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SUDKURIER

2. JAHRGANG • TAGBLATT FÜR BODENSEE . SCHWARZWALD UND DAS OBERE DONAUGEBIET • NUMMER 43

KONSTANZ DIENSTAG 29. J A N U A R 1946

Erscheint vorerst Dienstag und Freitag Adresse: Konstanz , Rosgartenstr. II Tal. 924/925. Geschäftsstellen and Agenturen an den meisten größeren Orten

Einzelpreis 20 Pfg. Beeng dareh die Pect 1.74 M., doxch Träger l.M M Anzeig e na nnah me durch alle Geschäftsstelle» und Annoncen - Expeditionen

Atomkommission

Von der UNO einstimmig eingesetzt

London . In der Plenarsitzung der Ge­neralversammlung derUNO, die sich mit der Tätigkeit der Atomenergie-Kommission be­faßte, ergriff Staatssekretär Byrnes als erster Redner das Wort. Er führte u. a. aus:

Wir haben den Krieg durch unsem ge­meinsamen Kampf gewonnen. Jetzt müssen wir den Frieden durch gemeinsame Arbeit sichern. Wir sollen eine Kommission schaf­fen, die die Probleme der Atomenergie zu prüfen hat. Die Vereinigten Staaten , Groß­ britannien and Kanada haben beschlossen, ihre Forschungen gemeinsam zu führen, und die Vereinigten Staaten haben hierfür zwei Milliarden Dollars aufgewendet, um die Ar­beiten zu fördern. Die Probleme au6 der Entdeckung der Atomenergie können nicht von einer einzigen Nation gelöst werden. Sie unterstehen der gemeinsamen Verant­wortung aller Länder und erfordern ein ge­meinsames Handeln.

Es sei notwendig, daß die Besetzungs­armeen noch eine Zeitlang in Deutschland . und Japan verbleiben. Dagegen sei es in einer friedlichen Welt nicht notwendig, daß Besetzungsarmeen in den Ländern bleiben, die sich bald der UNO anschließen werden. Man müsse darnach trachten, daß. die Welt eufhöre, ein Waffenarsenal zu sein.

Der sowjetrussische Hauptdelegierte W y - • ch i n s k i erklärte, daß der Entschluß der vier Außenminister in Moskau eine Kom­mission zurm Studium der Atomfragen vor­zubereiten als Grundlage ernste und gewis­senhafte Studien habe. Er sprach die Hoff­nung aus, daß die Entschließung von der UNO einstimmig angenommen werde, denn eine solche Entscheidung würde die erste wichtige Tat der Vereinten Nationen in der Welt bedeuten.

Di« Vollversammlung der UNO beschloß dann einstimmig mit den Gesamtstimmen aller 47 im Augenblick anwesenden Dele­gationen, den Bericht des Komitees für po­litische und Sicherheitsfragen anzunehmen, worin die Einsetzung der Atomkommiesion ▼orgeschlagen wird.

Angesichts der komplizierten Lage hin- »ichtlich der Behandlung der persischen Frage vor dem Sicherheitsrat besteht die Wahrscheinlichkeit, daß Rußland und Per­ sien gemeinsam beantragen, die Verhand­lungen über Aserbeidschan auf Grund der Abteilung 36 (2) der Charta zu verschieben, bis die direkten Verhandlungen zwischen den beiden beteiligten Regierungen zu einem Ergebnis geführt haben.

Es bestehen nunmehr drei Möglichkeiten, die von politischen Beobachtern diskutiert werden: 1. Dei Sicherheitsrat kümmert sich nicht um alle Einwürfe, sondern nimmt viel­mehr die Verhandlung auf. 2. Der Rat vertagt die bereits angesetzte Verhandlung, bis Moskau und Teheran unter sich einig wurden. 3. Der Sicherheitsrat erhält die offizielle Aufforderung der persischen Dele­gation, den Antrag Teherans von der Ta­gesordnung zurückzuziehen.

Das Flüchtlingsproblem

London . Die britische Delegation bei der UNO hat eine Denkschrift mit umfas­senden Vorschlägen zum Flüchtlingsproblem dem Sozial- und Kulturausschuß der Verein­ ten Nationen vorgelegt. Dieser wird dar­über zu entscheiden haben, ob die britischen Vorschläge zur Durchführung dem Wirt­schafts- und Sozialrat weitergeleitet werden sollen. In der Denkschrift wird darauf hin­gewiesen, daß eine völlige Neubildung der Organisation, die sich mit dem Flüchtlings- problem befaßt, notwendig sei. „Das Pro­ blem ", so heißt es, „hat gewaltige Dimen­sionen angenommen und ist von der größ­ten Dringlichkeit. Es muß zweifellos sofort mit Entschlossenheit und Weitblick zur Lö­sung dieser Frage geschritten werden"

Das Memorandum besagt weiter, daß die bisherige Organisation, die das Flüchtlings- problem zu behandeln hatte, durchaus un­zureichend sei, und es wird vorgeschlagen, die ganze Angelegenheit dem Wirtschafts­und Sozialrat anzuvertrauen.

Deutsche Gesundung

Id» verschmähe alle „Lösungen" durch billige Versprechungen und undurchführbare Vorschläge.

Felix Görna (1946)

Ich verspreche Euch Blut, Träne» und Schweiß.

Winston Churchill (1940)

Wir dürfen sprechen und so müssen wir es. Die Geschichte, der ewige Strom des menschlichen Lebens, kennt nur scheinbar Fristen des Verweilen«: unaufhaltbar ge­biert sie aus dem Schoß eines jeden Augen­blicks den neuen, — gebiert aus allen in der Welt vorhandenen Kräften täglich das Antlitz des kommenden Morgens.

Ein erstes Band des Vertrauens hat sich gewoben zwischen den Deutschen , die ohne geistige Heimat den Niederbruch einer ge­waltsam errichteten Welt erlebten, und neuen Institutionen, die an die Oeffentlich- keit treten konnten: manchen Zeitungen zu­nächst, Ansätzen politischer Organisation, und einzelnen Männern, die in das geistige und wirtschaftliche Chaos eine vorläufige Ordnung zu bringen den schweren Auftrag annahmen oder sich selbst erteilten — Pio­nieren, die von tausend* Aufgaben immer nur eine anpacken konnten und hundert auch künftig noch werden liegen lassen müssen.

Das Band des Vertrauens, das auch uns durch unsere Arbeit mit vielen verbindet, hat es uns möglich gemacht, früher als an­dere einen Ueberblick über die heutige gei­stige Situation der Deutschen , wenigstens in einem regional umgrenzten Gebiet, zu ge­winnen, und als erste konnten wir aus Er­fahrung zeigen, wie geistig das Gesicht einer großen und vielfältig zusammenge­setzten Gruppe von Deutschen beschaffen sei: uneinheitlich mußten wir deren

geistige Situation nennen und schwierig als eine Situation zwischen den Zeiten,- doch sahen wir sie zugleich gekennzeichnet durch fruchtbare Ansätze einer mögliche» Ent­wicklung, die freilich der sorgsamsten Pflege bedürfen, denen Zeit und Rübe ge­währt werden muß. Aber daß wir aus sol­cher Analyse (sie wurde in der vorigen Nummer unserer Zeitung veröffentlicht) in früher ausgesprochenen Hoffnungen und Wünschen und in unserer Arbeit bestätigt wurden, läßt um nun weiter und von neuen Dingen sprechen.

Drei Momente sind es, auf die wir heute unsere Leser hinweisen möchten, und wir nennen zweimal ein großes Wort: Goethe. Sein Bild sehen wir auf einer der schönen Marken, welche französische Künstler in Paris für unsere Besatzungszone entworfen haben.

Ist es nur uns 60 gegangen, daß wir beim ersten Anblick dieser uns gegebenen Goe­the-Marke unseren Augen nicht trauen wollten und daß wir dann zweierlei aus dieser Gabe zu uns sprechen hörten: Klug­heit und Großmut? Und damit Ermutigung und vielleicht sogar den Wunsch, die Welt möge bei uns einmal wieder den Geist fin­den und dem Geist vertrau«! können, der

Voa Johannes WeyL

sich in dem uns so von Frankreich bestätig­ten großen Europäer verkörperte und aus ihm wirkt?

Und Goethe noch einmal.

Es ist dieser Tage in der Schweiz ei» Buch erschienen, das Goethe und die Weltlitera­tur zum Gegenstand hat. Ein Buch, das eln- gänglich Goethes Idee der Weltliteratur zeichnet, dann den empfangenen Segen schildert, den Goethe anderen Kulturkreisen verdankt: die weckende Macht der 'engli­schen Literatur, die bildende Italiens , die formende Macht der französischen Literatur, die öffnende des Ostens und die sozialisie­rende Amerikas , — und das dann umge­kehrt zeigt, wie der empfangene Segen, mit Goethes Wesen sich fruchtbar vermählend, wieder als europäische Sendung ausstrahlte.

Barbarei senkte ihre schwarzen Schleier auch über das Bild Goethes, soweit wir glauben durften, daß es in Deutschland nodi lebe. Frankreich aber war es, aus dem im Goethejahr 1932 die Erklärung kam, daß „Goethes Geist der Geist Europas selber" sei und Läon Daudet nannte Goethe die Synthese von Germanentum, Latinität und griechischer Antike — den universalen, weil synthetischen Geist.

Und wir? \

Nur mit dem einzigen Wort Hunaii t ä t können wir es kennzeichnen, wenn dieses Bild uns jetzt mehrfach wieder vorgestellt wurde — von außen als uns gehörend. Und mit wie wichtigem Grund wir darin Akte wahrer Humanität sehe», das erhellt einmal aus dem Blick auf die schweren Wunden, die Frankreich selbst im Kriege erlitt, und für unser zweites Bei­spiel aus der Nennung des Mannes, der jenes Buch in den Jahren des Grauens schrieb: Fritz Strich, Professor für deutsche Litera­tur, einst in München , jetzt in Bern — ein Deutscher jüdischer Abstammung.

Nur ein Satz in diesem Ruch, auf der letzten von vierhundert Seiten, die Geethe, den deutschen Europäer schildern und prei­sen, spricht von den gewesenen Jahren, ven der „Katastrophe, die über die Menschheit hereinbrach, weil ein Volk Verrat übte an seinem größten Geiste, weil Faust der Ver­führung seines satanischen Führers bis in den Höllensturz erlag”. Ein einziger Satz und nicht mehr, aus dieser Feder, und sofort die Versicherung, daß man am Goethe-Geist nicht irre werden dürfe, und der Wunsch, daß dieser Geist Führung und Band einer besseren Welt sein möge, die sich au« dem Chaos unserer Zeit ans Licht emporrfngen soll.

Wenn es diese Humanität gibt, Solidarität im Geistigen, welche über Krieg und Ver­brechen hinweg, vom Verfolgten zum Ver­folger, vom Sieger zum Besiegten und über die Zeiten hinweg geistigen Rang und gei­stige Einheiten erkennen lält, — auch auf anderen Gebieten gibt es eine Solidarität die zu den Hoffnungen führt, um derent­willen wir sprechen: Die Arbeiterschaft fühlt sich über Grenzen hinaus solidarisch obgleich auch sie Träger des Krieges war. Ist je eine fransöeieche, russische oder ame­ rikanische

Gewerkschaft oder andere Orga­nisation der Arbeiterschaft aufgestanden und hat dem deutschen Arbeiter rorgewor- fon, daß er Waffen für den deutschen Krieg schmiedete, Granaten drehte, die Frank­ reichs Häuser zerfetzten, Bomben fertigte, die Englands Städte und Rußland verwüste­ten? Wir vernahmen kein Wort der An­klage, kein Wort, das nach den Streiks fragte, die eben auch kaum möglich waren, kein Wort darüber, ob Sabotage viel oder wenig in den Werkstätten der deutschen Ar­beiter ausrichtete.

*

Solche Zeichen einer Solidarität gelte», wenn wir sie richtig deuten, dem Aufbau, der nötig ist nicht nur für uns, sondern für Europa und mehr als Europa . Und diese Zeichen einer Solidarität des Guten und der Guten könnten wohl auch das Vertrauen zu erkennen geben, das auch unter den Deut­ schen noch etwas lebe, mit dem, aus dem und für das au bauen möglich sei und sich lohne.

Wo wahrhaft diese Reste sind, ist freilich noch überall nicht leicht zu erkennen. Der englische Dichter Stephen Spender ver­gleicht Deutschlend dem biblische» Sodom, der Stätte des Abfalls von Gott, die zu vernichten Gott sich entschloß und vor der er doch fragte, ob nicht in ihr che zehn Ge- | rechten noch lebten, um derentwillen er die • Stadt erhalten könnte. Man solle sie suchen, sagt er, die zehn in Deutschland , die , Deutsche seien und nicht der Besatzung j hörig, zugleich aber Deutsche , die das Ver- : trauen der Besatzung verdiente», die zu den ! Deutsche » und für sie zur Well sprechen könnten.

Aber wo sind sie? Waren sie in den Lagern des Grauens? Waren sie nur dort? Lebten sie unter den „Freien", scheinbar nun mitschuldig und doch wirksam gewesen als Erhalter, gerade weil sie durch Zufall oder Klugheit jener letzten Konsequenz entgin­gen, die Millionen die Befreiung von Hitler nicht mehr erleben ließ?

Hs ist nur in sehr engen Grenzen unseres eigenen Amtes, da zu urteilen, auch auf die Gefahr hin, daß der von außen ge­kommene Richter, unseres gewesenen inne­ren Lebens in seiner Verästelung unkundig, nur schwer allein das richtige Urteil fällen kann. Daß es sie gibt, die zehn und mehr als sie, das freilich wissen wir und sie lech­zen danach, für die Deutschen zu wirken die in einem europäischen Gemeinwesen sich bewähren und aufgehen könnten — was immer die Form dieses Gemeinwesens sei, um das soit Generationen hellsichtige Gei­ster geistig gerungen haben und das im Zeichen einer Weltbrüderschaft stehen müßte, wie Thomas Mann sie vor Augen hat, wenn er die Heimat in sich fühlt und sich in ihr, wo immer er lebe.

Ist es nicht auch ein Zeichen dafür, daß bedeutende Männer sich um die Befreiung von der Vergangenheit und um einen neuen Geist mühen, wenn die Sprecher in den von uns veranstalteten Vorträgen mühevolle ] Winterreisen nicht scheuen, um zu uns und ’

48-Stnndenwoche

Das alliierte Koordinierungskomitet hat für ganz Deutschland die Einführung des achtstündigen Arbeitstages angeordnet.

Die Kommandeure der einzelnen Zonen werden die deutschen Behörden anweise», die Durchführung der 48stündige» Arbeits­woche zu veranlassen. Bei Mehrarbeit, z. B. in der Landwirtschaft, können von den deut­ schen Arbeitsbehörden Ausnahmen gestat­tet werden, die allerdings von der Militär­regierung beanstandet werden können. Der Lohn für eine Ueberstunde beträgt das Ein- eiahalbfache des gewöhnlichen Stunden­lohnes.

in unseren Berichte» dann zu allen Lesern zu sprechen? Sind es nicht Zeichen, wen» in unsere» Theatern Iphigenie und Faust ta immer neuen Vorstellungen vom Publikum verlangt werden, wenn die Menschen sich zu den von uns veranstalteten Geschenk­vorstellungen drängen und uns in einer Stadt vor dem Beginn einer solchen Auf­führung der Bürgermeister seinen Dank für geistige Fürsorge ausspricht, (he eben auch Geld kostet? Sind es Zeichen, wenn die Arbeiterschaft eines großen Industriewerkes den Theaterreferenten unserer Zeitung bittet, ihr vor schwierigeren Stücken einführende Vorträge zu halten, und wenn in gemein­schaftlicher Arbeit mit den Gewerkschaften der Leiter unseres Wirtschaftsteils eine Ge­werkschaftsschule ins Leben rufen kann?

Und ist es nicht ein bedeutendes Zeichen, wenn die von uns unternommene Aktion einer Deuts chen Anklage bei den besten Geistern aufgegriffen wurde, wenn Männer wie der Kultusminister Heuß, wie die Professoren Spranger in Berlin , Gerhard Ritter in Freiburg Romano Guardini in Tübingen und der große Heidelberger Philo­soph Jaspers unserem Aufruf folgend, an der Formulierung einer Anklage arbeiten, die wahres deutsches Wesen trennen soll von dem, was aus uns und unter uns auch fürchterlich möglich war?

Mut ist es, was jeder aus solchen Zeichen und der Arbeit solcher Kräfte schöpfen darf — der Mut, uns innerlich zu läutern und dann ans Werk zu gehen. Nur daß dies Werk schwer Ist. Und gerade das sagen wir vor allem zu denjenigen unter unseren Lesern, die zu einer künftigen Ent­wicklung bisher kein Vertraue« gewinne» konnten.

*

Blut, Tränen und Schweiß versprach Chur­ chill dem englischen Volk am Anfang des Krieges — nicht Lorbeer. Der Sieg werde errungen werden, aber es werde ein bitterer Sieg sein, so sagte General de Gaulle der französischen Nation, als er eie zum Kampf sammelte. Und sein Nachfolger Gouin sagt sich programmatisch los von „billigen Ver­sprechungen und undurchführbaren Vor­schlägen". Ist nicht etwas daraus zu lernen, daß die schließlich siegreichen Männer Ar­beit, Mühe, Not und Geduld zum Inhalt ihrer Erklärungen an die Völker machten, wo das Versprechen leichten Sieges den Jubel be­törbarer Massen bequem hätte aufrufen können, wie jedes laute Wort ja bei man­chen den billigen Erfolg der ersten Stunde gewinnt? (Fortsetzung Seite 2)

Beschlüsse des Sicherheitsrates

London . Der Sicherheitsrat der Ver­ einten Nationen beschloß, die persisch-russi­schen Differenzen auf die Behandlungsliste zu setzen. Vorher hatte der rassische Hauptdelegierte Wyschinski betont, daß die russische Delegation die Gelegenheit hätte haben sollen, diesen Antrag zu stellen, da diese Frage nicht vor den Sicherheitsrat gehöre. Der britische Außenminister for­derte eine offene und eingehende Behand­lung des indonesischen und de6 griechi­schen Problems. Bevin fügte hinzu, die bri­ tische Regierung sei im Fall Griechenland in erster Linie verantwortlich, während In­ donesien eine Angelegenheit der holländi­schen Regierung sei.

Erster österreichischer Gesandter in Moskau

Wien . Die österreichische Regierung hat den bisherigen Staatssekretär im Mini­sterium für Vermögen6sicherung, Ingenieur Waldbrunner, ei» führendes Mitglied der österreichischen Sozialdemokratischen Partei, zum ersten Gesandten in Moskau ernannt. Ing. Waldbrunner war während langer Jahre beruflich in der Sowjetunion tätig, beherrscht die russische Sprache und verfügt über gute Beziehungen zu russi­ schen Wirtschaftskreisen. Da Oesterreich besonderen Wert auf den Ausbau der wirt­schaftlichen Beziehungen mit der Sowjet­ union legt, wird die Ernennung von Ing. Waldbrunner zum diplomatischen Vertreter im Kreml besonders in Wirtschaftskreisen positiv beurteilt. Die Sowjetregierung hat bereits ihr Agreement erteilt *

Generalissimus Stalin empfing 1» Anwesen­heit des Außeakoauriasara Melotow de»

britischen Botschafter Sir Archibald Clark- Kerr, der, wie in London nun amtlich be­stätigt worden ist, im Mai an Stelle vo» Lord Halifax auf den Botschafterposten in Washington versetzt werden wird.

t Maßnahmen in Finnland

Helsinki . Durch eine von der finni­ schen Regierung erlassene Verordnung wird das Recht der Staatsbürger auf persönliche Freiheit erheblich eingeschränkt Die Regie­rung wird damit ermächtigt, jeder Person, „deren Aktionen geeignet sind, die Sicher­heit des Landes und die Beziehungen zu ausländischen Mächten zu gefährden", einen Zwangsaufenthalt anzuweisen, den die be­treffenden ohne polizeiliche Genehmigung nicht verlassen dürfen. Die Verordnung führt auch das Recht der Verhängung von Schutzhaft ohne Einspruchsrecht des Scbutz- h&ftlinge eia.

Einschneidende Maßnahmen in Frankreich

Die neue Regierung gebildet - Verteidigung des Francs Beschränkung der Verwaltungsausgaben

Paris . Felix Gouin hat die »eue Regie­rung gebildet, die sich wie folgt zusammen- setzt: Ministerpräsident »ad Ministerium für die Landesverteidigung: Pqjix G o d i n (Soz.), Vizeministerpräsidenten und Minister ohne Fortefeuille: Franciegue Gay (MRP) und Maurice Thprez (kom.), Außenmini­ster: Georges B i d a u 11 (MRP), Wirt­schafts- und Finanzminister: Andnä Philip (soz.), Innenminister: Andrä Le Troquer (soz.), Justiz: Pierre-Henri Teitgea (MRP), Armee: Edmosd Michelet (MRP), Rüstungs­wese»: Charles Tillon (kom.), Landwirt­schaft: Tanguy-Prigeat (soz.), Industrielle Produktion: Marcel Paul (kom.), Nationale Erziehung: Marcel Naegelen (soz.), Oeffent- liche Arbeiten und Transporte: Jules Modi (soz.), PTT.: Jean Letouraeau (MRP), Uebersee : Mariusl Moutet (soz.), Arbeits­minister: Ambroise Croisat (kom.), Hygiene: Robert Prigeat (MRP), Wiederaufbau: Franc ois Billoux (kom.), Kriegsopfer und ehe­malige Frontkämpfer: Laurent Casanova (kom.), Versorgung: Lonchambon, Regie- rungkommissär in Lyon (parteilos ). Staats­sekretär bei der Ministerpräsidentschaft, mit dem Informationswesen beauftragt, Gaston Deferre (soz.), Unterstaatssekretär im Ar­beitsministerium: Patinnud (kom.) Untor- staatosokretär im Wirtschaftsministerium: Albert Gazler (soz.), Untersteatesekretär für industrielle Produktion, Abteilung Kohle: Auguste Lecoeur (kom.).

Das Kabinett umfaßt einschließlich de« Präsidenten 20 Minister, davon 7 Soziali­sten, 6 Kommunisten, 6 MRP und einen Un­abhängigen, ferner rin— soriaUeÜecfce»

f Staatssekretär und 2 kommunistisch«, sowie einen sozialistischen Unterstaatssekretär.

In den Schreiben an die drei Chefs der drei Hauptparteien legt Felix Gouin seinen Standpunkt zur Finanzlage dar. Er bezeich­net die Verteidigung des Francs als die dringendste Tagesaufgabe. Das von ihm aufge6tellte Problem der finanziellen Ge­sundung erklärt Gouin als ganz besonders entscheidend. Er sei sich der Reaktion be­wußt, die in der öffentlichen Meinung zum Vorschein kommen würde, weil soit der Be­freiung der Mut nicht aufgebracht worden sei, eine richtige Information zu geben.

Unter den Maßnahmen zur Beschränkung der Verwaltungsausgaben des Staates führte der neue Regierungschef an: die vor­läufige Einstellung von Beförderungen von Staatsbeamten und Angestellten verstaat­lichter Betriebe, die Einstellung »euer Be­amten und Ahgestellten, die Aufhebung dei Altersgrenze für die Ruhestandsversetzung die massive Herabsetzung der allgemeinen Spesen der verstaatlichten Unternehmen, die Herabsetzung der Zahl der Filialen und An­gestellten der verstaatlichten Banken, die Erhöhung der Transport- und Kohlentarife und die Stabilisierung der Löhne u»d Be­züge ohne Rücksicht auf bosondsre Verhält­nisse. Etaschneideaste Maßnahme» müßten ferner getroffen werden in bezug auf die Preisbildung für Lebensmittel und notwen­dige Rohstoffe.

Der neue Regierungschef erachtet auch eine direkte Unterstellung einer Anzahl Ministerien, so der Ministerien für Land­wirtschaft, für Versorgung, für Wiederauf­

bau und für Industriell« Produktion unter das Finanz- und Wirtschaftsministerium als notwendig.

Der neue Regierungschef erklärte weiter, daß die Ausgaben sowohl im militärischen als auch im zivilen Teil beschnitten werden müßten. Auf militärischem Gebiet können 40 Milliarden Francs edngespart werden. Innerhalb eines Jahres werde es möglich sein, eine große Zahl militärischer Fabri­kationsbetriebe für den zivilen Bedarf um­zustellen. Gouin sagt, daß er die Entlassung der Jahresklasse 1943 beabsichtige und nö­tigenfalls auf neue Einberufungen im lau­fenden Jahr verzichten werde.

Gouin sagt, daß die von ihm gemachten Vorschläge hart und unpopulär seien und daß er sich keinen Illusionen hinsichtlich möglicher Rückwirkungen auf die Wahlen- hingebe. Die Stunde einer vertrauensvollen und treuen Zusammenarbeit sei gekommen. Es brauche jetzt Mut und wahren Geist dei Zusammenarbeit

Die erste Sitzung des Kabinetts

Paris . Das neue französische Kabinett trat am Sonntagvormittag unter dem Vor­sitze Felix Gouins im Hotel Mätignon zu seiner erste» Sitzung zusammen Der Regie­rungschef legte die Grandzüge fest die in der Regierungserklärung vor der National­versammlung enthalten sein sollen. Es wurde über diese Frage ein lebhafter und umfassender Gedankenaustausch gepflogen. Dabei wurden vor allem Versorgungspro­bleme und die Finanzfragen und die inter­nationalen Probleme eingehend erörtert