. Die Angestellten sowie Kunden, die während des Ueberfalls eintrafen, wurden gezwun­gen, sich mit erhobenen Händen in einer Ecke des Bankraumes auf den Boden zu setzen. Während sie einer der Räuber bewachte, durchsuchte der andere in aller Ruhe die übrigen Räumlichkeiten des Spar­kassengebäudes. Er nahm sich über eine halbe Stun­de Zeit. Bei ihrem Abzug befahlen die Bankräuber den eingeschüchterten Angestellten, sieh nicht vor einer halben Stunde vom Fleck zu bewegen. Der Kraftwagen, mit dem die drei Maskierten die Flucht ergriffen, wurde später in Straßburg beschädigt auf­gefunden

Mit dem Gesetzbuch gegen den Richter

Zu einem heftigen Zwischenfall kam es dieser Tage in einem Baden-Badener Gerichtssaal, als der Einzelrichter einen 48 Jahre alten Angeklagten wegen Landstreicherei und Betteins zu sechs Wo­chen Haft und Einweisung in ein Arbeitshaus ver­urteilte. Mit dem Ruf „ihr Mörder, ihr bringt mich um“, versuchte der Verurteilte dem Richter einen dicken Band gesammelter Gesetzesbestimmungen an den Kopf zu schleudern. Mit knapper Not konnte der Richter dem Wurfgeschoß ausweichen. Der Land­streicher hatte das Buch vom Tisch seines Anwalts genommen. Zwei Polizei beamte mußten aufgebotöl werden, um den Tobenden in seine Zelle zurückzu­bringen. Der Verurteilte war ein notorischer Land­streicher, der, neuzigmal vorbestraft, bisher nur vom Betteln gelebt hat. Das Wandern liege ihm im Blut, meinte er zu seiner Entschuldigung.

Dörrstein wurde zur Wahrheit ermahnt

Die Kleiderfunde identifiziert - Verhandlung wird am 30. Dezember fortgesetzt

Der des Mordes an seiner Frau- und seinen drei Kindern beschuldigte Chemiearbeiter Gustav Adolf Dörrstein wurde am Samstag vom Vorsitzenden des Wiesbadener Schwurgerichts eindringlich ermahnt, endlich die Wahrheit über das Schicksal seiner Fa milie zu sagen, die nach Dörrsteins Angaben mit einem gewissen Michalski 1948 ins Ausland gereist sfein soll. Es war der fünfte Verhandlungstag des Gerichts in Heidenheim (Mittelfranken ), wo Dörr- steins Frau zuletzt gewohnt hat, während Dörrstein selbst meist in Frankfurt war.

„Die Zeit kommt noch, da ich Ihnen alle Fragen beantworten kann“, sagte Dörrstein. Vorsitzender: „Wann wollen Sie die Fragen beantworten?“ Dörr­stein: „Wenn der Tag da ist und meine Frau und Michalski erscheinen können.“ Ein längerer Wort­wechsel mit dem Vorsitzenden nahm den Angeklag­ten so mit, daß ihm der Schweiß in dicken Tropfen von Stirn und Wangen fiel. Der Vorsitzende, Land­gerichtsdirektor Dr. Herbert Klein, machte Dörrstein klar, daß zum Urteil die Auffindung der Leichen oder ein Geständnis nicht unbedingt notwendig sei­en. Dörrstein beriet sich darauf mit seinem Vertei­diger und studierte die Mordparagraphen des Straf­gesetzbuches.

Als Dörrstein auf Zeugenaussagen wieder mit un­klaren Ausflüchten antwortete und dem Vorsitzen­den erklärte: „Das weiß ich nicht, diese Fragen können Sie meiner Frau stellen, dazu bekommen Sie noch Gelegenheit“, beantragte der Staatsanwalt, schon jetzt den Sachverständigen informatorisch über den Geisteszustand Dörrstedns zu hören.

Frau Louise Schneider, die einen Jungen Dörrsteins in Pflege nahm, als Frau Dörrstein nach Frankfurt fuhr, sagte aus, daß Frau Dörrstein ihr nur für acht Tage Lebensnittel zur Versorgung des Jungen ge­geben habe. Sie wollte damals spätestens in acht Tagen zurück sein. „Gekommen ist sie aber nim­mer“, sagte die alte Frau traurig. Während Dörrstein bei seiner früheren Aussage blieb, daß seine Frau durch Michalski damals viel Geld gehabt habe, er­klärte die Zeugin, die Reise nach Frankfurt sei Frau Dörrstein ungelegen gekommen, da sie damals finan­ziell sehr schlecht gestanden habe.

Die Geschwister der verschwundenen Anna Dörr- stein und drei Frauen, bei denen die Jungen Lothar und Ewald Dörrstein in Pflege waren, identifizierten in den Steinbrüchen auf gefundene Kleidungsstücke als Kleider Anna Dörrsteins und der Dörrstein-Bu­ben. Vier große Bündel und Säcke mit Kleidern, Schuhen, Mützen, Spielzeug und Hausrat waren vor dem Richtertisch ausgebreitet.

Mehrere Bauern und Wegearbeiter berichteten von dem Aufflnden der Stücke. Die Zeugin Margarete Fleichaus hatte in einem Steinbruch einen Rucksack mit Kleidern gefunden und am Stoff sofort die Hosen der Dörrstein-Kinder erkannt. Unweit davon hatte sie einen Pickel und einen Militärspaten mit kurzem Stiel gefunden. Es war der gleiche Steinbruch, an dem damals ein Zeuge Blutspuren und andere Zeu­gen abends einen unbekannten Mann mit der Hacke hatten arbeiten sehen. Ein anderer Zeuge hatte im November 1949 in einem Wassergraben Kleidungs­stücke des einen Dörrstein-Jungen gefunden, die im Sumpfwasser unter Laub versteckt lagen.

Vorsitzender: „Dörrstein, wie kommen diese Sachen

Wie wird das Wetter?

Immer noch nicht beständig

Ueber Mitteleuropa hat sich zwar ein Hochdruck­rücken aufgebaut, doch ist er nicht kräftig genug, um das Uebergreifen einer neuen Störung aus Südwesten ganz zu verhindern. Ueberwiegend bewölkt, strich­weise auch etwas Regen. Bei schwachen bis mäßigen Winden Tagestemperaturen nicht über 5 Grad an­steigend. Nachts stellenweise geringer Frost.

Kurzmeldungen aus Süd Westdeutschland

:: Mit der Eröffnung eines im Jahre 1944 durch Fliegerbomben zerstörten und jetzt wieder auf­gebauten Lichtspieltheaters besitzt Stuttgart nun 34 Kinos.

:: Ein Lastauto aus Bruchsal , das mit wertvollen Möbeln beladen war, brannte aus bisher ungeklärter Ursache auf der Bundesstraße 293 bei Sulzfeld aus. Der Geistesgegenwart des Fahrers war es zu ver­danken, daß der ebenfalls vollbeladene Anhänger unversehrt blieb.

Das Finanzministerium von Rheinland-Pfalz

warf dem Bund vor, er verteile die Mittel für den sozialen Wohnungsbau nicht gerecht unter die Bun­desländer. Beispielsweise sei völlig übergangen worden, daß Rheinland-Pfalz als einziges Land ein steigendes Wohnungsdefizit aufweise, weil es die ihm zugeteilten Flüchtlinge termingemäß aufgenommen habe.

:: In der Stuttgarter „Wilhelms“ sind in den letz­ten Tagen vier mächtige Königspinguine eingetrof­fen. Sie wurden bei ihren kleineren „Vettern“, den Brillenpinguinen, untergebracht. Die Königspinguine in der Wilhelma sind die ersten derartigen Tiere, die seit Kriegsende nach Deutschland gekommen sind.

:: 33 Bürgermeister aus dem Kreis Ravensburg kamen am Donnerstag mit ihren Fachreferenten zu einer Besprechung im Rathaus der Kreisstadt zu­sammen, um aktuelle kommunale Tagesfragen zu erörtern. Eingehend beschäftigten sich die Bürger­

meister mit der Frage des Lastenausgleichs, da der plötzliche Arbeitsanfall einige Schwierigkeiten ver­ursachte, weil noch zu wenig Erfahrungen bei der Durchführung des komplizierten Gesetzwerkes vor­liegen. Ferner untersuchten die Bürgermeister die Möglichkeiten, wie der Werbung für die Fremden­legion entgegengetreten werden könne.

:: Als einzige Gemeinde in der Bundesrepublik gewährt die Stadt Stuttgart einem Tierasyl Zu­schüsse. Im Jahre 1951 hatte die Stadt für das Tier­heim im Feuerbacher Tal 32 000 und in diesem Jahre 34 000 Mark an Beiträgen gegeben. Einen weiteren Zuschuß von 34 000 Mark hat der Gemeinderat am Donnerstag im Vorgriff auf das Haushaltsjahr 1953 bewilligt.

:: Im Mannheimer Stadtteil Neckarau wurde am Wochenende bei Ausschachtungsarbeiten auf dem Gelände eines alten Bauernhauses ein gut erhaltenes menschliches Skelett gefunden, dem ein irdenes Ge­fäß beigegeben war. Zuerst wurde angenommen, daß es sich um ein antikes Grab handle, die Untersuchen­den mußten aber beim Reinigen der im Gefäß ge­fundenen Münze feststellen, daß es italienisches Geld aus dem Jahre 1867 war. Die Leiche, deren Schädel total zertrümmert war, wurde 60 Zentimeter unter dem ehemaligen Kellerboden aufgefunden. Bereits vor zehn Jahren waren im Hofe des gleichen Hauses beim Bunkerbau die Skelette einer Frau und eines etwa achtjährigen Kindes gefunden worden.

dort hin?“ Dörrstein: „Das hat mit dieser Sache nichts zu tun.“ Vorsitzender: „Sie müssen doch eine logische Darstellung geben. Nachdem so viel aus Ihrem Haus­rat in der dortigen Gegend in wochenlanger Arbeit ausgegraben und gefunden wurde, verlangt das Ge­richt von Ihnen jetzt Aufklärung.“ Dörrstein: „An diese Stellen, wo das gefunden wurde, bin ich noch nie hingekommen.“ Vorsitzender: „Dörrstein, sollen wir weitergraben?“ Dörrstein: „So lange Sie in der Erde rumwühlen, kommen Sie nicht zum ZieL Sie können tun, was Sie für richtig halten, es bleibt ne­gativ, das sage ich Ihnen gleich.“ Die Verhandlung wird am 30. Dezember in Wiesbaden fortgesetzt.

Der „Che!" entkam

Die Kaffeeschmuggler an der deutsch -schweizeri­schen Grenze mußten bei ihrem eifrig betriebenen „Weihnachtsgeschäft“ eine weitere Schlappe einstek- ken. An der Grenzübergangsstelle Lörrach—Basel wurden ihnen erneut zwei Zentner Kaffee abgenom­men, die in den Geheimfächern eines Schweizer Kraftwagens verstaut waren. Der Fahrer, ein Schwei­ zer Staatsangehöriger, wurde festgenommen. Sein Beifahrer, der nach dem Ergebnis der bisherigen Un­tersuchungen als der eigentliche „Chef“ der Schmug­gelaktion zu betrachten ist, konnte zu Beginn der Kontrolle noch rechtzeitig aus dem inzwischen be­schlagnahmten Wagen abspringen und sich hinter die Schweizer Grenzpfähle in Sicherheit bringen. Bei der „heißen Ware“ handelt es sich um Rohkaffee, der von den Schmugglern bei ihren Operationen mehr und mehr bevorzugt wird, seitdem die Zollfahndung „Kaffee-Hunde“ einsetzt, deren Nasen allerdings vor­wiegend auf gebrannten Kaffee reagieren.

Explosion im Konfektionsgeschäft

In einem Heilbronner Konfektionsgeschäft explo­dierte am Sonntag eine Gasflasche, die zum Füllen von Reklameballons verwendet wurde. Alle Schau­fenster des Geschäftes wurden auf die Straße ge­drückt, eine Frau wurde durch Glassplitter verletzt. Durch die Explosion enstand erheblicher Sachscha­den. Glücklicherweise ereignete sich die Explosion, kurz bevor das Geschäft zum Verkauf am Goldenen Sonntag geöffnet werden sollte. Nach den - Aufräu- mungsarbeiten konnte am späten Nachmittag der Verkauf aufgenommen werden.

Drei Tote bei Verkehrsunglück

Drei Todesopfer und sechs Verletzte forderte am Sonntagabend ein Verkehrsunglück auf der Eifel­straße Trier — Bietburg. Ein Mercedes -Personen­wagen raste zwischen Schwarzkreuz und Newel in voller Fahrt auf einen entgegenkommenden Post­omnibus und wurde völlig zertrümmert. Von den Insassen der Personenwagens wurden drei Trierer Geschäftsleute sofort getötet. Ein weiterer Insasse wulde schwer verletzt. In dem ebenfalls schwer be­schädigten Omnibus wurden fünf Personen verletzt.

Stic hfl a mm en schossen vom Boden empoi

Meterhohe Stichflammen, die in der Nacht zum Sonntag einige Stunden lang die Gegend bei der Ortschaft Binzgen im Landkreis Säckingen taghell erleuchteten, veranlaßten die Feuerwehr des Dorfes Binzgen auszurücken. Aus bisher ungeklärten Grün­den war am Samstagabend ein unter Strom stehen­der 20 mm starker Leitungsdraht der 120 000-Volt- Hochspannungsleitung des Kraftwerks Schwoerstadt in einer Länge von fast 1000 m zu Boden gestürzt. Als man Sonntagmorgen um sechs Uhr die Stromzufuhr abgestellt hatte, fand man von der Leitung fast nichts mehr vor, da das 1000 Meter lange Drahtstück zum größten Teil geschmolzen war.

Fünfzig Jahre Zuchthaus für US -Soldaten

Ein amerikanisches Militärgericht verurteilte am Samstag in Salzburg den 23 Jahre alten Neger­korporal Isaih Rodison aus New Orleans wegen Mordes an dem 28jährigen Straßenmädchens Eva Kienesberger zu fünfzig Jahren Zuchthaus und Aus­stoßung aus der Armee. Damit fand eine grauenvolle Tat ihre Sühne, die weit über die Grenzen Oester­ reichs hinaus Aufsehen erregt hatte. Eva Kienes­berger war am 26. Juli 1952 in der Nähe des Salz­ burger Flugplatzes aus vielen Stichwunden blutend aufgefunden worden. Später erlag sie im Kranken­haus ihren schweren Verletzungen. Als Mordwerk­zeuge waren ein amerikanischer Konservenöffner und eine Bierflasche verwendet worden. Den ameri­ kanischen Behörden gelang es bald, den Täter zu ermitteln. In elftägiger Gerichtsverhandlung wurden gegen ihn eine Fülle von Indizienbeweisen ausge­wertet. Am Tatort fand man ein emailliertes Trup­penabzeichen des 510. Feldartilleriebataillons. Ferner wurden an Kleidungsstücken Rodisons Blutspuren und Frauenhaare entdeckt, die zweifelsfrei von der Ermordeten stammten. Der Soldat, dem auch ein Vergewaltigungsversuch an einer anderen Prosti­tuierten zu Last gelegt wurde, nahm das Urteil ge­faßt entgegen.