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Tasrblatt für Bodensee , Schwarzwald and das obere Donangebiet

Die Nürnberger Anklageschrift fertiggestellt

Ein umfangreiches Beweismatertal wurde gesammelt

Berlin . (Exchange) „Die Anklageschrift gegen dl« 24 deutschen Kriegsverbrecher, di« «ich im November vor dem Nürnberger Gericht zu verantworten haben werden, ist jetzt fertiggestellt," erklärte der britische Anklagevertreter Sir Hartley Shaweros an­läßlich eines Presseempfanges. Das Schrift­stück werde wahrscheinlich am Donnerstag den Angeklagten und ihren Verteidigern ■ugehen und auch der Presse zur Verfügung gestellt werden. Ek bestehe aus 43 engbe- ■ druckten Folioseiten mit etwa 25 000 Wor­ten. Da« englische Personal allein, das an der Ausarbeitung der Anklageschrift mitge- . arbeitet habe, zähle 80 bis 100 Personen; die amerikanischen Mitarbeiter seien noch grö­ßer an Zahl gewesen.

Sir Hartley Shawcroß erklärte weiter: „Die Anklageschrift führt die belastenden Punkte gegen die 24 Angeklagten kollektiv auf, und in einem Anhang wird dargelegt, inwieweit von den Punkten jeder einzelne der Angeklagten berührt wird. Wenn der Prozeß beginnt, werden wir ein ungeheures Beweismaterial in der Form von Dokumen­ten vorlegen. Vielleicht wird sich die ge­samte Beweisführung vornehmlich «auf Do­kumente stützen. Dem Gericht wird das Bestimmungsrecht darüber zustehen, ob ge­wisse Organisationen, wie die Gestapo und di« SS, als Verbrecherorganisationen zu be­handeln sid. Dies würde es der Anklage ge­statten, gegen jegliches Mitglied solcher Or- gnaisationen den Prozeß anzustrengen." -Weiter wurde ausgeführt; daß der Pro­zeß mit Bestimmtheit in Nürnberg statt- flnden werde.. Shawpross erklärte, er wun­dere sich, daß die Zeitungen von einer Ver­legung der Verhandlungen nach Berlin ge­sprochen und zu verstehen gegeben hätten, daß die gesamte Prozedur sich zu langsam abwickle. Ueber keinen Punkt habe grö­ßere Einigkeit bestanden, als gerade über den Ort «der 'Verhandlungen, nämlich Nürn­ berg , Die Fertigstellung der Anklage­schrift habe gewiß lange gedauert; aber wenn man, bedenke, daß ganze Tonnen von Material geprüft werden mußten, und alle diese Schriftstücke ins Englische zu übersetzen gewesen seien, dann brauche man sich über die angebliche ■ „Langsam­keit" nicht zu wundem.

Den Angeklagten werde mitgeteilt wer­den, daß sie sich einen Verteidiger wählen könnten. Bisher sei noch keiner der Ver­teidiger bestimmt worden. Nach seiner Meinung werde es sich nur um deutsche, nicht um internationale Rechtsanwälte han­deln. Aus den Erklärungen ging weiter hervor, daß die Untersuchungen folgender­maßen durchgeführt wurden:\ Die Ameri­kaner .befaßten sich mit allen Fragen der Vorbereitung des Angriffskrieges, während die -britischen Fachleute für die Unter­suchung aller Rechtsbrüche von internatio­nalen Verträgen verantwortlich, waren. Die Franzosen untersuchten sämtliche Ver­letzungen des anerkannten internationalen Kriegsrechtes und die Russen die Fälle von Verbrechen gegen die Gesetze der Mensch­lichkeit.

Rudolf Heß wird im Flugzeug nach Nürnberg gebracht werden, und auch gegen Martin B o r m a n n soll wahrscheinlich in seiner Abwesenheit verhandelt werden, wenn er bis zum Prozeßtermin noch nicht festgenommen ist.

Gest ap© nnter Anklage

Nürnberg . (SPT) Britische, amerika­nische und französische Mitglieder der alli­ ierten Kommission zur Untersuchung von Kriegsverbrechern haben in Nürnberg eine Pressekonferenz abgehalten. Der amerikani­ sche Hauptanklagevertreter Richter Jackson sagte, gegen die 24 Deutschen , deren Namen auf der ursprünglichen Kriegsverbrecherliste «tehen, werde gemeinsam das Strafverfah­

ren eröffnet werden. 91« würden jeder ein­zeln und als Mitglieder von Organisationen aegeklagt werden. Die SS. und Gestapo soll als Organisation unter Anklage g estellt werden.

Der steliv. britische Anklagevertreter er­klärte, der" Stellvertreter Hitlers , Rudolt Heß, der im Mai 1941 mit dem Flugzeug in England landete, werde binnen kurzem für die ersten ^/erfahren nach Nürnberg über­führt werden.

Der russische Anklagevertreter

Nürnberg. (Exchange) Der amerikani­ sche Oberstaatsanwalt Robert Jackson gab bekannt, daß die Sowjetunion den früheren Protektor der Ukraine , Rudenko, zu ihrem obersten Anklagevertreter für di« Haupt­gerichtsverhandlungen gegen europäische Kriegsverbrecher in Nürnberg , ernannt hat, während der ursprünglich mit der Anklage betraute Nikitschenko den Platz am Richter­tisch einnehmen wird. Rudenko weilt ge­genwärtig in London und wird demnächst in Nürnberg erwartet.

Frankreich verlangt Rundsteds Auslieferung

Frankfurt /M. (SPT) Frankreich ver­langt, daß Generalfeldmarschall von Rund- stedt, falls er nicht als Hauptkriegsverbre­cher vor ein internationalen Tribunal ge­stellt wird, vor ein französisches Gericht kommen soll. Ein französischer Verbin­dungsoffizier der Kommission der Verein­ ten Nationen zur Untersuchung von Kriegs­verbrechen erklärte, als Oberbefehlshaber der deutschen Armeegruppe West trage Rundstedt nach französischer Auffassung die Verantwortung für die in Frankreich begangenen deutschen Kriegsverbrechen und die Erschießung von Geiseln. Derfran- zöische Sprecher erwähnte besonders die Ermordung der Bewohner des Dorfes Ora- dour bei Limoges . 1200 Einwohner von Ora- dour, Männer, Frauen und Kinder, wurden bekanntlich im Juni 1944 von SS -Truppen in der Dorfkirche zusammengetrieben. Die Kirche wurde dan nin Brand gesteckt. Von der ganzen Bevölkerung entgingen nur fünf Personen dem Tode.

Die Verbindung wurde in feierlicher Förm in Anwesenheit des französischen Arbeits­ministers Parodi und maßgeblichen schwei­zerischen Persönlichkeiten eröffnet.

Deutsche Großinduftrieile als Kriegsverbrecher

Washington. (Exchange) Der Vor­sitzende des Senatsausschusses für Mobili­sation, Senator Kilgore, hat die restlichen Berichte der ersten Rapportfolge über die A^merzung der deutschen Kriegsindustrie veroffentlicht. In einer besonderen Er­klärung beschuldigt Kilgore vierzig füh­rende deutsche Industrielle der Mitschuld an den Verbrechen, die von den National­sozialisten an den Völkern vieler Länder begangen worden sind. Aus dem Beweis- material gehe hervor, daß diese Industriel­len' von Anfang an die NSDAP , unter­stützt hätten. Ihre Hilfe habe die Macht­ergreifung dyreh die Nazis möglich ge­macht. Sie seien es gewesen, die den Auf-, bau der deutschen Kriegsmaschine geleitet und mit allen Mitteln gefördert hätten. Kilgore erklärt weiter, man habe feststel­len müssen, daß von diesen deutschen In­dustriellen bisher nur der Name Krupp von Bohlen auf der Liste der Kriegs­verbrecher erschienen sei, deren Aburtei­lung in Nürnberg stattfinden solle. „Ich hoffe, daß auch die Namen der übrigen re­gistriert und in die folgenden Listen auf­genommen werden; denn Ihre Tätigkeit, obwohl sie oft weniger augenfällig war als die Umtriebe Krupps, bringt sie in eine

Besserung der Lage in Berlin

Schutzmaßnahmen für Obdachlose

London . (SPT) Der Zustrom von Flücht­lingen nach Berlin nimmt ab, meldet Radio London . Die Zahl der täglich eintreffenden Flüchtlinge wird auf etwa 10 000 geschätzt, dh. etwa die Hälfte der Durchschnittszahlen der letzten Jochen. Hauptgrund für difse Abnahme ist das Aufhören der Ausweisun- , gen au« dem Sudetenländ.

In der britischen Zone Berlins hat sich die Seuchenlage gebessert. Die Zahl der Typhusfälle in der britischen Zone hat ab­genommen; ebenso ist weit weniger Diph- teri« und Ruhr zu verzeichnen. Diese all­gemeine Besserung ist vor allem den plan­mäßigen Schutzmaßnahmen, insbesondere, den Impfungen und besseren Aufnahmebe­dingungen in den Krankenhäusern zu ver­danken.

In ddr amerikanischen Besetzungszoga ▼on'Berlin werden gegenwärtig 80 000 Men­schen umqüartiert. Ziel dieser Umquar- tierung, die sich nicht auf die amerikani- *<h« Zone beschränkt, ist die Schaffung ei­se« wettergeschützten Wohnraums für je­den Berliner vor Eintritt des Winter». Ber­ liner

Verwaltungsbezirke mit freistehenden Wohnräumen erhalten Obdachlose aus an­dern Bezirken zugeteilt

54 000 Berliner Kinder gehen seit Ok- , tober zum ersten Mal zur Schule gehen. So­mit werden in den 303 Schulen in Berlin insgesamt 300 000 Kindei Unterricht erhal­ten: Viele der Schulen sinef jedoch nur be­helfsmäßig hergerichtet. In den Bezirken Charlottenburg , Tiergarten und Spandau , die zur britischen Zone gehören, sind bei­spielweise 39 Schulen vollständig zerstört, 19 teilweise zerstört, aber brauchbar, und 13 unbeschädigt. Gegenwärtig werden in den 32 benutzbaren Gebäuden fast 29 000 Schüler unterrichtet

In den Schulen der sowjetrussischen Zone wurde mit Wirkung ab 1. Oktober die rus­ sische Sprache als obligatorisches Lehrfach eingeführt, da, wie es in einer amtlichen Verlautbarung heißt: „es nur im Interesse des Friedens und der Zukunft Deutschlands liegt, wenn die deutsche Jugend mit dem Geist- und der Kultur des großen Nachbar­landes vertraut gemacht wird.“

Linie mit den Hauptkriegsverbrechern." Der Senator nennt unter den fraglichen Persön­lichkeiten vor allem die drei Großindustriel­len Hermann B e u di e r, Dr. Alfred H u - g e n b e r g und Dr. Martin 11 g n e r. • Hu- genberg sei einer der ersten Förderer Adolf Hitlers gewesen, und »eine Tätigkeit sei jedermann bekannt. Dr. Ilgner, der Leiter der Finanzabteilung der I. G Farben, ge-_ hörte zu der Gruppe, die die Errichtung ei­ner weltumspannenden Macht dieses Kon­zerns durch Kartelle und Patentabkommen plante, Auslandsmärkte organisierte und die industrielle Expansion Deutschlands für die Nachkriegszeit vorbereitete. Hermann Beuchfer arbeitete ebenso skrupellos für die Monarchie, für die Weimarer Republik wie für das Dritte Reich und war einer der Ini- tignten .der deutschen Krie'gsindustriepläne.

Belsen-Prozeß

Lüneburg . ^AFP) Hauptangeklagter Kramer legte eine Erklärung vor, an der, hervorgeht, daß er von ■ Himmler den schriftlichen Befehl erhalten habe, Frauen und Kinder durch Vergasung zu töten.

Im weiteren Verlauf de« Prozesses er­klärte di« Angeklagte Irma Grese , die in Auschwitz und Belsen verübten Verbrechen seien auf Weisung höherer Stellen be­gangen worden. Für alles, was geschah, war Himmler verantwortlich; doch muß ich sagen, daß ich ebenso schuldig bin wie alle übrigen. Sie wolle jetzt beichten, daß sie die Gefangenen geschlageri und schlecht behandelt habe. Früher hatte sie das be­stritten. Sie gab zu, daß sie immer eine Peitsche gehabt und sie gebraucht habe, wenn eie es für ängezeigt erachtete., Sie be­kenne sich schuldig.

Der Angeklagte Fritz Hössler schob die Befehle für die Vergasung Himmler zu. Auch Hitler müsse gewußt haben, was vor­ging.

Film vom 20. Juli-Prozeß

Der von den Nationalsozialisten herge- stellte Tonfilm über den Prozeß gegen die Heeresoffiziere, die Hitler im Juli vorigen Jahres zu töten versuchten, wurde am Sonntag in einer neunstündigen Vorfüh­rung im geschlossenen Kreis gezeigt. Der Film, der ursprünglich 57 000 Meter lang war, wurde in der Nähe des Präsidenten­sitzes des Volksgerichtshofes in Berlin während den Verhandlungen im August 1944 auf genommen.

Neuer Weltgewerkschaftsbund gegründet

Delegierte von 15 Staaten

Paris (Exchange) Seit einigen Tagen läuft in Paris der internationale Gewerk­schaftskongreß. Das Komitee umfaßt De­legierte von 15 Staaten, darunter fünf Vor­sitzende der Konferenz,nämlich Hillmann (USA ), Kkisnetzow (USSR ), Citrine (Eng­ land ), Toledano (Südamerika ) und Ander­son (Schweden ).

Nach Tagen, die mit Konferenzen und Be­sprechungen ausgefüllt wareg, wurde nun unter stürmischen Beifallsrufen der neue Weltgewerkschaftsbund ins Leben gerufen. Der Tagungsvorsitzende L4on Jouhaux er­suchte die Delegierten, die neue Gewerk- schaftsintemattoiiäie durch Annahme der Satzungen zu schaffen. . Alle Delegierten standen auf und gaben ihre einstimmige Billigung durch Zuruf. Die Konferenz war damit als erster neuer Weltgewerkschafts- kongreß konstituiert und ging an die Be­stimmung der Komitees.

Der USA -Gewerkschaftsdelegierte Sid- ney Hillman habe die Satzung des neuen Weltgewerkschaftsbundes vörgetragen, die die Vollkonferenz dann genehmigte. Die Satzung sieht vor, daß nur „echte” öder „bona fide " Gewerkschaften in die neue Internationale aufgenommen werden dür­fen. Das Exekutivkomitee soll bevoll­mächtigt werden, die Tätigkeit und Or­ganisationsverhältnisse jeder Gewerkschaft auf ihren echten gewerkschaftlichen Cha­rakter zu untersuchen.

Im neuen Weltbund werden alle Gewerk­schaftsbünde mit bis zu 250 000 Mitgliedern je einen Delegierten, und Gewerkschaften bis zu 5 Millionen Mitgliedern je einen Delegierten für je 250 Ö00 Mitgliedern in den Kongreß des Bundes entsenden.

Die neue Exekutive soll aus 26 Mitglie­

dern und einem Generalsekretär bestehen.' Von den größeren Staaten sollen entsen­den: Die Sowjetunion drei Exekutivmit­glieder, die Vereinigten Staaten und Ka­ nada zusammen drei, Großbritannien zwei und Frankreich zwei. _

Die Dentschlandreise de Gaulles

Paris . (Exchange) Nach der Rüdekehr de Gaulles von seiner Deutschland -Reise trat der französische Ministerrat unter sei­nem Vorsitz zusammen. De Gaulle gab einen Bericht über die Situation im Rhein­ land , im Saargebiet, in der Pfalz und in* Baden unter der französischen Militärre- ' gierung. 'Außenminister Bidault erstattete Bericht übet die Außenministerkonferenz in London .

Anschließend an seine Deutschlandreise Stattete General de Gaulle der Stadt Straß­ burg einen Besuch ab. In seiner hier ge-’ haltenen Rede wies er auf die neue Be­deutung des Rheins hin, der bisher Grenze der Völker gewesen sei, künftig aber die Völker von seinem Ursprung bis zu seiner

Mündung zu verbinden bestimmt sei.

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Der Arlbergexpreß verkehrt wieder

B a s e i. ag Am Freitag traf nach sechsjäh­riger Unterbrechung der erste Zug der wie­deraufgenommenen direkten Bahnverbin- düng Paris-Basel-Buchs-Innsbruck, der Arl­berg -Expreß, in Basel ein. Der Zug ver­kehrt von nun an wöchentlich dreimal, und zwar am Dienstag, Mittwoch und Freitag.

Die Eröffnung der Verbindung fand in feierlicher Form statt in Anwesenheit des französischen Arbeitsministers Parodi und maßgeblicher schweizerischen Persönlich­keiten. .

Birnau wieder Wallfahrtsort

Rückführung des Gnadenbildes unter starker Beteiligung, der Bevölkerung

Lange Ist et still gewesen‘um Kloster und Kirche Birnau. Nun ist der Gnadenort zu er­neutem Leben erwacht.. Am vergangenen Sonntag fand in feierlicher Weise die Rück­führung des Gnadenbildes und damit die Wiedereröffnung der Wallfahrt statt. Tau­sende hatten sich dazu eingefunden und Birnau bot an diesem Sonntagnachmittag wieder das allgewohnte Bild früherer Tage.

Mit der, Beseitigung der Naziherrschaft durch den Sieg der alliierten Mächte wa­ren die Voraussetzungen für die Rück­

gabe Birnau « an seine rechtmäßigen Besitzer gegeben. Bald nach dem Einmarsch der 1. Französischen Armee durften die Cistercien- sermönche wieder in Birnau einziehen. Und nun konnte am veigangenee Sonntag mit Erlaubnis der französischen Kommandantur in Ueberlingen auch die Wallfahrt wieder eröffnet werden. Das altehrwürdige Gna­denbild konnte wieder Einzug halten.

Tausende waren in Birnau zusammenge­kommen. Konstanz allein brachte in zwei Sonderschiffen und mit der Fähre eine große Zahl frommer Beter dorthin. Zu ihnen stie­ßen ungezählte Scharen aus dem ganzen Ueberlinger Bezirk. Viele von ihhen hatten sich der feierlichen Prozession angeschlos­sen, mit der das Gnadenbild auf dem Prä­latenweg von Salem nach Birnau gebracht wurde. . Hier trafen sie auf ein übervolles Gotteshaus Und auf viele Hunderte, die sich draußen vor den Türen und im Freien um den Lautsprecher drängten. Vor der Kirche wurde die Prozession von der Birnauer Geistlichkeit, denen sich viele Geistliche aus den Nachbarorten angeschlossen hatten, feierlich empfangen und eingeholt. Zum er­sten Male sah man bei dieser Gelegenheit auch wieder die bunten Fahnen gnd Wim­pel der katholischen Jugend, die ejin großes Kontingent der Teilnehmer an der .Feier

stellte. Nach dem Einzug bestieg Miinstei- pfarrer H ü g e 1 i n von Salem die Kanzel. Er wußte packende Worte über die religiöse Bedeutung der Heimkehr des Gnadenbildes zu sagen. Mit dem sakramentalen Segen und einem brausenden Te Deum schloß die Feier.

Birnau ist dem katholischen Volk am See wiedergegeben. Auch diese Tatsache ist ein Zeichen des Geistes, in dem sich die Erneue­rung anbahnen soll, des Geistes, der dem deutschen Volk den Frieden und eine glück­liche Zukunft verbürgen wird.

Birnau bei Ueberlingen ist wahrscheinlich die älteste Marienwallfahrtsstätte in Schwa­ ben . Es’ ist urkundlich nachgewiesen, daß die Birnauer Waffahrt schon vor der Grün­dung Sälems, also schon vor 1134, bestanden hat. Fast ein Jahrtausend ist über die Gna­denstätte von Birnau hinweggegangen. Und nur dreimal mußte' in' diesem langen Zeit­raum das Gnadenbild dem Zwang äußerer Einflüsse welchen und seine Heimstätte vor­übergehend verlassen. Millionen Menschen sind wohl im Laufe der Jahrhunderte nach Birnau gepilgert, um sich dort im Heiligtum Trost und innere Stärkung zu holen. Birnau ist .so innig mit dem Volk und der Land­schaft des Bodensees verbunden, daß es nur schwer wegzudenken ist. Allgemein war deshalb auch die Entrüstung des katholischen Volkes, als vor vier Jahren der National­ sozialismus Hand an Birnau legte, wurden die Patres und Brüder fast von ei­ner Stunde auf die andere verjagd. Die Kirche wurde geschlossen, Kloster und Guts­hof wurden weltlichen Zwecken zugeführt. Zum drittenmal mußte das Gnadenbild, dies­mal heimlich bei Nacht und Nebel, aus der Kirche geholt und nach Salem geflüchtet werden. Aber nur vier Jahre lang. dauerte diesmal die Verbannung.

Konrad Gunst

Besinnung und Leistung

Von Professor’Dr. K. H. Bauer Rektor der Universität Heidelberg

Die Verantwortlichkeiten der deutschen Hochschulen sind heute größer denn Je: Deutschland hat seine traditionellen Füh- rungsschichteri verloren. Sie haben noch einmal 13 Jahre vom Hitlertüm gelebt und sind mit dem Hitlertüm gestorben. Seitdem - gibt es nur noch'zwei mehr oder zwei min­der intakte Organisationen, die unmittel­bar zur geistigen Führung befähigt sind: die Kirchen und die Universitäten.

Die Kirchen allein haben Hitler klar ge­trotzt. Aber auch wer nicht "kirchlich ge­sinnt" sein sollte, kann nicht übersehen, daß in der Geschichte hur die Staaten' vor dem Niedergang bewahrt blieben, die die Reli­gion rein erhielten und die. Formen ihres Kultes schützten. Ganz nüchtern müssen wir feststellen: die Kirchen 'sind die einzigen Einrichtungen, die nicht nach dem Willen der Mächtigen sprechen, und die letzten In­stanzen die die Einigkeit einer Nation im Glauben an Gott gewährleisten.

Für die Universitäten gilt zuvör­derst der Satz: "Zurück zur. Religion"., Es . müssen wirklich "Weise in Gott " an der Universität wirken. Wo sollte auch der Protest gegen Anwen­dung von Gewalt in Glaubenssachen stär­ker sein als im Neuen Reich der Glaubens­freiheit, und wann sollte der Wiederhall der Glaubenskämpfer stärker .sein als in Notzeiten, wo vieler Menschen letzter Trost ihre Zuflucht zu Gott ist? Was für eine Auf­gabe liegt allein für die deutschen Univer­sitäten in dem Kampf um ' dje Erkenntnis, daß nach den Feuerproben beider Kirchen' im "Dritten Reich " nunmehr im Neuen Reich Katholizismus und Protestantismus nur die dem deutschen Gefst gemäßen, po­lar verschiedenen, aber Äußerungen glei­chen Christentums sind.

Religion allein aber tut es nicht. Denn es gibt Christen, die unchristlich handeln, und Atheisten, die ohne - Makel ihr Leben ver­bringen. Was der Mensch glaubt, -ist nicht immer identisch mit dem, was er tut So braucht es neben der Religion auch noch der Pflege der Moral, vor allem der so­zialen. Wir verstehen unter sozialer Moral die inneren Regeln menschlichen Zusammen­lebens • und Zusammenwirkens, Regeln, die sich ausi Forderungen der öffentlichen Meinung ergeben, deren Inhalt aber gelehrt und zus/Uberzeugung des Volkes gebracht werden muß.

Es. gehört also zu den Verantwortlichkei­ten der Hochschule, die Lehre von den sitt­lichen Pflichten, vor allem in der Jugend, fest zu verankern. Aus der Theologie leuch­tet die Welt der Gnade, aus der Philoso­phie die Welt der Ideale,die passive Welt­anschauung und die aktive Lebensgestal­tung. Wir lebten in einer Zeit, da Tugend als Schwäche, ja als Feigheit galt. Es ist da­rum doppelt nötig, daß neben • den Weisen in Gott auch die Weisen der Welt, die Phi­losophen, ihr Wort erheben, denn erst Welt­anschauung im Bunde ihit der Religion er­zieht zu innerer Moral, zur Tugend und Weisheit. ,

Eine dritte Welt ist das Gebiet des Rech­tes. Das Ziel des Rechtes ist der Friede ohne den keine Kultur gedeiht. Aber dar Recht will immer neu erkämpft werden. Von den Gelehrten des Rechts erwarten wir am meisten Polemik gegen das, was war, denn im Dritten Reich besaß nur jeder soviel Recht, als er politische Macht hinter steh hatte. Vom Recht her erwarten wir den Hauptkamp! gegen die Roheit der Nazi­praxis; homo hömini lupus: der Mensch ist für den Menschen ein reißender Wolf.

Und andererseits: wo sind stärkere Kraft quellen für die geistige Auseinandersetzung mit den Mächten der Welt als im Recht, die­ser' Summe der äußeren Nonnen im Zfl- sammenleben der Menschen und Völker? Man hat ja Deutschland nicht vernichte), sondern ließ es am Leben. Wc f aber Leben -ist, ist auch Lebensrecht. -Gibt es nicht ein humanes Knlturrecht, ein Recht auf Kultur­betätigung?

Und nach innen gerichtet: wie groß ist die - Summe der Aufgaben in einem neuen Reich, die Fülle menschlicher Beziehungen geord­net zu verknüpfen und das Recht, ange­paßt an unsere neue Lage, im Bewußtsein des Volkes als gerecht zu verankern.

Schon jetzt ist- es klar: die Verantwort-, lichkeit der Hochschulen liegt vornehmlich auf kulturpolitischem Gebiete. Der vierte Grundpfeiler nächst Religion, Philosophie und Rechtskunde ist die Naturwissenschaft Wir können uns die modernen Kulturen jenseits Religion, Recht Tugend und Moral nicht denken ohne jene Menschen, deren innerstes Streben darauf ausgeht, einge­weiht zu sein in die Geheimnisse der Na­tur, die uns umgibt, dabei alles zu bezwei­feln, wjs man früher darüber lehrt«, alles i mm er wieder neu zu prüfen, Neue« zu ent­decken und- die Glückseligkeit der Ent­deckung glückhaft zu genießen. Kurzum, die Naturwissenschaft, die alles exakt nach Maß und Zahl ausrichtet, das Universum nach seiner materiellen Seite ergründet und alle Kräfte der Natur den Menschen nutz­bar zu machen sich bestrebt, diese Natur­wissenschaft ist heute nicht mehr wegdenk-

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