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Berlin . (Exchange) „Die Anklageschrift gegen dl« 24 deutschen Kriegsverbrecher, di« «ich im November vor dem Nürnberger Gericht zu verantworten haben werden, ist jetzt fertiggestellt," erklärte der britische Anklagevertreter Sir Hartley Shaweros anläßlich eines Presseempfanges. Das Schriftstück werde wahrscheinlich am Donnerstag den Angeklagten und ihren Verteidigern ■ugehen und auch der Presse zur Verfügung gestellt werden. Ek bestehe aus 43 engbe- ■ druckten Folioseiten mit etwa 25 000 Worten. Da« englische Personal allein, das an der Ausarbeitung der Anklageschrift mitge- . arbeitet habe, zähle 80 bis 100 Personen; die amerikanischen Mitarbeiter seien noch größer an Zahl gewesen.
Sir Hartley Shawcroß erklärte weiter: „Die Anklageschrift führt die belastenden Punkte gegen die 24 Angeklagten kollektiv auf, und in einem Anhang wird dargelegt, inwieweit von den Punkten jeder einzelne der Angeklagten berührt wird. Wenn der Prozeß beginnt, werden wir ein ungeheures Beweismaterial in der Form von Dokumenten vorlegen. Vielleicht wird sich die gesamte Beweisführung vornehmlich «auf Dokumente stützen. Dem Gericht wird das Bestimmungsrecht darüber zustehen, ob gewisse Organisationen, wie die Gestapo und di« SS, als Verbrecherorganisationen zu behandeln sid. Dies würde es der Anklage gestatten, gegen jegliches Mitglied solcher Or- gnaisationen den Prozeß anzustrengen." -Weiter wurde ausgeführt; daß der Prozeß mit Bestimmtheit in Nürnberg statt- flnden werde.. Shawpross erklärte, er wundere sich, daß die Zeitungen von einer Verlegung der Verhandlungen nach Berlin gesprochen und zu verstehen gegeben hätten, daß die gesamte Prozedur sich zu langsam abwickle. Ueber keinen Punkt habe größere Einigkeit bestanden, als gerade über den Ort «der 'Verhandlungen, nämlich Nürn berg , Die Fertigstellung der Anklageschrift habe gewiß lange gedauert; aber wenn man, bedenke, daß ganze Tonnen von Material geprüft werden mußten, und alle diese Schriftstücke ins Englische zu übersetzen gewesen seien, dann brauche man sich über die angebliche ■ „Langsamkeit" nicht zu wundem.
Den Angeklagten werde mitgeteilt werden, daß sie sich einen Verteidiger wählen könnten. Bisher sei noch keiner der Verteidiger bestimmt worden. Nach seiner Meinung werde es sich nur um deutsche, nicht um internationale Rechtsanwälte handeln. Aus den Erklärungen ging weiter hervor, daß die Untersuchungen folgendermaßen durchgeführt wurden:\ Die Amerikaner .befaßten sich mit allen Fragen der Vorbereitung des Angriffskrieges, während die -britischen Fachleute für die Untersuchung aller Rechtsbrüche von internationalen Verträgen verantwortlich, waren. Die Franzosen untersuchten sämtliche Verletzungen des anerkannten internationalen Kriegsrechtes und die Russen die Fälle von Verbrechen gegen die Gesetze der Menschlichkeit.
Rudolf Heß wird im Flugzeug nach Nürnberg gebracht werden, und auch gegen Martin B o r m a n n soll wahrscheinlich in seiner Abwesenheit verhandelt werden, wenn er bis zum Prozeßtermin noch nicht festgenommen ist.
Gest ap© nnter Anklage
Nürnberg . (SPT) Britische, amerikanische und französische Mitglieder der alli ierten Kommission zur Untersuchung von Kriegsverbrechern haben in Nürnberg eine Pressekonferenz abgehalten. Der amerikani sche Hauptanklagevertreter Richter Jackson sagte, gegen die 24 Deutschen , deren Namen auf der ursprünglichen Kriegsverbrecherliste «tehen, werde gemeinsam das Strafverfah
ren eröffnet werden. 91« würden jeder einzeln und als Mitglieder von Organisationen aegeklagt werden. Die SS. und Gestapo soll als Organisation unter Anklage g estellt werden.
Der steliv. britische Anklagevertreter erklärte, der" Stellvertreter Hitlers , Rudolt Heß, der im Mai 1941 mit dem Flugzeug in England landete, werde binnen kurzem für die ersten ^/erfahren nach Nürnberg überführt werden.
Der russische Anklagevertreter
Nürnberg. (Exchange) Der amerikani sche Oberstaatsanwalt Robert Jackson gab bekannt, daß die Sowjetunion den früheren Protektor der Ukraine , Rudenko, zu ihrem obersten Anklagevertreter für di« Hauptgerichtsverhandlungen gegen europäische Kriegsverbrecher in Nürnberg , ernannt hat, während der ursprünglich mit der Anklage betraute Nikitschenko den Platz am Richtertisch einnehmen wird. Rudenko weilt gegenwärtig in London und wird demnächst in Nürnberg erwartet.
Frankreich verlangt Rundsteds Auslieferung
Frankfurt /M. (SPT) Frankreich verlangt, daß Generalfeldmarschall von Rund- stedt, falls er nicht als Hauptkriegsverbrecher vor ein internationalen Tribunal gestellt wird, vor ein französisches Gericht kommen soll. Ein französischer Verbindungsoffizier der Kommission der Verein ten Nationen zur Untersuchung von Kriegsverbrechen erklärte, als Oberbefehlshaber der deutschen Armeegruppe West trage Rundstedt nach französischer Auffassung die Verantwortung für die in Frankreich begangenen deutschen Kriegsverbrechen und die Erschießung von Geiseln. Derfran- zöische Sprecher erwähnte besonders die Ermordung der Bewohner des Dorfes Ora- dour bei Limoges . 1200 Einwohner von Ora- dour, Männer, Frauen und Kinder, wurden bekanntlich im Juni 1944 von SS -Truppen in der Dorfkirche zusammengetrieben. Die Kirche wurde dan nin Brand gesteckt. Von der ganzen Bevölkerung entgingen nur fünf Personen dem Tode.
Die Verbindung wurde in feierlicher Förm in Anwesenheit des französischen Arbeitsministers Parodi und maßgeblichen schweizerischen Persönlichkeiten eröffnet.
Deutsche Großinduftrieile als Kriegsverbrecher
Washington. (Exchange) Der Vorsitzende des Senatsausschusses für Mobilisation, Senator Kilgore, hat die restlichen Berichte der ersten Rapportfolge über die A^merzung der deutschen Kriegsindustrie veroffentlicht. In einer besonderen Erklärung beschuldigt Kilgore vierzig führende deutsche Industrielle der Mitschuld an den Verbrechen, die von den Nationalsozialisten an den Völkern vieler Länder begangen worden sind. Aus dem Beweis- material gehe hervor, daß diese Industriellen' von Anfang an die NSDAP , unterstützt hätten. Ihre Hilfe habe die Machtergreifung dyreh die Nazis möglich gemacht. Sie seien es gewesen, die den Auf-, bau der deutschen Kriegsmaschine geleitet und mit allen Mitteln gefördert hätten. Kilgore erklärt weiter, man habe feststellen müssen, daß von diesen deutschen Industriellen bisher nur der Name Krupp von Bohlen auf der Liste der Kriegsverbrecher erschienen sei, deren Aburteilung in Nürnberg stattfinden solle. „Ich hoffe, daß auch die Namen der übrigen registriert und in die folgenden Listen aufgenommen werden; denn Ihre Tätigkeit, obwohl sie oft weniger augenfällig war als die Umtriebe Krupps, bringt sie in eine
London . (SPT) Der Zustrom von Flüchtlingen nach Berlin nimmt ab, meldet Radio London . Die Zahl der täglich eintreffenden Flüchtlinge wird auf etwa 10 000 geschätzt, dh. etwa die Hälfte der Durchschnittszahlen der letzten Jochen. Hauptgrund für difse Abnahme ist das Aufhören der Ausweisun- , gen au« dem Sudetenländ.
In der britischen Zone Berlins hat sich die Seuchenlage gebessert. Die Zahl der Typhusfälle in der britischen Zone hat abgenommen; ebenso ist weit weniger Diph- teri« und Ruhr zu verzeichnen. Diese allgemeine Besserung ist vor allem den planmäßigen Schutzmaßnahmen, insbesondere, den Impfungen und besseren Aufnahmebedingungen in den Krankenhäusern zu verdanken.
In ddr amerikanischen Besetzungszoga ▼on'Berlin werden gegenwärtig 80 000 Menschen umqüartiert. Ziel dieser Umquar- tierung, die sich nicht auf die amerikani- *<h« Zone beschränkt, ist die Schaffung eise« wettergeschützten Wohnraums für jeden Berliner vor Eintritt des Winter». Ber liner
Verwaltungsbezirke mit freistehenden Wohnräumen erhalten Obdachlose aus andern Bezirken zugeteilt
54 000 Berliner Kinder gehen seit Ok- , tober zum ersten Mal zur Schule gehen. Somit werden in den 303 Schulen in Berlin insgesamt 300 000 Kindei Unterricht erhalten: Viele der Schulen sinef jedoch nur behelfsmäßig hergerichtet. In den Bezirken Charlottenburg , Tiergarten und Spandau , die zur britischen Zone gehören, sind beispielweise 39 Schulen vollständig zerstört, 19 teilweise zerstört, aber brauchbar, und 13 unbeschädigt. Gegenwärtig werden in den 32 benutzbaren Gebäuden fast 29 000 Schüler unterrichtet
In den Schulen der sowjetrussischen Zone wurde mit Wirkung ab 1. Oktober die rus sische Sprache als obligatorisches Lehrfach eingeführt, da, wie es in einer amtlichen Verlautbarung heißt: „es nur im Interesse des Friedens und der Zukunft Deutschlands liegt, wenn die deutsche Jugend mit dem Geist- und der Kultur des großen Nachbarlandes vertraut gemacht wird.“
Linie mit den Hauptkriegsverbrechern." Der Senator nennt unter den fraglichen Persönlichkeiten vor allem die drei Großindustriellen Hermann B e u di e r, Dr. Alfred H u - g e n b e r g und Dr. Martin 11 g n e r. • Hu- genberg sei einer der ersten Förderer Adolf Hitlers gewesen, und »eine Tätigkeit sei jedermann bekannt. Dr. Ilgner, der Leiter der Finanzabteilung der I. G Farben, ge-_ hörte zu der Gruppe, die die Errichtung einer weltumspannenden Macht dieses Konzerns durch Kartelle und Patentabkommen plante, Auslandsmärkte organisierte und die industrielle Expansion Deutschlands für die Nachkriegszeit vorbereitete. Hermann Beuchfer arbeitete ebenso skrupellos für die Monarchie, für die Weimarer Republik wie für das Dritte Reich und war einer der Ini- tignten .der deutschen Krie'gsindustriepläne.
Belsen-Prozeß
Lüneburg . ^AFP) Hauptangeklagter Kramer legte eine Erklärung vor, an der, hervorgeht, daß er von ■ Himmler den schriftlichen Befehl erhalten habe, Frauen und Kinder durch Vergasung zu töten.
Im weiteren Verlauf de« Prozesses erklärte di« Angeklagte Irma Grese , die in Auschwitz und Belsen verübten Verbrechen seien auf Weisung höherer Stellen begangen worden. Für alles, was geschah, war Himmler verantwortlich; doch muß ich sagen, daß ich ebenso schuldig bin wie alle übrigen. Sie wolle jetzt beichten, daß sie die Gefangenen geschlageri und schlecht behandelt habe. Früher hatte sie das bestritten. Sie gab zu, daß sie immer eine Peitsche gehabt und sie gebraucht habe, wenn eie es für ängezeigt erachtete., Sie bekenne sich schuldig.
Der Angeklagte Fritz Hössler schob die Befehle für die Vergasung Himmler zu. Auch Hitler müsse gewußt haben, was vorging.
Film vom 20. Juli-Prozeß
Der von den Nationalsozialisten herge- stellte Tonfilm über den Prozeß gegen die Heeresoffiziere, die Hitler im Juli vorigen Jahres zu töten versuchten, wurde am Sonntag in einer neunstündigen Vorführung im geschlossenen Kreis gezeigt. Der Film, der ursprünglich 57 000 Meter lang war, wurde in der Nähe des Präsidentensitzes des Volksgerichtshofes in Berlin während den Verhandlungen im August 1944 auf genommen.
Paris (Exchange) Seit einigen Tagen läuft in Paris der internationale Gewerkschaftskongreß. Das Komitee umfaßt Delegierte von 15 Staaten, darunter fünf Vorsitzende der Konferenz,nämlich Hillmann (USA ), Kkisnetzow (USSR ), Citrine (Eng land ), Toledano (Südamerika ) und Anderson (Schweden ).
Nach Tagen, die mit Konferenzen und Besprechungen ausgefüllt wareg, wurde nun unter stürmischen Beifallsrufen der neue Weltgewerkschaftsbund ins Leben gerufen. Der Tagungsvorsitzende L4on Jouhaux ersuchte die Delegierten, die neue Gewerk- schaftsintemattoiiäie durch Annahme der Satzungen zu schaffen. . Alle Delegierten standen auf und gaben ihre einstimmige Billigung durch Zuruf. Die Konferenz war damit als erster neuer Weltgewerkschafts- kongreß konstituiert und ging an die Bestimmung der Komitees.
Der USA -Gewerkschaftsdelegierte Sid- ney Hillman habe die Satzung des neuen Weltgewerkschaftsbundes vörgetragen, die die Vollkonferenz dann genehmigte. Die Satzung sieht vor, daß nur „echte” öder „bona fide " Gewerkschaften in die neue Internationale aufgenommen werden dürfen. Das Exekutivkomitee soll bevollmächtigt werden, die Tätigkeit und Organisationsverhältnisse jeder Gewerkschaft auf ihren echten gewerkschaftlichen Charakter zu untersuchen.
Im neuen Weltbund werden alle Gewerkschaftsbünde mit bis zu 250 000 Mitgliedern je einen Delegierten, und Gewerkschaften bis zu 5 Millionen Mitgliedern je einen Delegierten für je 250 Ö00 Mitgliedern in den Kongreß des Bundes entsenden.
Die neue Exekutive soll aus 26 Mitglie
dern und einem Generalsekretär bestehen.' Von den größeren Staaten sollen entsenden: Die Sowjetunion drei Exekutivmitglieder, die Vereinigten Staaten und Ka nada zusammen drei, Großbritannien zwei und Frankreich zwei. _
Die Dentschlandreise de Gaulles
Paris . (Exchange) Nach der Rüdekehr de Gaulles von seiner Deutschland -Reise trat der französische Ministerrat unter seinem Vorsitz zusammen. De Gaulle gab einen Bericht über die Situation im Rhein land , im Saargebiet, in der Pfalz und in* Baden unter der französischen Militärre- ' gierung. 'Außenminister Bidault erstattete Bericht übet die Außenministerkonferenz in London .
Anschließend an seine Deutschlandreise Stattete General de Gaulle der Stadt Straß burg einen Besuch ab. In seiner hier ge-’ haltenen Rede wies er auf die neue Bedeutung des Rheins hin, der bisher Grenze der Völker gewesen sei, künftig aber die Völker von seinem Ursprung bis zu seiner
Mündung zu verbinden bestimmt sei.
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Der Arlbergexpreß verkehrt wieder
B a s e i. ag Am Freitag traf nach sechsjähriger Unterbrechung der erste Zug der wiederaufgenommenen direkten Bahnverbin- düng Paris-Basel-Buchs-Innsbruck, der Arlberg -Expreß, in Basel ein. Der Zug verkehrt von nun an wöchentlich dreimal, und zwar am Dienstag, Mittwoch und Freitag.
Die Eröffnung der Verbindung fand in feierlicher Form statt in Anwesenheit des französischen Arbeitsministers Parodi und maßgeblicher schweizerischen Persönlichkeiten. .
Lange Ist et still gewesen‘um Kloster und Kirche Birnau. Nun ist der Gnadenort zu erneutem Leben erwacht.. Am vergangenen Sonntag fand in feierlicher Weise die Rückführung des Gnadenbildes und damit die Wiedereröffnung der Wallfahrt statt. Tausende hatten sich dazu eingefunden und Birnau bot an diesem Sonntagnachmittag wieder das allgewohnte Bild früherer Tage.
Mit der, Beseitigung der Naziherrschaft durch den Sieg der alliierten Mächte waren die Voraussetzungen für die Rück
gabe Birnau « an seine rechtmäßigen Besitzer gegeben. Bald nach dem Einmarsch der 1. Französischen Armee durften die Cistercien- sermönche wieder in Birnau einziehen. Und nun konnte am veigangenee Sonntag mit Erlaubnis der französischen Kommandantur in Ueberlingen auch die Wallfahrt wieder eröffnet werden. Das altehrwürdige Gnadenbild konnte wieder Einzug halten.
Tausende waren in Birnau zusammengekommen. Konstanz allein brachte in zwei Sonderschiffen und mit der Fähre eine große Zahl frommer Beter dorthin. Zu ihnen stießen ungezählte Scharen aus dem ganzen Ueberlinger Bezirk. Viele von ihhen hatten sich der feierlichen Prozession angeschlossen, mit der das Gnadenbild auf dem Prälatenweg von Salem nach Birnau gebracht wurde. . Hier trafen sie auf ein übervolles Gotteshaus Und auf viele Hunderte, die sich draußen vor den Türen und im Freien um den Lautsprecher drängten. Vor der Kirche wurde die Prozession von der Birnauer Geistlichkeit, denen sich viele Geistliche aus den Nachbarorten angeschlossen hatten, feierlich empfangen und eingeholt. Zum ersten Male sah man bei dieser Gelegenheit auch wieder die bunten Fahnen gnd Wimpel der katholischen Jugend, die ejin großes Kontingent der Teilnehmer an der .Feier
stellte. Nach dem Einzug bestieg Miinstei- pfarrer H ü g e 1 i n von Salem die Kanzel. Er wußte packende Worte über die religiöse Bedeutung der Heimkehr des Gnadenbildes zu sagen. Mit dem sakramentalen Segen und einem brausenden Te Deum schloß die Feier.
Birnau ist dem katholischen Volk am See wiedergegeben. Auch diese Tatsache ist ein Zeichen des Geistes, in dem sich die Erneuerung anbahnen soll, des Geistes, der dem deutschen Volk den Frieden und eine glückliche Zukunft verbürgen wird.
Birnau bei Ueberlingen ist wahrscheinlich die älteste Marienwallfahrtsstätte in Schwa ben . Es’ ist urkundlich nachgewiesen, daß die Birnauer Waffahrt schon vor der Gründung Sälems, also schon vor 1134, bestanden hat. Fast ein Jahrtausend ist über die Gnadenstätte von Birnau hinweggegangen. Und nur dreimal mußte' in' diesem langen Zeitraum das Gnadenbild dem Zwang äußerer Einflüsse welchen und seine Heimstätte vorübergehend verlassen. Millionen Menschen sind wohl im Laufe der Jahrhunderte nach Birnau gepilgert, um sich dort im Heiligtum Trost und innere Stärkung zu holen. Birnau ist .so innig mit dem Volk und der Landschaft des Bodensees verbunden, daß es nur schwer wegzudenken ist. Allgemein war deshalb auch die Entrüstung des katholischen Volkes, als vor vier Jahren der National sozialismus Hand an Birnau legte, wurden die Patres und Brüder fast von einer Stunde auf die andere verjagd. Die Kirche wurde geschlossen, Kloster und Gutshof wurden weltlichen Zwecken zugeführt. Zum drittenmal mußte das Gnadenbild, diesmal heimlich bei Nacht und Nebel, aus der Kirche geholt und nach Salem geflüchtet werden. Aber nur vier Jahre lang. dauerte diesmal die Verbannung.
Konrad Gunst
Besinnung und Leistung
Von Professor’Dr. K. H. Bauer Rektor der Universität Heidelberg
Die Verantwortlichkeiten der deutschen Hochschulen sind heute größer denn Je: Deutschland hat seine traditionellen Füh- rungsschichteri verloren. Sie haben noch einmal 13 Jahre vom Hitlertüm gelebt und sind mit dem Hitlertüm gestorben. Seitdem - gibt es nur noch'zwei mehr oder zwei minder intakte Organisationen, die unmittelbar zur geistigen Führung befähigt sind: die Kirchen und die Universitäten.
Die Kirchen allein haben Hitler klar getrotzt. Aber auch wer nicht "kirchlich gesinnt" sein sollte, kann nicht übersehen, daß in der Geschichte hur die Staaten' vor dem Niedergang bewahrt blieben, die die Religion rein erhielten und die. Formen ihres Kultes schützten. Ganz nüchtern müssen wir feststellen: die Kirchen 'sind die einzigen Einrichtungen, die nicht nach dem Willen der Mächtigen sprechen, und die letzten Instanzen die die Einigkeit einer Nation im Glauben an Gott gewährleisten.
Für die Universitäten gilt zuvörderst der Satz: "Zurück zur. Religion"., Es . müssen wirklich "Weise in Gott " an der Universität wirken. Wo sollte auch der Protest gegen Anwendung von Gewalt in Glaubenssachen stärker sein als im Neuen Reich der Glaubensfreiheit, und wann sollte der Wiederhall der Glaubenskämpfer stärker .sein als in Notzeiten, wo vieler Menschen letzter Trost ihre Zuflucht zu Gott ist? Was für eine Aufgabe liegt allein für die deutschen Universitäten in dem Kampf um ' dje Erkenntnis, daß nach den Feuerproben beider Kirchen' im "Dritten Reich " nunmehr im Neuen Reich Katholizismus und Protestantismus nur die dem deutschen Gefst gemäßen, polar verschiedenen, aber Äußerungen gleichen Christentums sind.
Religion allein aber tut es nicht. Denn es gibt Christen, die unchristlich handeln, und Atheisten, die ohne - Makel ihr Leben verbringen. Was der Mensch glaubt, -ist nicht immer identisch mit dem, was er tut So braucht es neben der Religion auch noch der Pflege der Moral, vor allem der sozialen. Wir verstehen unter sozialer Moral die inneren Regeln menschlichen Zusammenlebens • und Zusammenwirkens, Regeln, die sich ausi Forderungen der öffentlichen Meinung ergeben, deren Inhalt aber gelehrt und zus/Uberzeugung des Volkes gebracht werden muß.
Es. gehört also zu den Verantwortlichkeiten der Hochschule, die Lehre von den sittlichen Pflichten, vor allem in der Jugend, fest zu verankern. Aus der Theologie leuchtet die Welt der Gnade, aus der Philosophie die Welt der Ideale,die passive Weltanschauung und die aktive Lebensgestaltung. Wir lebten in einer Zeit, da Tugend als Schwäche, ja als Feigheit galt. Es ist darum doppelt nötig, daß neben • den Weisen in Gott auch die Weisen der Welt, die Philosophen, ihr Wort erheben, denn erst Weltanschauung im Bunde ihit der Religion erzieht zu innerer Moral, zur Tugend und Weisheit. ,
Eine dritte Welt ist das Gebiet des Rechtes. Das Ziel des Rechtes ist der Friede ohne den keine Kultur gedeiht. Aber dar Recht will immer neu erkämpft werden. Von den Gelehrten des Rechts erwarten wir am meisten Polemik gegen das, was war, denn im Dritten Reich besaß nur jeder soviel Recht, als er politische Macht hinter steh hatte. Vom Recht her erwarten wir den Hauptkamp! gegen die Roheit der Nazipraxis; homo hömini lupus: der Mensch ist für den Menschen ein reißender Wolf.
Und andererseits: wo sind stärkere Kraft quellen für die geistige Auseinandersetzung mit den Mächten der Welt als im Recht, dieser' Summe der äußeren Nonnen im Zfl- sammenleben der Menschen und Völker? Man hat ja Deutschland nicht vernichte), sondern ließ es am Leben. Wc f aber Leben -ist, ist auch Lebensrecht. -Gibt es nicht ein humanes Knlturrecht, ein Recht auf Kulturbetätigung?
Und nach innen gerichtet: wie groß ist die - Summe der Aufgaben in einem neuen Reich, die Fülle menschlicher Beziehungen geordnet zu verknüpfen und das Recht, angepaßt an unsere neue Lage, im Bewußtsein des Volkes als gerecht zu verankern.
Schon jetzt ist- es klar: die Verantwort-, lichkeit der Hochschulen liegt vornehmlich auf kulturpolitischem Gebiete. Der vierte Grundpfeiler nächst Religion, Philosophie und Rechtskunde ist die Naturwissenschaft Wir können uns die modernen Kulturen jenseits Religion, Recht Tugend und Moral nicht denken ohne jene Menschen, deren innerstes Streben darauf ausgeht, eingeweiht zu sein in die Geheimnisse der Natur, die uns umgibt, dabei alles zu bezweifeln, wjs man früher darüber lehrt«, alles i mm er wieder neu zu prüfen, Neue« zu entdecken und- die Glückseligkeit der Entdeckung glückhaft zu genießen. Kurzum, die Naturwissenschaft, die alles exakt nach Maß und Zahl ausrichtet, das Universum nach seiner materiellen Seite ergründet und alle Kräfte der Natur den Menschen nutzbar zu machen sich bestrebt, diese Naturwissenschaft ist heute nicht mehr wegdenk-
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