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Nummer 128

Montag, 18. September 1950 Ausgabe a 139. Jahrgang

Schumacher zur Remilitarisierung

„Sie kann nicht von den Alliierten verordnet werden, sondern nur auf Wunsch des

deutschen Volkes erfolgen"

Stuttgart . In einer Stellungnahme zur et­waigen Remilitarisierung Deutschlands er­klärte am Samstag der SPD -Vorsitzende Dr. Kurt Schumacher:

„Wir sind bereit, wieder Waffen su tra­gen, wenn die westlichen Alliierten mit ' uns das gleiche Risiko und die gleiche Chance der Abwehr eines sowjetischen Angriffs fibernehmen und sich mit größtmöglicher Macht an der Elbe etablieren.“

Die Militarisierung Deutschlands unter den heutigen Verhältnissen, betonte Schuma­ cher vor württembergisch-badischen SPD - Funktionären in Stuttgart , sei jedoch unmög­lich und wäre ein Verhängnis.

Deutsche Politiker hätten die Ungeschick­lichkeit begangen, die Wiederbewaffnung Deutschlands anzubieten und damit den West- hiächten ein Stück Freiheit in der Entschei­dung darüber gegeben, ob Deutschland mili­tärisch geschützt werden soll oder nicht Die deutsche Wiederaufrüstung könne nicht von einem alliierten Staatsmann verordnet werden, sondern nur auf Wunsch des deut­ schen Volkes erfolgen. Die Sozialdemokratie sage Nein zu jeder Aufrüstung, die das deut- Mhe Volk ablehne.

Grundsätzlich könne der Gedanke an eine Wiederbewaffnung der Bundesrepublik nicht zurückgewiesen werden, weil damit die So­wjet* zum Einmarsch in das Bundesgebiet eingeläden • würden. Entscheidend seien jedoch Zweck und Ziel der deutschen Wiederauf­rüstung. Nur wenn die Westmächte das deut­sche Volk davon überzeugten, daß sie Deutsch­ land vor dem Schicksal der „zweimal ver­brannten Erde“ bewahren wollen, werde eich ih Deutschland der Gedanke an eine militä­rische Verteidigung durchsetzen können. Die Bereitschaft dazu werde aber nicht durch die in der Vergangenheit bewährte militärische These der Engländer und Franzosen begün­stigt, die ersten Schlachten zu verlieren, um die letzte zu gewinnen. Die Bereitschaft werde auch nicht entstehen, wenn die Deutschen un­ter Waffen das Bundesgebiet nur als Vor­feld anderer Nationalstaaten verteidigen sollten.

Tokio. Die Kampflage in Korea ist nach den am Sonntagabend vorliegenden Berichten durch Fortschritte der UNO-Truppen im In- tschon-Landekopf und harte Kämpfe an der Hauptfront des Pusan -Brückenkopfes gekenn- seichnet

Der moderne Flugplatz Kimpo, etwa 25 km nordwestlich von Soeul ist, wie in einem Kom- muniquä General MacArthurs bestätigt wur­de, von amerikanischer Marineinfanterie ein­genommen worden. Die auf Soeul verstoßen­den Verbände haben Sonntagabend das West­ufer des Han-Flusses erreicht. Soeul liegt auf dem Ostufer des Han In den Vorstädten Soeul* wurde nach Korrespondentenberichten Montagfrüh (Ortszeit) erbittert gekämpft. Hier leisten die Nordkoreaner den stärksten Wider­stand, der seit der überraschenden Landung an der Westküste zu verzeichnen ist. Bei der Verteidigung des Flugplatzes Kimpo dagegen war die Abwehr der Kommunisten nach dem Bericht MacArthurs schwach. Der Gegner habe sich von der Ueberraschung noch nicht erholt, setze sich nur stellenweise zur Wehr, und seine einzelnen Widerstandsnester würden mit ge­ringsten Verlusten für die UNO -Streitkräfte niedergekämpft. Seit der Landung hätten die Kommunisten bei Intschon 1000 Mann ver­loren.

Die aus dem Brückenkopf im Süden nach Nordwesten und Norden vorstoßenden Ver­bände griffen am Sonntag mit Panzerunter­stützung pausenlos in Richtung Waigwan an, trafen jedoch auf hartnäckigen Widerstand der Nordkoreaner. Kommunistische Gefangene sag­ten aus, sie seien von der Landung bei In­tschon noch nicht unterrichtet worden.

Die härtesten Kämpfe werden vom Mittel-

Eine etwaige deutsche Sicherheitspolizei muß sich nach Ansicht Dr. Schumachers darauf beschränken, die innere Ordnung in Deutsch­ land zu erhalten. Diese Polizei dürfe nicht der Beginn einer militärischen Wiederaufrü­stung sein und nicht den Charakter einer ge­fährlichen militärischen Spielerei haben.

Zwischen Weichsel und Njemen

Nach der SPD -Funktionärskimferenz sagte Dr. Schumacher in einem Interview im Süd­ deutschen Rundfunk auf eine Frage des Rund­funkberichterstatters, daß die Westmächte an der Elbe so stark sein müßten, um die mili­tärische Entscheidung in den Raum zwischen Weichsel und Njemen vor tragen zu können.

Schumacher fordert.mehr Mut vom deutschen Volk

Im Anschluß an die Sitzung von SPD -Partei- vorstand und -Parteiausschuß erläuterte Dr. Schumacher am Sonntag noch einmal den Standpunkt seiner Partei zur Remilitarisierung der Bundesrepublik. Er forderte mehr Mut vom deutschen Volk. Jede Rückversicherung sei eine indirekte Einladung an die Sowjets.

Frankfurt a. M. Die Vereinten Nationen werden, nach Informationen aus dem ameri­kanischen Hohen Kommissariat, auf ihrer am 19. September ,in New York beginnenden Vollversammlung über die deutschen und ja­panischen Kriegsgefangenen in der Sowjet­ union sprechen. Anträge dafür sollen von der amerikanischen und der britischen Regierung der Vollversammlung vorgelegt werden. Das sei notwendig geworden, nachdem der Kriegs­gefangenenprotest der Westmächte Mitte die­ses Jahres von der Sowjetunion nicht be­antwortet wurde.

Nach den amerikanischen Plänen soll die Sowjetunion durch die Vereinten Nationen aufgefordert werden, genaue Auskunft über Zahl und Situation der deutschen und japa-

abschnitt der Hauptkampffront gemeldet. Hier versuchten die Amerikaner vergeblich, die Nordkoreaner aus einer viel umkämpften Stel­lung nördlich von Sidong herauszudrücken. In diesem Abschnitt wurden vier amerikanische Panzer von Landminen des Gegners zerstört.

Soeul das Herz der Kommunisten

Tokio. General Douglas MacArthur erklärte am Samstag vor Pressevertretern, er habe für seine Landungsaktion das Gebiet Soeul — In­tschon gewählt, weil es das Herz der Kommu­nisten sei. Der ganze Nachschub und alle Ver­stärkungen der Nordkoreaner kamen durch Soeul. Von dort gingen die großen Nachschub­wege nach der Sowjetunion und China . „Wir sind dabei, dieses Versorgungsgebiet zu beset­zen, so daß es den Nordkoreanern unmöglich wird, Soldaten oder mehr als einen Tropfen Nachschub in das gegenwärtige Kampfgebiet zu bringen.“

Neuer Mac Arthur-Bericht vor dem Sicherheitsrat

New York . Ein neuer Bericht des UNO -Be- fehlshabers für Korea , General MacArthur , wird dem Sicherheitsrat am Montag von der amerikanischen Delegation vorgelegt werden. Auf der Tagesordnung der Montagsitzung steht außerdem der amerikanische Antrag auf „Be­schwerde wegen des Angriffs auf die Republik Korea “ und die Formosafrage. Ob die von Aegypten gegen Israel wegen Verletzung der Waffenstillstandsbedingungen eingereichte Kla­ge behandelt wird, muß noch auf der Sitzung entschieden werden.

Auf die Frage, ob er mit seiner Stellung­nahme zur Remilitarisierung nicht einige so­zialdemokratische Prinzipien aufgegeben habe, antwortete Schumacher,

die Sozialdemokratie habe bei allem Wil­len zum Frieden niemals die pazifi­stische Idee vertreten. Die Konstella­tion des Pazifismus sei nicht mehr gegeben, weil es nicht mehr möglich sei, das Gleich­gewicht der Mächte durch verschiedene Mächtegruppierungen anzustreben.

Die sozialdemokratische Politik gegenüber der Remilitarisierung sei ein eindeutiges Nein bis zu dem Punkt, wo „die anderen“ ihr politisches und militärisches Schicksal mit dem deutschen solidarisch machen. Es dürfe keinesfalls die Möglichkeit eines „transatlantischen Rückzugs“ bestehen. Vielmehr müsse bei einem Angriff der Russen für die Alliierten durch ihre Mäch­teetablierung der Zwang eintreten, vorwärts zu gehen. „Die erste Schlacht“ dürfe nicht ver­lorengehen, denn diese erste Schlacht heiße Deutschland . Erst, wenn der Westen auf Ge­deih und Verderben mitgehe, habe er das mo­ralische Recht, dem deutschen Volk ein neues Opfer zuzumuten.

nischen Kriegsgefangenen in ihren Händen geben. Die Vereinten Nationen , so wird in amerikanischen Kreisen betont, müßten an die Weltöffentlichkeit appellieren und die Haltung der Sowjetunion in der Frage der Kriegsgefangenen verurteilen.

Nach den amerikanischen Schätzungen sind noch 300 000 bis 400 000 Deutsche in sowjeti­scher Kriegsgefangenschaft. Außerdem ist das Schicksal von etwa 350 000 japanischen Kriegs­gefangenen ungeklärt. Von amerikanischer Seite wird in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, daß sich die vier Großmächte, auch die Sowjets, verpflichtet hatten, alle deut­ schen Kriegsgefangenen bis Ende 1948 frei­zulassen. Die sowjetische Erklärung vom 5. Mai 1950, daß alle deutschen Gefangenen bis auf 13 523 wegen Kriegsverbrechen in der Sowjetunion zurückgehaltene Deutsche ent­lassen seien, sei eine einwandfreie Lüge.

Grundsätzlich betonen amerikanische Be­amte, daß die Westmächte jeden nur mögli­chen Schritt unternehmen werden, um die Kriegsgefangenen in ihre Heimat zurückzu­bringen. • Sie sind überzeugt, daß fast alle Teilnehmer der Vollversammlung der Ver­einten Nationen einer Protestresolution der amerikanischen und der britischen Regierung zur Kriegsgefangenenfrage zustimmen werden. Die Familien der zurückgehaltenen Kriegs­gefangenen müßten endlich Klarheit über das Schicksal ihrer Angehörigen erhalten.

Bochumer Bergmann lebend geborgen

Bochum . Der auf der Schachtanlage „Fried­licher Nachbar“ in Bochum-Linden seit Don­nerstag 18 Uhr eingöschlossene Bergmann wur­de am Samstag um 18.30 Uhr lebend geborgen. Er war 48 und eine halbe Stunde von der Außenwelt abgeschnitten. Die unter Aufsicht der Bergbaubehörden arbeitenden Rettungs­mannschaften hatten dem Bergmann von Sams­tagvormittag an durch ein Rohr frische Luft zugeführt.

Vulkanausbruch forderte 62 Todesopfer

Manila . Ein starker Vulkanausbruch auf der kleinen Philippinen -Insel Camiguin nördlich von Mindanao hat 62 Todesopfer gefordert. Der Vulkan Hibokhibok trat bereits in der letzten Woche in Tätigkeit. Sein Ausbruch hat an Stärke immer mehr zu genommen. Die 15 000 Bewohner der Insel sollen evakuiert werden. Ihre sechs Dörfer sind durch den Aschenregen verschüttet Viele Bewohner werden vermißt

Sowjetunion soll Auskunft geben

Kriegsgefangenenproblem kommt vor die UNO

Fortschritte im Intschon-Landekopi

Vorstädte von Soeul erreicht — Schwere Kämpfe an der Hauptfront

Die Welf und der Zucker

Von W. Horn

Vor dem zweiten Weltkrieg litt der Welt­markt ständig unter einem Ueberangebot an Zucker. Die Produktionskosten in den großen Anbauländern des Zuckerrohrs wie Java und Kuba wurden ständig gesenkt, aber die Zuk- kerrüben anbauenden Länder in Europa und Nordamerika waren nicht gewillt ihren Völ­kern den billigeren Rohrzucker zukommen zu lassen. Sie bestanden auf Beibehaltung der Rübenzuckerproduktion trotz der oft höheren Kosten.

Während des Krieges und in den ersten Nachkriegsjahren trat nun an die Stelle des Ueberangebotes ein Mangel, der in den Jahren 1948 und 1949 langsam zu schwinden begann, seit dem Ausbruch des Korea -Konfliktes und

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Nordbaden blieb im Kampf um den Fußball- Bundespokal der Amateure verdienter Sie­ger über Südbaden.

FC 04 Singen besiegte Altmeister Nürnberg auf eigenem Platz. Auch Fürth erlitt die erste Niederlage.

Fleiscbmann zum Saison-Kehraus auf dem Grenzlandring ln großer Form.

1860 München zum vierten Male Mannschafts­meister bei den Vereinsmeisterschaften der Leichtathleten.

Rheinlands Tischtennisspieler besiegten Süd­badens Vertretung knapp mit 5:4 Punkten.

Schwarzer (Hannover ) gewann Radfernfahrt München —Zürich .

der sich erneut anbahnenden Vorratswirtschaft der Zuckerexportländer in den Einfuhrländern bereits wieder stark in Erscheinung tritt.

Angesichts der Diskussionen, die sich in letz­ter Zeit um den Zucker entspannen, erscheint es angebracht,, einen Ueberblick über die Welt­zuckerlage zu geben.

Java, eine der wichtigsten Zuckererzeugungs­quellen der Welt (vor dem Krieg über eine Million Tonnen jährlich) sowie die Zuckerindu­strien der Philippinen (die vor dem Kriege jährlich etwa die gleiche Menge lieferten), sind noch immer nicht völlig produktionsfähig. Auch in anderen Zuckerexportländem wie Austra­ lien und Westindien haben die Ausfuhren noch nicht wieder den Vorkriegsumfang er­reicht. Kuba war bis vor kurzem praktisch das einzige „Zuckerland“, das nicht nur während des Krieges seinen Produktionsstand halten konnte, sondern ihn in den letzten Jahren so­gar noch beträchtlich zu steigern vermochte (von 2,8 Millionen Tonnen im Jahre 1938 auf 6 Millionen Tonnen im Jahre 1948).

Es darf aber nicht übersehen werden, daß beispielsweise die USA mit einem jährlichen Zuckerverbrauch von über sieben Millionen Tonnen noch nicht zwei Millionen Tonnen selbst erzeugen und über fünf Millionen Ton­nen Zucker jährlich aus Kuba , Puerto Rico , Südamerika und Häwai einführen. Die USA blieben bis heute von der Zuckereinfuhr ab­hängig. Obwohl sie während des Krieges auf industriellem und landwirtschaftlichem Gebiet wahre Wunder vollbrachten, war die Förde­rung des Zuckerrübenanbaues kein Erfolg. Im Jahre 1944 war die amerikai.ische Zuckerpro­duktion sogar auf 875 Tonnen gesunken und es ergab sich die Notwendigkeit, eine Reihe v Fabriken wegen fehlender Zufuhren von Rüben stillzulegen.

In Großbritannien betrug der Friedensver­brauch an Zucker jährlich durchschnittlich 2,4 Millionen Tonnen, denen nur knapp 400 000 Tonnen Eigenerzeugung aus dem Zuckerrüben­anbau gegenüberstanden. Seit Kriegsende war es trotz großer Anstrengungen nicht möglich, eine fühlbare Steigerung der britischen Zuk- kerrübenproduktion zu erzielen. 1948 '49 hatten die britischen Inseln daher knapp 600 000 Ton­nen Zucker aus eigener Produktion aufzuwei­sen, während noch immer etwa 1,8 Millionen Tonnen Zucker eingeführt werden mußten.

In Kanada machte sich während des Krie­ges eine starke Verringerung des Rübenzucker­anbaues bemerkbar. Alle Bemühungen der ka­nadischen Regierung, hier einen Wandel zu schaffen, blieben ohne größeren Erfolg, so daß sich die kanadische Zuckerproduktion 1948/49 nur auf 98.000 Tonnen belief, der ein Einfuhr-