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SUDKURIER
2. JAHRGANG • TAGBLATT FÜR BODENSEE . SCHWARZWALD UND DAS OBERE DONAUGEBIET • NUMMER 43
KONSTANZ DIENSTAG 29. J A N U A R 1946
Erscheint vorerst Dienstag und Freitag Adresse: Konstanz , Rosgartenstr. II Tal. 924/925. Geschäftsstellen and Agenturen an den meisten größeren Orten
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Atomkommission
Von der UNO einstimmig eingesetzt
London . In der Plenarsitzung der Generalversammlung derUNO, die sich mit der Tätigkeit der Atomenergie-Kommission befaßte, ergriff Staatssekretär Byrnes als erster Redner das Wort. Er führte u. a. aus:
Wir haben den Krieg durch unsem gemeinsamen Kampf gewonnen. Jetzt müssen wir den Frieden durch gemeinsame Arbeit sichern. Wir sollen eine Kommission schaffen, die die Probleme der Atomenergie zu prüfen hat. Die Vereinigten Staaten , Groß britannien and Kanada haben beschlossen, ihre Forschungen gemeinsam zu führen, und die Vereinigten Staaten haben hierfür zwei Milliarden Dollars aufgewendet, um die Arbeiten zu fördern. Die Probleme au6 der Entdeckung der Atomenergie können nicht von einer einzigen Nation gelöst werden. Sie unterstehen der gemeinsamen Verantwortung aller Länder und erfordern ein gemeinsames Handeln.
Es sei notwendig, daß die Besetzungsarmeen noch eine Zeitlang in Deutschland . und Japan verbleiben. Dagegen sei es in einer friedlichen Welt nicht notwendig, daß Besetzungsarmeen in den Ländern bleiben, die sich bald der UNO anschließen werden. Man müsse darnach trachten, daß. die Welt eufhöre, ein Waffenarsenal zu sein.
Der sowjetrussische Hauptdelegierte W y - • ch i n s k i erklärte, daß der Entschluß der vier Außenminister in Moskau eine Kommission zurm Studium der Atomfragen vorzubereiten als Grundlage ernste und gewissenhafte Studien habe. Er sprach die Hoffnung aus, daß die Entschließung von der UNO einstimmig angenommen werde, denn eine solche Entscheidung würde die erste wichtige Tat der Vereinten Nationen in der Welt bedeuten.
Di« Vollversammlung der UNO beschloß dann einstimmig mit den Gesamtstimmen aller 47 im Augenblick anwesenden Delegationen, den Bericht des Komitees für politische und Sicherheitsfragen anzunehmen, worin die Einsetzung der Atomkommiesion ▼orgeschlagen wird.
Angesichts der komplizierten Lage hin- »ichtlich der Behandlung der persischen Frage vor dem Sicherheitsrat besteht die Wahrscheinlichkeit, daß Rußland und Per sien gemeinsam beantragen, die Verhandlungen über Aserbeidschan auf Grund der Abteilung 36 (2) der Charta zu verschieben, bis die direkten Verhandlungen zwischen den beiden beteiligten Regierungen zu einem Ergebnis geführt haben.
Es bestehen nunmehr drei Möglichkeiten, die von politischen Beobachtern diskutiert werden: 1. Dei Sicherheitsrat kümmert sich nicht um alle Einwürfe, sondern nimmt vielmehr die Verhandlung auf. 2. Der Rat vertagt die bereits angesetzte Verhandlung, bis Moskau und Teheran unter sich einig wurden. 3. Der Sicherheitsrat erhält die offizielle Aufforderung der persischen Delegation, den Antrag Teherans von der Tagesordnung zurückzuziehen.
Das Flüchtlingsproblem
London . Die britische Delegation bei der UNO hat eine Denkschrift mit umfassenden Vorschlägen zum Flüchtlingsproblem dem Sozial- und Kulturausschuß der Verein ten Nationen vorgelegt. Dieser wird darüber zu entscheiden haben, ob die britischen Vorschläge zur Durchführung dem Wirtschafts- und Sozialrat weitergeleitet werden sollen. In der Denkschrift wird darauf hingewiesen, daß eine völlige Neubildung der Organisation, die sich mit dem Flüchtlings- problem befaßt, notwendig sei. „Das Pro blem ", so heißt es, „hat gewaltige Dimensionen angenommen und ist von der größten Dringlichkeit. Es muß zweifellos sofort mit Entschlossenheit und Weitblick zur Lösung dieser Frage geschritten werden"
Das Memorandum besagt weiter, daß die bisherige Organisation, die das Flüchtlings- problem zu behandeln hatte, durchaus unzureichend sei, und es wird vorgeschlagen, die ganze Angelegenheit dem Wirtschaftsund Sozialrat anzuvertrauen.
Deutsche Gesundung
Id» verschmähe alle „Lösungen" durch billige Versprechungen und undurchführbare Vorschläge.
Felix Görna (1946)
Ich verspreche Euch Blut, Träne» und Schweiß.
Wir dürfen sprechen und so müssen wir es. Die Geschichte, der ewige Strom des menschlichen Lebens, kennt nur scheinbar Fristen des Verweilen«: unaufhaltbar gebiert sie aus dem Schoß eines jeden Augenblicks den neuen, — gebiert aus allen in der Welt vorhandenen Kräften täglich das Antlitz des kommenden Morgens.
Ein erstes Band des Vertrauens hat sich gewoben zwischen den Deutschen , die ohne geistige Heimat den Niederbruch einer gewaltsam errichteten Welt erlebten, und neuen Institutionen, die an die Oeffentlich- keit treten konnten: manchen Zeitungen zunächst, Ansätzen politischer Organisation, und einzelnen Männern, die in das geistige und wirtschaftliche Chaos eine vorläufige Ordnung zu bringen den schweren Auftrag annahmen oder sich selbst erteilten — Pionieren, die von tausend* Aufgaben immer nur eine anpacken konnten und hundert auch künftig noch werden liegen lassen müssen.
Das Band des Vertrauens, das auch uns durch unsere Arbeit mit vielen verbindet, hat es uns möglich gemacht, früher als andere einen Ueberblick über die heutige geistige Situation der Deutschen , wenigstens in einem regional umgrenzten Gebiet, zu gewinnen, und als erste konnten wir aus Erfahrung zeigen, wie geistig das Gesicht einer großen und vielfältig zusammengesetzten Gruppe von Deutschen beschaffen sei: uneinheitlich mußten wir deren
geistige Situation nennen und schwierig als eine Situation zwischen den Zeiten,- doch sahen wir sie zugleich gekennzeichnet durch fruchtbare Ansätze einer mögliche» Entwicklung, die freilich der sorgsamsten Pflege bedürfen, denen Zeit und Rübe gewährt werden muß. Aber daß wir aus solcher Analyse (sie wurde in der vorigen Nummer unserer Zeitung veröffentlicht) in früher ausgesprochenen Hoffnungen und Wünschen und in unserer Arbeit bestätigt wurden, läßt um nun weiter und von neuen Dingen sprechen.
Drei Momente sind es, auf die wir heute unsere Leser hinweisen möchten, und wir nennen zweimal ein großes Wort: Goethe. Sein Bild sehen wir auf einer der schönen Marken, welche französische Künstler in Paris für unsere Besatzungszone entworfen haben.
Ist es nur uns 60 gegangen, daß wir beim ersten Anblick dieser uns gegebenen Goethe-Marke unseren Augen nicht trauen wollten und daß wir dann zweierlei aus dieser Gabe zu uns sprechen hörten: Klugheit und Großmut? Und damit Ermutigung und vielleicht sogar den Wunsch, die Welt möge bei uns einmal wieder den Geist finden und dem Geist vertrau«! können, der
sich in dem uns so von Frankreich bestätigten großen Europäer verkörperte und aus ihm wirkt?
Und Goethe noch einmal.
Es ist dieser Tage in der Schweiz ei» Buch erschienen, das Goethe und die Weltliteratur zum Gegenstand hat. Ein Buch, das eln- gänglich Goethes Idee der Weltliteratur zeichnet, dann den empfangenen Segen schildert, den Goethe anderen Kulturkreisen verdankt: die weckende Macht der 'englischen Literatur, die bildende Italiens , die formende Macht der französischen Literatur, die öffnende des Ostens und die sozialisierende Amerikas , — und das dann umgekehrt zeigt, wie der empfangene Segen, mit Goethes Wesen sich fruchtbar vermählend, wieder als europäische Sendung ausstrahlte.
Barbarei senkte ihre schwarzen Schleier auch über das Bild Goethes, soweit wir glauben durften, daß es in Deutschland nodi lebe. Frankreich aber war es, aus dem im Goethejahr 1932 die Erklärung kam, daß „Goethes Geist der Geist Europas selber" sei und Läon Daudet nannte Goethe die Synthese von Germanentum, Latinität und griechischer Antike — den universalen, weil synthetischen Geist.
Und wir? \
Nur mit dem einzigen Wort Hunaii t ä t können wir es kennzeichnen, wenn dieses Bild uns jetzt mehrfach wieder vorgestellt wurde — von außen als uns gehörend. Und mit wie wichtigem Grund wir darin Akte wahrer Humanität sehe», das erhellt einmal aus dem Blick auf die schweren Wunden, die Frankreich selbst im Kriege erlitt, und für unser zweites Beispiel aus der Nennung des Mannes, der jenes Buch in den Jahren des Grauens schrieb: Fritz Strich, Professor für deutsche Literatur, einst in München , jetzt in Bern — ein Deutscher jüdischer Abstammung.
Nur ein Satz in diesem Ruch, auf der letzten von vierhundert Seiten, die Geethe, den deutschen Europäer schildern und preisen, spricht von den gewesenen Jahren, ven der „Katastrophe, die über die Menschheit hereinbrach, weil ein Volk Verrat übte an seinem größten Geiste, weil Faust der Verführung seines satanischen Führers bis in den Höllensturz erlag”. Ein einziger Satz und nicht mehr, aus dieser Feder, und sofort die Versicherung, daß man am Goethe-Geist nicht irre werden dürfe, und der Wunsch, daß dieser Geist Führung und Band einer besseren Welt sein möge, die sich au« dem Chaos unserer Zeit ans Licht emporrfngen soll.
Wenn es diese Humanität gibt, Solidarität im Geistigen, welche über Krieg und Verbrechen hinweg, vom Verfolgten zum Verfolger, vom Sieger zum Besiegten und über die Zeiten hinweg geistigen Rang und geistige Einheiten erkennen lält, — auch auf anderen Gebieten gibt es eine Solidarität die zu den Hoffnungen führt, um derentwillen wir sprechen: Die Arbeiterschaft fühlt sich über Grenzen hinaus solidarisch obgleich auch sie Träger des Krieges war. Ist je eine fransöeieche, russische oder ame rikanische
Gewerkschaft oder andere Organisation der Arbeiterschaft aufgestanden und hat dem deutschen Arbeiter rorgewor- fon, daß er Waffen für den deutschen Krieg schmiedete, Granaten drehte, die Frank reichs Häuser zerfetzten, Bomben fertigte, die Englands Städte und Rußland verwüsteten? Wir vernahmen kein Wort der Anklage, kein Wort, das nach den Streiks fragte, die eben auch kaum möglich waren, kein Wort darüber, ob Sabotage viel oder wenig in den Werkstätten der deutschen Arbeiter ausrichtete.
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Solche Zeichen einer Solidarität gelte», wenn wir sie richtig deuten, dem Aufbau, der nötig ist nicht nur für uns, sondern für Europa und mehr als Europa . Und diese Zeichen einer Solidarität des Guten und der Guten könnten wohl auch das Vertrauen zu erkennen geben, das auch unter den Deut schen noch etwas lebe, mit dem, aus dem und für das au bauen möglich sei und sich lohne.
Wo wahrhaft diese Reste sind, ist freilich noch überall nicht leicht zu erkennen. Der englische Dichter Stephen Spender vergleicht Deutschlend dem biblische» Sodom, der Stätte des Abfalls von Gott, die zu vernichten Gott sich entschloß und vor der er doch fragte, ob nicht in ihr che zehn Ge- | rechten noch lebten, um derentwillen er die • Stadt erhalten könnte. Man solle sie suchen, sagt er, die zehn in Deutschland , die , Deutsche seien und nicht der Besatzung j hörig, zugleich aber Deutsche , die das Ver- : trauen der Besatzung verdiente», die zu den ! Deutsche » und für sie zur Well sprechen könnten.
Aber wo sind sie? Waren sie in den Lagern des Grauens? Waren sie nur dort? Lebten sie unter den „Freien", scheinbar nun mitschuldig und doch wirksam gewesen als Erhalter, gerade weil sie durch Zufall oder Klugheit jener letzten Konsequenz entgingen, die Millionen die Befreiung von Hitler nicht mehr erleben ließ?
Hs ist nur in sehr engen Grenzen unseres eigenen Amtes, da zu urteilen, auch auf die Gefahr hin, daß der von außen gekommene Richter, unseres gewesenen inneren Lebens in seiner Verästelung unkundig, nur schwer allein das richtige Urteil fällen kann. Daß es sie gibt, die zehn und mehr als sie, das freilich wissen wir und sie lechzen danach, für die Deutschen zu wirken die in einem europäischen Gemeinwesen sich bewähren und aufgehen könnten — was immer die Form dieses Gemeinwesens sei, um das soit Generationen hellsichtige Geister geistig gerungen haben und das im Zeichen einer Weltbrüderschaft stehen müßte, wie Thomas Mann sie vor Augen hat, wenn er die Heimat in sich fühlt und sich in ihr, wo immer er lebe.
Ist es nicht auch ein Zeichen dafür, daß bedeutende Männer sich um die Befreiung von der Vergangenheit und um einen neuen Geist mühen, wenn die Sprecher in den von uns veranstalteten Vorträgen mühevolle ] Winterreisen nicht scheuen, um zu uns und ’
48-Stnndenwoche
Das alliierte Koordinierungskomitet hat für ganz Deutschland die Einführung des achtstündigen Arbeitstages angeordnet.
Die Kommandeure der einzelnen Zonen werden die deutschen Behörden anweise», die Durchführung der 48stündige» Arbeitswoche zu veranlassen. Bei Mehrarbeit, z. B. in der Landwirtschaft, können von den deut schen Arbeitsbehörden Ausnahmen gestattet werden, die allerdings von der Militärregierung beanstandet werden können. Der Lohn für eine Ueberstunde beträgt das Ein- eiahalbfache des gewöhnlichen Stundenlohnes.
in unseren Berichte» dann zu allen Lesern zu sprechen? Sind es nicht Zeichen, wen» in unsere» Theatern Iphigenie und Faust ta immer neuen Vorstellungen vom Publikum verlangt werden, wenn die Menschen sich zu den von uns veranstalteten Geschenkvorstellungen drängen und uns in einer Stadt vor dem Beginn einer solchen Aufführung der Bürgermeister seinen Dank für geistige Fürsorge ausspricht, (he eben auch Geld kostet? Sind es Zeichen, wenn die Arbeiterschaft eines großen Industriewerkes den Theaterreferenten unserer Zeitung bittet, ihr vor schwierigeren Stücken einführende Vorträge zu halten, und wenn in gemeinschaftlicher Arbeit mit den Gewerkschaften der Leiter unseres Wirtschaftsteils eine Gewerkschaftsschule ins Leben rufen kann?
Und ist es nicht ein bedeutendes Zeichen, wenn die von uns unternommene Aktion einer Deuts chen Anklage bei den besten Geistern aufgegriffen wurde, wenn Männer wie der Kultusminister Heuß, wie die Professoren Spranger in Berlin , Gerhard Ritter in Freiburg Romano Guardini in Tübingen und der große Heidelberger Philosoph Jaspers unserem Aufruf folgend, an der Formulierung einer Anklage arbeiten, die wahres deutsches Wesen trennen soll von dem, was aus uns und unter uns auch fürchterlich möglich war?
Mut ist es, was jeder aus solchen Zeichen und der Arbeit solcher Kräfte schöpfen darf — der Mut, uns innerlich zu läutern und dann ans Werk zu gehen. Nur daß dies Werk schwer Ist. Und gerade das sagen wir vor allem zu denjenigen unter unseren Lesern, die zu einer künftigen Entwicklung bisher kein Vertraue« gewinne» konnten.
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Blut, Tränen und Schweiß versprach Chur chill dem englischen Volk am Anfang des Krieges — nicht Lorbeer. Der Sieg werde errungen werden, aber es werde ein bitterer Sieg sein, so sagte General de Gaulle der französischen Nation, als er eie zum Kampf sammelte. Und sein Nachfolger Gouin sagt sich programmatisch los von „billigen Versprechungen und undurchführbaren Vorschlägen". Ist nicht etwas daraus zu lernen, daß die schließlich siegreichen Männer Arbeit, Mühe, Not und Geduld zum Inhalt ihrer Erklärungen an die Völker machten, wo das Versprechen leichten Sieges den Jubel betörbarer Massen bequem hätte aufrufen können, wie jedes laute Wort ja bei manchen den billigen Erfolg der ersten Stunde gewinnt? (Fortsetzung Seite 2)
Beschlüsse des Sicherheitsrates
London . Der Sicherheitsrat der Ver einten Nationen beschloß, die persisch-russischen Differenzen auf die Behandlungsliste zu setzen. Vorher hatte der rassische Hauptdelegierte Wyschinski betont, daß die russische Delegation die Gelegenheit hätte haben sollen, diesen Antrag zu stellen, da diese Frage nicht vor den Sicherheitsrat gehöre. Der britische Außenminister forderte eine offene und eingehende Behandlung des indonesischen und de6 griechischen Problems. Bevin fügte hinzu, die bri tische Regierung sei im Fall Griechenland in erster Linie verantwortlich, während In donesien eine Angelegenheit der holländischen Regierung sei.
Wien . Die österreichische Regierung hat den bisherigen Staatssekretär im Ministerium für Vermögen6sicherung, Ingenieur Waldbrunner, ei» führendes Mitglied der österreichischen Sozialdemokratischen Partei, zum ersten Gesandten in Moskau ernannt. Ing. Waldbrunner war während langer Jahre beruflich in der Sowjetunion tätig, beherrscht die russische Sprache und verfügt über gute Beziehungen zu russi schen Wirtschaftskreisen. Da Oesterreich besonderen Wert auf den Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen mit der Sowjet union legt, wird die Ernennung von Ing. Waldbrunner zum diplomatischen Vertreter im Kreml besonders in Wirtschaftskreisen positiv beurteilt. Die Sowjetregierung hat bereits ihr Agreement erteilt *
Generalissimus Stalin empfing 1» Anwesenheit des Außeakoauriasara Melotow de»
britischen Botschafter Sir Archibald Clark- Kerr, der, wie in London nun amtlich bestätigt worden ist, im Mai an Stelle vo» Lord Halifax auf den Botschafterposten in Washington versetzt werden wird.
Helsinki . Durch eine von der finni schen Regierung erlassene Verordnung wird das Recht der Staatsbürger auf persönliche Freiheit erheblich eingeschränkt Die Regierung wird damit ermächtigt, jeder Person, „deren Aktionen geeignet sind, die Sicherheit des Landes und die Beziehungen zu ausländischen Mächten zu gefährden", einen Zwangsaufenthalt anzuweisen, den die betreffenden ohne polizeiliche Genehmigung nicht verlassen dürfen. Die Verordnung führt auch das Recht der Verhängung von Schutzhaft ohne Einspruchsrecht des Scbutz- h&ftlinge eia.
Einschneidende Maßnahmen in Frankreich
Die neue Regierung gebildet - Verteidigung des Francs Beschränkung der Verwaltungsausgaben
Paris . Felix Gouin hat die »eue Regierung gebildet, die sich wie folgt zusammen- setzt: Ministerpräsident »ad Ministerium für die Landesverteidigung: Pqjix G o d i n (Soz.), Vizeministerpräsidenten und Minister ohne Fortefeuille: Franciegue Gay (MRP) und Maurice Thprez (kom.), Außenminister: Georges B i d a u 11 (MRP), Wirtschafts- und Finanzminister: Andnä Philip (soz.), Innenminister: Andrä Le Troquer (soz.), Justiz: Pierre-Henri Teitgea (MRP), Armee: Edmosd Michelet (MRP), Rüstungswese»: Charles Tillon (kom.), Landwirtschaft: Tanguy-Prigeat (soz.), Industrielle Produktion: Marcel Paul (kom.), Nationale Erziehung: Marcel Naegelen (soz.), Oeffent- liche Arbeiten und Transporte: Jules Modi (soz.), PTT.: Jean Letouraeau (MRP), Uebersee : Mariusl Moutet (soz.), Arbeitsminister: Ambroise Croisat (kom.), Hygiene: Robert Prigeat (MRP), Wiederaufbau: Franc ois Billoux (kom.), Kriegsopfer und ehemalige Frontkämpfer: Laurent Casanova (kom.), Versorgung: Lonchambon, Regie- rungkommissär in Lyon (parteilos ). Staatssekretär bei der Ministerpräsidentschaft, mit dem Informationswesen beauftragt, Gaston Deferre (soz.), Unterstaatssekretär im Arbeitsministerium: Patinnud (kom.) Untor- staatosokretär im Wirtschaftsministerium: Albert Gazler (soz.), Untersteatesekretär für industrielle Produktion, Abteilung Kohle: Auguste Lecoeur (kom.).
Das Kabinett umfaßt einschließlich de« Präsidenten 20 Minister, davon 7 Sozialisten, 6 Kommunisten, 6 MRP und einen Unabhängigen, ferner rin— soriaUeÜecfce»
f Staatssekretär und 2 kommunistisch«, sowie einen sozialistischen Unterstaatssekretär.
In den Schreiben an die drei Chefs der drei Hauptparteien legt Felix Gouin seinen Standpunkt zur Finanzlage dar. Er bezeichnet die Verteidigung des Francs als die dringendste Tagesaufgabe. Das von ihm aufge6tellte Problem der finanziellen Gesundung erklärt Gouin als ganz besonders entscheidend. Er sei sich der Reaktion bewußt, die in der öffentlichen Meinung zum Vorschein kommen würde, weil soit der Befreiung der Mut nicht aufgebracht worden sei, eine richtige Information zu geben.
Unter den Maßnahmen zur Beschränkung der Verwaltungsausgaben des Staates führte der neue Regierungschef an: die vorläufige Einstellung von Beförderungen von Staatsbeamten und Angestellten verstaatlichter Betriebe, die Einstellung »euer Beamten und Ahgestellten, die Aufhebung dei Altersgrenze für die Ruhestandsversetzung die massive Herabsetzung der allgemeinen Spesen der verstaatlichten Unternehmen, die Herabsetzung der Zahl der Filialen und Angestellten der verstaatlichten Banken, die Erhöhung der Transport- und Kohlentarife und die Stabilisierung der Löhne u»d Bezüge ohne Rücksicht auf bosondsre Verhältnisse. Etaschneideaste Maßnahme» müßten ferner getroffen werden in bezug auf die Preisbildung für Lebensmittel und notwendige Rohstoffe.
Der neue Regierungschef erachtet auch eine direkte Unterstellung einer Anzahl Ministerien, so der Ministerien für Landwirtschaft, für Versorgung, für Wiederauf
bau und für Industriell« Produktion unter das Finanz- und Wirtschaftsministerium als notwendig.
Der neue Regierungschef erklärte weiter, daß die Ausgaben sowohl im militärischen als auch im zivilen Teil beschnitten werden müßten. Auf militärischem Gebiet können 40 Milliarden Francs edngespart werden. Innerhalb eines Jahres werde es möglich sein, eine große Zahl militärischer Fabrikationsbetriebe für den zivilen Bedarf umzustellen. Gouin sagt, daß er die Entlassung der Jahresklasse 1943 beabsichtige und nötigenfalls auf neue Einberufungen im laufenden Jahr verzichten werde.
Gouin sagt, daß die von ihm gemachten Vorschläge hart und unpopulär seien und daß er sich keinen Illusionen hinsichtlich möglicher Rückwirkungen auf die Wahlen- hingebe. Die Stunde einer vertrauensvollen und treuen Zusammenarbeit sei gekommen. Es brauche jetzt Mut und wahren Geist dei Zusammenarbeit
Die erste Sitzung des Kabinetts
Paris . Das neue französische Kabinett trat am Sonntagvormittag unter dem Vorsitze Felix Gouins im Hotel Mätignon zu seiner erste» Sitzung zusammen Der Regierungschef legte die Grandzüge fest die in der Regierungserklärung vor der Nationalversammlung enthalten sein sollen. Es wurde über diese Frage ein lebhafter und umfassender Gedankenaustausch gepflogen. Dabei wurden vor allem Versorgungsprobleme und die Finanzfragen und die internationalen Probleme eingehend erörtert